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"Tomcat" von EMC-Vega

"Tomcat" von EMC-Vega


2,6 Meter rote Segelflugleistung - das bietet der "Tomcat" von EMC-Vega

Für die Amerikaner ist ein "Tomcat" ein Schürzenjäger, für andere einfach ein Kater. Wer aber vermutet bei diesem Namen einen Hangflitzer? Wahrscheinlich hatten auch Sie schon einmal das Gefühl, nicht das optimale Modell für den Hang dabei zu haben? So ging es mir an jenem Tag im Sommer 2012. Unsere Hänge in der Hauptstadt wachsen immer mehr zu, sodass es inzwischen schwierig ist, ein schnelles Modell mit F3B/F3F-Ambitionen zu scheuchen. Am heimischen Rechner machte ich mich also auf die Suche nach einer "eierlegenden Wollmilchsau". Dass es solch einen Flieger eben nicht gibt, wusste ich selbst. Dennoch wollte ich ein Modell zwischen 2,5 und 2,8 Metern Spannweite. Es sollte möglichst schnell fliegen, sich gut gegen Wind durchsetzen und wendig sein. Die Idee war, ein Modell für alle Gelegenheiten anzuschaffen, das somit allzeit bereit ist. Wenn der Blick aus dem Fenster zeigt, dass alles passt, ab ins Auto und nach der Arbeit noch ein paar Stunden am Hang genießen.

Dann las ich in AUFWIND die Werbung von EMC-Vega. Auf der Homepage war der "Tomcat" leider noch sehr sparsam beschrieben: 2,6 Meter Spannweite und "sauschnell". Kurzerhand griff ich zum Telefon und rief EMC-Chef Heinz-Bernd Einck an. Nach einem kurzen und informationsreichen Gespräch nahm er meine Bestellung auf. Dazu gehörten auch die neuen preisgünstigen Digital-Servos der Hausmarke KST mit Metallgetriebe. Diese Servos werden in einem edlen Vollaluminiumgehäuse und passend zu den Servorahmen des "Tomcat" geliefert. Als zusätzliche Option bestellte ich auch die Schutztaschen aus aluminisiertem Gewebe und innenliegendem Schaumvlies sowie den bereits konfektionierten Kabelbaum mit verdrilltem Kabel, MPX-Hochstromsteckern und Universalbuchsen, beziehungsweise -steckern.

Das Modell kam "sauschnell", sehr ordentlich verpackt und unversehrt bei mir zu Hause an. Aufgefallen sind sofort die schlanken Tragflächen und der noch schlankere Rumpf. Das Zubehör war sauber gefertigt, es war alles da was benötigt wird um den "Tomcat" zum Fliegen zu bringen. Zum Lieferumfang gehörte außerdem eine allgemeine Bau- und Einstellanleitung mit den wichtigsten Daten und einer guten Einfluganleitung. Auch das Leergewicht des Modells ließ auf ein sehr großes Einsatzspektrum hoffen.

Zunächst machte mir der Rumpf etwas Angst, ich sah mich schon nach dem Erstflug in der Werkstatt sitzen. Erwartet hatte ich ein relativ hohes Gewicht, da der Rumpf auch für den Hangeinsatz eine gewisse Steifigkeit vorweisen sollte. Was dann jedoch geliefert wurde, war echte Klasse: Der Rumpf hatte zwar minimale Macken, jedoch war das Gewicht in Relation zur Steifigkeit sehr gut. Vorne war das Rumpfboot durch den Einsatz von Glas- und Kevlargewebe 2,4-GHz-freundlich. Ab dem Tragflügelansatz kam 160-g/qm-Kohlegewebe zum Einsatz, was das niedrige Gewicht und die hohe Steifigkeit, ideal für schnelle Wenden, erklärt. Im Vergleich fühlten sich die Tragflächen deutlich schwerer an, waren aber sehr sauber gefertigt und sehr steif. Das ist verständlich bei einer Schale aus 160-g/qm-Carbonaußenlage, 1-mm-Balsastützstofflage und 80-g/qm-Glasinnenlage. Die Servopositionen sind innen noch mit einer Extralage Carbon verstärkt und der Holm ist als Doppelstegholm aufgebaut. Beim genauen Hinsehen fiel mir auf, dass die Dichtlippen nicht aus GFK, sondern aus einem Epoxyd-Microballongemisch gefertigt waren. Diese sind ausreichend für circa 50 Grad weite Ausschlä-ge. Durch das etwas dehnbarere Material blieb die Wölbklappe jedoch schon beim ersten Versuch, sie weiter nach unten zu bewegen, hängen. In der Anleitung gibt es dazu einen Hinweis, den ich gern kommentieren möchte. Es ist wohl richtig, dass jedes Modell ein Unikat darstellt, aber es ist eben eine Serienfertigung und bestimmte Dinge sollten auch dort einfach funktionieren. Mit einem Klebebandstreifen konnte Abhilfe geschaffen werden.

Der Bau des Modells ging dann sehr schnell voran und war schon nach zwei Abenden und einer Flasche trockenem Weißwein geschafft. Der Rumpfausbau wirkt komplizierter als er wirklich ist. Die von EMC-Vega mitgelieferten Servos passen perfekt in den Holzrahmen und weisen keinerlei Spiel auf. Zwei Kleinigkeiten fielen beim Bau auf: Zum einen die Servorahmen der Querruderservos, die ursprünglich für Hitec-"HS-125" vorgesehen waren. Wegen des sehr dünnen Flächenprofils passen die Servorahmen zu den KST-"DS-135" nur nach einiger Nacharbeit. Da das Servo nur zehn Millimeter dünn ist, musste ich rund einen Millimeter der Servorahmen schräg abschleifen, damit die Servoabdeckung später eine Chance hat bündig mit der Flügelunterseite abzuschließen. Hier hätte ich mir dünnere Servorahmen gewünscht. Zum anderen waren die Abdeckungen der vier Flächenservos zwar mit zwei Lagen Gewebe sehr stabil, aber auch etwas dick geraten, sodass ein absolut glatter Übergang zur Flächenunterseite etwas Nacharbeit bedurfte. Nach einigen Minuten der Schleif- und Passarbeit war alles behoben und das Modell schnell fertiggestellt.

Der "Tomcat" war also komplett, die Vorfreude groß und es gab einen passenden Tag für den Erstflug: Der Wind stand mit drei Windstärken genau am Hang. Nach kurzer Überprüfung der Servofunktionen ging es in Richtung Kante. Aufgeregt und voller Freude schmiss ich das Modell vom Hang und war zunächst angenehm überrascht. Denn der "Tomcat" nahm sofort Fahrt auf und reagierte feinfühlig auf meine Steuerbewegungen. Mit kurzen Eingriffen flog ich das Modell zu seinem ersten Turn. Ich hatte ein breites Grinsen im Gesicht und war erstaunt, wie viel Energie der "Tomcat" speicherte und umsetzen konnte. Es ging gleich hoch hinaus! Die F3F-typische Kurve meisterte das Modell ohne ein Schwänzeln oder Wegdrehen. Ein etwas abgenutzter Begriff, aber sehr zutreffend: Das Modell lief wie auf Schienen. Der angegebene Schwerpunkt von 91 Millimetern passte sofort und auch ein Nachtrimmen war nicht mehr nötig. Mit einer butterweichen Landung schloss ich diesen Erstflug ab. Ob ich jetzt aber einen flotten Schürzenjäger oder einen handzahmen Kater hatte, woll-te ich an einem stärkeren Hang ausfliegen.

14 Tage später war ich zu Gast in Fiss (Österreich). Hier sollte sich herausstellen wie stabil und thermikstark der "Tomcat" ist. Schon zum Auftakt zeigte sich sehr deutlich, was das Modell alles kann. Der erste Tag war von Böen geprägt, die den "Tomcat" allerdings völlig kalt ließen. Einzig die Landung war durch das geringe Abfluggewicht von 1.932 Gramm etwas ruppig. Der Rumpf ließ sich von den Landungen allerdings nicht beirren. Immer wieder flog der "Tomcat" durch die Böen und dann ab zum Turn oder doch mit einen halben Looping wieder gerade gedreht und mit Speed in Richtung Hang. Immer wieder konnte ich neue Energie sammeln, die der "Tomcat" in gnadenlosen Durchzug umsetzte.

Der zweite Tag entwickelte sich als undankbar für die F3F-Szene, mit kaum Wind und nur sehr schwacher Thermik. Ich sah die Witterung mehr als eine Herausforderung für den "Tomcat" an. Meine Freunde schauten mich schon ganz verdutzt an und als ich auch das von EMC-Vega mitgelieferte Bungee-Gummi ignorierte, kamen die ersten Mitleidsseufzer. Immerhin ging es direkt nach der Startstelle am Serfauser Feld etwa 500 bis 700 Meter tief in Richtung Tal. Ich nahm also das Modell und warf es kräftig ab. Der "Tomcat" hielt die Höhe und sank zunächst nicht. Eine Kurve später kamen dann die ersten Aufschreie. Etliche Meter verloren, wieder eine Kurve, weitere 20 Meter verloren. Ich flog noch weiter ins Tal hinaus, dank Thermikhilfe wa-ren die ersten 50 Meter nach circa 15 etwas weiter ausgelegten Kreisen wieder gutgemacht. Letztlich schaffte ich es den "Tomcat" mit einer sauberen Landung wieder nach Hause zu bringen. Dieses Modell macht Spaß! Kreise lassen sich einfach fliegen, wenn auch nicht sehr eng, sind aber stets sauber zu halten. Auch neigt das Modell überhaupt nicht zum Abkippen. Verrennt man sich zu sehr ins Höhenruder, schaut das Modell in den Himmel, kippt mit der Nase nach unten und nimmt sofort wieder Fahrt auf.

Die Summe dieser Eigenschaften lassen mich nun auch zum Fazit kommen: Der Zusatz "F3F" bezieht sich bei diesem Modellnamen wohl eher auf die Schnelligkeit, es hat noch ganz andere Stärken und kann als wirkliches Allround-Modell in der 2,5-m-Klasse bezeichnet werden. Wer also von den aufgezeigten Kleinigkeiten absieht und ein Modell am Hang dabei haben möchte, das in jeglicher Hinsicht einfach nur Spaß macht, ist mit dem "Tom- cat" von EMC-Vega gut bedient. Die genannten Gründe haben dazu geführt, dass ich die mittlerweile lieferbare RDS-Version schon bei mir liegen habe. Der "Tomcat" hat also einen Zwillingsbruder bekommen. Und der Namensgeber hat wohl Recht behalten: Der "Tomcat" ist zwischendurch ein absolut handzahmer und gutmütiger Kater, aber auch ein sauschneller Schürzenjäger, verführt dabei nicht nur zum Hangfräsen.

Till Maiwald, Lothar Kahlert
Bilder: Till Maiwald, Andreas Blaschke

Fakten

"Tomcat" von EMC-Vega
Ein leistungsfähiges Allroundmodell

Spannweite: 2.600 mm
Länge: 1.400 mm
Gewicht: 1.930 g
Preis: ab 699,- Euro; Bezug bei EMC-Vega, tel. 02361/491076, www.emc-vega.de.


Der "Tomcat" kommt als leistungsfähiges Allroundmodell daher und bietet auch dem erfahrenen Modellflieger ausreichend Potential für echte Flugfreude


Mit voll gesetzter "Butterfly"-Stellung kommt das Modell trotz der 1,9 Kilogramm Gewicht handzahm zur Landung rein


Am gut angeströmten Hang fühlt sich das F3F-Modell so richtig wohl


Das handliche Modell macht dem AUFWIND-Autor Spaß und wird wohl ein ständiger Begleiter in der neuen Saison werden



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2013

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