TEST

Der „Mini-T“ von MiBo-Modeli

Wie von Sinnen


AUFWIND-Autor Klaus Löcker hat sichtlich Freude mit dem kleinen Flitzer aus Slowenien.

Nur ein Pilot steht direkt an der Kante, alle anderen sind einen Schritt zurückgetreten. Mit hoher Geschwindigkeit und einem ordentlichen Pfeifen zischt ein Modell an der Hangkante vorbei. Getreu dem Motto „Vorfahrt achten“ fliegen die anderen Segler nur im Bereich bis zur Haltelinie. Zugegeben, das macht man natürlich nur nach Absprache und während der Siesta – Sicherheit geht vor! Deshalb ist auch die Modellfarbe in einem deutlichen Orange gewählt. Das sieht jeder sofort. Immer wieder zischt das rund 1,2 Kilogramm schwere 60-inch-Modell vorbei. Die Bedingungen sind heute sogar ideal für ein paar dynamische Runden über der Abstroda Kuppe. Mit Ansage geht es von Nordwest kommend in Form eines schräg gelegten Loopings mit ordentlicher Überfahrt hinein in den Leebereich. Die hier wirkenden Kräfte sind enorm. Nach zwei Sekunden ist das Modell wieder weit oberhalb der Felsen und fliegt die Loopingbahn zielgerichtet weiter. Ein zweiter Eintritt ins Lee und die Geschwindigkeit hat bereits deutlich zugenommen. Ein dritter Kreis und – die Nerven des Piloten geraten ins Flattern. Also das Modell geradelegen – eine Überhöhung von mindestens einhundert Metern sind die Folge! Begeisterung macht sich auch bei den Zuschauern breit, da man solche Flugmanöver nur selten zu sehen bekommt. Die Grundlage hierfür sind extrem stabiles Material, qualitativ hochwertige Servos und – Nerven wie Drahtseile! Die ersten zwei Punkte sind bei MiBo online zu bestellen, die Nerven muss man selbst in Ruhe und mit Muße aufbauen, beziehungsweise trainieren. Die Rede ist hier vom „Mini-T“, auch Terminator genannt. Kohlefaser wohin man schaut, gepaart mit einer herrlichen Verarbeitungsqualität.

Der Lieferumfang ist übersichtlich, aber dennoch vollständig mit Anlenkhebeln und -stangen, Servoclips und -kabel und Steckverbindern. Auf eine Bauanleitung wird getrost verzichtet, da nur wenige Arbeitsschritte erforderlich und keine großen Bauvarianten möglich sind. Die Farbgebung ist nun wirklich Geschmackssache, aber Orange sieht man mehr als deutlich. Und das bei allen Wetterlagen! Und genau dafür ist der „Mini-T“ gebaut: Wind oder ordentliche Thermik sollten nie fehlen, aber ob es nun klare Sichtverhältnisse sind und gar auch mal eine Nebelschwade oder sogar eine Wolke über die Kante zieht – den orangefarbenen Segler sieht man immer wesentlich länger als ein Modell in Weiß. Der Aufbau des neuen Renners ist auf ein geringes Packmaß ausgerichtet: Zweiteiliger Flügel mit stabiler Kohlefasersteckung und ein abnehmbares, getrenntes V-Leitwerk machen den „Mini-T“ zum Urlaubsflieger schlechthin. Ob Motorrad oder Cabrio, Kombi oder Fahrrad – das Modell sollte jeden Transport schadfrei überstehen. Selbst in einem mittelgroßen Koffer könnte man es noch unterbringen.

Zur Fertigstellung habe ich mit dem Rumpf begonnen. Aus der leidigen Erfahrung, dass offene Rumpfboote gerne auch mal nachgeben, habe ich noch ein wenig nachgebessert: Es liegen zwar Kohlerovings bis in die Rumpfspitze, aber es können nie genug sein! Bei einer Stecklandung – und die ist bei kräftigen Wetterlagen nicht immer zu vermeiden – reißen Rümpfe ohne Verstärkung gern vor der Tragflächenaufnahme ein. Mit reichlich Kohlefaser kann man dieses Bruchrisiko verringern. Das Gewicht spielt hier im Übrigen keine Rolle, denn die Servos für das V-Leitwerk werden direkt in den Leitwerksflossen montiert und benötigen daher einen entsprechenden Gewichtsausgleich ganz vorne. Aber die Servos direkt in den Leitwerksflossen? Ja, das passt. Denn die Leitwerke sind an der entsprechenden Position leicht aufgedickt und im Klebebereich mit Kohlefaser verstärkt. Empfohlen sind hier Dymond- „D60“ mit knapp neun Millimetern Dicke. Eingeklebt wurden sie mit Silikon. Für den Fall der Fälle, dass die Servos wieder raus müssen, dient eine eingelegte kleine Stahldrahtschlaufe als Schneidedraht. Anschließend lässt sich das Silikon sauber entfernen und man kann auf die gleiche Art und Weise ein neues Servo einsetzen. Nun fanden noch die Anlenkhebel mit 5-Min.-Epoxy in den kleinen Ruderblättern dauerhaften Halt. Wer seinen „Mini-T“ gerne mal mit einer Flitsche startet, sollte nun in der Rumpfspitze eine kleine Messinghülse für den Schlepphaken oder gleich einen Hochstarthaken einlassen. Das Flitschen hat im Übrigen auch am Hang einen großen Vorteil: Mit wenig Aufwand hat man nach dem Start bereits etliche Meter Überhöhung. Passende Flitschensets gibt es unter anderem bei EMC-Vega (www.emc-vega.de).

Die Tragflächen sind ganz aus Kohlefaser gefertigt. MiBo greift hier gerne auf ein Diagonalgewebe zurück. Optisch eine Augenweide – gerade bei dieser Farbgebung – da auf der Unterseite bewusst auf eine Lackierung verzichtet wurde. Statisch sicher auch eine sehr gute Wahl. Die Tragflächen sind druckfest, sauber verarbeitet und lassen sich „saugend“ auf den Kohleverbinder schieben. Die Lagerung der Tragflächen am Rumpf ist schwimmend. Die Zentrierstifte sind bereits passend eingearbeitet, womit sich die Tragflächenbefestigung – wie auch die V-Leitwerks-hälften – auf einen Streifen Klebeband beschränkt. Mehr ist hier wirklich nicht erforderlich. Die Servowahl jedoch ist nicht einfach: Durch das flache Profil ist die maximal mögliche Dicke auf kleiner als zehn Millimeter beschränkt. In diesem Segment ist die Auswahl an Metallgetriebe-Servos mit hoher Stell- und Haltekraft sehr eingeengt. Die neuen Graupner-„DES-448 BB MG“ passen hier wie angegossen und sind qualitativ wohl genau das Richtige für den geplanten „harten Einsatz“. Zum Einbau sind natürlich die passenden Servohalter bei Servorahmen.de erhältlich. Der Rahmen wurde mit eingeschraubtem Servo, getrennt mit Frischhaltefolie, eingeklebt. Die Anlenkung aller Ruder erfolgt von oben: Die Tragflächenöffnungen lassen sich an der passenden Position ausfräsen. Die Anlenkhebel sind in den Ruderblättern noch nicht vorhanden. In den vorgesehenen Bereichen ist aber bereits mit eingedicktem Harz alles bestens verstärkt. Mit einem 3-mm-Bohrer ließen sich die Anlenkhebel einpassen und mit Epo-xyd-Harz einkleben. Mit 2-mm-Gewindestangen und zwei Servoclips waren spielfreie Anlenkungen mit Nullpunkt-Justage schnell erstellt. Für die Verkabelung liegen passende Silikonkabel mit Steckverbindungen und zwei Pärchen der grünen MPX- Hochstromstecker bei. Was will man mehr? Jetzt fehlte noch der passende Empfänger. Ein Multiplex-„DR7 Mlink“ ging problemlos in den recht kleinen Rumpf. Ganz wichtig: Die Antennen müssen zwingend nach außen geführt sein.

Es folgte die erste Schwerpunktkontrolle: rund 400 Gramm fehlten in der Rumpfspitze. Gut 120 Gramm sollte der Akku mit Spannungswandler auf die Waage bringen. Und der Rest? Der wurde kurzerhand eingegossen. Die nun erreichten 1.240 Gramm Fluggewicht deuten für den kleinen Segler nicht wirklich auf „Leichtfüßigkeit“ hin. Es dürfte aber ein Garant für hohe Geschwindigkeiten sein. Und genau das sollte mit dem „Mini-T“ ja erreicht werden.

Eines sollte für den Erstflug sofort programmiert werden: Butterfly! Immer wieder wird die Frage gestellt, ob ein Vierklappen-Flügel in der Größe wirklich Sinn macht. Ja, das macht er! Wie will man denn ein schnelles Modell sonst in den Ruhepunkt zwingen? Wer bei hohen Landegeschwindigkeiten nicht sauber aufsetzt, der riskiert schnell einen Schaden am Modell. Wer hingegen sein Modell ganz langsam aufsetzt, hat die meiste Energie bereits im Vorfeld vernichtet.

Der Erstflug fand in gewohnter Umgebung statt: Abtsrodaer Kuppe im September 2010. Der Wind ließ ein wenig zu wünschen übrig, aber ohne großes Zögern ging es den Hang hinunter. Natürlich ohne zu flitschen – blöde Frage! Der Erstflug musste doch seinen Reiz haben! Wendig und dynamisch zog der „Mini-T“ seine ersten Runden. Korrekturen waren nur gering erforderlich. Im Aufwind waren schnell die ersten 50 Meter Überhöhung erreicht. Es wurde Zeit, sich auszutoben: Die Rollrate enorm, abrupte Wendemanöver kein Problem. Auf dem Rücken ging es mit minimalem Tiefenruderausschlag auch gern knapp an der Kante vorbei. Immer wieder und immer schneller kam der neue „Mini-T“ vorbeigeschossen und zeigte deutlich, was in ihm steckt. Als hätte ich nie ein anderes Modell geflogen. Zur Landung musste der Anker raus: Die Wirkung des Butterfly mit senkrecht stehenden Wölbklappen zeigte ein enormes Abbremsen, benötigte aber auch eine recht starke Tiefenruderzumischung.

Eines stand schon nach wenigen Flugstunden fest: Respekt kennt das kleine Modell nicht. Ganz im Gegenteil die normale Fluggeschwindigkeit stellt fast alle anderen Modelle in den Schatten. Ganz ängstlich wirken dabei die Schaumwaffeln, die vor soviel Kohlefaser einfach nur zurückschrecken. Auch an der Flitsche hat der Spaß kein Ende: ausziehen bis es nicht mehr geht, drei- bis viermal aufschaukeln und dann los. Bamm! Wie eine Rakete geht es nach vorne, dann nach oben. Tempo, Tempo, Tempo und Höhe, Höhe, Höhe! Unglaublich und absolut genial. Danach einlanden und am besten gleich noch einmal. Doch bitte immer mit Starthelfer! Denn einmal kurz versteuert wird es der „Tag der Kaltverformung“.

Anfänger- beziehungsweise Einsteiger tauglich ist der „Mini-T“ nicht. Aber jeder der sicher am Hang unterwegs ist, wird in vollen Stücken auf seine Kosten kommen.

Klaus Löcker


Der Lieferumfang ist komplett und bietet Qualität vom Feinsten.


Die Tragflächenservos sollten maximal zehn Millimeter Dicke haben. Die kleine Drahtschlaufe dient als Schneidedraht, falls man die Silikonverklebung mal wieder lösen muss.


Die Steckverbinder am V-Leitwerk müssen natürlich absolut winkelig eingeklebt werden. Ist das geschafft, funktioniert es einwandfrei.


Die Silikonhutzen für die Antennen sehen aus wie Teufelshörner. Die stehen dem Modell prima und sagen viel über seine Eigenschaften aus.


Auf einen Schalter wird bewusst verzichtet. Mit einem Spannungswandler von Powerboxsystems lässt sich der Empfänger auch mit zwei LiPo-Zellen versorgen.


Der „Mini-T“ ist ein typischer Vertreter der beliebten 1,5-m-Klasse, nur härter und schneller als viele andere.


Ganz kurz vorm Loslassen! Der Flitschenstart ist eine beeindruckende Startvariante. Ein Starthelfer ist aber Pflicht!


Das dynamische Fliegen steht dem Modell am besten, Thermikschleicher sehen anders aus.


Alles raus was geht! Butterfly wirkt enorm, braucht aber auch viel Tiefenruderbeimischung.


FAKTEN

Spannweite: 1.503 mm
Rumpflänge: 977 mm
Fluggewicht: 1.240 g
Flächeninhalt: 22 qdm
Flächenbelastung: 56,36 g/qdm
Flächenprofil: HN-Strak

Ruderausschläge:
Höhenruder: -10/+8 mm
Seitenruder: -8/+6 mm
Querruder: -8/+5 mm
Wölbklappen: -5/+3 mm

Speed:
Höhenruder: -8/+6 mm
Seitenruder: -8/+6 mm
Querruder: -6/+4 mm
Wölbklappen: -2 mm

Thermik:
Höhenruder: -10/+8 mm
Seitenruder: -8/+6 mm
Querruder: -8/+5 mm
Wölbklappen: +4 mm

Butterfly:
Quer: -6 mm
Wölb: max. unten
Höhe: +5 mm

Preis: 399,- Euro

Bezug bei MiBo-Modeli
Tel. +386/17/590100
www.mibomodeli.si



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