TECHNIK

"Lo-100"

Ein Klassiker im Teil-Eigenbau


Zum Erstflug gehe ich traditionell mit unlackierten Modellen

Es sind immer wieder die Klassiker der Segelfluggeschichte die mich begeistern und in ihren Bann ziehen. So ging es mir auch mit der "Lo-100 Zwerg-reiher". Unter vielen Modellflugkollegen kursieren hartnäckig Zweifel an den Flugleistungen. "Gleitwinkel 1:Plumps" ist immer wieder zu hö-ren. Und hat man mal so eine "Lo-100" im Maßstab 1:3 (Spannweite: 333 cm) vor sich und hebt sie an, dann können schon Zweifel aufkommen, ob so ein Modell mit fast zehn Kilogramm Fluggewicht überhaupt fliegen kann.

Es dauerte etliche Jahre bis ich den Beweis mit einer eigenen "Lo-100" antreten konnte. Mein Modellflugkollege Martin Jantzen war mit seiner eigenen "Lo-100" unterwegs und ich hatte Freu-de an dem unvergleichlichen Flugbild: erhaben, majestätisch, ruhig! Martin hatte für sein Modell ein eigenes Profil berechnet und konnte damit auch der Gleitwinkel-Problematik entgegenwirken. Seine "Lo-100" segelte nicht nur wunderschön, sie zeigte auch hervorragende Langsam- flug-Eigenschaften.

Für mich stand schnell fest, dass ich so ein Modell bauen musste. Meine sehr guten Erfahrungen mit einer kleinen "Lo-100" von Gewalt kamen mir entscheidend zur Hilfe. Bei dieser kleinen "Lo-100" baute ich seinerzeit ein "HQ 2,0/10%"-Profil, gestrakt auf "SD-6060". So war in etwa die Richtung für die Profilwahl der 3,33 Meter großen "Lo-100" gegeben: Um die zwei Prozent Wölbung und zehn bis elf Prozent Dicke. Der Rumpf lagerte schon einige Jahre in meinem Keller, er stammt noch aus der frühen Rosenthal-Produktion. Höhenleitwerk mit Ruder und das Seitenruder erhielt ich von meinem Modellflugkollegen Frank Neumann. Also galt es die Tragfläche aufzubauen, wie gewohnt in Styro/Abachi-Bauweise. Natürlich war die Profilfrage eine wichtige. Kein Geringerer als der inzwischen leider verstorbene Norbert Habe hatte mir noch das Profil herausgesucht: "HN-1069K". Es hat 11,08 Prozent Dicke bei 29,7 Prozent Flächentiefe und eine Wölbung von 1,82 Prozent bei 44,8 Prozent Flächentiefe.

Wegen der elliptischen Form der Tragfläche wurden sieben Schneiderippen gebraucht. Der Rest war Standard: Styrokerne, Holmaufbau, Glasgewebe und Beplankung. Wie bei den meisten meiner Modelle verzichtete ich für den Erstflug auf ein fertiges Finish. Es war ein schöner, klarer und windstiller Tag. Die ersten Flüge zeigten ganz klar, dass das Modell richtig gut flog. Lediglich der Schwerpunkt musste leicht korrigiert werden. Und eine Eigenheit der "Lo- 100" trat auch gleich auf: Nimmt man im Landeanflug die Fahrt nicht rechtzeitig raus, schießt das Modell über die Landebahn hinaus und ist nicht auszubremsen - nicht einmal mit auf 80 Grad gesetzten Klappen.

Es dauerte eine ganze Saison, bis ich die exakte Einstellung für den Landeanflug heraus hatte: rechtzeitig mit 15 Grad gesetzten Landeklappen einleiten und nicht zu viel Fahrt. Dann setze ich meine "Lo-100" genau dahin wo ich sie auch haben will. Habe ich dennoch zu viel Fahrt drauf, dann zusätzlich im Endanflug die Klappen auf 80 Grad. Ein großartiges Modell, mit traumhaftem Flugbild.

Paul Eberhardt Heinzel


Fakten

"Lo-100 Zwergreiher"
Ein Teil-Eigenbau im Maßstab 1:3

Spannweite: 3,33 m
Länge: 2,07 m
Gewicht: 9,5 kg
Profil: HN-1069K, Norbert Habe


Der alte Rosenthal-Rumpf musste im Bereich der Tragflächenauflage kräftig aufgefüttert werden, um die eigene Profilwahl zu ermöglichen


Das Höhenruder wird mit einem langen Stahlstift in eine Öse der Schubstange eingesteckt - eine Montage ohne Werkzeug und ohne Gefummel


Die Querruder werden in einer selbst erstellten Hohlkehle gelagert


Der Pilot ist kein Leichtgewicht, sieht aber prima aus und passt gut zum Modell


Zum Erstflug ging es an den Hang. Die "Lo-100" flog auf Anhieb wie gewünscht


Nach der Fertigstellung mauserte sich das Modell zum Saison-Favoriten im eigenen Hangar


Im F-Schlepp folgt die "Lo-100" ihrem Schlepper problemlos und eigenstabil


Die Landeklappen werden im Schlepp auf 15 Grad gefahren


Zur Landung wird am besten weiträumig und mit nachlassender Geschwindigkeit angeflogen


Das Flugbild dieses Klassikers begeistert immer wieder aufs Neue


Es ist auch der elliptische Tragflächengrundriss, der die "Lo-100" so unverwechselbar macht



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