REPORTAGE

Die Notter-Twins

Der Umstieg auf Hacker-Außenläufer


"Schönheit sucht zuverlässigen Antrieb", dieser Auftrag wurde dank Rainer Hacker erfolgreich erfüllt.

In AUFWIND 1/2011 wurde abschließend über den Aufbau der "Windex 1200C"-Modelle berichtet. Wirklich abschließend? Nein, denn seitdem ist noch einiges passiert!

Nach mehreren Problemen mit unseren hochdrehenden Innenläufern und einigen kritischen Flugsituationen durch plötzliche Motorabsteller, musste etwas passieren. Der Motortyp war unseren Anforderungen im praktischen Betrieb nicht gewachsen. Da haben sich beide übernommen: Wir haben auf Sicherheitsreserven verzichtet und der Hersteller hatte etwas zu viel Vertrauen in den neuen Motor. Kontronik hat ihn inzwischen nach einigen Verbesserungsversuchen auch komplett aus dem Programm genommen - das nenne ich konsequent. Wir sind keine Motorenexperten, aber es scheint auch mit dem Teillastbetrieb zusammenzuhängen, in dem wohl Wirkungsgrad und Kühlung schlechter werden. Zwei unserer Motoren starben im sehr gemäßigten Halbgas-Bereich.

Also suchten wir den Markt nach Alternativen ab. Diesmal sollten es Außenläufer sein, die ich gefühlsmäßig für robuster halte. Zumindest sind die hohen Motordrehzahlen und das hochbelastete Getriebe eliminiert. Das etwas höhere Gewicht erschien uns nach den Flugerfahrungen mit unseren "Windex"-Modellen nicht mehr als ein so großes Problem, wie ursprünglich gedacht. Das Modellgewicht ist mit unter zehn Kilogramm noch sehr im Rahmen. Das bringen durchaus auch schon kleinere Kunstflugsegler ohne Antrieb auf die Waage. Und auch die Außenläufer wurden leichter. Hatten wir vor zwei Jahren noch mit 200 Gramm mehr gerechnet, sind es nun nur noch abgemagerte 52.

Schnell erkannten wir aber, dass geeignete Varianten unter Beibehaltung des restlichen Setups (9s-LiPo, "Jive 60+HV"-Regler) dünn gesät sind. Vor allem die maximal mögliche Luftschraubengröße von 17 Zoll schränkte sehr ein. Um genügend Leistung abzugeben, muss diese 7.000 bis 7.500 Umdrehungen/Minute drehen. Wir benötigten also eine relativ kleine Drehzahl/Volt-Größe. Die Motorgondeln würden bis 70 Millimeter Motordurchmesser aufnehmen - die Montageluke aber nur 50 Millimeter.

Fündig geworden sind wir - auch durch die prompten und kompetenten Antworten auf unsere Rückfragen - bei Rainer Hacker: Der "langsamste" der "A50"-Motorenserie wurde ausgewählt: "A50-16 L V2".

Hier die technischen Daten der Motoren im Vergleich:

Motortyp: Hacker A50-16 L V2/Kontronik Kira 650-15
Antriebsart: Direkt/Getriebe 6,7:1
Leistung max.: 1.650 W (15 Sek.)/1.200 W (Dauer)
Drehzahl pro Volt: 272 U/min/224 U/min
Gewicht: 439 g/387 g
Durchmesser: 48,8 mm/36 mm
Länge 62 mm/72,5 mm + Getr.

Die Tatsache, dass Motoren der "A50"-Reihe massenhaft und problemlos in Sebart-Modellen betrieben werden steigerte unsere angeschlagene Zuver- sicht zudem. Laut "DriveCalculator" sollte der Motor bei 9s-LiPo einen 17x10-Zoll-Propeller mit 7.240 Umdrehungen/Minute drehen und dabei 1.300 Watt bei 55 Ampere abgeben.

Das müsste passen und wurde uns von Hacker in etwa bestätigt. Genügend Sicherheitsreserven für den Motor waren da auch noch drin. Und neben den elektrischen Daten waren auch die mechanischen passend: Frontmontage wie unsere bisherigen Motoren, Durchmesser passend in Einbauöffnung.

Wenige Tage nach der Bestellung lagen die neuen Kraftpakete auf der Werkbank. Positiv fiel gleich auf, dass auch massive Propellermitnehmer für Front- und Rückmontage dabei waren. Das sah schon richtig gut aus. Denn im Zubehörhandel werden oft recht fragwürdig schwache Teile angeboten, wie zum Beispiel mit M2-Madenschräubchen auf 6-mm-Wellen usw.

Die Kontronik-Motoren waren schnell ausgebaut - darin hatten wir ja schon Übung. Beim Einbau der neuen Hacker-Motoren war die größte Fummelei die Verlängerung der Kabel im Modell. Denn im Vorfeld hatten wir ja jeden Zentimeter gespart, also endeten die Kabel etwas versteckt hinten in der Motorgondel. Um dort dann die Verlängerungen anzulöten, bedurfte es einiger Tricks.

Das "freie Hängen" der Motoren ohne hintere Abstützung verlangte vorsichtshalber nach einer Lage Kohle in der Gondel-Front. Gleichzeitig wurden kleine Luft-Leitplättchen in die Kühlungshutzen geklebt, um die Frischluft direkt dem Motor zuzufächeln. Ganz einfach war das Setzen der neuen Befestigungslöcher: Dank beiliegender Bohrschablone waren die schnell verdreht zu den Alten gebohrt. Die Lage in Längsrichtung musste nicht geän- dert werden und so waren die neuen Motoren schnell eingeschraubt. Noch 50 Gramm Ausgleichsgewicht wanderten in die Modellnase - dann war der Umbau komplett.

Wie üblich war Vaters Modell das Testsystem. Beim Anrollen entstand der Verdacht, dass weniger Leistung zur Verfügung stünde - aber dann ging es vehement nach vorne. Das angenehmere Geräusch durch den Wegfall der Getriebe und die hohe Grunddrehzahl suggerierten weniger Leistung. Doch das ist definitiv nicht so. Es ist eher etwas mehr - und praktisch nur noch die Luftschraube lärmt. Hier liegt noch Optimierungs-Potenzial.

Und wie steht es im Teillastbereich? Die ersten Testflüge zeigten zumindest keine Schwächen. Da schnurrten beide "Windex" nun zahmer als so manche Schaumwaffel. Auch Sohnemann Stefan begeisterten der neue Sound und die Leistung. Fast genau ein Jahr nach dem Erstflug war es soweit: Wir drehten gemeinsam unsere Kreise. So ein Duo-Überflug in zehn Metern Abstand bringt Gänsehaut! Gemeinsam hochziehen zum Turn oder Break - einfach Spitze!

Endlich ließen sich die "Windex" auch wie Kunstflug-Motorsegler bewegen. Natürlich wird der Motor modelltypisch nur in Aufwärts-Phasen genutzt. Speeden mit Motor verbietet sich nach unserem Gefühl. Das darf und kann die "Windex" auch ohne Hacker-Kraft. Den Sohnemann reizt es dann schon mal, mit gehöriger Schräglage und reichlich Motorunterstützung das Modell "sunny-side-up" (die Oberseite zum Publikum) zu präsentieren.

Fazit: Operation gelungen! Nun können wir auch an die nächsten Schritte denken: Unsere ACT-Steuerungen bekommen die Telemetrie gespendet und die "Windex" dann auch die Stromsensoren als elektronische Tankuhren und je ein Variometer. Damit sollten unsere Maschinchen in jeder Phase ihr Potenzial voll ausspielen können. Ach ja: die Piloten fehlen immer noch.

Frank und Stefan Notter


Kraftvoll lassen sich die "Windex"-Modelle starten. Das Bugrad ist nicht Scale, erleichtert den Start aber.


Das neue Kraftpaket: Hacker-"A50-16 L V2".


So sah es noch mit dem längeren Getriebemotor aus.


Und hier werkelt der neue Hacker-Motor an seinem Platz.


Gemeinsam am Start!


Das Formationsfliegen mit den großen Modellen ist faszinierend und zudem eine echte Herausforderung.


Vater Notter trägt sein Modell zufrieden zurück, Sohn Stefan kann gar nicht genug bekommen.



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