TECHNIK

Eleganz in Holz

Ein "Condor IV" im Maßstab 1:2,5


So ein 7,2 Meter großer Oldtimer in Holzbauweise ist schon ein Riesending

Im Original war der "Condor IV" eine Konstruktion von Heini Dittmar und wurde von 1951 bis 1954 von Alexander Schleicher und Ferdinand Schmetz gebaut. Eigentlich war der Flieger als Leistungssegler konzipiert, jedoch mussten manche Exemplare auch als Versuchsträger für Neuentwicklungen herhalten. So wurde ein "Condor IV" zum Beispiel mit Wölbklappen ausgestattet und zusammen mit Hanna Reitsch erprobt. Während die "Condor"-Typen I bis III einsitzig waren, wurde der "Condor IV" als Doppelsitzer ausgelegt, hatte eine Spannweite von 18 Metern und war 8,44 Meter lang. Er wurde komplett aus Holz gebaut. Bei den Typen I bis III waren die Tragflächen noch abgestrebt, bei der Version IV fehlen die Streben aufgrund der freitragenden Konstruktion. Alle Versio- nen hatten eine Kufe und ein Rad. Bei den Rümpfen gab es zwei verschiedene Varianten, eine mit einem etwas dickeren Rumpf in der hinteren Rumpfhälfte und eine Variante mit dem eingeschnürten, schlankeren Rumpf.

Mein Vereinskollege Arnold Hoffmann von der Modellfluggruppe Bremgarten hatte vor vielen Jahren von diesem wundervollen Segelflugzeug ein Modell gebaut, das nach einigen Jahren erfolgreicher Flüge in die USA verkauft wurde. Die Flugleistungen des Modells sprachen für sich und über- zeugten mich. Ich beschloss, dass so ein "Condor IV" mein nächstes Modell werden sollte. Den Bauplan hat mir Arnold Hoffmann freundlicherweise zur Verfügung gestellt: Im Maßstab 1:2,5 würde der Segler über eine Spannweite von 7,2 Metern und eine Rumpflänge von 3,35 Metern verfügen. Ein sehr großes Modell, das für den Transport auch in einem konventionellen PKW-Kombi Platz finden sollte. Damit war klar, dass das Seitenruder in je- dem Fall abnehmbar sein musste. Für mich sollte es sowieso die Version mit dem schlanken Rumpf sein, die mir sehr viel eleganter erscheint, als die mit dem dicken Leitwerksträger.

Begonnen habe ich mit dem Rumpfbau: Die knapp 30 Spanten wurden aus 3-mm-Pappelsperrholz ausgesägt. Nur die Spanten mit der Tragflächenaufnahme und die Fahrwerksspanten entstan- den aus kräftigerem Buchensperrholz. Beim Aufbau habe ich den Rumpf horizontal geteilt und das Unterteil auf dem Kopf liegend auf dem Baubrett aufgebaut. Als alle Spanten-Unterhälften auf den Rumpfgurten aus 5x5-mm-Kieferleisten aufgestellt waren, wurde mit der Beplankung der Unterseite (3-mm-Balsa) begonnen. Die Kufe habe ich aus 4-mm-Pappelsperrholz an den Spanten verklebt, den Rumpf dann bis zur Kufe weiter beplankt. Vorn musste ich wegen der Biegung kleine Streifen verwenden. Nachdem die Rumpfunterseite vom Baubrett genommen und umgedreht werden konnte, wurde die Oberseite auf der Unterseite aufgebaut.

Danach habe ich die oberen Spantenhälften aufgeklebt und anschließend solange weiter beplankt bis der Rumpf geschlossen war. Die Nase wurde mit einem Formspant und Styrodur in Form gebracht und mit Glasgewebe überzogen. Die Schleppkupplung konnte so gleich mit dem Nasenspant verklebt werden. Das Seitenleitwerk habe ich als Abschluss des Rumpfrohbaus auf dem Leitwerks-träger aufgebaut und den Seitenleitwerksholm aus 3-mm-Pappelsperrholz und die Beplankung aus 2-mm-Balsa gefertigt.

Das Seitenruder wurde ganz konventionell in Rippenbauweise erstellt, mit der Besonderheit, dass es sich zum Transport des Modells schnell und oh-ne Werkzeug abnehmen lässt. Verwirklicht wurde das durch ein ganz besonderes Ruderscharnier im Eigenbau: Das obere Scharnier am Seitenruder ist ein Aluwinkel mit einem nach unten gerichtetem Dorn. Am Seitenleitwerksholm befindet sich ein Winkel mit einem Loch, in den der Dorn von oben eingreift. Das untere Scharnier besteht aus einer zehn Zentimeter langen 1,5-mm-GFK-Platte. Diese habe ich auf einer festen Sperrholzrippe im Abstand von knapp acht Zentimetern vom Drehpunkt des Scharniers entfernt angeschraubt. Diese Platte wurde durch den Seitenruderholm geführt und bekam einen Dorn nach oben, der dann wieder in einem Winkel am unteren Drehpunkt steckt. So ist es möglich, den unteren Dorn einfach mit dem Finger etwas nach unten zu biegen, um ihn dann im Winkel an der Gegenseite einzuhängen. Die GFK-Platte hat so viel Federkraft, dass das Scharnier hörbar einschnappt. Das Ganze hört sich kompliziert an, ist aber einfach und völlig spielfrei.

Das Höhenruder habe ich als Pendelruder ausgelegt und natürlich auch in Rippenbauweise gebaut. Rippen und Beplankung sind aus 2-mm-Balsa, der Holm aus 5x5-mm-Kiefer. Der tragende Stab ist aus 6- und der Steuerstab aus 3-mm-Federstahl. Das Höhenleitwerk hat insgesamt 1,4 Meter Spannweite und ist in dieser Bauweise sehr leicht, trotzdem aber fest genug für ein gemütlich fliegendes Oldtimer-Flugmodell.

Zurück zum Vorderteil des Rumpfes: Bei dem großen Cockpitausschnitt war klar, dass ein Cockpitausbau des Doppelsitzers erforderlich ist. We- gen mangelnder Unterlagen habe ich dies einfach nach Informationen von Arnold Hofmann realisiert, was sich ganz prima in das Modell einfügt. Der Bau des zweiteiligen Rahmens der Doppelkabinenhaube war sehr aufwändig, da die vordere Haube seitlich nach rechts schwenken, und die hintere nach hinten zu öffnen sein muss. Das einzige Haubenteil, für das ein Haubenklotz zum Ziehen erforderlich war, war das Oberteil der vorderen Haube. Alle anderen Teile konnten aus geraden Stücken herumgezogen und aufgeklebt werden. Eine wahre Sisyphusarbeit, die sich aber zweifellos lohnt. Bei der hinteren Haube befindet sich der obere Teil zwischen den Tragflächen, ähnlich wie bei der "Ka-7", und muss an das verwendete Profil angepasst werden.

Der nächste Bauabschnitt betraf den Innenflügel. Das Profil ist eine Eigenentwicklung von Arnold Hofmann. Beim Holm habe ich drei 10x5- mm-Kiefernleisten aufeinander geleimt, sodass ich auf Ober- und Unterseite einen Holm der Dimension 10x15 Millimeter erhielt. Die Verkastung zwischen den Holmen im Steckungsbereich an der Wurzel und zum Außenflügel hin entstand aus 3-mm-Pappelsperrholz, um genügend Festigkeit zu haben. Im hinteren Teil habe ich noch einen Hilfsholm aus 5x5-mm-Kiefer eingesetzt. Die Rippen wurden aus 3-mm-Balsa geschnitten, nur im Steckungsbereich sind sie aus 3-mm-Pappelsperrholz. Die Nasenbeplankung reicht bis über den Hauptholm hinaus und besteht aus 1,7-mm-Abachi, die Streifen der Endleistenbeplankung ebenfalls. Die Rippenaufleimer und die Dreiecke zwischen Aufleimer und Beplankung sind aus Balsa. Die Tragflächensteckung am Rumpf übernimmt ein GFK-Stab mit 25 Millimetern Durchmesser. Zum leichteren Transport habe ich die Tragfläche vierteilig gebaut, was einen Innenflügel von einem Meter Länge je Seite und je einen Außenflügel von 2,55 Metern Länge ergab. Zum Außenflügel hin dient ein Fiberglasstab mit 20 Millimeter Durchmesser als Kräfte-einleitung, als Verdrehsicherung reicht ein 4-mm- Rundfederstahl.

An der Wurzel des Außenflügels habe ich den Holm genauso aufgebaut und dann nach außen hin abnehmend ausgehobelt. Die ersten drei Rippen bestehen wieder aus 3-mm-Pappelsperrholz, die weiteren bis zur Hälfte des Außenflügels aus 3-mm-Balsa und die restlichen bis zum Randbogen aus 2-mm-Balsa. Die Verkastung aus Sperrholz reicht nur bis über den Steckungsbereich, von dort bis außen besteht die Verkastung aus 3-mm-Balsa. Beplankt wurde der ganze Außenflügel mit 2-mm-Balsa. Die Querruder habe ich in der Hälfte geteilt, sodass zwei Servos pro Seite zum Einsatz kommen. Die Querruder liegen in Hohlkehlen und sind immerhin fast 2,5 Meter lang und rund zehn Zentimeter tief. Wenn sich da die Tragfläche etwas durch- biegt, dann könnte auch das stärkste Servo dieses Ruder nicht mehr bewegen.

Landeklappen in der benötigten Größe waren nirgends erhältlich, also war wieder Eigenbau angesagt: Den Klappenkasten habe ich einfach aus Pappelsperrholz gebaut und an den Stellen wo die Klappenhebel gelagert sind, mit 1-mm-GFK-Plättchen verstärkt. Die Klappe selbst besteht aus 1,5-mm-GFK-Plattenmaterial, einer 10x5-mm-Kiefer- leiste und einem 1-mm-Sperrholzdeckel. Die Klap-pe wurde mit Bohrungen gelocht, was die Bremswirkung noch deutlich erhöht. Die Hebel der Bremsklappen habe ich auch aus GFK-Plattenmaterial gebaut und mit Messingröhrchen als Führung versehen. Die Lagerbolzen sind aus 3-mm-Federstahldraht und wurden mit dem Klappenkasten verklebt. Dann habe ich die gebauten Bremsklappen in die Außenflügel gesetzt. Um einen sauberen Abstand zur Profiloberseite zu bekommen, kam auf den ein Millimeter dicken Sperrholzdeckel noch 2-mm-Balsa oben drauf. Somit ließ sich die Höhe der Klappe wunderbar auf das vorhandene Profil schlei- fen und die Kanten sind trotzdem stabil genug.

Nach Beendigung des Rohbaus habe ich noch den ganzen Rumpf mit einer 80-g/qdm-Glasmatte überzogen. Nach grobem Verschleifen wurde ein 2K-Spritzspachtel mit dem Pinsel aufgetragen. Da ich nicht über Spritzpistole und Spritzkabine verfüge blieb mir keine andere Wahl. Dann wurde mit 180-er Schleifpapier geschliffen. Darauf kam nun ein weißer Vorlack, der dann feiner geschliffen wurde, erst mit 240-er, gefolgt von 400-er. Nach sorgfältigem Abfegen mit dem Handfeger und Entfernen des Schleifstaubes mit dem Staubsauger habe ich die zu lackierende Oberfläche noch mit einem Staubbindetuch aus dem Lackiererbedarf abgewischt. Anschließend den Endlack mit dem Pinsel aufgetragen. Dieses Mal kam der langölige Kunstharzlack "Sikkens Rubbol A-Z" zum Einsatz. Der verläuft fantastisch und trocknet nur sehr langsam - das Ergebnis ist völlig überzeugend. Den Lack gibt es leider nur in der Farbe Weiß. Tragflächen und Leitwerke wurden mit "Solartex Antik" bespannt und als Grundierung mit einem seidenmatten Parkett- und Bootssiegellack gestrichen. Das hat den Vorteil, dass man die Tragflächen feucht abwischen kann, wenn man sie mal auf die Erde gelegt hat. Für den Vor- und Endlack hat man dann außerdem eine geschlossene Gewebestruktur. Zum einen erleichtert es das Abkleben an den zu lackierenden Kanten, und zweitens läuft der Lack nicht unter das Abklebeband. Auch hier habe ich Vorlack aufgetragen, dann trocken verschliffen und schließlich den Endlack aufgepinselt. Zum Abschluss wurden die Verzierungen lackiert und die Kennung mit Beschriftung aufgebracht.

Der RC-Einbau und das Auswiegen waren dann die letzten Handlungen, um meinen "Condor IV" komplett flugfertig zu machen. Die Graupner-Servos haben alle eine Stellkraft mit rund zehn Kilogramm. Eine Ausnahme bildet das Kupplungsservo, ein Jumboservo von Hitec mit einer Stellkraft von über 20 Kilogramm. Die Empfängerstromversorgung übernimmt ein 5.000-mAh-Akku. Bei späteren Messungen haben sich als mögliche Betriebs- zeit über elf Stunden ergeben. Ein wahrlich langes Flugvergnügen mit genügend Reserve für ein ausgedehntes Flugwochenende. Auch ein Zeichen dafür, dass die Ruder alle leichtgängig und widerstandsfrei laufen und keine Servos brummen oder gegen einen Anschlag laufen.

Der Erstflug des "Condor IV" fand beim "Segler Classics"-Meeting auf dem Wächtersberg statt. Mit einem Abfluggewicht von nunmehr 20 Kilogramm ging es an den Start. Mein Schlepp-Pilot für den Jungfernflug war mein langjähriger und geschätzter Fliegerkollege Alex Frisch mit seiner "Wilga". Wahrlich eine gute Wahl, er hat meinen "Condor IV" absolut meisterlich auf Ausklinkhöhe gebracht. Nach dem Ausklinken hat sich das Modell völlig neutral verhalten. Ich war überwältigt wie gutmütig sich das Modell fliegen ließ. Die Fluggeschwindigkeit dabei absolut naturgetreu und vom Original nicht zu unterscheiden. Aufgrund des langen Hebelarms fliegt der Condor unglaublich richtungsstabil: Einmal in den Geradeausflug geschickt, behält er die Richtung sehr gut bei. Im Kreisflug überzeugt das Modell ebenfalls auf Anhieb. Man kann wunderbar große und flache Kreise fliegen, als wäre der Randbogen angenagelt. Das Modell bleibt auch hierbei sehr richtungsstabil. Die Ruderwirkung ist träge, aber sehr präzise.

Bei der Landung lassen sich die Landeklappen gut dosieren und verhindern zum richtigen Zeitpunkt den Auftrieb. Der "Condor IV" lässt sich damit wunderbar sanft und weich aufsetzen - ein wahrer Hochgenuss! Bei den vielen schönen Thermikflügen die ich mit dem Modell bis jetzt erlebt habe, hat sich der "Condor IV" als mein absoluter Favorit unter meinen Modellen herausgestellt, eine heilige Kuh, die für mich nicht mehr wegzudenken ist.

Das Modell ist nun seit einigen Jahren im Flugbetrieb und ich bin immer wieder begeistert von der fantastischen Leistung und dem ausgewogenen Flugverhalten. Bei den vielen Schlepps, die ich mit meinem "Condor IV" mit Fliegerfreund Klaus Beyer von den Kollegen aus Schutterwald gemacht habe, zeigte sich immer wieder, wie wichtig es ist, dass Schlepper und Segler zusammen harmonieren. Die Maschine von Klaus ist eine "Brigadyr G-60" mit 4,1 Metern Spannweite. Da harmonieren Größe und Geschwindigkeit mit der Steigleistung und dem ganzen Flugbild. Es könnte im Original nicht schöner sein.

Im letzten Sommer haben Klaus und ich aus der Not heraus ein Experiment gewagt, was mich nachhaltig faszinierte. Da die Brigadyr nach einem Schaden in die Werkstatt musste, haben wir einen Schlepp mit einer 3-Meter-Piper mit einem 60-ccm-Motor gewagt. Es war wohl ein Schlepp, wie er originaler nicht sein könnte. Langsam zog das Ge- spann seine Bahnen bis zur Ausklinkhöhe. Wir waren einfach überwältigt. Nie hätte ich geglaubt, dass die Leistung ausreichen würde, um ein so großes Modell mit so viel Frontwiderstand sicher auf Höhe zu bringen. Beide Piloten müssen hierbei ein eingespieltes Team sein, sonst geht die Sache garantiert schief!

Ich kann nur jeden ermuntern sich einmal an ein Projekt wie den "Condor IV" heranzuwagen. Es ist einfach ein fantastisches Erfolgserlebnis, so ein Modell ganz in Eigenregie zu verwirklichen. Der schönste Lohn sind dann die vielen herrlichen Flugstunden mit einem wirklich außergewöhnlichen Segelflugmodell.

Axel Ruh

Fakten

"Condor IV" im Maßstab 1:2,5
Ein beeindruckender Holznachbau

Spannweite: 7.200 mm
Länge: 3.350 mm
Gewicht: 20 kg
Fläche: ca. 848 qdm
Flächenbelastung ca. 23,6 g/qdm




Das Seitenruder kann mit dem selbst hergestellten Federmechanismus abgenommen werden. Dabei befindet sich der untere Dolch auf einem GFK-Streifen, der einfach nach unten weggezogen werden kann


Auch die großen Landeklappen wurden selbst gebaut


Die Querruder sind 2,5 Meter lang und wurden geteilt, um ein Klemmen bei durchbiegenden Tragflächen zu verhindern


Die Kabinenhaube öffnet sich vorbildgetreu: das Vorderteil zur Seite, das hintere Teil nach oben


Die Tragflächen mit rund 848 Quadratdezimetern Fläche verleihen dem 20 Kilogramm leichten Modell absolut vorbildgetreue Flugleistungen


Die Tragflächen mit rund 848 Quadratdezimetern Fläche verleihen dem 20 Kilogramm leichten Modell absolut vorbildgetreue Flugleistungen


Die Wirkung der Landeklappen ist so kräftig, dass man damit auch auf kleinen Plätzen gut landen kann


Vorbildgetreu rollt der "Condor IV" auf seinem Rad aus und legt dann nach dem Stillstand einen Randbogen auf die Piste



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2013

Das komplette Inhaltsverzeichnis 2/2013
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2013