TEST

„Hurricane“ von Stratair

Wenn Exklusivität käuflich wird


Aufballastiert, sind Streckenflüge und hohe Endgeschwindigkeiten möglich.

Kennen Sie das Logo-Team? Nein? Das ging mir bis 2003 auch so. Damals war ich noch recht neu im RC-Hangflug und das erste Mal bei der RC-Network Hangflugwoche am Hahnenmoos in der Schweiz dabei. Es war einer dieser Tage, an denen es mehr „Sögli“ (Aufwind) als „Schlürfli“ (Abwind) gab. Ich war also nach einigen, teils recht beachtlichen Sög-lis gerade gelandet und froh, dass Modell und Pilot wohlauf waren, als ich die Frage eines Schweizer Piloten hörte: „Ist der Hang frei?“ Ich verfolgte einfach mal den Blick dieses Piloten und war doch etwas irritiert. Sein Modell war sicher auf gut 600 Meter über dem Hang und somit in meinen Augen weit weg davon, mit der Hangkante etwas zu tun zu haben. Als der Pilot allerdings ein „Jawohl, kannst ruhig kommen“ vernahm, wurde das Modell in wenigen Sekunden schneller und schneller. Und bevor ich realisierte, was da gerade passierte, vollzog das Modell auf Augenhöhe eine 180-Grad-Wende mit maximal 20 Metern Durchmesser und verschwand wie- der im Orbit. „Mann, was war das denn?“, fragte ich den Kollegen neben mir, der sich ebenfalls nicht ganz sicher war, was er da gerade gesehen hatte.

„Das war der Wobbegong vom Logo-Team!“ Wobbegong? Logo-Team? Am Abend im Baulokal machte ich dann die Bekanntschaft mit Thomas Schorb. Er ist Coach der Schweizer F3B-Nationalmannschaft und Mitglied des Logo-Teams: Das Team ist eine Gruppe von leistungsorientierten Piloten, die sich seit Mitte der 80-er Jahre ihre Modelle für den F3B-Wettbe-werbseinsatz selbst berechnen und bauen. Begonnen hat man zunächst mit Nurflügelmodellen und ab den 90er Jahren mit Leitwerksmodellen. Aus dieser Zusammenarbeit einiger Profipiloten sind so legendäre Konstruktionen wie „Gilb“, „AbArt“, „Shark“ und eben der „Wobbegong“ entstanden. Zahlreiche Erfolge in Wettbewerben lassen darauf schließen, dass der beschrittene Weg richtig war. So entwickelt der Chefdesigner Michael Wohlfahrt immer neue und weiter optimierte Modelle. Der „Shark XL“ war dann mit 4,5 Metern Spannweite das erste Modell des Logo-Teams, das über die Zusammenarbeit mit Rainer Stratberger, Inhaber des österreichischen Versenders Stratair (www.stratair.com) käuflich zu erwerben war. Der zweite Spross dieser fruchtbaren Zusammenarbeit ist das F3K-Modell „Steigeisen“, einem Abräumer in der aktuellen F3K-Wettbewerbsszene.

Seit jenem Tag am Schweizer Hahnenmoos beobachtete ich also die Aktivitäten des Logo-Teams und wollte mir immer mal ein derart exklusives und hochwertiges Modell gönnen. Als das Logo-Team jetzt ankündigte, mit dem „Hurricane“ ein erstes F3B-Modell kommerziell auf den Markt zu bringen, das die gesammelten Erfahrungen aller Wettbewerbserfolge darstellen sollte, wurde ich doch ziemlich unruhig.

Nun, ich bin kein F3B-Wettbewerbspilot, schätze aber die Konstruktionsdetails dieser Wettbewerbsklasse: Modelle, die dort fliegen, müssen schnell sein, wendig und auch sehr gut in der Thermik steigen. Zudem darf ein Pilot in einer Runde sein Modell nicht wechseln und daher wird immer versucht, den Sportgeräten größtmögliche Robustheit mit einzubauen. Nicht umsonst versuchen viele Hersteller ihren Modellen mit dem Zusatz „F3B“ besondere Eigenschaften zuzuschreiben. Leider sind viele dieser Modelle nicht in der Lage einen ernsthaften Wettbewerb zu überstehen.

Der „Hurricane“ sollte bald erscheinen und es war für mich Zeit, mit Michael Wohlfahrt Kontakt aufzunehmen. Und tatsächlich, die ersten Serienmodelle waren schon verfügbar und ich konnte meine Bestellung platzieren. Der verlangte Preis von 1.695,- Euro für das Modell ist zunächst wahrlich kein Schnäppchen. Wenn man sich aber mit den Details beschäftigt, erscheint der Preis in einem anderen Licht: So ist die Standardversion schon in Doppel-Kohle ausgeführt und auch die verwendeten CFK-Fasern für Holm und Rumpf sind mit das Edelste, was es zu kaufen gibt. Als ich dann das Modell zu Hause hatte war ich endgültig überzeugt, dass das Geld nicht in die Taschen des Logo-Teams fließt sondern zum größten Teil zum Lieferanten der Kohle: Alleine der Rumpf hat drei verschiedene Arten CFK verbaut und ist mit 205 Gramm Leergewicht steifer als alle anderen Rümpfe, die ich bis dahin in Händen hielt – und das waren schon einige! Der Flügel steht dem in nichts nach: bockhart und mit 622 Gramm samt Servos und RDS-System auch den leichteren seiner Art zuzuordnen. Apropos RDS: Ich habe mir den Luxus gegönnt für 195,- Euro Aufpreis das RDS fertig einbauen zu lassen. Damit kam der Flügel fix und fertig bei mir an, ich musste lediglich noch die in individuellen Formen hergestellten Servoabdeckungen mit dünnem Doppelklebeband endgültig fixieren. Das verwendete RDS-System lässt sich sogar nachträglich noch jederzeit ausbauen, verstellen und gegebenenfalls auch erneuern. Das half mir, als ich die Nulllage der Servos meinen Vorlieben und dem Futaba-System entsprechend anpassen wollte.

Nun also zum Rumpfausbau: Dieser ist nicht sonderlich schwierig, aber es will jeder Schritt überlegt sein, da der Rumpf wirklich um die Komponenten herum konstruiert wurde. Das vorbereitete Servobrett passte auf Anhieb und ließ sich den Bedürfnissen der Servos entsprechend verschieben. Die Ausschnitte im Brett waren passend für ein Futaba-„S-9551“ auf dem Höhenruder und ein Futaba-„S-3156“ auf dem Seitenruder. Mangels sofortiger Lieferfähigkeit setzte ich auf dem Seitenruder ein Graupner-„C-271MG“ ein. An diesem Servo nervt mich allerdings, dass es bei Stromkontakt ohne Empfang immer erst mal aus der Mitte fährt, während ich bei den Futaba-Servos hier völlige Gelassenheit gewohnt bin. Alles kein Beinbruch, die Servos passen, auch wenn das dicke Höhenruder Servo unten an den Ecken etwas angeschliffen werden musste, um es für die Aufstecknase tief genug im Rumpf unterzubringen. Wer auf diese Maßarbeit keine Lust hat, kann sicher auch mit ei-nem kleineren Servotypen glücklich werden. Vor die Servos habe ich dann den Futaba-„R-6008“-Empfänger gesetzt und davor einen fünfzelligen „Eneloop“-Empfängerakku. Achtung, hier geht es noch einmal extrem eng zu, vor allem wenn dann noch so um die 50 bis 60 Gramm Blei eingebaut werden müssen. Ich hatte zunächst die Hoffnung einen kleinen 2s-LiPo dort unterzubringen – was mir aber nicht gelang. Die „Eneloop“-Akkus machen bisher aber auch eine gute Figur. Der Kabelbaum für die Flächenservos lag ebenfalls fertig bei und passte auf Anhieb perfekt. Um Höhen- und Seitenruder endgültig anzulenken, mussten noch M2-Gabelköpfe mit „UHU Endfest 300“ auf Vierkant-Kohlestäbe geklebt werden. Das Geniale daran ist, dass durch den Vierkant der Gabelkopf in Ruhe aufgeschraubt und ausjustiert werden kann und erst dann das Harz aufgetragen wird. Das Seitenruder erhielt hinten noch ein Ruderhorn. Hier passte das beiliegende Teil auch auf Anhieb. Eng wurde es dann jedoch an der am Rumpf angeformten Hutze. Hier wollte der Gabelkopf einfach nicht passen. Da half es auch nicht, die Hutze innen auszufeilen und ich beschloss kurzerhand dem Gabelkopf links und rechts etwas Material weg zu feilen. Damit lief alles perfekt!

Das war es dann auch schon. Etwas verdutzt über die schnelle Fertigstellung machte ich mich daran die Rudereinstellungen vorzunehmen. Mal ehrlich: Als Normalpilot denkt man doch gar nicht daran die Einstellungen je nach Flugphase um einen halben Millimeter differieren zu lassen. Wer sich jedoch die Arbeit macht, bekommt auf Anhieb einen fast perfekt eingestellten „Hurricane“. Eine auf Graupners „MC-24“ abgestimmte Wertetabelle (steht auch zum Download auf www.AUFWIND-media.de bereit) erleichterte den Erst-Setup erheblich und mit einem auf 91 Millimeter eingestellten Schwerpunkt und sagenhaften 1.980 Gramm Fluggewicht ging es zum Erstflug.

Wer ein solches Modell erwirbt erwartet nicht wirklich Überraschungen zum Erstflug, ich meine, immerhin hat der „Hurricane“ schon die ersten Wettbewerbserfolge erflogen und alle Einstellungen sind soweit erprobt, dass mein Puls beim Erstflug in etwa dem Wert nach einer Knolle Knoblauch entsprach. Es stand eh wieder ein Wochenende in den Italienischen Bergen an und so durfte der „Hurricane“ hier seine Unschuld verlieren. Also raus damit: Da die Bedingungen noch nicht wirklich prächtig waren, schoss ich den „Hurricane“ mit einem Flitschengummi auf sichere knappe 50 Meter Höhe um genug Zeit zur Aufwindsuche zu haben. Und nach etwas Tiefenrudertrimmung lief er schon prima an der Hangkante entlang. Den wirklich mäßigen Aufwind nahm das Modell direkt gut an und glitt „gefühlt ewig“ ohne Höhe zu verlieren. Während meine Kollegen noch die elektrischen Megaleichtgeräte pilotierten, kristallisierte sich der „Hurricane“ als echter Thermikschleicher heraus: Er dreht schön in der Thermik und ist extrem wendig. Auch, wenn man ihn mal wirklich in eine schnelle Wende schickt, verliert er kaum Höhe oder Schwung. Da scheint in der Tat eine harmonische Auslegung am Start.

Dann wurde der Wind stärker und ich schraubte den „Hurricane“, seinem Namensvetter entsprechend, ordentlich in die Höhe. „Ahh, endlich!“, dachte ich mir und hatte den „Wobbegong“ in Gedanken, als ich bei circa 300 Meter Höhe das Tiefenruder durchdrückte. Recht schnell kam der „Hur- ricane“ zum Rechtecklooping; ohne einen Zentimeter Durchbiegung ging er um die Ecken. Na ja, die absolute Erfüllung war das noch nicht, für das aktuelle Fluggewicht aber schon sehr gut. Also landen zum Messingballast einladen. Die Landung war entspannt: Trotz RDS gehen die Wölbklappen im Butterfly wunderbar nach unten und hätte ich den „Hurricane“ schon länger, wäre eine Landung in der Hand das ultimative Erlebnis an dieser Stelle. Okay, jetzt aber schnell den Flügel ab und rein mit den Gewichten. Für den ersten Moment nehme ich mal ein großes Messing- und das große Kunststoffteil je Flügel. Damit erreichte ich ein Abfluggewicht von 2.600 Gramm. Maximal lässt sich der „Hurricane“ auf 3.650 Gramm aufrüsten. Das sind dann Werte, wie sie aktuell im Speedflug bei F3B gefordert sind. Also schnell wieder unter die mittlerweile bestgelaunte Mannschaft mischen und raus: Der „Hurricane“ hatte nichts von seiner Leistung eingebüßt, stieg fantastisch im Aufwind weg und bot sich schon nach drei Minuten für den nächsten Rechtecklooping an. Leider war jetzt die Hangkante recht eng besiedelt und meine Kollegen wurden nicht müde „von reeechts…“ zu rufen – bei uns mittlerweile mehr ein Schlachtruf, als eine Ankündigung.

Genug jetzt, ich muss hier mit machen: Ein kurzes, scharfes „Von rechts!“ machte mir dann die Kante frei und aus gut 400 Metern Überhöhung kam der „Hurricane“, diesmal deutlich schneller, zur Kante. Mittig vor meinen Augen, rief ich laut „Doch nicht!“ und riss das Modell in einem extrem engen halben Looping auf den Rücken und schoss wieder nach hinten davon. „Yes!“ – das war doch mal eine echte Nummer. Mann, machte der „Hurricane“ Laune! Der zusätzliche Ballast machte sich extrem gut und bei zwischendrin nachlassendem Aufwind hatte ich nicht das Gefühl eine Bleiente zu fliegen. Im Gegenteil, ich frage mich gerade, warum man das Modell nur so leicht bauen muss.

Das allerdings merkte ich eine Woche später, als ich abends noch gemütlich mit dem Gummi einige langsame Runden drehte. Hier spielte das niedrige Gewicht dann wieder voll zu meinem Vorteil: Bei ruhiger und gleichmäßiger Abendthermik kreiste ich schön und grübelte darüber nach, das Modell in der nächsten Saison mal in einem F3B-A Wettbewerb zu fliegen. Die zehn Minuten samt Punktlandung sollten damit kein größeres Problem sein.

Lohnt es sich nun für einen Freizeitpiloten, ein solches Modell zu fliegen? Es hängt natürlich davon ab, ob man sich den „Hurricane“ leisten kann oder will. Fliegt man ihn, dann wird man keinen der Euros bereuen. Das Modell kann einfach alles immer noch etwas besser, schneller, leichter als andere und mit seinen Abmessungen ist er für mich mittlerweile eines meiner meistgeflogenen Modelle. Gäbe es jetzt noch einen Elektrorumpf, wäre es sicher eine unschlagbare „immer dabei“-Waffe. Wie gut, dass Stratair diesen bereits für Mitte 2011 angekündigt hat. Und raten Sie mal, wer schon auf der Warteliste steht...

Darius Mahmoudi
Fotos: Mike Kriegel, Leonhard Axtner



Der „Hurricane“ des Logo-Teams ist ein Hochleistungsmodell für das aktuelle F3B-Reglement.


Die edlen Oberflächen sind perfekt verpackt und geschützt.


Die schlanke Silhouette verschwindet fast im kurzen Gras.


Die Gleitleistungen des Modlels sind immens. Unballastiert kommen sie einem Thermiskchleicher nahe.


Aufballastiert, sind Streckenflüge und hohe Endgeschwindigkeiten möglich.


Noch einmal die schlanke Silhouette des „Hurricane“ – perfekt abgelichtet im Landeanflug in den italienischen Bergen.


„Thumbs up!“ für ein tolles Hochleistungsmodell, das auch dem Freizeitpiloten völlig neue Erlebnisse garantiert.


Erfolgreich eingesetzt wurde der „Hurricane“ auch im FD3B-Wettbewerbseinsatz.


Technische Daten



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