TECHNIK

Doppelt ist besser

Das Ladegerät "Power Peak D7"


Das "Power Peak D7" hat zwei große Displays und zwei Folientastaturen zum Einstellen

Die beliebten "Power Peak"-Ladegeräte sind inzwischen von Multiplex erhältlich - und das ist gut so! Sie haben ein Alleinstellungsmerkmal, das BID-System. Herbert Locklair hat sich dem D7 angenommen und erklärt, was das BID-System ist.

Das hier vorgestellte "D7" hat zwei Besonderheiten: Erstens ist es wahlweise sowohl mit 230 Volt Wechselstrom, als auch mit 12 bis 18 Volt Gleichstrom zu betreiben. Zweitens hat es zwei komplett voneinander getrennte Ausgänge, die jeweils mit maximal 20 Ampere Ladestrom bis zu 7s-LiPo laden können. Vor allem Letztere war für mich der entscheidende Grund zur Anschaffung, da ich bei großen Motormodellen grundsätzlich 14s-Akkus fliege, die aus zwei 7s-Akku- packs seriell zusammengeschaltet, aber getrennt geladen werden. So kann ich beide Packs zusammen laden und selbst ein 14s2p-LiPo mit zehn Amperestunden ist nach etwas mehr als einer Stunde voll.

Das "Power Peak D7" geht mit 200 Watt an jeden Ausgang ran, egal ob mit 230 oder 12 Volt. Das sind dann bei 7s etwas über sieben Ampere Ladestrom pro Ausgang. Verständlich, dass es dann mit seiner Größe nicht in eine Streichholzschachtel passt und mit 2,6 Kilogramm auch einiges auf die Waage bringt. Der Lieferumfang ist übersichtlich: Ladegerät mit 12-Volt-Zuführungskabeln, zwei Krokodilklemmen zum Anschluss an eine Batterie und Netzkabel.

Geöffnet macht alles einen sehr professionellen, durchdachten Aufbau. Hinten befinden sich das leistungsstarke Schaltnetzteil, dann der große Kühlkörper und davor die getrennt aufgebaute Ladeelektronik. Das aufwändig aufgebaute Netzteil muss circa 450 Watt liefern, um jeden Ladeausgang auch 200 Watt Leistung spendieren zu können. Denn dazwischen hängt noch der Step-down- und Step-up-Spannungswandler, der mit einem Wirkungsgrad von ungefähr 90 Prozent arbeitet. Die 200 Watt kommen nämlich auch tatsächlich am Ausgang an. Die Leistung wird nicht nur versprochen, sondern auch gehalten.

Das stabile Metallgehäuse wird mit zwei Kunststoffseitenteilen zusammengehalten, die auch die vier Lüfter beherbergen. Die arbeiten leistungsabhängig und sind relativ leise. Im Pultteil sind die beiden LCD-Displays und die je vier Folientasten zum Einstellen. In der Gehäusefront haben alle Steckkontakte ihren Platz: Ladebuchsen, EH-Balancer-Anschluss, BID-An- schluss und zwei Mini-USB für Softwarereleases. Außerdem mittig noch eine 5V/1A-USB-Buchse zum Laden von Handys, Sendern und verschiedenem mehr. Multiplex hat dem "Power Peak D7" außerdem eine sehr ausführliche und bebilderte Anleitung beigefügt, anhand derer die Einstellungen schnell vorgenommen werden kön- nen. Wer jedoch schon mal ein Ladegerät bedient hat, der kommt auch ohne aus.

Es können alle herkömmlichen Akkutypen (Blei, NiMH, NiCd, LiPo, LiFe, LiIon) geladen werden. Für Ni-Akkutypen steht auch ein Formierungsprogramm (3x Entladen/Laden) zur Verfügung. Bei Lithium-Akkus heißt es zwischen Laden (kommt immer als Erstes), Entladen, Lagern, Schnelladen und Balancieren zu entscheiden. Bei allen Li-Akkuarten können Entlade- und Vollladespannung getrennt in gewissen Bereichen eingestellt werden. Dabei achtet die Elektronik schon darauf, dass die Akkus nicht über- laden werden können. Beim LiPo kann sogar bis 4,35 Volt pro Zelle gegangen werden, damit kann das "Power Peak D7" sogar die neuen HV-LiPo-Akkus vollladen.

Bevor es aber losgeht, können allgemeine Einstellungen wie maximale Ladedauer, maximale Ladekapazität, Unterspannungsgrenze, Tastenton und vieles mehr eingestellt werden. Den Ladezustand der Akkus kann man übrigens schnell durch Anstecken des Balancerkabels feststellen, ohne in einen Lademodus zu gehen. Tests mit einem 6s-LiPo 5.000 mAh (von dem zwei Zellen zwei Volt aufwiesen, während die anderen schon bei 3,9 Volt waren) zeigten, dass im Balancermodus schon gut ausgeglichen wird. Bei dem erheblichen Unterschied waren nur zwei Lade- und ein Entladevorgang (Balancer) notwendig, um die Zellen auf ein gleichmäßiges Niveau zu heben - alle Achtung! Dass das natürlich dauert, ist logisch. Denn die Lade- beziehungsweise Entladeleistung muss ja wegen des ausgiebigen Balancereinsatzes stark reduziert werden.

Das integrierte BID System stellt einen hohen Sicherheitsstandard dar, auch dass das "Power Peak D7" im Li-Modus nur mit Balancer laden will: Ist der nicht dran, geht nix! Aber auch bei einer Diskrepanz zwischen gewählter Zellenzahl im Display und dem vom Balancer gemeldeten heißt es: njet! Alles richtig einstellen, dann kann es losgehen, aber nur dann!

Noch besser geht es mit dem BID-System (Battery Identification System): Es gewährleistet, dass zu jedem Akku vollautomatisch die richtige Ladespezifikation gewählt wird. Dazu werden einmalig Akkuart, Zellenzahl, Lade- und Entladestrom und die erste Inbetriebnahme des Akkus eingespeichert. Das geschieht, wenn zum ersten Mal ein BID an ein BID-Ladegerät angeschlossen wird. Während des Laden/Entladens werden vom Ladegerät die Daten an den Chip gegeben, sodass ich mir auch danach noch die Daten des letzten Lade- und Entladevorganges anschauen kann. Die BID werden als einzelne Chips mit Buchse geliefert, können am Akku mit Heißkleber oder Klebeband befestigt werden und müssen über ein BID-Kabel mit Ladegerät verbunden werden. Alternativ sind so genannte BID-Keys erhältlich, die in das Ladegerät gesteckt werden.

Die zwei Mal 200 Watt am Ladeausgang stellen einen sehr guten Wert dar. Nur die Entladeleistungen mit zwei Mal 36 Watt sind schon wenig. Bei 7s wird mit nur etwas über einem Ampere entladen, das dauert dann schon ewig! Will ich die Akkus winterfest ("Storage") machen, braucht es schon eine Weile.

Meine Tests habe ich mit einem Roxxy-Akku 14s2p-LiPo mit insgesamt zehn Amperestunden gemacht. Da Akkus ja ohnehin nur bis maximal 80 Prozent entladen werden sollen, reichen die 200 Watt Ladeleistung auch da aus, um ihn in etwas über eine Stunde wieder flugbereit zu machen. Der Balancer arbeitet auch bei großer Zellendrift zuverlässig, der tatsächliche Balancer- strom von circa 220 Milliampere sorgt bei weit verbreiteten Kapazitäten (2.000 bis 3.600 mAh) auch für schnelle Ladezeiten. Eine Drift am Ende von 1/100 Volt sind mehr als in Ordnung. Die Ladeströme betragen bis zu 20 Ampere, die Entladeströme maximal zehn Ampere. Das allerdings bei sehr reduzierter Zellenzahl. Für die im Modellbau meist verwendeten Akkus geht die Leistung mehr als in Ordnung!

Das "Power Peak D7" ist ein leistungsstarkes Ladegerät, das durch seine zwei Spannungseingänge (230 und 12 Volt) nicht nur zu Hause, sondern auch auf dem Flugplatz betrieben werden kann. Ein separates Netzteil erübrigt sich. Die zwei Ladeausgänge liefern immer ihre 200 Watt Ladeleistung ab. Die Bedienung ist einfach, korrektes Arbeiten ist selbstverständlich. Schön wären noch Balancerboards in der Grundausstattung.

Herbert Locklair


Fakten

"Power Peak D7" von Multiplex
Ein universelles Power-Ladegerät

Eingangsspannung Gleichstrom: 10,5-18 Volt
Eingangsspannung Wechselstrom: 100-230 Volt
Ladeleistung: 2x 200 W
Entladeleistung 2 x 36 W
Ladestrom: 2x 0,1 - 20 A
Entladestrom: 2x 0,1 - 10 A
Balancerstrom: 300 mA
Zellenzahl:
LiFe/LiIon/LiPo: 1s - 7s
NiCd/NiMh: 1 - 18
Blei: 1 - 12
Preis: 299,- Euro
Bezug im Fachhandel
www.multiplex-rc.de


Die Frontseite enthält alle Ausgänge. Sogar an eine 5V/1A-USB-Buchse ist gedacht worden

Seitlich sind die Lüfter versteckt, die je nach Bedarf eingeschaltet werden und recht leise sind.

Aufgeräumt und wohl sortiert geht es im Innern zu. Hinten das 450 Watt Netzteil, dann der starke Kühlkörper, davor die getrennt aufgebaute Ladeelektronik. Links und rechts je zwei Ventilatoren. Vorn die LCD-Anzeigen mit der Tastatur

Hinter den beiden Platinen verstecken sich LCD-Display und Folientastatur

Auch solche Boliden (14s2p 10.000 mAh) sind kein Problem

Anfangs sind die Nutzereinstellungen zu kontrollieren und eventuell einzustellen. Die Zeitgrenze sollte bei größeren Akkus (5.000 mAh und höher) auf mindestens drei Stunden eingestellt werden

20 Speicher stehen zur Verfügung. Diese können je nach Bedarf eingestellt werden

Bei Li-Zellen können fünf Modi gewählt werden

Auf Wunsch werden Spannungskurve und .

.. die Spannung der einzelnen Zellen abgerufen

Ist ein BID angeschlossen, kann es gleich ans Laden gehen

Bei Verwendung des BID gibt es noch zusätzliche Informationen. Entladen wird mit maximal 36 Watt

Mit Chip im Akku oder nummeriertem BID-Key erhält das Ladegerät seine Informationen

Mit dem Chip lässt sich jeder Akku ausrüsten. "Roxxy"-Akkus (rechts) sind es ab Werk



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2017

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