TEST

Kantiger Schlepper

Ein Pilatus Turbo Porter zum Seglerschlepp


In AUFWIND 4/2011 hat Marcus Kilian über den elektrischen Pilatus Turbo Porter mit 2,07 Meter Spannweite berichtet. Das Modell wurde im F-Schlepp eingesetzt. Doch dann entdeckte er das gleiche Modell vom selben Hersteller mit 2,64 Metern Spannweite. Hier ist sein Bericht dazu.

Auch dieses größere Modell wird wieder elektrisch angetrieben, wenngleich auch die charakteristisch schmale und langgezogene Motorhau- be die Auswahl an Antrieben etwas einschränkt. Deshalb stand zu Beginn des ganzen Projekts die Antriebsfrage auf der Agenda. Ich kam schließlich bei Florian Schambeck an. Nach einer intensiven telefonischen Beratung entschied ich mich für den Innenläufer "Powerline 2230.13t" mit Getriebe an 12s-LiPo. Aufgrund der Getriebeuntersetzung erreicht man eine deutliche Leistungssteigerung und Reduzierung der Betriebs- spannung. Wollte man dieselbe Leistung mit einem Brushless-Außenläufer erreichen, liegt man bei 14 bis 15s-LiPo. Die Einzelzellen werden mit dem "LipoWatch" von SM-Modellbau überwacht, das Bindeglied zwischen Regler und Empfänger. Bei Spannungseinbruch einer Zelle wird das Gas zurückgeregelt, bis die Zelle wieder im grünen Bereich ist.

Das berechnete Antriebspaket von Florian Schambeck: "Powerline 2230.13t"-Motor, CFK-Klappluftschraube 24x12 Zoll von Rudolf Freudenthaler mit speziellem Mittelstück und YGE-Regler 120 HV. Damit sollte ein leistungsfähiger Antrieb mit etwa 3,5 KW an den Start gehen. Der Antriebsakku besteht aus zwei SLS-"Xtron 5.000mAh 6S1P", in Reihenschaltung zu 12s kombiniert.

Alle Servos sind von Hitec: zwei HS-625HB für die Querruder, je zwei HS-645MG für die Landeklappen und die Höhenruder, ein HS-645MG am Seitenruder, ein HS-625MG für die Schleppkupplung und ein HS-85MG am Heckfahrwerk. Die Schleppkupplung kommt von Dieter Kalb (KD-Modellbau).

Bevor es zum Einbau der Komponenten kam, war noch einiges zu tun. Das Seitenleitwerk der PC-6 ist hoch und der Hersteller sieht eine dauerhafte Verklebung vor. Zur Vermeidung von Transportschäden wollte ich dies allerdings abnehmbar haben. Ich erinnerte mich an einen Modellbaukollegen, der im Internet von einer abnehmbaren Variante berichtete. Dazu wurden in das Seitenleitwerk zwei CFK-Röhrchen eingeharzt, an deren Ende eine gekürzte Gewindestange und an der Rumpfunterseite zwei Ein- schlagmuttern. Die Führung übernimmt eine zusätzlich eingeklebte Holzplatte im Rumpf. Nun wird das Seitenleitwerk aufgesteckt, von unten mit zwei selbst sichernden Kunststoffmuttern fixiert und die Servoanlenkung mit einem Kugelschnellverschluss von Modellbau Berlin verbun- den.

Das Höhenleitwerk ist von Werk aus mit zwei Schrauben zur Demontage vorbereitet. Auch hier verwende ich die Kugelschnellverschlüsse. Ich benutze die schon längere Zeit und konnte bisher kein Spiel in der Kugelpfanne feststellen. Nach dem Einschnappen wird zusätzlich noch eine Sicherung geschlossen. Eine sichere Sache, die in vielen Großmodellen eingesetzt wird.

Ein Schleppmodell landet oft und deswegen wollte ich für das Spornrad eine sehr robuste Lösung, die auch mal kleine Unaufmerksamkeiten verzeiht. Meine Lösung ist ein leichtes und sehr belastbares CFK/Aramid-Heckfahrwerk, wieder von Modellbau Berlin. Zur Anlenkung wurde auf der Unterseite ein separates Servo eingebaut.

Aufwändig wurde es noch mal mit dem Motorträger. Sven Treusch, in der F-Schlepp-Szene bekannt, hat hier mit einer Skizze und wertvollen Tipps zu einem tollen Ergebnis beigetragen hat. Auf Basis seiner Skizze fertigte ich verschiedene technische Zeichnungen an. Mit einem Bleistift wurde später alles auf 5- und 6-mm-Flugzeugsperrholz übertragen. Mit Lochkreissägeblättern, Stichsäge, Schleifpapier, Holzleim und Harz entstand dann der Motorträger.

Nachdem dann (fast) alle Einbauten erledigt waren, wurde das Modell mit den Akkus ausgewogen und die Akkurutsche konzipiert. Auch wieder in Handarbeit und mit einem wohligen Holzduft in der Luft. Dafür fertigte ich einen Grundträger, unter dem noch Platz für die Empfängerakkus blieb. Die Akkus werden auf der Akkurutsche montiert und mit einer Rändelschrau- be schnell und sicher befestigt. Zwei A123-Packs (6,6 Volt) gehen an die Doppelstromweiche "Jeti Max BEC 2" und versorgen die beiden Futaba-Empfänger "6014" mit konstanter Spannung. Eine Anmerkung zu den A123-Zellen: Es sind hochstromfähige Becherzellen mit hoher Zyklenfestigkeit und sehr geringer Selbstentladung. Aufgrund der Eigenstabilität können die Akkus im Modell verbleiben. Zwischenzeitlich habe ich auch meine anderen Modelle auf diese Akkus umgerüstet und bin damit sehr zufrieden.

Nach dem Auswiegen und Einstellen der Ruderwege gemäß Herstellerangabe stand der Erstflug an. Die Einstellwinkeldifferenz (EWD) habe ich mit 1,44 Grad nachgemessen - kann so bleiben. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt bestens: Wenig Wind, blauer Himmel und wenige Schönwetterwolken. Der Aufbau am Platz verlangt schon etwas Zeit: Höhenleitwerk mit zwei Schrauben befestigen, Seitenleitwerk aufstecken und kontern, Schnellverschlüsse einklinken, Tragflächen aufstecken und die Streben montieren. Die Größe des Modells ist beachtlich und lässt sich trotzdem noch gut in einem Kompaktfahrzeug transportieren. Besonders freut mich dabei das abnehmbare Seitenleitwerk.

Nach einem Rudercheck ging es dann zum Flugfeld. Der kurze Motortest zauberte mir direkt ein Lächeln ins Gesicht. Da geht was und der Sound geht schon in Richtung Turbine! Also Motorleistung langsam rein und nach wenigen Metern hob die "PC-6" ab, als ob sie nie etwas anderes gemacht hätte. Schon nach wenigen Flugminuten kam ein Gefühl der Vertrautheit auf. Der Schwerpunkt ist optimal und die Ruderwege passen auch. Die Landeklappenausschläge habe ich später noch reduziert, hier hatte ich zur Sicherheit etwas mehr Weg einprogrammiert, was sich dann aber als ungünstig erwies. Die Landeklappen wirken sehr gut und bremsen bei zu viel Ausschlag das Modell übermäßig ab. Man kann hier also getrost die Herstellerangaben komplett übernehmen. Die "PC-6" lässt sich damit sehr langsam und sicher zur Landung auf Kurs bringen. Trotz geringer Fahrt wirken alle Ruder gut und bestätigen damit die hervorragenden Kurzstart- und -landeeigenschaften des Modells. Auch der Schwerpunkt und die restlichen Ruderwege stellten sich als gut heraus und wurden von Flug zu Flug optimiert. Es folgten an diesem Tag noch einige Soloflüge. Mit halb gesetzten Klappen hebt das Modell nach wenigen Metern ab. Man kann unglaublich enge Kreise mit dem Seitenruder fliegen und das ohne Anzeichen zum Abriss.

Noch am Erstflugtag gab es bereits die ersten Schleppflüge - leider nicht ganz problemlos: Während zwei der Schlepps gab es Motorabsteller aufgrund Überhitzung des Reglers. Gemäß den Logdaten des "UniSens-E" von SM-Modellbau gingen bei Vollgas erstaunliche 139 Ampere durch die Leitung! Ich nahm Kontakt mit Florian Schambeck auf und er entschuldigte sich für das Versehen. Offenbar gab es ein Missgeschick bei der Auslieferung und der Motor war vertauscht. Der Umtausch wurde innerhalb weniger Tage erledigt. Dann ging es wieder auf den Platz für Testflüge. Nun passte alles. Bei Vollgas am Boden werden nun circa 89 Ampere abgerufen, während der Schleppphase mit dem "Kirby Kite"-Oldtimer zwischen 50 und 60 Ampere. Auch ein wenig Kunstflug wurde jetzt ausprobiert: Looping, gesteuerte Rolle, Turn und kubanische Acht - alles gut machbar.

Wer ein nicht alltägliches Modell sucht, ist hier genau richtig. Der "PC-6 Turbo Porter" fliegt sich wie ein Reisebus, ist aber viel wendiger und kann sogar Kunstflug. Der Sound des Antriebs geht in Richtung Turbine und macht sehr viel Spaß! Zwischenzeitlich teste ich von Chris Domes die "P-Ion v2 25c"-Akkus mit sechs Amperestunden als Antriebsakku. Besonders die hohe Kapazität und der Sicherheitsvorteil haben mich dazu bewogen. Außerdem habe ich bei Unilight.at ein passendes Beleuchtungsset für das Modell bestellt und bereits eingebaut - darüber werde ich noch berichten. Und wer weiß, vielleicht wird es irgendwann noch Schwimmerset und Skier geben. Das Modell hätte es verdient!
Text: Marcus Kilian
Bilder: Jendrik Laun


Fakten

Pilatus PC-6 Turbo Porter
Ein potenter Elektroschlepper

Spannweite: 2.640 mm
Länge: 1.960 mm
Fläche: 87 qdm
Preis: 589,- Euro
Bezug bei Peter Adolfs Flugmodelle
Tel.: 02235/465499
www.paf-flugmodelle.de


Der lange Motordom wurde aus dickem Sperrholz aufgebaut, um den Innenläufer mit Getriebe aufzunehmen


Dank abnehmbarem Leitwerk und den geteilten Tragflächen ist das Modell auch in kleinen Autos transportabel


Das Aufrüsten des großen Modells dauert nur rund zehn Minuten


Die großen Schiebetüren lassen sich öffnen und bieten so einen hervorragenden Zugang zum Inneren


Das Spornrad und die beiden Höhenruder werden von je einem eigenen Servo angesteuert


Schon die ersten Schlepps offenbarten einen hohen Leistungsüberschuss


Im Flug zeigt der Pilatus Turbo Porter eigenstabile und leicht zu beherrschende Leistungen und Eigenschaften




Die Landeklappen wirken sehr gut, die "PC-6" lässt sich damit sicher zur Landung auf Kurs bringen


Telemetrie und Logger sei Dank können nach jedem Flug die Daten abgerufen und kontrolliert werden



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2016

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