REPORTAGE

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Zum Hangfliegen auf die "Isle of Man"


Mit dem "Mini-T" über dem Hinterland von Peel

Die "Isle of Man" liegt in der Irischen See zwischen Großbritannien und Irland. Die Insel ist vor allem wegen des jährlichen TT-Motorradrennens bekannt. Da ich mich seit Jahren für den Motorradrennsport interessiere, wollte auch ich das Ganze einmal live erleben. Ein Freund hat die In-sel besucht und war begeistert. Nach Betrachten seiner Urlaubsbilder war klar: Ich muss da hin und ein Hangsegler muss auch mit!

Zuerst wollten wir mit dem Flugzeug nach England und dann mit der Fähre auf die Insel. Doch dann fiel der Entschluss mit der Familie per Auto zu reisen. Somit stand auch dem Hangfliegen nichts mehr entgegen. Rechtzeitig wurden Fähren und Hotels für die Fahrt gebucht. Auch eine Unterkunft auf der Insel wurde gefunden, ein Bauernhof in Peel an der Westküste der Insel. Diese Wahl sollte sich noch als goldrichtig herausstellen.

Am 19. Mai startete die Fahrt am frühen Morgen. Nach zwei Tagen in London kamen wir am 22. Mai abends in unserer Unterkunft an. Die Kinder waren begeistert von den Tieren und ich von dem Küstenhang. Der lag direkt hinter unserer Unterkunft. In 15 Minuten Fußmarsch war der Berg zu erreichen.

Der folgende Morgen begann mit einem mächtigen Sturm aus Nordwest. Wir erkundeten ein bisschen die Insel, fuhren eine Runde auf dem legendären TT-Kurs und gewöhnten uns an den Linksverkehr. Abends hatte sich der Sturm immer noch nicht gelegt, da gab es für mich kein Halten mehr: Mein zehn Jahre alter "Rudi"-Hangrocker war dafür genau richtig. Endlich konnte er voll aufballastiert zeigen was in ihm steckt. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals zuvor bei einem solch starken Wind geflogen bin. Das Modell lag ruhig in der Luft, eine völlig laminare Strömung. Und ein Durchzug des Modells, dass mir der Atem stockte. Selten hatte ich solchen Spaß und dazu die ganze Küste für mich. Nachdem ich mich ausgetobt hatte, startete ich einige Probe-Landeanflüge bis das Modell im Moos lag. Vollkommen begeistert kam ich wieder auf dem Bauernhof an.

Am nächsten Tag war nochmals ein kleiner Ausflug angesagt. Dabei fiel mir erst die Vielfalt der Landschaft auf, die diese Insel bietet: Riesige grüne Weidelandschaften, Hügel wie in den Vogesen, dann wieder ein Waldgebiet mit Flusstal - ich war begeistert. Und immer wieder Berge und Küstenhänge zum Hangfliegen.

Nach einem weiteren Tag hatte sich der Wind beruhigt und auf Nordost gedreht. Diesmal kam mein Freund Frank mit zum Fliegen. Wir starteten landeinwärts in Richtung des Hafens von Peel. Diesmal hatte ich den "Mini-T" und Frank seinen alten "Calibra" am Start. Unsere Flüge haben wir nur unterbrochen um die schöne Aussicht zu genießen. Die Landungen waren problemlos. Der Bergrücken hat große Flächen mit einem moosartigen Bewuchs, der die Modelle sanft aufnimmt.

Zur Abwechslung war ein Ausflug an den Strand geplant, die Kinder wollten Muscheln suchen. Am Parkplatz angekommen standen wir an einer Steilküste, von dort aus waren noch ein paar Kilometer zu laufen. Das Gelände wäre ideal zum Fliegen gewesen! Aber ich hatte den Sender im Haus vergessen. So war also nur ein weiter Spaziergang angesagt, trotzdem ein Erlebnis!

An den darauf folgenden Tagen waren wir mehr bei den Motorradrennen. Nur einmal bin ich noch hoch auf unseren Hausberg. Da ist mir auf einem Bergrücken ein Windsack aufgefallen, es gibt also auch einheimische Flieger auf der Insel.

Am Ende unseres Urlaubs waren wir noch auf dem "Sneafell" - das ist der höchste Berg der Insel. Hinauf kommt man mit einer altertümlichen Tram. Leider war der Zug so überfüllt, dass ich keinen Flieger mitnehmen konnte. Oben sah es aus wie in den Vogesen. Man hätte in alle Richtungen fliegen können. Auch das Landen wäre überall möglich gewesen. Ich denke, wenn man nicht während der TT-Woche die Insel besucht, ist der Modelltransport mit der Bahn problemlos möglich.

Nachmittags stand noch ein Abstecher in die Inselhauptstadt Douglas auf dem Plan. Dabei haben wir auch den dortigen Modellbauhändler besucht. Ein netter kleiner Laden, durchaus gut sortiert. Es ist also auch für eine eventuelle Ersatzteilbeschaffung gesorgt.

Dann ging es zurück in die Heimat. Ich bin bis heute von der "Isle of Man" begeistert. Die Menschen sind durchweg freundlich, alles scheint ruhiger und entspannter abzulaufen als bei uns. Bei meinem letzten Flug mit dem "Mini-T", als der Wind nicht so richtig passte, kam ich mit einem Einheimischen ins Gespräch. Ich erklärte ihm das Problem mit der falschen Windrichtung. Er meinte nur kopfschüttelnd, ich solle doch ein paar Kilometer fahren, hier gäbe es schließlich genügend Hänge und "irgendwo passt die Richtung immer."

Ob mit Motorrad-Rennsport oder ohne - ich kann einen Besuch der "Isle of Man" nur empfehlen. Dabei gilt - den Hangflieger nicht vergessen!

Holger Brunke


Von dem Hang aus gibt es einen herrlichen Blick über die Kleinstadt Peel und ihren Hafen


Der Blick über die Westküste nahe unserer Unterkunft lässt die Möglichkeiten erahnen, die man hier als Modellflieger hat


Der "Rudi" konnte vollballastiert geflogen werden und begeisterte mit Tempo und Durchzug


Der Blick vom Hang auf unser Feriendomizil. Besser geht nicht - oder?


Modellflugkollege Frank hatte mit seinem "Calibra" viel Freude an den Hängen der Insel


Bei einer Bootsausfahrt hatten wir einen schönen Blick auf unseren Haushang


Unendlich erscheinende Weiten auf dem "Sneafell", dem höchsten Berg der "Isle of Man"



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2014

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