SPECIAL

Gelungene Symbiose

Der neue Pacheiner auf der "Gerlitzen"


Ferienwohnungen, Haupthaus mit Sternwarte und der alte Gasthof bilden eine harmonische Symbiose

Was hat es nicht alles für Gerüchte gegeben, als es hieß, der Pacheiner baut neu. Ein riesiges neues Luxushotel würde entstehen, ein Klotz in der Landschaft! Und wo blieben dann die Modellflieger? Gleich mal vorneweg: Es ist was Neu-es entstanden, ja! Doch die Modellflieger sind nach wie vor da! Und es wird noch viel mehr für sie getan!

Viele Wege führen nach Rom. Doch will der Modellflieger auf die Gerlitzen, muss er die richtige Abfahrt nehmen. Denn nur diese eine führt zum Pacheiner, dort wo die Wiege des Modellfluges steht: die Gerlitzen im Herzen Kärntens. Es ist die Gerlitzen-Gipfelstraße bei Arriach. Vor mehr als 25 Jahren war ich zum ersten Mal dort, da war es nur eine Schotterstraße. Jetzt ist sie bitumiert, bis auf die letzten 80 Höhenmeter, da ist noch befestigter Schotter, aber selbst mit einem Sportwagen zu befahren. Maut kostet sie genauso wie damals.

Bei circa 1.800 Metern Höhe kommt man aus dem kleinen Wäldchen und fährt zwischen Südwest- und Nordwiese auf das Hotel Pacheiner zu. Und die Überraschung: Die Neubauten fügen sich dort oben harmonisch ein, weitaus besser als viele Bergstationen der Bergbahnen. Was man auf den zweiten Blick sieht, ist die gelungene Integration des "alten Pacheiner" in das Gesamtkonzept. Das Erscheinungsbild ist eine Symbiose aus Neu und Alt. Der vorhandene Bau wurde außen runderneuert, innen ist fast alles beim Alten geblieben. Das erkennt man sofort, tritt man von der Terrasse aus ein. Da ist man gleich zu Hause.

Der neue Hotelbau schließt sich unmittelbar an den ursprünglichen an, wobei der ehemalige Gasthof auch äußerlich integriert ist. Zum Westen hin ist der Neubau mit Steinen, Zedernholz und vor allem viel Glas versehen. Somit ist das Alte erhalten und das Neue wurde architektonisch bestens eingebunden.

Angrenzend an das Hotel sind zwei kleinere Gebäude mit insgesamt 12 Eigentums-Ferienwohnungen entstanden, das Ganze mit kleinem Übergang, sodass der Gesamtkomplex sehr angenehm und überhaupt nicht mächtig wirkt. Teilweise werden die Ferienwohnungen auch über das Hotel Pacheiner vermietet. Und wer möchte, der kann auch noch eine Ferienwohnung erwerben, denn fünf Eigentumswohnungen sind noch zu haben. Das Hotel selbst wird von der Nordseite betreten, davor ist ein großer Parkplatz für die Gäste. Moderne, klare Linien setzen auch innen das Design fort. Dabei überwiegen die Materialien vom Berg, wie Lärche, Zirben, Schiefer, dazwischen warme Rottöne. Der Fußboden ist mit seinen dicken Eichenbohlen sogar eventuellen Skischuhen gewachsen.

Die Zimmer sind durch die großflächige Verglasung sehr hell und der Blick nach draußen grandios. Die Tauern, die Julischen Alpen - das Auge wandert von Nordwest bis Süd durch die Alpen. Je nach Raum ist unten im Tal das circa 1.400 Meter tiefer gelegene Villach zu sehen. Wer will, könnte bei Südwest-West direkt von Terrasse oder Balkon aus starten, da der Startplatz gerade mal in Wurfweite vor den Zimmern liegt.

Die Zimmer sind mit Betten und einer kleinen Schreibecke ausgerüstet, auch ein ausziehbares Sofa ist vorhanden. Dabei wird zwischen Einzel- und Doppelzimmern unterschieden. Auch Appartements und zwei Panorama-Suiten sind vorhanden. Eine große Sauna gehört zu dem Hotel und auch ein heller Ruheraum. Wer zum Fitnessraum will, kann diesen entweder von außen oder durch die Werkstatt (!) erreichen. Der ganz große Tisch wie früher ist zwar nicht mehr da, aber der jetzige reicht vollkommen. Entlang der Wände gibt es noch viele kleinere Tische mit genügend 230-Volt-Steckdosen. So heißt es: entweder Netzteil separat oder im Ladegerät einge- baut, wenn geladen werden soll. Der große Kellerraum davor dient als Lager für die Modelle der Hotelgäste und ist von außen nur mit dem Zimmerschlüssel zugänglich.

Über 31 Einheiten mit insgesamt 70 Betten verfügt das neue Hotel Pacheiner. Dazu kommen noch die Ferienwohnungen, die vom Hotel verwaltet und für die Eigentümer vermietet werden. Die Preise liegen je nach Zimmer und Saison zwischen 76,- und 125,- Euro pro Tag und Person. Darin enthalten ist jedoch auch eine sogenannte 3/4-Pension: Frühstück, Fünf-Gänge-Abendmenü und am Nachmittag eine Jause aus dem SB-Restaurant.

Das Essen gehört mit zu den besten in den Modellflughotels. Aus drei Menüs (Fleisch, Fisch und Vegetarisch) kann ausgesucht werden. Die Weinkarte bietet verschiedene Weine an, doch schon der Hauswein ist schön harmonisch. Vom Speisesaal aus kann durch die großen Scheiben der Sonnenuntergang hinter den Nockbergen beobachtet werden. Oder auch am Morgen die ersten Modellflieger, die bereits schon früh dort die ersten Hangaufwinde bei Südwest auskosten.

Es ist eben ein Hotel für die ganze Familie. Hervorzuheben dabei ist die eigene Sternwarte mit dem größten privaten Teleskop Österreichs. An drei Abenden in der Woche gibt es einen Vortrag über das Universum. Die Sterne und die unterschiedlichsten Planeten und Monde können direkt betrachtet werden. Bei unserem Besuch waren es der Saturn mit seinen Ringen und der Mond. Außerdem konnte man sehr deutlich die ISS erkennen, die in nur 400 Kilometern Entfernung um die Erde fliegt. Der südlich gelegene Ossiacher See lädt im Sommer zum Baden ein, Villach während des ganzen Jahres zum Einkaufsbummel und Kaffeetrinken. Wer sich die "Kärnten-Card" gönnt, kann kostenlos mit der Seilbahn fahren. Außerdem gibt es hier etliche schöne Wanderwege. Da finden sich sehr schnell einige, die zusammen wandern wollen, während der Partner seinen Modellen nachschaut.

Das Modellfliegen auf der Gerlitzen ist seit den 60-er Jahren bekannt. Die Bedingungen sind ideal, die Kuppe ist recht flach und auch sehr groß. So ist für alle Windrichtungen genügend Platz zum Starten und Landen. Meistens kann man sogar aus dem Lee gegen den Wind landen. Seit vielen Jahren sind dort auch die Gleitschirmflieger anzutreffen. Die haben ihren Bereich auf der Süd-Südostseite. Der ist für die Modellflieger tabu, aber alles andere gehört ihnen! Bevorzugte Windrichtung ist natürlich Südwest. Dann kommt nicht nur der Wind vom Ossiacher See hoch, auch die Thermik ist ab etwa 11 Uhr genial. Die Landewiesen sind riesig. Wenn zu hoch angeflogen wird, dann heißt es einfach durchstarten und auf ein Neues. Auch bei West- und Nordwestwinden trifft das zu, hier wird dann leicht schräg gegen den Wind gelandet. Bei Nord- und Ostwinden passen die Kollegen auf, dass die vielen Tagesgäste den Lande- anflug nicht stören.

Apropos Tagesgäste: Es sind einige Modellflieger die hier nur tagsüber vorbeikommen um zu fliegen. Sie kommen mit der Seilbahn oder über die Mautstraße. Dank 2,4 Gigahertz ist das ja auch alles kein Problem mehr. Auch wenn viele Modelle am Boden liegen, sind es in der Luft weniger. Rushhour ist zwischen 13 und 16 Uhr. Davor und danach haben die Hotelgäste (auch die vom Gipfelhaus) den Hang für sich alleine und eine herrliche Ruhe. Und man muss ja nicht schon um 19 Uhr beim Abendessen sein. Die zweite Alternative ist, zwischen Hauptgang und Dessert einfach kurz raus an die Kante gehen, um noch etwas die Abendthermik auszunutzen. Es sind ja vom Speisesaal bis zum Start des Modells nicht einmal fünf Minuten. Das wäre dann der Südwesthang, der direkt vor der Haustür liegt.

Und hier soll demnächst auch noch einiges passieren: Ein Wellnessbereich und ein 15-Meter-Schwimmbecken sollen gebaut werden. Zwischen diesem und dem Südweststartplatz soll dann noch eine Start- und Landebahn für Motormodelle - vornehmlich für den F-Schlepp - entstehen. Dass hier oben nur Elektromotoren zum Einsatz kommen, versteht sich von selbst.

Der Start mit einem Hotel für Modellflieger ist gemacht, aber Petra und Franz Pacheiner planen weiter. Für große Modelle - hier oben kann ja alles bis 25 Kilogramm eingesetzt werden - ist eine Startvorrichtung geplant und von der Startpiste sollen Segler per Elektro-F-Schlepp auf Sicherheitshöhe gezogen werden. Um den Nach- wuchs heranzuziehen, wird es eine Modellflugschule geben, genauso wie Schnupperfliegen. Beides ist mit dem Hotelaufenthalt kombiniert. Sogar ein Bastelkurs wird 2015 angeboten. Dabei wird an fünf Vormittagen ein Segler gebaut, nachmittags wird normal geflogen und geschult. Am fünften Tag soll das Modell dann eingeflogen werden.

Aus dem alten Berggasthof Pacheiner mit einfachen Zimmern ist ein modernes Familien-Hotel für den anspruchsvollen Modellflieger geworden. Der Blick da oben ist genial, das Modellfliegen sowieso und Wandern, Seilbahnfahren, Baden, Shoppen auch noch. Herz, was willst Du mehr?

Herbert W. Locklair


Auf einen Blick

Alpinhotel Pacheiner
Pölling 20
9520 Gerlitzen, Kärnten
Österreich
Tel.: 0043/4248/2888
E-Mail: info@pacheiner.at
www.pacheiner.at


Der alte Pacheiner-Berggasthof erhielt ein neues Kleid, innen ist alles unverändert geblieben. Der neue Hotelanbau und die Eigentumsanlage fügen sich harmonisch an


Der Modell-Lagerraum geht noch um die Ecke. Also Platz genug auch für größere Modelle


Im Bastelraum gibt es genügend Platz und auch Tische. Bis zum 4-Meter-Segler kann bequem zusammengebaut werden


Direkt vor der Werkstatt wird geflogen


Die Zimmer sind ausreichend groß. Die Appartements haben Kamin sowie Ess- und Sitzecke


Der alte Gastraum mit Bar und Selbstbedienungsbereich


Aus dem Speisesaal geht der Blick Richtung Südwesten auf die Alpen


Am Nordosthang, abends um 18 Uhr. Die Touristen sind weg und die Pacheiner-Gäste genießen die Ruhe


Start am Nordhang. Hier geht es schon zeitig mit der Thermik los, da die Sonne ganz früh scheint und gleich aufheizt


Der Feldherrnhügel für Starts bei Süd- bis Südwestwind. Die Überhöhung lässt auch Großsegler gut starten


Mit den kleinen Modellen kann hier von früh bis spät direkt am Hang geflogen werden


Blick auf Villach (unten) und die Julischen Alpen. Das Fliegen vor dieser Kulisse ist Genuss pur


Auf dieser Seite der Seilbahn sind die Modellflieger, die Gleitschirmflieger starten dahinter. So kommen sie sich nicht in die Quere


Auch große Modelle - wie diese fünf Meter große "ASW-irgendwas" - können wunderbar landen



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2015

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