REPORTAGE

F3F-Szene

Weltmeisterschaft fand wieder auf der Insel Rügen statt


Das obligatorische Gruppenfoto mit Piloten und Helfern am Goorer Berg

Kap Arkona auf der Insel Rügen - weltweit für die Kreidefelsen bekannt - verfügt über einige der anspruchsvollsten Hänge im F3F-Zirkus. Zum zweiten Mal nach 2012 fand dort die FAI-Weltmeisterschaft der Kategorie F3F statt. Stefan Bertschi war für AUFWIND mit dabei.

63 Piloten - darunter drei Junioren - aus 21 Ländern und vier Kontinenten hofften auf eine Wo-che mit viel Wind und wenig Regen. Das Veran- stalterteam um Erik Schufmann und dem MFSC TUD e.V. hatte einen festen Plan: Die Piloten sollten auf einer Strecke von 10 x 100 Metern möglichst viele Runden fliegen. Und das von Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 18 Uhr und am Samstag von 9 bis 12 Uhr. So weit, so gut! Allerdings hielt sich das Wetter nicht an den Plan.

Begonnen hat alles sogar sehr gut: Am Montagmorgen, pünktlich 9 Uhr, ließ Wettbewerbsdirektor Armin Hortitz (Contest Director) keinen Geringeren als Espen Torp als ersten Piloten in den Kurs am Goorer Berg. Der Wind blies mit acht bis neun Metern/Sekunde und die Sonne strahlte vom Himmel. Schnell wurde klar, dass der Weg zum Titel über die beiden österreichischen Piloten Lukas Gaubatz und Philipp Stary führen wird. Die beiden zeigten ab der ersten Runde höchste Präzision in der Strecke und eine schlafwandlerische Sicherheit beim Treffen der Wendemarken. Andere Favoriten wie Pierre Rondel (F), Sébastien Lanes (F) oder Radovan Plch (CZ) zeigten ebenfalls von Beginn an gute und sehr gute Flüge. Sie kamen jedoch an die Zeiten von Lukas und Philipp nicht heran. Die deutschen Piloten hatten an diesem ersten Tag Anlaufschwierigkeiten. Sowohl der amtierende Weltmeister Thorsten Folkers als auch seine Teamkol- legen Siegfried Schedel und Tobias Reik fanden keine fliegerische Antwort auf die Topzeiten.

Am zweiten Tag begann dann die Wetter-Misere. Sie sollte uns über große Teile der WM begleiten: strahlender Sonnenschein, aber leider grenzwertig wenig Wind aus zum Teil unglücklichen Richtungen. Dazu muss man etwas wissen: F3F wird ab drei Metern/Sekunde (ca. 12 km/h) bis 25 Metern/Sekunde/Sek (90 km/h) bei bis maximal 45 Grad schrägem Wind geflogen. Wir Piloten lieben das obere Ende der Windgeschwin- digkeits-Skala und das untere Ende der Abweichungs-Skala. Dann können wir Geschwindigkeit machen - schnell ist besser als langsam.

Nachdem wir am ersten Tag vier Runden fliegen konnten, ließ der Wind am zweiten Tag nur noch knappe zwei Runden zu. Ein Drittel der Runde 6 wurde infolge eines Protests des Teams Polen sogar gestrichen. Der Protest bezog sich auf eine nicht funktionierende Windmessanlage an den ersten beiden Tagen. Die wurde bei der German Open (Vorwettbewerb) von einem aus-tralischen Piloten abgeschossen. Die verflixte sechste Runde zog sich dann über gut anderthalb Tage hin. Und das an drei unterschiedlichen Hängen (Goorer Berg, Turbulator und Vitt). Dann erst meldete sich Windgott Aeolus am Donnerstag zurück. Mit acht bis zehn Metern/Sekunde, ziemlich genau hin zum Hang in Vitt.

Endlich war wieder Spektakel möglich. Die Rundenzeiten begannen zu fallen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die erste Sub-30-er Zeit gestoppt wurde. Andreas Böhlen aus der Schweiz war der erste Pilot in Richtung unter 40 Sekunden. Sein Flug wurde aber relativ abrupt auf Strecke 6 unterbrochen: Der linke Flügel touchierte das Gras und sein "Pitbull" vollführte eine Figur, die man wohl mit ½-Flat-Spin nach rechts mit Viertelrolle nach links bezeichnen kann. Ja es wird tief geflogen bei F3F. Doch beherzt brachte Andreas den Flieger wieder unter Kontrolle. Er flog die restlichen Strecken zu Ende, aber eine gute Zeit war natürlich nicht mehr möglich.

Der erste unter 40 Sekunden war Lukas Gaubatz: Seine 39,97 wurden in der Runde 7 nicht mehr unterboten. Allerdings vom Spanier Inaki Elizondo egalisiert, sodass zwei Tausender vergeben wurden. In Runde 9 haute dann Lukas Gaubatz mit 38,0 die schnellste Zeit des ganzen Wettbewerbes raus. Am Ende des Tages waren zehn Runden geflogen. Von der Spitze grüßten immer noch die zwei Österreicher Lukas Gaubatz (1) und Philipp Stary (2). Dritter zu diesem Zeitpunkt war der junge Franzose Sébastien Lanes. Knapp hinter dem Podest folgten Radovan Plch und das deutsche F3F-Urgestein Sigi Schedel.

Ja, die intensive Videoanalyse der deutschen Mannschaft scheint sich ausbezahlt zu haben. Neben Sigi konnte sich auch Thorsten in die Top Ten vorarbeiten und Tobias ergänzte das Teamresultat mit einem guten neunten Platz. In der Teamwertung stand das Team Österreich (Gaubatz, Stary, Fraundorfer) ganz oben, gefolgt von den Franzosen und den Deutschen.

Neben dem rein sportlichen Aspekt ist eine WM ja auch immer eine gute Gelegenheit alte Freundschaften zu pflegen und neue zu schließen. Ob am Hang oder an einer der offiziellen oder inoffiziellen Abendveranstaltungen. Es wurde viel gelacht, analysiert und vereinzelt auch (über sich selbst) geflucht. Natürlich war auch das eingesetzte Material ein großes Thema. Mengenmässig dominiert haben - wie schon in den vergangenen Jahren - die "Freestyler"-Modelle aus dem Hause TUD Modellbautechnik. Gefolgt von den "Pitbull" von Baudis und dem Aer-o-Tec-"Shinto". Auch ein paar wenige Eigenbauten waren am Start. Stefan Fraundorfer beispielsweise flog seinen "Impuls", dem Verneh- men nach bald bei Aer-o-Tec erhältlich. Markus Meissner setzte sehr erfolgreich seinen "Neo" ein und Frits Donker Duyvis seinen "Empy". Einen guten Eindruck hinterlassen hat auch der neuste Wurf von Philip Kolb und Benjamin Rodax - genannt "Device" - der über Martin Weberschock bezogen werden kann.

Tag 5 der WM brachte uns zurück an den Goorer Berg. Am Morgen waren die Bedingungen noch relativ konstant. Doch dann wurde der Wind schwächer und das Ganze zur Lotterie. Runde 12 konnte noch geflogen werden, Runde 13 musste nach zwei Drittel des Feldes wegen Windmangel abgebrochen werden. Was einmal mehr Groupscoring in drei Gruppen bedeutete.

Von den Favoriten hatten Lukas Gaubatz (906,25 Punkte) und Sebastien Lanes (963,43 Punkte) bereits ein Resultat. Noch nicht geflogen waren Philipp Stary (nach 12 Runden in Führung) und Thorsten Folkers, der nur noch wenige Punkte hinter Sébastien Lanes auf dem vierten Platz lag. Ob überhaupt noch einmal geflogen werden konnte, war zu diesem Zeitpunkt nicht klar. Also ging das wilde Rechnen und Spekulieren los.

Es war der letzte Tag und wie befürchtet marginaler Wind am Goorer Berg: Die Minuten und Stunden verstrichen und außer einigen "Alula" im Luftkampf bewegte sich gar nichts an der Kante. Gegen 11:30 Uhr frischte der Wind ein bisschen auf und um 11:45 entschloss sich der Wettbewerbsdirektor die 13. Runde noch zu Ende zu fliegen. Jetzt wurde es sehr spannend: Nicht bei den Plätzen 1 und 2, die waren gesetzt. Philipp Stary hätte sich eine Null schreiben lassen können und wäre Weltmeister geworden. Aber sollte Thorsten mehr als 91,31 Punkte machen, würde er Sébastien Lanes noch vom Podium verdrängen. Um es kurz zu machen: Thorsten konnte die Gruppe 3 gewinnen, ließ sich 1.000 Punkte schreiben und schloss nach einem quasi Fehlstart die WM auf dem sehr guten dritten Platz ab.

Der strahlende und verdiente Weltmeister war aber Philipp Stary. Er hat sich in keiner einzigen Runde einen größeren Fehler erlaubt und von 13 Runden sechs für sich entschieden, davon eine gesplittete Runde. Lukas auf dem zweiten Platz lag nur 25 Punkte hinter Philipp und konnte vier Runden für sich entscheiden. Bei den Mannschaften platzierten sich die Österreicher auf dem ersten Platz (Philipp Stary, Lukas Gaubatz, Stefan Fraundorfer und Teammanager Mario Perner). Zweiter wurde das Team Deutschland (Thorsten Folkers, Sigi Schedel und Teammanager Axel Barnizke). Den dritten Platz belegten die Franzosen (Sébastien Lanes, Matthieu Mervelet, Pierre Rondel und Teammanager Andreas Fricke). Bei den Junioren konnte Antek Kania (Polen) seinen Titel erfolgreich verteidigen.

Bevor es 2020 zur nächsten WM nach Frankreich geht, möchte ich im Namen aller Piloten den Organisatoren von Rügen 2018 für ihr Engagement danken. Wir Piloten hatten WiFi am Hang, wurden an drei Banketten kulinarisch verwöhnt und der Livestream vom Hang bescherte uns - nach gewissen Anlaufschwierigkeiten - stetige Kommentare und Aufmunterungen der Daheimgebliebenen. Ein spezieller Dank an Armin Hortitz und seine Crew an der Flight-Line. Die Bedingungen machten ihnen das Leben nicht gerade leicht. Sie aber haben sämtliche Klippen souverän umschifft!

Stefan Bertschi
Fotos: Stefan Bertschi, Pierre Rondel



Weitere Informationen online www.wm2018.f3f.de - Offizielle Website des Veranstalters www.f3xvault.com/?action=event&function=event_view&event_id=1385 - Sämtliche Resultate aller Runden: Videoblog des Schweizer Teammanagers www.rc-network.de/forum/showthread.php/704239-F3F-Weltmeisterschaft-2018-in-Deutschland - Newsfeed des Deutschen Teams


Wettbewerbsdirektor Armin Hortitz mit kritischem Blick in Richtung Kante


Der spätere Junioren Weltmeister Antek Kania (PL) in der Strecke (Modell: "Respect")


Ein "Striborg" von RTG im Himmel über Rügen


Vizeweltmeister Lukas Gaubatz (AUT) in der Ready Box mit seinem "Pitbull 2"


Stefan Bertschi (Pilot) und Markus Meissner vom Team Schweiz an der Arbeit mit ihrem "Freestyler 5"


Das Team UK beim Besprechen der neuen Taktik. Das Modell ist ein "Redshift"


Start eines "Pitbull 2" vom Team Deutschland


Warten und Beobachten in der Ready-Box


Alvaro Silgado aus Spanien auf dem Weg zur Landung


Der Schreiber scheint mit dem Flug mehr oder weniger zufrieden zu sein


Ein eher suboptimaler Start in Richtung ruhiger Ostsee


Pierre Rondel (FR) mit seinem "Quantum" am Goorer Berg


Weltmeister Philipp Stary (AUT), Vize-Weltmeister Lukas Gaubatz (AUT) und der drittplatzierte Thorsten Folkers (DE)


Das Podium bei den Teams: Österreich vor Deutschland und Frankreich



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 1/2019

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