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Kantig schön

Der "Zlin Cmelak" von GB-Models


Der "Zlin Cmelak" von GB-Models ist ein ganz außergewöhnlicher Elektroschlepper

Bei der Ausschau nach einem potenten und außergewöhnlichen Elektroschlepper wurde Thomas Weippert bei Hepf-Modellbau in Österreich fündig: der "Zlin 137T Cmelak" mit 2,7 Metern Spannweite. Zum Antrieb wurde ein Torcman-"NT765-30" ausgewählt. Eine gelungene Kombination.

Das Original dieses außergewöhnlichen Flugzeugs wurde in den 60er-Jahren vom tschechischen Hersteller Moravan Otrokovice (heute: Zlin Aircraft Otrokovice) gebaut. Es wird bis heute als Agrarflugzeug, Schlepper und Feuerlöschflugzeug eingesetzt. Das Modell mit 2,7 Metern Spannweite stammt aus der kleinen Edelschmiede GB-Models, dem Unternehmen von Gernot Bruckmann. Angeboten werden seine Modelle hierzulande vor allem von Hepf-Modellbau. Das Modell wird komplett gebaut und bespannt geliefert. Die Bauanleitung ist gut verständlich und die mitgelieferten Teile von ordentlicher Qualität. Die erforderlichen Arbeiten beschränken sich auf das Anschlagen der Ruder, das Einschrauben des Fahrwerkes in das Flächenmittelteil und den Einbau der Fernsteuer- und Antriebskomponenten.

Nur an wenigen Details habe ich Änderungen vorgenommen: Anlenkung und Gabelkopf am Höhenruder habe ich durch robustere Teile ersetzt, wie sie auch an Jets verbaut werden - das erschien mir einfach zuverlässiger, da ich zum Transport das Höhenleitwerk immer demontieren muss. Beim Verschluss der Motor- und Kabinenhaube wich die Schraubenbefestigung ei- nem Kabinenhauben-Verschluss mit Bowdenzug-Betätigung, wie man es von Großseglern kennt. Das erleichtert und beschleunigt den Akkuwechsel erheblich. Auch wurden die hinteren Rastnasen der abnehmbaren Haube etwas verlängert, da die originalen bei starker Anströmung durch den Propeller keinen absolut sichereren Halt boten. Außerdem habe ich mir und dem Modell noch einen 114 Millimeter großen Mejzlik-Kohlefaser-Spinner spendiert, der perfekt mit der Rumpfform harmoniert.

Nachdem ich bereits in anderen Modellen gute Erfahrungen mit Torcman-Außenläuferantrieben gemacht hatte und die kompetente Beratung zu schätzen weiß, entschied ich mich auch hier für ein Produkt aus Blaustein bei Ulm: der neu erschienene "NT765-30-14-18w" mit Propelleradapter sollte es werden. Auch hier ging dem Kauf wieder eine ausgiebige Beratung voraus. In deren Verlauf wurde auch meine Wunschkombination - bestehend aus 12s-LiPo (2x 6s 8.000 mAh SLS 25/40C) und die Mejzlik-Luftschrauben 26x12 Zoll und 28x12 Zoll - vermessen. Als Regler entschied ich mich für "YGE 120HV" mit Kühlkörper.

Die Messungen ergaben bei vollem Akku mit 26x12-Zoll-Propeller 80 Ampere Stromaufnahme, beziehungsweise 3,7 Kilowatt Leistung. Mit dem 28x12-Zoll -Propeller immerhin 110 Ampere, beziehungsweise 5 Kilowatt. Um Segelflugmodelle mit 20 Kilogramm Eigengewicht und mehr zu schleppen, tut man sich als Schlepper deutlich leichter mit der stärkeren Variante.

Viel Wert legte ich auch auf die hochwertige Ausstattung in punkto RC-Komponenten: Als Servos auf allen Rudern kamen Savöx-"SA1256TG" ins Modell, insgesamt acht Stück. Nur auf die Schleppkupplung wurde ein Hitec-"HS7955TG" montiert. Als Empfänger habe ich einen "R14" von Jeti ausgewählt, zusätzlich ausgestattet mit "MUI 200 EX", "MaxBEC 2D EX", "MV Vario EX" und "Expander E4".

Der Erstflug sollte an einem ruhigen Tag auf dem Modellflugplatz der MFG Wächtersberg stattfinden - erste Roll- und Lenkversuche wirkten ebenso beruhigend wie Kommentare von Fliegerkollegen: "Das Modell ist so hässlich, dass es schon wieder schön ist." Also: mutig Motorleistung reingeschoben und nach ein paar Metern Rollstrecke war die "Cmelak" auch schon in ihrem Element. Dann erst mal den Motor gedrosselt um in der ersten Platzrunde in Ruhe kleine Trimmarbeiten zu erledigen. Das Modell flog von Beginn an sehr gutmütig, reagierte erwartungsgemäß auf alle Ruderbefehle und erzeugte sofort Vertrauen beim Piloten. Beim schrittweisen Gas geben wurde schnell klar, dass die für den F-Schlepp benötigte Leistung abrufbar ist - der Antrieb zog die modelleigenen 15 Kilogramm senkrecht in Richtung Himmel.

Endanflug und Landeeinteilung waren ebenso unkritisch. Mit voll ausgefahrenen Landeklappen kommt die "Czmelak" mit sehr kurzen Landestrecken aus - bei etwas Gegenwind scheint das Modell fast stehenzubleiben. Trotz butterweicher Landungen ist beim fünften Flug völlig unerwartet das linke Fahrwerk aus seiner Halterung gebrochen - hier wurde anscheinend et-was zu sehr an Kleber gespart. Ich gab Rück- meldung an Hepf, um solche Probleme in Zukunft abzustellen. Nach kurzer Zeit bekam ich die Nachricht, dass GB ein neues Flächenmittelteil zusenden wird. Guter Service und ein Zeichen dafür, dass sie daraus gelernt haben.

Für den Schleppbetrieb gelten ähnliche Flugeigenschaften wie beim Soloflug: Sehr angenehm und gutmütig zieht der Schlepper Segel- flugmodelle bis 25 Kilogramm hoch. Mit den beschriebenen 12s-Flugakkus sind bei Seglern der 5- bis 6-m-Klasse drei Schlepps auf circa 400 Meter möglich. Die Motorlaufzeit beträgt rund sechs Minuten, was ungefähr 3,5 Meter/Sekunde Steigen entspricht. Über den Jeti-Rückkanal kommt ja rechtzeitig die Meldung "Akkus leer". Dann wird ein kurzer Boxenstopp zum Akkuwechsel eingelegt. Die große und schnell abnehmbare Kabinenhaube erlaubt einen schnel- len Wechsel ohne Fingerakrobatik. Der Motor selbst ist nach drei aufeinanderfolgenden Schlepps zwar warm, aber noch weit weg von den zulässigen 125 Grad.

Wer auf der Suche nach einem ausgefallenen und fast kompletten Elektro-Schleppmodell ist, hat mit der "Cmelak" von GB-Models sicher seine Freude. Die Holzkonstruktion ist sauber verarbeitet und die Struktur sinnvoll ausgelegt, auch für die hohen Belastungen beim F-Schlepp. Trotz der Größe ist das Modell durch die Möglichkeit es zu zerlegen, problemlos auch in ei-nem PKW zu transportieren.

Thomas Weippert


Fakten

"Zlin Cmelak" von GB-Models
Ein ungewöhnlicher Elektroschlepper

Spannweite: 2.700 mm
Länge: 1.700 mm
Gewicht: 15,5 kg
Preis: 969,- Euro
Bezug bei Hepf Modellbau
Tel.: 0043/5373/570033
www.hepf.com


Motorisiert wurde das Modell mit einem Torcman-"NT765-30" und 12s-LiPo

Durch die lange abnehmbare Haube ist der Innenraum gut zugänglich

Die neue Anlenkung des Höhenruders mit robusten Bauteilen

Zum Verschließen der Haube wurde ein Kabinenhauben-Verschluss mit Bowdenzug-Betätigung installiert

Die Stromversorgung der Empfangsanlage erfolgt über Jeti-Bauteile

Der 114 Millimeter große Mejzlik-Kohlefaser-Spinner harmoniert perfekt mit der Rumpfform

Zum Erstflug ging es zur MFG Wächtersberg - ein perfektes Fluggelände

Das Modell flog von Beginn an sehr gutmütig, reagierte erwartungsgemäß auf alle Ruderbefehle und erzeugte sofort Vertrauen beim Piloten

Mit voll ausgefahrenen Landeklappen kommt der "Czmelak" mit sehr kurzen Landestrecken aus



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