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Extra-Flugspaß

Die "Extra 300S" von Multiplex


Mit ihren 120 Zentimetern Spannweite ist die "Extra 300S" ein handliches, alltagstaugliches Kunstflugmodell

Wenn Walter Extra für jeden Modellnachbau eines seiner manntragenden Flugzeuge nur einen Euro von uns Modellpiloten bekommen hätte, wäre er heute vermutlich ähnlich wohlhabend, wie er durch den weltweiten Verkauf seiner Kunstflugmaschinen geworden ist. Es gibt sie auf dem Flugmodellbaumarkt in allen Größen, Ausführungen und Lackierungen. Kaum ein Flugzeugmuster ist in Kunstflugkreisen so populär wie die verschiedenen Typen.

Im vorliegenden Fall haben wir es mit einem weiteren Spross der Familie von Multiplex zu tun. Der Werkstoff Elapor hat in diesem Hause mittlerweile Tradition und so besteht auch die neue "Extra 300S" aus diesem Material. Allen, die jetzt schon daran denken das Weiterlesen zu beenden, weil das x-te "Styropormodell" beschrieben wird, rate ich durchzuhalten. Denn das, was die Firma Multiplex fertigungstechnisch und optisch mit dieser Extra auf die Beine gestellt hat ist bisher einzigartig. Verkauft wird das 1,2 Meter große Modell ausschließlich in der sogenannten RR-Version. Dahinter verbirgt sich neudeutsch "Ready for Radio" und bedeutet: "alles fertig - Empfänger und Akku rein - Fliegen gehen". Auch wird zur Fertigstellung dieser "Extra" kein Klebstoff benötigt und nach dem Öffnen des Kartons bis zum Einschalten des Senders vergingen nur 30 Minuten.

Nicht weiter erwähnenswert ist die vorbildliche Verpackung des Modells in einem stabilen Verkaufskarton. Hat man alle Einzelteile aus ihrer Luftpolsterfolie befreit, liegen erstklassig verarbeitete Modellteile auf dem Basteltisch. Viele Details des Originals wurden in Elapor übernommen: Lüftungsgitter, Nietenreihen und Tankstutzen sind angedeutet und tragen zur hervorragenden Optik des Modells bei. Selbst an die doppelflutige Auspuffanlage des Originals wurde gedacht. Wenn auch die Gesamtumsetzung des Vorbildes eher als Free-Scale zu bezeichnen ist, so sind die Proportionen stimmig und die Optik des Modells wesentlich näher am Original als viele andere Vertreter in unseren Modellkreisen. Kurz gesagt, das Modell sieht toll aus!

Los geht's: Das Höhenleitwerk wird mit einer Schraube mit dem Rumpf verbunden. Anschließend wird die Dämpfungsfläche des Seitenleitwerks mit den Holzzungen in die entsprechenden Schlitze im Rumpf eingeschoben und von der Rumpfseite unterhalb des Höhenleitwerks mit zwei Schrauben fixiert. Danach klickt man einfach das Seitenruder ein. Dann die vorgebogenen und abgelängten Gestänge in die Ruderhörner einhängen, durch die Verschraubungen an den Servos führen und die Madenschraube festziehen. Nun den Rumpf wenden und mit vier weiteren Schrauben das fix und fertige Aluminiumfahrwerk am Rumpf festschrauben. Zum guten Schluss montiert man noch die beiliegende Dreiblattluftschraube samt Spinner auf der Motorwelle und der Bau des Modells ist abgeschlossen. Bei einem 4s-LiPo-Akku sollte man aber darauf achten, dass er nicht viel breiter ist als 39 bis 40 Millimeter. Sonst sitzt er sehr stramm im Modell. Mein vorhandener SLS-Akku mit 43 Millimetern war zu groß und ich habe lieber auf Kapazität verzichtet und ein kleineres Exemplar besorgt. Dies kam dann auch dem Abfluggewicht zugute. Nachdem der Empfänger unterhalb der Pilotenkanzel Platz genommen hatte konnte auch der Sender eingeschaltet werden und die Programmierung beginnen.

Soweit der Aufbau. Es fällt sofort auf, dass Multiplex offensichtlich das Herstellungsverfahren der Elaporteile optimiert und enorm verbessert hat. Die ursprünglich vorhandene styropormäßige Oberflächenstruktur ist wesentlich hochwertiger geworden. Fast glatt und geschlossen- zellig kommen auch kleinste Anformungen deutlich heraus. Kam noch vor kurzem Farbe durch großflächige Aufkleber ans Modell, ist die "Extra" lackiert. Die Lackierkanten sind sauber und scharfkantig. Bei der üblichen Oberflächenstruktur wäre das unmöglich. Nur der schmale Silberstreifen wird aufgeklebt. Außerdem fällt die Anschlagart der Ruder ins Auge. Diese sind alle perfekt und aerodynamisch sehr unauffällig in Hohlkehle ausgeführt und bewegen sich vollkommen widerstands- frei. Dazu gesellen sich spielfreie und starke, feinauflösende Servos. So ist eine exakte Steuerung und hundertprozentige Rückkehr in die Nulllage der Ruder gewährleistet.

Erst auf den zweiten Blick war mir die Bauart der Tragflächen klar. Diese sind nicht aus Vollmaterial sondern zweiteilig extrudiert und hohl. Ohne genau hineinschauen zu können, scheint es einen massiven Holmbereich und eine Art Rippenstruktur im hinteren Bereich der Tragflächen zu geben. Daraus resultiert eine hohe Steifigkeit und Torsionsfestigkeit bei gleichzeitig minimiertem Gewicht. Die Tragflächenhälften werden mit einem 8-mm-CFK-Rohr verbunden, das auch die Hauptbiegekräfte aufnimmt. Die Hälften werden in passgenaue Taschen im Rumpf eingeschoben und werden von oben durch die Serviceöffnung im Rumpf mit langen Schrauben gegen ein Herausrutschen gesichert.

Waren die bisherigen Elapormodelle von Multiplex schon durchweg gut durchdacht, ist diese "Extra" noch mindestens eine Evolutionsstufe weiter, was Verarbeitungsqualität und Detaillösungen angeht.

Widmen wir uns nun ein wenig der Technik des Modells. Hinter der mit kleinen Magneten gehaltenen Motorverkleidung werkelt ein "Permax BL-O 3720-630"-Außenläufer mit 35 Millimetern Durchmesser und sehr niedriger spezifischer Drehzahl. Diese ist auch notwendig, um an einem 4s-LiPo-Akku die 12x8-Zoll-Dreiblattluftschraube Stromorgien in Rotation zu versetzen. Die Schaltzentrale ist ein "Multicont BL-50"-Brushlessreg- ler ohne genauere Bezeichnung mit immerhin 50 Ampere Dauerstrombelastbarkeit. Eine eigene Messung von Drehzahl und Standstrom ergab 41,8 Ampere Standstrom und 7.420 Umdrehungen/Minute.

Der Schwerpunkt wird bequem durch Verschieben des Flugakkus eingestellt. Mit meinem 2.450-mAh-Akku ergab sich ein Gesamtfluggewicht von 1.422 Gramm. Multiplex gibt mit dem firmeneigenen "Li-Batt"- Akku mit 2.650 Milliamperestunden 1.450 Gramm an - das passt sehr gut!

Anfängliche Bedenken, dass das Modell wegen der kleinen Räder Startprobleme auf Rasen haben könnte verflogen sofort. Mit gezogenem Höhenruder beschleunigte die Extra zügig und hob nach kurzer Startstrecke flach ab. Leistung war reichlich vorhanden. Offensichtlich aber lag mein Akku noch etwas zu weit vorne, denn ich musste deutlich Höhe trimmen um einen ordentlichen Neutralflug zu machen. Zur ersten Landung offenbarte sich sofort eine typische Eigenart des Dreiblattpropellers: die Bremswirkung ist enorm! Und da am Regler keine Bremse programmiert war blieb das Modell im Landeanflug ohne Schleppgas durch die mitdrehende Luftschraube fast stehen. Beim Aufsetzen im Gras zeigte sich dann aber doch der Grenzbereich der kleinen Bereifung. Es folgte eine Verneigung des Modells - es passierte aber nichts. Diese Tendenz ist übrigens leicht entschärfbar, wenn man mit höherer Geschwindigkeit anfliegt, so dass das Höhenruder noch Wirkung hat und die Dreipunktlandung gewählt wird.

Nachdem ich den Flugakku um 20 Millimeter weiter Richtung Heck verschoben hatte, konnte die Höhenrudertrimmung wieder auf Null zurückgesetzt werden. Damit lag mein erflogener Schwerpunkt nun bei 98 Millimetern.

Und wie fliegt die "Extra 300S" denn nun? Naja, so wie ein Kunstflugmodell eben fliegen soll: neutral, agil, dabei aber trotzdem sehr gutmütig. Die Motorleistung reicht auch für 3D-Manöver, aber die Auslegung der "Extra" geht eindeutig zum dynamischen Kunstflug. Alle Figuren können sauber und mit nahezu Konstantspeed geflogen werden. In Rückenlage muss nicht gedrückt werden, Messerflug benötigt etwas Tiefenruderkorrektur, ist aber ansonsten in jeder Lage einwandfrei zu steuern. Und in Aufwärtspassagen steht auch kurz vor Entladeschluss des Akkus noch ausreichend Motorleistung zur Verfügung. Einen Strömungsabriss konnte ich nicht provozieren. Wird nämlich die Fluggeschwindigkeit zu gering, sackt die "Extra" einfach über die Nase durch um Fahrt aufzuholen. Dabei sollte man aber mit fünf bis zehn Metern Höhenverlust rechnen.

Nach einigen Akkuladungen und verschiedenen Vereinskollegen an den Knüppeln war die Meinung zur "Extra 300S" von Multiplex eindeutig: Dieses Modell ist optisch und fliegerisch eine Spitzenposition im Markt der Schaummodelle. Das eingeflossene Know-how zeigt sich an vielen Stellen. Herausragende Merkmale sind die klebstofffreie Fertigstellung des Modells, der enorm hohe Vorfertigungsgrad und die erstklassigen Flugeigenschaften.

Markus Kirstein


Fakten

"Extra 300S" von Multiplex
Ein alltagstaugliches Kunstflugmodell

Spannweite: 1.200 mm
Länge: 1.086 mm
Gewicht:: 1.422 g
Fläche: 37,2 qdm
Flächenbelastung: 38,2 g/qdm
Preis: 209,90 Euro
Bezug im Fachhandel
www.multiplexrc.de.


Der komplette Lieferumfang besteht aus nur wenigen Teilen, die innerhalb kürzester Zeit und ohne Klebstoffeinsatz ein flugfertiges Modell ergeben


Die vorbildähnliche Dreiblattluftschraube und der silbern lackierte Kunststoffspinner tragen enorm zur gelungenen Optik bei und sorgen zudem für mächtig Vortrieb


Ober- und Unterschale der Tragflächen werden getrennt hergestellt und erlauben so eine Gewichtsoptimierung durch Hohlräume. Die Lackierung ist auf der erstklassigen Oberfläche perfekt ausgeführt


Spornrad und beide Leitwerkservos sind im Auslieferungszustand fertig eingebaut und betriebsfertig


Nach der Verschraubung des Höhenruders auf dem Rumpf werden die Holzzungen des Seitenruders einfach in die passgenauen Taschen im Rumpf gesteckt und seitlich verschraubt


Der Motor wirkt zwar unter der geräumigen Motorhaube etwas verloren, aber die Leistung passt sehr gut zum Modell


Alle Ruder sind sauber in Hohlkehlen gelagert und bis auf das Seitenruder auch fertig montiert


Unter der geräumigen Serviceklappe im Rumpf ist ausreichend Platz für den Flugakku. Er sollte aber nicht breiter als 40 Millimeter und nicht höher als 33 Millimeter sein


Die fertig eingeklebte Fahrwerksaufnahme. Selbst die Schraublöcher sind herstellerseitig vorgebohrt. Und die Auspuffattrappen tragen sehr zur gelungenen Optik bei


So kommt das Fahrwerk beim Kunden an. Hier bleibt nichts mehr zu tun, als es mit vier Schrauben am Rumpf zu befestigen


Keine halbe Stunde nach dem Öffnen des Kartons sollte das Ergebnis in etwa so aussehen


Die "Extra" findet auch aufgebaut Platz in den meisten Autos und stellt so ein perfektes "Immer-Dabeihaben-Modell" dar


Die Silhouette des Modells ist sehr vorbildnah und harmonisch


Durch die kleinen Räder neigt die Extra gerne mal zum Kopfstand bei der Landung



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