REPORTAGE

Die Alpinflugwoche

Mehr als nur Fliegen in alpinem Gelände


Das Berghotel Hahnenmoos liegt inmitten des Fluggebiets und ist Kulisse und Veranstaltungsort zugleich

Anfang Juni hatten AUFWIND, das Berghotel Hahnenmoos und Thommys.com zur Alpinflugwoche geladen. Mehr als 40 Modellflieger waren dem Ruf gefolgt, darunter einige neue Gesichter. Thomas Seidel (?) berichtet.

Vor mehr als zehn Jahren habe ich zusammen mit zwei Freunden das Konzept der Alpinflugwoche entwickelt. Ziel war und ist es, Modellpiloten den Reiz des alpinen Segelfliegens nahe zu bringen und trotzdem die Risiken durch erfahrene Betreuer möglichst klein zu halten. Freies Fliegen bei Bedarf unter der Anleitung erfahrener Piloten.

Ein wichtiger Punkt ist hierbei das Gelände. Der Hahnenmoospass bei Adelboden im Berner Oberland bietet mehrere Hänge für unterschiedliche Windrichtungen. Das Hotel ist mitten im Fluggebiet, so kann man direkt von der Hotelterrasse aus fliegen. Außerdem bieten die Bastelräume im Hotel auch das entsprechende Umfeld um Modelle zum Teil aufgebaut zu lagern, zu reparieren oder die zu Hause begonnenen Projekte fertig zu stellen.

Ebenso bedeutend beim alpinen Segelfliegen ist das Wetter. Natürlich auch bei der Alpinflugwoche: Schon Wochen vorher hingen die Teilnehmer am PC und betrachteten die Schneelage und die Wettervorhersagen. Die waren im Vorfeld eher schlecht, es war viel Regen angesagt. Doch im Hochgebirge haben Wettervorhersagen nur eine begrenzte Aussagekraft und so war es glücklicherweise auch in diesem Jahr: Von acht Tagen waren letztlich nur zwei sehr eingeschränkt nutzbar. Und für diesen Fall hatten wir ja den beliebten Bastelwettbewerb und verschiedene Vorträge im Programm. Lustiger Weise führten die verschiedenen Wetter-Apps oft zu komplett gegensätzlichen Ergebnissen. Wenn wir in dieser Woche etwas gelernt haben, dann Folgendes: Vergiss die Vorhersagen und nimm das Wetter wie es kommt. Eine Regenwahrscheinlichkeit von 90 Prozent bedeutet eben nicht, dass es neun von zehn Stunden regnet, sondern dass es eben mit großer Wahrscheinlichkeit mal nass herunter kommt. Aber wen juckt es schon, wenn es frühmorgens während des Frühstücks oder am Abend regnet, wenn es dazwischen mehrere Stunden gibt, in denen man die Modelle an die Grenzen ihrer strukturellen Festigkeit bringen kann.

Nach der Anreise und einem gemeinsamen Abendessen begann die Woche offiziell mit dem Willkommens-Apero. Eine gute Gelegenheit, sich in lockerer Atmosphäre kennenzulernen und von Seiten der Reiseleitung und des Hotels ein paar grundsätzliche Informationen weiterzugeben und eventuelle Fragen der Teilnehmer zu beantworten. Der berühmte Hahnenmooswein und die Snacks aus der Küche sorgten für eine heitere Stimmung.

Im Fokus der Alpinflugwoche steht aber das Fliegen. Da hauptsächlich starker Westwind herrschte, wurde vor allem am Skilift und Lavey geflogen. Glücklicherweise hielten sich Verluste in Grenzen, dennoch haben wir zwei Modelle im Nebel verloren. Ein typisches Problem im Gebirge: eben noch freie Sicht und im nächsten Moment Nebel in der Landewiese. Da wir dieses Problem schon oft erlebt hatten, wurde für dieses Jahr ein lokaler Bergführer für einen Vortrag engagiert. Die Teilnehmer zeigten sich sehr interessiert. So erklärte sich an einem regnerischen Nachmittag Daniel Aeberli bereit, das GPS-Dreiecksfliegen vorzustellen und im Anschluss stellte Rainer Handt den Bereich Aircombat im DMFV vor.

Ein fester Bestandteil der Alpinflugwoche ist seit zwei Jahren der beliebte Bastelwettbewerb. Dieses Jahr bestand die Aufgabe darin, aus Kohlestäbchen und Depron einen möglichst kreativen Wurfgleiter zu bauen. Die Wertung erfolgte in zwei Teilen: In der Bauwertung wurden Kreativität und Bauausführung bewertet, in der Flugwertung wurde einfach die Flugzeit gemessen. Auch dieses Jahr waren die Ansätze sehr unterschiedlich und reichten von normalen Wurfgleitern, über ein durch die Europameisterschaft inspiriertes Fußballstadion, bis hin zu einem Oldtimer mit gefedertem Fahrwerk. Den Wettbewerb entschied ein Modell mit Doppelrumpf durch haushoch überlegene Flugzeiten für sich.

Die Harmonie in der großen Gruppe zeigte sich jedoch nicht nur beim Fliegen oder bei unserem Spaßwettbewerb, sondern vor allem auch beim abendlichen gemeinsamen Bauen oder beim Diskutieren über Lösungsmöglichkeiten unterschiedlichster Probleme. Gerade auch dieser Erfahrungsaustausch macht den besonderen Reiz der Alpinflugwoche aus.



Thomas Seidel ist tot. Nur wenige Monate nach der Alpinflugwoche erreichte uns die traurige Nachricht, dass Thomas Seidel verstorben ist. Mit seinem kleinen Unternehmen "Thommys Modellbau" bot Thomas Seidel eine feine Auswahl an Segelflugmodellen und Zubehör an. Es gab kaum ein Segelflugevent, kaum eine Messe, kaum ein Hangflugmeeting, auf dem er nicht dabei war. Es wäre sicher in Thomas Seidels Sinne, dass auch im nächsten Sommer die Alpinflugwoche wieder stattfindet. Weitere Informationen in der Facebook-Gruppe "Alpinflugwoche" und unter www.hangflug.info.


Die Gemeinschaft der Teilnehmer ist groß, der Spaß am gemeinsamen Modellfliegen ebenso

Hochleistungsmodelle aller Größen können auf der Alpinflugwoche geflogen werden

Auch mit eher thermikorientierten Großseglern hat man seinen Spaß beim alpinen Fliegen

Elektrifizierte Leistungssegler sind quasi eine "Allzweckwaffe" für jede Wetterlage

Der Bastelwettbewerb hat Spaß gemacht und bei manchem Teilnehmer eine kreative Ader freigelegt

Die Modelle der Teilnehmer wurden alle im großen Lagerraum aufbewahrt. Direkt vor der Tür ging es zum Fliegen



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2017

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