REPORTAGE

RC-OLC

Das 4. Internationale RC-OLC-Treffen 2019 am "Moosberg"


Die Startstelle am "Moosberg" liegt 125 Meter über der Talsohle

Das RC-OLC-Treffen wurde 2016 auf Initiative von Reiner Rose ins Leben gerufen. Seither findet das Segler-Event jährlich statt. Ziele sind Erfahrungsaustausch und Praxisvertiefung im Dreiecksflug am Hang. Hansjörg Rietmann berichtet.

An der vierten Auflage des Treffens vom 16. bis zum 19. Juni auf dem Moosberg beteiligten sich neun Modellflieger. Sie kamen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Erstmals wurden Wettbewerbsflüge absolviert und eine Rangliste erstellt.

Der Moosberg ist der Haushang des Modellfliegerhotels "Goldenes Lamm" in Weissenbach im Tiroler Lechtal. Mit 1.025 Metern Höhe liegt er 125 Meter über dem Talgrund. Der Hang ist Südost-orientiert und bietet damit eine herrliche Sicht über das Tal. Über der Hangflanke und dem vorgelagerten Gelände bildet sich schon vormittags gute Thermik. Selbst bei bedecktem Himmel trägt der Hang gleichmäßig und großflächig. So sind selbst bei solchen Wetterlagen stundenlange Flüge möglich. Die Landewiese liegt seitlich der Skipiste, leicht unterhalb des Plateaus. Sie ist übersichtlich, vollkommen hindernisfrei und etwa 100 Meter breit. Kleinere Segler können allerdings auch auf dem Plateau landen.

Die Anreise ins Hotel erfolgte am Sonntag. Einige Kollegen kamen schon am Vormittag an. Sie wollten schon mal auf dem etwa 2000 Meter hoch gelegenen "Hahnenkamm" fliegen. Mein Sohn Daniel und ich trafen um 13 Uhr im "Goldenen Lamm" ein. Gleich darauf statteten wir dem Moosberg einen Willkommensbesuch ab. Die Startstelle ist in einem 30-minütigen Fußmarsch oder mit dem E-Bike über eine Güterstraße erreichbar. Dort angekommen, kurvten Kollegen bereits mit ihren Modellen in der Luft. Vom Hahnenkamm war leider nicht viel zu sehen, er war wolkenverhangen. Begrüßt wurden wir mit schwacher Thermik. Nach einigen Flugminuten der Gewöhnungsphase begann ich mit meinem ersten Wertungsflug. Ich markierte den Start-/Zielkreis mit einem kurzen Motorlauf und erflog in 55 Minuten 20 gültige Dreiecke. Danach brach ich den Flug ab und landete mit kalten Fingern im Luv. Auch die Modelle der Kollegen waren alle schon am Boden. Nach unserer Rückkehr verstauten wir die Modelle in der großen Modellflugwerkstatt des Gasthauses. Die Akkus wurden geladen und die Segler für den nächsten Tag bereitgestellt. Noch vor dem Abendessen lud ich das Logfile meines Fluges zur Auswertung auf das OLC-Portal. Mit dem Ergebnis konnte ich zufrieden sein: 74,82 Punkte waren das zweitbeste Resultat des Tages. Während des gemeinsamen Abendessens beschlossen wir, erstmals einen Wettbewerb über die vier Tage des Treffens durchzuführen. Jeweils der beste Flug des Tages eines jeden Teilnehmers sollte in die Wertung einfließen. Der schlechteste als Streichresultat gelten. Somit würden letztlich drei Flüge jedes Teilnehmers gewertet werden.

Am Montag schien bereits um 6 Uhr morgens die Sonne. Vereinzelte weiße Schönwetterwölkchen zierten das Panorama. Der Wetterbericht versprach schöne Tage bis Mittwoch. Nach ei-nem ausgiebigen Frühstück machten wir uns auf den Weg zum Moosberg. Ich nahm meinen "Typhoon" mit, die Kollegen teilweise neben den OLC-Modellen noch ein bis zwei weitere. Der bereits spürbare Talwind ließ uns frohen Mutes vorangehen. Am Ziel angekommen wurde die Si- tuation beobachtet - die Windsäcke standen goldrichtig.

Ich entschied mich für eine leichte Ballastierung mit 250 Gramm. Mein erster Flug war mit 24 gültigen, aber nicht sehr schnellen Runden ganz passabel. "Oben bleiben" war heute kein Problem. Im Laufe des Tages waren zeitweise mehrere Flugzeuge in der Luft. Die Wölkchen vom Vormittag wuchsen im Tagesverlauf zu großen Cumuli heran. Es war eine Freude, die zahlreichen manntragenden Segelflugzeuge zu beobachten. Teilweise flogen sie sehr nahe an die bewaldete Bergflanke heran. Schon Minuten später waren sie ein paar hundert Meter höher zu sehen und zogen über den Gipfeln knapp unter den Wolken vorbei.

Mein zweiter Flug am Nachmittag war etwas schwächer. So richtig schnelle OLC-Dreiecke konnten an diesem Tag nicht geflogen werden. Dazu waren die Thermik und der Hangwind dann doch zu schwach. Nur Wolf-Rüdiger Eitelmann und Oliver Raach erflogen mit ihren "Zulu" 112,35 beziehungsweise 105,4 Punkte. Oliver Raach flog auch noch mit seiner vier Meter großen "ASW 28-18" von Royalmodell einige gültige Dreiecke. Er begeisterte uns dabei mit dem majestätischen Flugbild des Modells. "Dani" absolvierte mit seinem "Steigeisen"-DLG einen Wandersegelflug hinunter ins Tal. Oliver Raach, Kurt Albrecht, Wolf-Rüdiger Eitelmann blieben noch etwas länger. Wieder zurück im "Goldenen Lamm" beendeten wir einen schönen und erfolgreichen Tag. Tagessieger Wolf-Rüdiger Eitelmann offerierte eine Runde. Mit 112,35 Punkten übertraf er den bisherigen OLC-Rekord am Moosberg aus dem Jahr 2017 (91,81 Punkte; Kurt Albrecht) deutlich.

Am Dienstag brachte die Großwetterlage eine nördliche Höhenströmung. Dies ist für den Moosberg ungünstig, weil der Hang im Lee des vorgelagerten hohen Berghangs der Gaichtspitze liegt. Um 11 Uhr starteten die Ersten zu Testflügen, die katastrophal ausfielen. Die Thermik wurde im großen Leewirbel zerrissen und heruntergedrückt. Dies ergab "böse Luft", wie wir Piloten sagen. Die Modelle flogen nicht mehr richtig, ließen den Schwanz hängen und sackten zeitweise bedenklich talwärts. Modelle ohne Elektroantrieb mussten mehrfach von den tieferliegenden Hangpartien heraufgeholt werden. Abwarten war angesagt. Dafür bot sich Gelegenheit zum Fachsimpeln über alle möglichen Themen. Beispielsweise über True-/Indicated Air- speed, Luftdichte, Re-Zahl, bestes Gleiten, Logger, Telemetrie und RC-Programmierung. Derweil glitten die Manntragenden unbehelligt über uns dahin. Gegen 15 Uhr besserte sich die Situation. Die Cumuli wurden größer und die Thermik besserte sich merklich. So konnten die meisten doch noch erfolgreiche Flüge mit guten Resultaten absolvieren. Ich hatte Glück, erflog in einem knapp zweistündigen Flug mit dem unballastierten "Typhoon" 39 gültige Dreiecke. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der zehn besten Run- den betrug 69,7 Stundenkilometer über 10,37 Kilometer Strecke. Mit den resultierenden 95,48 Punkten wurde ich Tagessieger. Somit war auch klar, wer die Abendrunde zu bezahlen hatte! Zeitweise waren viele Modelle gleichzeitig in der Luft. Da die meisten Piloten auf ihren Dreieckskursen den Startplatz zu überfliegen hatten, war die Kollisionsgefahr groß. Dank umsichtiger Flugweise blieben alle Modelle heil. Einmal mehr zeigte sich an diesem Tag, wie schnell sich das Wetter ändern kann.

Um im OLC gute Resultate zu erreichen, braucht es oft Geduld und Ausdauer. Immer wieder neu starten ist besser als über die Frage zu philosophieren, ob es tragen würde oder nicht. Gegen 18 Uhr streifte uns ein Gewitter und machte dem Flugbetrieb ein Ende. Vom großen Regen wurden wir jedoch verschont, sodass wir praktisch trocken ins Tal gelangten. "Dani" startete wiederum zu einem Wandersegelflug und Kurt Albrecht steuerte zwei Modelle vom Plateau aus zur Landung auf dem 120 Meter tiefer gelegenen Talgrund. Auch an diesem Abend wurde nach dem feinen Abendessen noch lange diskutiert. Für alle Teilnehmer ist der fachliche und persönliche Austausch mindestens so wichtig wie die gemeinsame Praxis im Hangfliegen.

Am Mittwoch entschieden wir beim Frühstück, nochmals am Moosberg zu fliegen. Also nicht auf den östlich gelegenen Hönig auf 2.034 Meter oder auf den "Hahnenkamm" zu steigen. Die meisten Teilnehmer wollten an diesem Tag die Heimreise antreten. Wir erwarteten eher schwache Verhältnisse, die Großwetterlage hatte sich nicht wesentlich verändert. Deshalb entschied ich mich, neben dem "Typhoon" auch noch den 800 Gramm leichten "Onyx Pro 2.0" hochzutragen. Kleine Schönwetterwölklein zierten den blauen Himmel und sorgten zwischendurch für kurze Schattenperioden, als ich um 12 Uhr den "Onyx" zu einem Testflug startete. Die thermischen Bedingungen waren noch schwach und Wind gab es auch nicht. Zu meiner Überraschung konnte ich trotzdem innerhalb kurzer Zeit einige Dreiecke fliegen. Nach einer Stunde Flugzeit landete ich das Modell butterweich auf dem Plateau. Die abendliche Auswertung durch den OLC-Server ergab dann 55,03 Punkte aus dem einstündigen Flug mit neun gültigen Runden und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40,17 Stundenkilometern. Kurz nach mir konnten zwei weitere Teilnehmer, ebenfalls mit Leichtseglern, ansprechende Resultate erzielen: Oliver Raach mit seinem Multiplex-"Funglider" holte 54,12 Punkte und Paul Willutzki mit dem "Snipe EL" von Mahmoudi sogar 59,68 Punkte. Danach stellte sich wieder eine Thermikpause ein. "Dani" und ich warteten den ganzen Nachmittag vergebens auf bessere Thermik oder Wind. Die Piloten mit den schwereren Modellen, so auch "Dani" mit seinem "Tomcat", hatten keine Chance, die immer wieder auftretenden Thermikflauten zu überdauern.

Nach 16 Uhr musste ich zusammen mit meinem Sohn den Moosberg und unsere OLC-Kollegen verlassen. Wir machten uns auf den Heim- weg. Die verbleibenden Piloten hatten Glück, weil sich danach die Thermik nochmals zurückmeldete. Bis 18 Uhr wurden noch fünf gute Resultate erzielt. Wolf-Rüdiger Eitelmann wurde mit seinem "Zulu" Tagesbester mit 81,42 Punkten. Damit ging der offizielle Teil des vierten RC-OLC-Treffens am Moosberg zu Ende. Oliver Raach, Wolf-Rüdiger Eitelmann und Martin Brasche nutzten die Chance und blieben noch einen weiteren Tag. Sie konnten nochmals schöne Flüge mit ansprechenden Resultaten erzielen.

Im nächsten Beitrag werde ich die Technik des OLC-Fliegens am Hang beschreiben. Diese unterscheidet sich zwar nicht grundsätzlich vom OLC in der Thermik, weist jedoch einige Besonderheiten auf. Zudem werde ich drei erfolgreiche Modelle vorstellen.

Hansjörg Rietmann


Das Modellfliegerhotel "Goldenes Lamm". Auch der Gastwirt ist ein leidenschaftlicher Modellflieger


Angeregte Diskussion in der Modellflugwerkstatt mit (von links) Kurt Albrecht, Paul Willutzki, Wolf-Rüdiger Eitelmann und Oliver Raach


Die Startstelle liegt auf einem Plateau und bietet eine schöne Sicht über das Lechtal und die Tiroler Alpen


Sonneneinstrahlung und horizontale Windsäcke führten zu Hochbetrieb auf dem Plateau


Oliver Raach fliegt seine vier Meter große "ASW 28-18" meisterhaft in der OLC-Aufgabe


Der "Typhoon" des Autors wird mit bis zu 500 Gramm ballastiert. Hinter der Antenne befindet sich die TEK-Düse für das Variometer


Das Abendessen war stets der kulinarische Höhepunkt des Tages (von links): Daniel Rietmann, Paul Willutzki, Norbert Mayrhofer, Wolf-Rüdiger Eitelmann, Martin Brasche, Oliver Raach, Kurt Albrecht, Harald Gleinser und Hansjörg Rietmann


Daniel Rietmann startet seinen RCRCM-"Tomcat" zu einem Wertungsflug


Mittagspause und Diskussionsrunde hinter den schattenspendenden Bäumen


Ein Gruppenbild zum Abschied (von links): Wolf Rüdiger Eitelmann, Daniel Rietmann, Norbert Mayrhofer, Olver Raach, Hansjörg Rietmann, Harald Gleinser, Paul Willutzki und Martin Brasche. Kurt Albrecht fehlt leider auf dem Bild




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