TECHNIK

Schlankes Model(l)

Eine Freiflug-"Staggerwing"


Mit unter vier Gramm Gewicht (ohne Gummi) ist das Flachrumpfmodell in so ziemlich jeder Halle zu fliegen.

Der mit Gummimotor betriebene Saalflug ist hierzulande weitgehend außer Mode gekommen. Es gibt jedoch Länder mit wesentlich mehr Aktivitäten dieser Art. So war Saalflug in den USA schon in den 30er Jahren hochaktuell, dabei wurden Flugzeiten um 20 Minuten erreicht. Im Internet ist auch heute noch eine sehr muntere internationale Szene zu beobachten (Suche auf youtube.com: "indoorrubberpoweredmodels", "F1D", "peanutscale"). Dabei muss es nicht immer ein Leistungsmodell sein. Es gibt viele Sportklassen, die sich mehr oder weniger mit vorbildähnlichen Modellen befassen: PeanutScale, Pistachio, SainteFormule, NoCal usw.)

An dieser Stelle widmen wir uns einem NoCal-Modell. Der Name kommt von "NoCalories" und ist dem flachen Rumpf geschuldet. So ein Flachrumpf ist einfach zu bauen und macht es dem Piloten sehr leicht, den Gummi außerhalb des Modells aufzuziehen und erst vor dem Flug einzuhängen. Da diese Modelle mit Original-Beschriftungen und Ruder-Markierungen versehen sind, umgibt sie in der Luft - im Gegensatz zu den reinen Skelett-Saalfliegern - mehr die Optik des Authentischen. Und mit guter Gummiqualität sind Flugzeiten von mehreren Minuten drin. Das ist in der Halle eine Ewigkeit. Der persönliche Glücksfaktor ist eigentlich größer als beim Fliegen von RC-Modellen. Wenn sich so ein Modell in flachen Kreisen an die Hallendecke schraubt, dort einige Runden dreht, wieder glatt auf dem Hallenboden aufsetzt werden wahre Glückshormone frei.

Ich möchte hier den Bau der "Beechcraft Staggerwing" vorstellen. Der Plan von Al Lidberg ist bei SAMS-Models erhältlich (www.samsmodels.com). Das Modell schien mir optisch sehr attraktiv. Allerdings ist das Aufziehen des Gummimotors gerade bei einem Doppeldecker nicht so einfach. Man sollte unbedingt zu zweit sein, wobei der eine beim Aufziehen die Propellerwelle mit Gummianfang zwischen Daumen und Zeigefinger klemmt. Wenn man alleine hantiert, ist eine Aufziehvorrichtung erforderlich. Außerdem habe ich den Plan auf Peanut-Größe (33 cm Spannweite) verkleinert, da so ein Modell in gängiger Kartongröße wesentlich besser zu transportieren ist.

Zum Bau benötigt man vor allem geeignetes Balsaholz. Die Hauptstruktur besteht aus 1,5-mm- und die Rippen aus 1-mm-Balsa. Als Saalflieger habe ich beim Einkauf immer eine Taschenwaage dabei und suche die Brettchen aus. Das 1,5-mm-Brett sollte in diesem Fall nicht mehr als 13 bis 15 Gramm wiegen und gleichmäßig lang gemasert sein. Für die Rippen ist das so genannte Schuppen- oder Quartergrainbalsa besser geeignet (C-grain). Der Motorträger besteht aus einer Balsaleiste mit 3x5 Millimetern Querschnitt. Dieses Holz, den Kleber (UHU-hart, zu 50 Prozent mit Aceton verdünnt und in eine Spritze gefüllt), eine Rasierklinge und ein Stahllineal nimmt man am besten zum Wochenendurlaub mit und kommt mit dem kompletten Rohbau wieder zurück (Transportkarton nicht vergessen). Die Leisten werden mit dem Stahllineal geschnitten. Auch ein Balsa-Leistenschneider, zum Beispiel von Kavan/SiG, leistet gute Dienste. Für die Rippen fertigt man eine Schablone aus dünnem Alublech und versetzt diese nach jedem Schnitt um circa 1,5 bis 2 mm parallel nach unten. Beim Verkleben der Teile unbedingt auf gute Formschlüssigkeit achten. Größere, leimgefüllte Spalten sollte man nicht tolerieren und das ungenaue Teil entgegen dem "inneren Schweinehund" nochmal fertigen. Denn der Kleber wiegt etwa zwölfmal so viel wie das Balsa. Die Bauzeit ist bei guter Vorplanung mit etwa fünf Stunden eher gering. Als Propeller kommt der 150-mm-"Ikara"-Prop mit rund einem Gramm Gewicht in Frage (Bezug u.a. bei Opitec, www.opitec.de). Allerdings wird das Lager entfernt und durch ein Stückchen 1-mm-Bowdenzugrohr aus Polyamid ersetzt. Zum Bespannen wird feinstes, möglichst glattes Japanpapier (9 g/qm) verwendet. Zum Aufdrucken der Schrift wird das Papier mit verdünntem Zaponlack vorbehandelt, dabei jedoch auf einen Rahmen gespannt. Nach vollständigem Trocknen legt man den Japanbogen auf nor- males Druckerpapier und klebt die beiden Bögen an der Einzugskante zusammen. Beides wird dann im Tintenstrahler oder Laserdrucker bedruckt und hinterher wieder getrennt. Vorversuche sind hier unabdingbar. Nachdem die beklebbaren Flächenteile des Gerippes zweimal mit Zaponlack gestrichen wurden, wird das Papier faltenfrei aufgelegt und mit Aceton und einem feinen Pinsel an Rippen und Holmen angedrückt. Kein Wässern und Spannlackieren mehr, sonst sind Verzüge unausweichlich! Das überstehende Papier wird mit einer Rasierklinge entfernt. Die Flügel werden erst bespannt und dann auf den fertigen Rumpf geklebt. Dabei sind unbedingt Hilfsvorrichtungen erforderlich. Der Gummi besteht aus einem Strang 1,3x1-mm-"TAN Super Sport" (Bezug bei SAMS oder www.free-flightsupplies.co.uk). Die Länge des Strangs beträgt etwa das 1,3-fache des Hakenabstandes. Der Propeller sollte für die Linkskurve ein bis zwei Grad nach links ziehen und das Seitenruder ebenfalls rund zwei Grad nach links fixiert sein. Das Gewicht des Modells ohne Gummi sollte unter vier Gramm liegen, dann steht längeren Flügen nichts mehr im Wege.

Jetzt aber zum Fliegen: Mit 300 Umdrehungen auf dem Gummi kann eine erste Proberunde gedreht werden. Zum sauberen Kreisflug mit circa vier Metern Durchmesser muss der, in Flugrichtung gesehen, rechte obere Flügel etwas "washout" (negative Einstellung) bekommen. Mit etwas Aceton kann man die Verklebung an den Flügel-Zwischenstützen lösen und den Flügel neu justieren - so praktisch ist das im Saalflug! Stimmt alles, kann man mit circa 900 Umdrehungen auf dem Gummi erstmals so richtig auf Höhe gehen. Der Gummi wird in der ersten Phase des Aufdrehens auf vier- bis fünffache Länge gezogen. Viel Spaß!

Dr. Heinrich Eder


Alle Teile werden flach aufgebaut und vor der Montage bespannt.


Die Endmontage des Modells erfolgt auf einer flachen Unterlage.


Der Propeller wird direkt an der Längsleiste des Rumpfes montiert.


Zum Aufziehen des Gummis nimmt man am besten eine Kurbelvorrichtung.


Wenn man alleine hantiert, ist so eine Aufziehvorrichtung erforderlich und sinnvoll.



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