REPORTAGE

F5B-Szene

Rückblick auf die Elektroflug-WM in Rumänien


Das deutsche F5B-Team mit den Piloten Wolf Fickenscher, Christian Ulbrich und Norbert Hübner sowie Teammanager Wolfgang Schulz

Im September fanden zum 14. Mal die Weltmeisterschaften in den Klassen F5B und F5D im rumänischen Buzau statt, rund 100 Kilometer nörd- lich von Bukarest. Das deutsche F5B-Team bestand aus den Piloten Wolf Fickenscher, Christian Ulbrich und Norbert Hübner. Teammanager Wolfgang Schulz hatte bei der Organisation im Vorfeld sowie während der ganzen Weltmeisterschaft wieder einen super Job gemacht - ein großes Dankeschön schon mal an dieser Stelle. Wolf Fickenscher ist zum dritten Mal Weltmeister der Klasse F5B geworden, die Nationalmannschaft belegte einen herausragenden zweiten Platz. Die Jungs aus dem F5D- Lager hatten dieses Jahr leider keine Mannschaft gestellt.

Wir sind am Mittwochabend im Hotel angekom-men und konnten am Donnerstag ganz entspannt das Gelände besichtigen. Am nächsten Morgen sind wir zum Fluggelände etwa 15 Kilometer außerhalb von Buzau gefahren. Dort war außer ein paar Fahrzeugen auf der Wiese noch nicht viel von einer Weltmeisterschaft zu sehen, was sich aber im Tagesverlauf ändern sollte. Wir konnten bei herrlichem Wetter und 27 Grad viele Trainingsflüge absolvieren und die Feineinstellungen vornehmen. Die Österreicher waren mit zwei Wohnmobilen angereist und haben ihr Quartier direkt am Platz bezogen. Das Pilotenlager bestand aus einer Reihe von stabilen Pavillons. Am F5D-Kurs gab es noch ein Verpflegungszelt und einen Wagen mit Pizzaofen. Das Gelände war sehr trocken, der Boden sehr hart und mit Rissen übersäht. Rumänien litt unter der schlimmsten Dürre seit 70 Jahren. Der WM-Kurs war aus meiner Sicht zwar kein Golfplatz, aber durchaus gut befliegbar.

Das fliegerische Niveau war während der gesamten Weltmeisterschaft extrem hoch und das eingesetzte Material sehr ähnlich. Annähernd alle Pilo- ten sind sehr eng und wegoptimiert geflogen. Es gab kaum jemanden, der einen weiten Flugstil hatte. Die Italiener sind im Streckenflug wahrscheinlich immer am höchsten gestiegen, waren aber trotzdem sehr schnell im Einflug. Sie konnten damit die Höhe im 6-er regelrecht abheizen. Man musste schon mindestens 48 Strecken fliegen um sich im vorderen Drittel des Teilnehmerfeldes behaupten zu können. In jedem Durchgang wurden fast 50 Strecken geflogen. Alessandro Mossa schaffte sogar einmal 52 Strecken, leider haben die Helfer einen Fehler beim Uhrenvergleich gemacht und er ist genau (!) eine Minute zu früh gelandet. Der Antrieb der italienischen Mannschaft war offensichtlich einer der effektivsten der ganzen Weltmeisterschaft.

Nach vier hart umkämpften Tagen auf sehr ho- hem Niveau sicherte sich Wolf Fickenscher nach acht Durchgängen souverän seinen dritten Weltmeistertitel. Früh setzte er sich an die Spitze des Teilnehmerfeldes und gab diese auch bis zum Schluss nicht mehr ab. Den zweiten Platz belegte Patrik Häusler (Schweiz), Dritter wurde Piermario Cavaggioni (Italien). Ich konnte bei meiner ersten Weltmeisterschaft mit konstanten Flügen auf ho-hem Niveau einen sehr guten fünften Platz erringen. Norbert Hübner, etwas vom Wetterpech ge- troffen, konnte als 22. mit jedem Start wertvolle Punkte für die Mannschaftswertung sichern. Mit 12 Punkten Vorsprung holte Italien den Mannschaftstitel. Zum ersten Mal und mit großer Freude belegten die Belgier den dritten Platz in der Teamwertung.

Es war die erste Weltmeisterschaft nach der Regeländerung: Es dürfen jetzt bis zu zehn LiPo-Zellen in Reihe geschaltet werden. Etwa die Hälfte der Piloten hatte ein Setup mit 8 bis 10s eingesetzt. Der Rest war überwiegend mit 6s-Antrieben unterwegs, und das, wie der 2. Platz von Patrik Häussler und der 4. Platz von Thomas Wäckerlin beweisen, gar nicht mal schlecht. Einige Piloten haben sehr viel Leistung durchgesetzt und sind sehr kurze Abstimmungen geflogen. Man hörte von 22 Sekunden Laufzeit für die 1.750 Wattminuten. Da wurden dann schon an die sieben Kilowatt kurzzeitig durch- gesetzt. Das bedeutet, dass ein Steigflug für sechs Strecken nicht viel länger als zwei Sekunden dauern darf und einer für vier Strecken um die 1,5 Sekunden. Solche Abstimmungen sind aber nur für sehr gutes Wetter geeignet, da meist kaum mehr als zwei bis drei Sekunden Laufzeit für die zehn Minuten Segelflug übrig bleiben. Ich bin die ganze Weltmeisterschaft mit einer eher konservativen Abstim- mung mit rund fünf Kilowatt und 28 Sekunden Laufzeit geflogen. Diese Abstimmung war sehr effizient, dabei hatte ich viel taktischen Spielraum bei relativ wenig Stress im Thermikflug.

Bei den Modellen hatten die "Avionik" von Sergey Sobakin aus Russland die Nase vorn. Die meisten Teilnehmer haben auf die Modellvariante B10 gesetzt. Sergey hatte einige Exemplare der neusten Version B12 gebaut. Das russische Team und Steve Neu aus den USA haben dieses Modell eingesetzt. Während sich die Varianten der letzten Jahre insbesondere am Flügel nur wenig unterschieden, ist der Neue nun radikal anders: Der Flügel hat deutlich mehr Streckung, ein sehr dünnes Profil und leicht nach hinten gezogene Randbögen. Der neue Rumpf wurde komplett für die Verwendung von 8s- bis 10s-LiPo mit zwei einzelnen Packs optimiert. Er ist sehr eng geschnitten und wurde noch mal länger als schon der B10-Rumpf! Das neue Leitwerk war allerdings noch nicht komplett. Es wird wohl ein Pendel-T-Leitwerk mit Schaumkern. Sergey hat im Rumpf neue Kohlefasern ausprobiert, doch wie er selber sagt, nur als Experiment. Im Verlauf der Weltmeisterschaft war an jeder B12 der Rumpf ab. In der laufenden Serie wird dieses Problem aber sicher behoben sein. Die aktuellen "Avionik" sind ja sehr robust und können bei der Landung auch mal ein wenig härter ran genommen werden, ohne Schaden zu nehmen.

Auch drei "Raketenwurm" der vierten Generation waren am Start. Rudi Freudenthaler hat die bewährte "Surprise 16" eingesetzt. Die Japaner haben als einziges Team geschlossen auf ihre bewährte Eigenkonstruktion "FlipFlop" gesetzt. Das Modell ist sehr gut gebaut und durchaus konkurrenzfähig: Ogawa Kazunori ist damit 49 Strecken geflogen.

Bei den Antrieben hat das Team Germany wieder geschlossen auf Plettenberg Elektromotoren gesetzt: Wolf Fickenscher hat einen "HP 220/40 A1 P6 EVO" mit 8s-LiPo (2.200 mAh, SLS APL 45C) eingesetzt. Norbert Hübner und ich haben den "HP 220/30 A2 P6 5:1" mit 9s-LiPo (1.800 mAh, SLS APL), beziehungsweise 10s-LiPo (Wellpower, 1.800 mAh, 45C) verwendet. Ich habe dazu einen 17x20-Zoll-Eigenbaupropeller eingesetzt. Der Antrieb ist damit in der Lage, den Propeller beim Einflug in die Strecke mit fast 10.000 Umdrehungen zu drehen. Der Motor ist vor allem in Relation zum Gewicht (305 Gramm) sehr effizient. Das 5:1-Getriebe macht den Motor extrem robust und das Ganze hat einen angenehmen Klang. Der größere Motor mit 40 Millimetern Magnetlänge ist in der Lage einen größeren Propeller zu drehen und es kann noch etwas mehr Leistung durchgesetzt werden. Er wiegt dann aber auch 380 Gramm.

Die Motoren von Steve Neu (USA) waren in verschiedenen Größen vom "1512" bis zum "1518" am meisten vertreten. Insbesondere die großen Varianten "1515" und "1518" sind allerdings sehr schwer und wiegen um die 500 Gramm! Ob der Gewichtsnachteil den, wenn überhaupt vorhandenen, Wirkungsgradvorteil aufwiegt, ist derzeit noch nicht geklärt und konnte auch auf der Weltmeisterschaft nicht bestätigt werden. Die Italiener haben eigene Motoren eingesetzt. Details sind aber nicht bekannt, es sind aber wahrscheinlich modifizierte Neu Motoren.

Bei den eingesetzten Reglern waren viele "YGE 200HV FAI" und "Castle ICE 200" vertreten. Unsere Plettenberg-Motoren liefen wieder sehr zuverlässig und auch der YGE-Regler hat einen perfekten Job abgeliefert. Wir hatten während der Weltmeisterschaft und auch während der aufwändigen Vorbereitung keinen einzigen Defekt an Motoren oder Reglern zu beklagen. Dies spricht für eine sehr hohe Qualität. Wir haben - bis auf den Propeller - nur käufliches Serienmaterial eingesetzt. Man kann derzeit also auch ohne aufwändige Eigenbauten sehr erfolgreich F5B fliegen.

Bei den Propellern wurden die verschiedenen Varianten von Sergey Sobakin (Russland) am meisten eingesetzt. Es gab auch diverse Eigenbauten zu beobachten, allen voran der Sägezahnpropeller der Japaner. Der sieht sehr interessant aus, hat aber nach eigener Aussage keine Vorteile. Er besitzt wohl aber auch keine signifikanten Nachteile. Die Modelle müssen sehr schnell beschleunigen. Aus diesem Grund wurden nahezu ausschließlich große Propeller mit mindestens 17 Zoll Durchmesser und entsprechenden Steigungen von 19 bis 23 Zoll bevorzugt.

Bei den Limitern waren die "Unilog 1" und "Unilog 2" von Stefan Merz das Maß der Dinge. Vereinzelt wurden auch die Limiter von Steve Neu eingesetzt, die aber keinen Datenspeicher besitzen und somit keine Auswertung der Flugdaten ermöglichen. Alle Piloten flogen mit 2,4-GHz-Anlagen, eine große Erleichterung für den Veranstalter, da er kein Senderdepot mehr benötigt und die Piloten jederzeit am Modell arbeiten und Programmierungen anpassen können.

Trotz ausgereifter Technik waren einige Modellverluste zu beklagen. Der Japaner Ogawa Kanzunori beispielsweise ist nach seinem 49-Strecken- Flug sehr spektakulär an der B-Linie eingeschlagen. Er wollte die letzte Strecke unbedingt noch bekommen und ist in Ameisenkniehöhe nach hinten geflogen. Leider hat er dann wohl trotzdem noch mal ein wenig gedrückt und lag fünf Meter hinter der B-Linie. Und Sergey Sobakin hatte vergessen den Flächenstecker einzustecken und ist direkt an der A Linie abgestürzt.

Insgesamt gesehen war es eine erfolgreiche und schöne Weltmeisterschaft mit einem fantastischen Team in Rumänien. Der Veranstalter hatte alles gut im Griff und mit Emil Giezendanner einen erfahrenen Wettbewerbsleiter an Bord. Für mich war es die erste Weltmeisterschaft und ich kann eine durch-weg positive Bilanz ziehen. Die Verpflegung und Organisation am Platz war sehr gut. Bei einer Welt-meisterschaft dieser Art kann man sehr viele Erfahrungen sammeln und viele sehr nette Leute aus der ganzen Welt treffen.

Ab 2013 kann, wenn die Messeinrichtung vom Veranstalter gestellt wird, für die Kontrolle der verbrauchten Energie ein Telemetrie-System eingesetzt werden. Das Energielimit fällt dann weg, es gibt nur Punktabzug, wenn über 1.750 Wattminuten verbraucht werden. Steve Neu hat während der Weltmeisterschaft einen Demoflug seines Telemetrie-Systems gemacht. Dabei wird die verbrauchte Energie in Echtzeit über einen 433-MHz-Sender direkt zur Messanlage gesendet und kann auf einem Display angezeigt werden. Man kann also sehen, wie viel Energie verbraucht wurde und ob es zum Punktabzug kommt. Das System muss dann von jedem Piloten vor dem Start eingebaut werden und wird nach dem Flug zurückgegeben. Wird kein Telemetrie-System vom Veranstalter gestellt, wird nach den bisherigen Regeln geflogen.

Christian Ulbrich
Bilder: Christian Ulbrich, Wolfgang Schulz


Den Propellern wurde viel Aufmerksamkeit gewidmet. Hier ein typischer Eigenbaupropeller (oben) und eine Konstruktion von Sergey Sobakin aus Russland


Das "Japanmesser": Echte Vorteile durch die Sägezahnform waren nicht erkennbar


Verschiedene der eingesetzten Flugakkus (von oben): 4s-LiPo und 5s-LiPo mit 1.800 Milliamperestunden für 9s- und 10s-Packs. Unten ein typischer 6s-Pack


Eng geht's zu, hier mit einem 9s-LiPo 1.800 mAh im "Avionik B10"


Die Plettenberg-"EVO"-Motoren waren für das deutsche Team das Maß der Dinge


Ein kompletter 9s-Antriebsstrang auf einem Blick. Das muss alles rein in den optimierten Rumpf


Auf diesem Schnappschuss wird der rissige und unebene rumänische Boden deutlich


Ein Log von einem Steigflug mit Plettenberg-Motor "HP 220/30 A2P6 5:1" mit "YGE 200 HV FAI"-Regler und 9s-LiPo SLS APL 45C mit 1.800 Milliamperestunden


Die eingesetzten Logger "Unilog 1", "Unilog 2" und der Logger von Steve Neu



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