REPORT

Viva Espana!

Großseglerfliegen in Spanien


Großsegler in Spanien soweit das Auge reicht. Links sieht man den Aufenthaltsraum mit Grill. Die beiden Hangars befinden sich gleich daneben (nicht im Bild).

Eigentlich ist es doch so: Für diejenigen unter uns, die gerne mit ihrem Großsegler in der Thermik ihre Kreise ziehen, ist der Sommer viel zu kurz. Wohnt man dann auch noch in den bekannten Nebel- und Hochnebelgebieten der Alpen, ist die Flugsaison in der Ebene meist schon Ende September so gut wie abgeschlossen. Auf der Suche nach einer entsprechenden Alternative bin ich auf die Homepage von TUN-Modellbau in der Schweiz (www.tun.ch) aufmerksam geworden. Dort wird eine Möglichkeit angeboten, südlich von Barcelona, im Gebiet des Ebrodeltas, Ferien am Meer mit Modellfliegen zu verbinden. Laut Auskunft von Firmenchef Ueli Nyffenegger wurde dort von ihm ein ehemaliger UL-Flugplatz entdeckt und mit händischer Hilfe und finanzieller Unterstützung von ein paar Freunden grundsaniert.

Nach dem Stöbern im Internet und einem viel versprechenden Telefongespräch stand für mich fest, dass ich Mitte Oktober zum TUN-Herbsttreffen ins sonnige Spanien fahren würde. Blieb noch die Entscheidung, mit dem Auto die rund 1.200 Kilometer in Angriff zu nehmen, oder per Flugzeug - mit entsprechendem Modelltransport durch einen Kollegen - anzureisen. Ich entschied mich für Nobleres und so wurde gleich das Flugticket direkt im Internet gebucht und ausgedruckt.

Schon zwei Tage später saßen wir in der Wartehalle des Allgäu-Airport in Memmingen und nur etwas mehr als 1,5 Stunden später konnten wir unser Leihauto am Flughafen von Barcelona entgegennehmen. Die nächtliche Fahrt nach L’Ampolla, einem ehemaligen Fischerdorf in der Provinz Tarragona, wo wir die nächsten Tage in einem Appartementhaus mit Schwimmbad wohnen würden, dauerte ca. 40 Minuten. Am nächsten Morgen konnten wir schon einige alte Bekannte vom Schlepplager in Interlaken begrüßen. Gleich nach dem Frühstück brachen wir dann auf in Richtung Flugplatz. Dieser liegt circa 20 Kilometer im Hinterland, unweit der Ortschaft Santa Barbara. Auf der Fahrt dorthin kann man schon einige Eindrücke von der fruchtbaren Landschaft des Ebrodeltas einfangen. Dann - inmitten von Oliven- und Mandarinenplantagen - kam der Flugplatz immer näher. Dort angekommen war mein erster Eindruck: Alles da, was das Fliegerherz begehrt. Zwei große, abschließbare Hangars zum Abstellen der aufgebauten Modelle, ein Aufenthaltsraum mit Grill, Toilette, Stromaggregat, Tische im Schatten und genügend Parkplätze, um Autos und Wohnwagen bzw. Wohnmobile sicher unterzubringen. Und natürlich die 330 Meter lange Startpiste, welche in einem Bereich von 170 mal 17 Metern neu geteert wurde. Wie ich in Erfahrung bringen konnte, wird in Hinblick auf die im nächsten Jahr hier stattfindende Weltmeisterschaft im GPS-Dreiecksflug parallel zur Startpiste noch eine Graspiste angelegt.

Die nächsten Tage standen unter dem Motto: Fly hard – life is short! Je nach Lust und Laune wurde per F-Schlepp oder Klapptriebwerk gestartet. Ausgedehnte Thermikflüge oder beinharte Vorbeiflüge mit fast schon grenzwertiger Geschwindigkeit ließen jedes Segelfliegerherz höher schlagen. Besonders beeindruckt haben mich Modelle wie der große „Duo-Discus X“ und die „ASH-31“ (beide im Maßstab 1:2,5) oder der neue „Arcus“ (Maßstab 1:3) von Radim Horky (www.hmodel.cz), der hier das erste Mal mit dem „AFT25“-Klapptriebwerk geflogen wurde. Die Steigleistung dieses Großseglers hat echt begeistert. Der große „Nimbus 4“ (Maßstab 1:2,5) von Gerasis, die „DG-1000 S“ (Maßstab 1:2,25) von Paritech und die in den GPS-Dreieckswettbewerben so erfolgreiche „Antares 20E“ (Maßstab 1:3) von Jiri Baudis konnte man ebenfalls mehrfach bestaunen. Meine „Antares 20E“, ausgerüstet mit einem „JK 15 Evo II“-Klapptriebwerk hat in Spanien ihre ersten Bodenstarts erfolgreich absolviert. Ein AUFWIND-Bericht über dieses Modell ist in Arbeit. Bei den Klapptriebwerken wurde vor allem auf die Technik von Florian Schambeck (www.klapptriebwerke.de) mit „AFT-19“ und „AFT-25“ sowie JK-Klapptriebwerke (www.jk-klapptriebwerke.de) mit „JK-15 Evo II“ vertraut. Auffallend war, dass fast alle Piloten auf 2,4 GHz-Technik setzten und es während des Meetings zu keinerlei Störungen gekommen ist. Diese Technik bringt besonders im Betrieb mit Klapptriebwerken wirklich einen entscheidenden Sicherheitsbonus. Abseits vom Fliegerlager haben die Frauen einen Shoppingausflug in die Stadt Reus unternommen. Auch die Hochebene Terra Alta ist eine Reise wert. Dort werden Oliven, Obst, Getreide und Mandeln angebaut. Natürlich wurde auch noch die Temperatur des Mittelmeers am feinen Sandstrand der Costa Dorada getestet.

Wer sich nun für einen Fliegerurlaub in L’Ampolla interessiert, muss folgendermaßen vorgehen: Auf der Internetseite von TUN-Modellbau (www.tun.ch) unter „Fliegen in Spanien“ den Nutzungsvertrag downloaden, ausfüllen und an die Firma TUN zurücksenden. Alles Weitere wird dann von Ueli Nyffenegger organisiert und mit den Zuständigen vor Ort abgeklärt. Dabei handelt es sich um Willi und Margot Reist, welche bereits uns sehr herzlich aufgenommen und betreut haben. Die anfallende Benutzungsgebühr von 80,- Euro pro Woche und Person wird in den Unterhalt und die Pflege des Platzes investiert. Am Samstag und Sonntag ist auf die Mitglieder des örtlichen Modellflugclubs Rücksicht zu nehmen. Unterkunftsmöglichkeiten, Lageplan sowie die Wettervorhersage für die Region L’Ampolla können ebenso der TUN-Internetseite entnommen werden.

Abschließend möchte ich mich noch bei den Organisatoren für die herzliche Gastfreundschaft bedanken. Die gute Stimmung im Lager, das Grillen mit Küchenchef Thomas Straub sowie die traumhaften Flugbedingungen waren nur einige der Highlights, weshalb wir uns in L’Ampolla wohlgefühlt haben und gerne wiederkommen.

Text: Reinhard Hafele
Bilder: Hildegard Hafele, Theres Mejstrik



Gehört zu einem spanischen Fliegerurlaub einfach dazu: herzhaftes Essen, guter Wein und natürlich die anschließende Siesta. Organisator Ueli Nyffenegger (links) beobachtet die Szenerie.


Es gab ausreichend Zeit zum Fachsimpeln. Hier wird die „Antares 20E“ mit „JK 15 Evo II“-Klapptriebwerk begutachtet.


Die „Antares 20E“ (Spannweite 6,66 m) von Jiri Baudis und im Vertrieb von TUN-Modellbau wirkt sehr elegant und verfügt wie das Original über ausgezeichnete Flugleistungen.


Die (coolen) Schlepp-Piloten hatten alle Hände voll zu tun. Hier Siro Nyffenegger mit der vier Meter großen „Bellanca“ von Fliegerland (www.fliegerland-shop.de).


Thomas Straub flog den neuen Doppelsitzer „Arcus“ (Spannweite 6,66 m).


Gleich startet das "AFT25"-Klapptriebwerk und bringt den großen „Duo Discus X“ (Spannweite 8 m) von Chris Garrod wieder auf Höhe.


Nicht weit vom Modellfluggelände lädt die spanische Mittelmeerküste zum Baden ein.



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