REPORTAGE

RES-Fieber

Die DM 2015 war ein großer Erfolg


Das Fliegen von Zweiachsgesteuerten Modellen erobert die Modellflugplätze. Die sogenannten RES-Modelle sind einfach im Aufbau, groß in der Leistung und vermitteln puren Modellsportspaß. Matthias Rienäcker war für AUFWIND bei der DM in Wetzlar dabei.

Die zweite Auflage der offenen Deutschen Meisterschaft des DAeC in der Klasse F3B-RES fand im September statt, ausrichtender Verein war der VFL Wetzlar. Mit 59 Piloten war das Teilnehmerfeld sehr groß für diese noch junge Klasse, auch Piloten aus Österreich waren dabei. Die Altersspanne reichte dabei von dem jüngsten Teilnehmer mit sieben Jahren bis hin zu über 70-jährigen Piloten. Noch vor Wettbewerbsbeginn wurde der Aktivensprecher des DAeC gewählt: Ruben Bühler aus Stuttgart. Mit seiner Erfahrung im Bereich der Entwicklung von RES-Modellen und seinem Engagement für diese Klasse, wurde mit ihm sicher eine gute Wahl getroffen.

Am Samstagmorgen wurden die Teilnehmer bei guten Wetterbedingungen empfangen. Es herrschte nahezu kein Wind bei nur geringer Bewölkung. Das offizielle Briefing durch die Wettbewerbsleitung hielt für viele Teilnehmer eine Überraschung bereit, denn die Seillänge wurde auf 75 Meter reduziert. Viele Teilnehmer hatten sich in ihrer Vorbereitung aber auf 100 Meter eingestellt. Mit Beginn des Wettbewerbs wurde eine weitere Abweichung an den Starteinrichtungen sichtbar: Die zur Verfügung gestellten Hochstartgummis entwickelten aufgrund eines etwas geringeren Durchmessers nicht die sonst gewohnten Zugkräfte. Jedoch zeigte sich schon in den ersten frühen Gruppen, dass viele der Piloten sich schnell auf diesen Sachverhalt einstellen konnten und die maximale Flugzeit von sechs Minuten erreichten. Im Verlauf des Samstags gab es, mit einigen Ausnahmen keine Gruppe, in der nicht mindestens ein Pilot die volle Zeit flog. Hierbei war weniger das Modell entscheidend, sondern eine gute Flugtaktik. Viele Piloten nutzten das vorgelagerte Wäldchen und den nördlichen Teil des Fluggeländes, um den zum Vollfliegen notwendigen Thermik-anschluss zu finden. Der Rückraum hielt meist nur schlechte Luft bereit. Die thermische Aktivität wurde dabei im Tagesverlauf immer stärker, was für wechselnde Windrichtungen und Rückenwind-Starts am Nachmittag sorgte. Bei diesen Bedingungen war nicht nur der Pilot gefordert, sondern das ganze Team. Galt es doch rechtzeitig zu entscheiden, ob es noch möglich ist die Ablösung zu erreichen oder ein rechtzeitiger Re-Start sinnvoller wäre. Daher starteten viele Piloten direkt mit Beginn der Rahmenzeit und flogen eine vorher besprochene Strecke ab. War die erhoffte Thermik nicht auffindbar, blieb meist noch genug Zeit für den Re-Start. Am Abend dieses ersten Wettbewerbstages waren nur noch ein guter Hochstart, ein leichtes Modell und ein möglichst geringes Eigensinken des Modells entscheidend, denn thermische Einflüsse waren, bis auf den noch Wärme abstrahlenden Hangar, nicht mehr vorhanden. Einige Piloten konnten hier noch wertvolle Minuten Flugzeit erlangen.

Dank einer guten Organisation konnten vier komplette Durchgänge und die ersten Gruppen des fünften Durchgangs bis zum Samstagabend absolviert werden. Auch wurden alle Ergebnisse der Durchgänge schnell für alle Piloten bekanntgeben. Der erste Wettbewerbstag wurde mit einem sehr guten und informativen Vortrag über die Ergebnisse von Profilvermessungen und den daraus abgeleiteten Erkenntnissen von Ruben Bühler abgerundet.

Der Sonntag begann wieder nahezu windstill, dafür aber mit mehr Wolken. Die Wettbewerbsleitung entschied sich daher nach Beendigung des fünften Durchgangs, auf einem weiteren Durchgang zu verzichten und mit dem Fly-Off zu beginnen. Grund hierfür war, dass für den Nachmittag Regen vorausgesagt wurde und der Wettbewerb trocken beendet werden sollte. Im Fly-Off traten die besten acht Piloten der Vorrunde in zwei aufeinanderfolgenden Runden gegeneinander an. Bei wenig Ostwind und ge- ringer thermischer Aktivität war es beeindruckend zu sehen, wie es die Piloten schafften, aus geringen Hochstarthöhen die sechs Minuten voll zu fliegen. Jeder der acht Piloten flog nahezu an die maximale Flugzeit heran, sodass nur Sekunden und eine punktgenaue Landung über den 1.000-er im Fly-Off entschieden. Zum "Vollfliegen" nutzten alle Piloten den Aufwind am Hangar, der bis in eine Höhe von gut 30 Metern reichte. Dabei variierte die Stärke von einem Nullschieber bis hin zu leichtem Steigen.

Tobias Reeh konnte sich in beiden Fly-Off-Runden den 1.000-er sichern und wurde damit neuer Deutscher Meister in der Klasse F3B RES vor Dirk Hanebutte und Ruben Bühler. Die anschließende Siegerehrung fand in einem besonderen Rahmen im Hangar des VFL Wetzlar statt. Hierbei waren vor allem die Sachspenden der Firmen Decker Planes, Der Himmlische Höllein und Modellbauchaos hervorzuheben, welche die Siegerehrung abrundeten. Kein Teilnehmer ging dabei leer aus.

Bei den auf der DM eingesetzten Modellen hat sich im Laufe des vergangenen Jahres einiges getan. Der gern genutzte "PuRES" war zwar immer noch in großen Stückzahlen vertreten, aber auch andere Konstruktionen wie "MinoRES", "PicaresEvo", "RESi", "Antist-RES", "BabaJaga" und "BabaJaga Competition" waren erfolgreich vertreten. Die Tendenz zu sinkenden Modellgewichten hält weiterhin an, der "Antist-RES" war mit rund 360 Gramm das wahrscheinlich leichteste Modell auf dem Platz und über- zeugte durch überragende Hochstarthöhen bei fast keinem Wind. Ob solche leichten Modelle bei Wind voll belastbar sind, konnte leider nicht überprüft werden. Bei einigen Teilnehmern gab es den gleichen Modelltyp in verschiedenen Festigkeitsstufen zu sehen, sodass für jede Wetterlage die entsprechende Bauweise vorhanden war. Schwerere Modelle sind darüber hinaus voll konkurrenzfähig, jedoch sind Modelle die unter 500 Gramm wiegen inzwischen der Standard. Ein weiterer Trend ist hinsichtlich der Leitwerksauslegung zu erkennen: Während in den vergangenen Jahren überwiegend das V-Leitwerk genutzt wurde, hält bei den Neukonstruktionen das Kreuzleitwerk Einzug.

Es ist weiterhin spannend, die Entwicklung dieser noch jungen Klasse mit zu verfolgen. Insbesondere die Modellauslegung sowie deren Abfluggewichte bieten zukünftigen Spielraum, um für alle Wetterlagen gewappnet zu sein. Wir werden weiter in AUFWIND berichten.
Matthias Rienäcker


Mit 59 Piloten war das Teilnehmerfeld sehr groß für diese noch junge Klasse. Foto: Dirk Spangenberg


Fly-Off Hangflug am Hangar. Foto: Dirk Spangenberg


Start - jeder möchte der erste sein. Foto: Dirk Spangenberg


Das Kreuzleitwerk zunehmend genutzt. Foto: Dirk Spangenberg


Geflogen wird quasi hautnah. Foto: Dirk Hanebutte


Die bei der DM eingesetzten käuflichen Modelle. Foto: Mario Weichelt


Höhe halten über dem Hangar-Dach. Foto: Stephan Lommel


Gestartet wurde regelkonform am Gummiseil. Foto: Mario Weichelt


Der "PuRES" wurde in großen Stückzahlen eingesetzt. Foto: Stephan Lommel


Auch der "MinoRES" flog erfolgreich mit. Foto: Stephan Lommel


Gleich startet die Rahmenzeit, die Spannung steigt. Foto: Dirk Spangenberg



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