TEST

Elektro-Schlepper

"OMF Symphony " von RC-Flight-Academy


Die "Symphony 160 XXL" mit dem ausgefallenen Design vom Zeitpunkt des Eindrehens in den Endanflug bis zum Aufsetzen mit gezogenem Höhenruder. Die Landeklappen werden bis maximal 75° ausgefahren. Fotos: Redaktion Großsegler

Dem Seglerschlepp und den Großseglern schon lange verbunden, war ich nach den Besuchen diverser Seglerschleppwettbewerbe in Bayern fest entschlossen auch in diesem Wettbewerbsbereich mitzufliegen. Auf den Events der "Bayerncup"-Tour faszinierte mich sofort die Art der Wett- bewerbspiloten, ihre Gespanne im vorgegebenem Kurs mit wenig Leistung und gleichmäßigem Steigen zu fliegen - so ganz anders als im Heimatverein, wo die Schlepp-Piloten die Seglerkollegen möglichst schnell auf Höhe bringen. Im Wettbewerb ist da eher der Weg das Ziel.

Aus Fachzeitschriften kannte ich die "OMF Symphony 160" von RC-Flight-Academy. Die Auslegung als Hochdecker mit Dreibeinfahrwerk und die Voll-GFK-Bauweise standen diesmal ganz oben auf meiner Wunschliste. Und da ich ja schon im Besitz eines "Duo-Discus XT" aus gleichem Hause bin, kannte ich den Hersteller seit der Über- gabe persönlich. Die Art der Übergaben durch Firmenchef Erwin Schreiber dürfen getrost als familiär beschrieben werden. Alle firmeneigenen Mo- delle können ausgiebig fotografiert werden, zum Beispiel als Gedächtnisstütze beim späteren Bau. Und Fragen dazu werden ausführlich und ohne Eile beantwortet.

Bei der "OMF Symphony 160" handelt es sich um einen vorbildgetreuen Nachbau des zweisitzigen Sportflugzeugs der kanadischen Symphony Aircraft Industries. Zwischen Mai 2005 und Januar 2007 wurde das Flugzeug produziert. Leider ging das Unternehmen am 22. Januar 2007 Bankrott und musste schließen. Erwin Schreiber bietet das Modell in CFK/GFK-Bauweise in zwei Größen an: Einmal im Maßstab 1:3,2 (Spannweite 3,4 m) in der "XXL"-Version im Maßstab 1:2,75 mit einer Spannweite von 3,9 Metern. In meinem Fall stand von Anfang an die "XXL"-Version auf der Wunschliste. Die gewollte Auslegung als Wettbewerbsmaschine sowie die Möglichkeit der speziellen Bauausführung brachten mich zum Elektroantrieb. Die aktuellen Antriebe sowie deren Stromversorgung sind derart effizient, dass ich mir heu- te nach dem ersten Jahr Elektroschlepp keinen Verbrennungsantrieb in meinen Modellen mehr vorstellen kann.

Die Wartezeit nach der Bestellung verkürzte ich mir mit der Planung und Auslegung des Antriebs sowie der Beschaffung der RC-Komponenten. Als Antrieb wählte ich zwischen drei Herstel- lern aus. Letztendlich entschied ich mich für die Variante mit einem Hacker-"A200-8" (www.hacker-motor.com). Der ist ausgelegt für den Betrieb mit 14s-LiPo-Zellen. In der Konfiguration mit einer Dreiblatt-Luftschraube RF 28x12 Zoll CFK genehmigt sich der Motor 130 Ampere und in der Wettbewerbsschleppstellung mit circa halber Leistung sind es gerade mal 53 Ampere. Dies reicht für drei vorbildgetreue Schlepps. Am Heimatplatz sind fünf bis sieben Schlepps drin, bevor der Akkublock dann mit einem Wechselrahmensystem einhändig gewechselt wird. Als Regler für den Elektro-Motor entschied ich mich für den von Hacker empfohlenen "MasterSPIN 220 ProOPTO" von Jeti.

Den Spinner (im Bausatz von RC-Flight-Academy enthalten), beziehungsweise dessen Alurückplatte wollte ich nicht noch mit einem sepa- raten Blatthalter bestücken, sodass ich während der Wartezeit auf den Bausatz im CAD eine Aluspinnerplatte mit integriertem Blatthalter konstruierte. Als selbstständiger CNC-Fräser mit eigenem Fünf-Achsen-Bearbeitungszentrum war das relativ schnell erledigt. Zwischenzeitlich ist diese Lösung im Vertrieb von RC-Flight-Academy und erfreut sich großer Beliebtheit.

Die Flugakkus bezog ich bei Stefans LiPo-Shop. Pro Akkurutsche kamen vier Stück SLS 7s mit fünf Amperestunden zum Einsatz. Bei drei Akkusätzen ging das auch finanziell schon ans Eingemachte. Aber Flugbenzin kostet bekanntlich ja auch Geld.

Dann kam der erlösende Anruf von Erwin Schreiber und noch am selben Abend fuhr ich zur Übergabe. Ich war begeistert: Alle Fräsarbeiten am GFK/CFK-Rumpf waren bereits erledigt und die Motorhaube schon angeschlagen. Die Tragflächen sowie Seiten- und Höhenleitwerk waren in GFK/CFK-Sandwichbauweise hergestellt. Die Fahrwerksverkleidungen, die Höhenleitwerks-Abdeckung, der Rumpfdeckel mit Rahmen und das GFK-Hauptfahrwerk von KHK gehörten ebenso zum Lieferumfang. Komplettiert wurde das Ganze durch das Bugfahrwerk aus 12-mm-Edelstahl A4 mit Radschuh, dem Spinner in GFK mit Alurückplatte, die Flächenstreben in Sandwichbauweise, einem Dekorbogen nach Wunsch, die Scheibenverglasung, der tiefgezogenen Frontscheibe, den Spanten, der Fahrwerksaufnahme, der Tankaufnahme und den Scharnieren. Alle GFK-Teile wurden weiß eingefärbt und in der Form getempert. Die Tragflächen sind vorbildgetreu nach Originalplänen mit allen Nieten und Blechstößen. Die Querruder und das Höhenruder wurden als Elasticflaps ausgeführt. Seitenruder und Landeklappen sind in Hohlkehle gelagert.

Nach dem Wiegen aller Teile (13,6 kg) und mit reichlich Bautipps versorgt, ging es zurück zur heimischen Werkstatt. Kaum wieder zu Hause angekommen, erfolgte sofort das obligatorische Zusammenstecken der Hauptkomponenten: Und hier in der Werkstatt offenbarten sich nun die Dimensionen dieser Schleppmaschine. Auf dem Flugplatz findet man die Abmessungen eines Modells dann oftmals gar nicht so wild.

Begonnen habe ich mit dem Einkleben der Fahrwerksspanten, die Krafteinleitung lässt hier keine Wünsche offen. Die passgenauen Airexspanten sind schon trocken zusammengesteckt und die Verzapfungen sinnvoll ausgeführt. Die richtige Stelle im Rumpf ist leicht ermittelt, denn es passt an keiner anderen. Nach sorgfältiger Prüfung habe ich mit L385-Harz und dem Klebehärter 500 auf Empfehlung von Erwin Schreiber die Rumpfspanten verklebt. Damit der Rumpf dann schon auf dem Fahrwerk stehen kann, wurde das schon vorgebohrte Bugfahrwerk ebenfalls verschraubt. Die Arbeit am Bugfahrwerk besteht aus der Montage des Radschuhs und dem Rad sowie der beidseitigen Anlenkung nach Vorgabe. Hier sind gut zwei bis drei Stunden aufzuwenden. Auch die Montage des Seitenruders mit Anlenkung war an einem Abend zu erledigen. Die Schlitze der Hohlkehlenzungen waren schon im Abschlussspant eingefräst und somit vorgegeben positioniert. Genau hier findet man dann auch im Seitenruder die schon beim Schließen eingelegten Rohazellkerne, die das ebenfalls schon eingelegte Bowdenzugröhrchen stützt. Für das Seitenruderservo, das in der Dämpfungsflosse Platz findet, liegt dem Bausatz ein hochwertig gefrästes Holzteil bei.

Das Höhenleitwerk verschlang den nächsten Abend. Hier folgte ich ebenso dem Vorschlag des Herstellers und verbaute nur ein Servo im Rumpfheck. Ursprünglich wollte ich zwei Servos vor die getrennten Höhenruderblätter einbauen, aber aus Gewichtsgründen entschied ich mich für die Version mit ungeteiltem Ruderblatt. Die errechnete Einsparung beträgt hier 250 Gramm. Die Arbeit verrichtet ein Graupner-"DS-8911". Die Ver- schraubung erfordert ein wenig Aufmerksamkeit, damit dann das Höhenleitwerk im richtigen Winkel montiert wird. Auf dem am Rumpf montierten Höhenleitwerk wurde dann das Verkleidungs- teil zum Seitenruderübergang angepasst und verklebt.

Die Arbeiten an den Tragflächen begannen mit dem Servoeinbau für Querruder und Landeklappen. Hier lagen dem Bausatz die Flächenservokästen von Mutiplex bei. Sie passen exakt in die Ausfräsungen. Die Querruder waren nur noch anzulenken, lediglich die Landeklappen mussten noch angeschlagen werden. Hier waren die Positionen der gefrästen Scharniere vorgegeben, denn in den Ruderklappen befanden sich ebenfalls Rohazelleinlagen für die Verklebungen.

Die Strebenhalterungen am Flügel waren bereits vom Hersteller eingeharzt, sodass nun nur noch die Lötungen der Kabel vorgenommen werden mussten. Sehr schön, dass auch die Servokabel mit 0,34-qmm-Querschnitt schon auf der Oberschale verklebt waren, dies erspart eine Menge Zeit und so angebrachte Kabel klappern halt auch nicht. Die Anpassung der Tragflächen an den Rumpf geschah mit einem 50-mm-Strongalrohr in 1,2 Metern Länge sowie mit einem 10- mm Alurohr. Die Positionen für die hintere Führung waren in der Wurzelrippe bereits gefräst, lediglich am Rumpfanschluss musste noch gebohrt werden. Der Rumpfdeckel war sehr leicht und im Airex-Sandwichverfahren gefertigt, dazu gab es noch einen gefrästen Rahmen zur endgültigen Versteifung aus dem gleichen Material.

Der Einbau des Antriebs war auch an einem Samstag erledigt. Hier half der Flansch an der Rückseite des Motors. Damit der Hacker-"A200" immer cool bleibt, habe ich in die Haubenöffnungen eine Luftführung gebaut. Mit Hilfe von Styrodur habe ich zwei Positive geschliffen und dann mit Glas überlaminiert. So kommt die Luft da an wo sie am meisten benötigt wird.

Als Servos für Querruder und Landeklappen kamen Graupner- "DES-707" zum Einsatz, das Seitenruder wird von einem Hitec-"HS-7955TG" bewegt und das Höhenruder bekam ein Graupner- "DS-8911" spendiert. Am Bugrad ist ein Savöx- "SV-0236MG" ausreichend.

Nun ging es langsam an das Finish, denn ich wollte die Maschine danach wiegen damit ich das maximale Akkugewicht festlegen konnte. Zuerst wollte ich das Modell mit den geplotteten Streifen versehen, wie man es so oft sieht. Doch bei einer Internetsuche sprang es mich förmlich an - das Finish musste es sein! Zwar nicht von einer "Symphony" sondern von dem Vorgängerflugzeug "Sportsman", das sich in den USA als Selbst- bausatz einen großen Bekanntheitsgrad erworben hat. Doch diese Lackierung erschien mir zu extrem für ein Do-it-yourself. Also kam Jörg Redl von JR-Foliendesign (www.jr-foliendesign.de) ins Spiel. Er hat die Maschine in Weiß und Kupfermetallic lackiert sowie die schwarzen Teile in seiner einzigartigen Art foliert. Nach dem Finish kam noch der Akkueinbau auf einer mobilen Akkurutsche, die heute so bei der RC-Flight-Academy optional zu haben ist: Man führt den Akkuschlitten mit der rechten Hand in die Führung, drückt das andere Ende in die 8-mm-Goldkontaktstecker und verriegelt das Ganze mit einer M6-Rändelmutter. Einfacher geht es nicht!

Irgendwann waren dann auch der lange Winter und das extrem schlechte Frühjahrswetter vorbei. Endlich konnte es losgehen. Die "OMF Symphony 160 XXL" erwies sich sofort als völlig un- spektakulär zu fliegen, gutmütig wie ein großer Trainer und sehr präzise - genau so soll ein Schlepper sein. Die Ruderausschläge hatte ich der Webseite des Herstellers entnommen, der sie für all seine Modelle zum Download bereithält.

Nach einer Saison mit unzähligen Schlepps und einigen Wettbewerben könnte man die Gutmütigkeit der Maschine noch anders beschreiben: Nachdem ich im Sommer meine "ASW-20" im Maßstab 1:2 bei Erwin Schreiber abholen konnte, wollte ich unbedingt gerne mal im Wettbewerb als Seglerpilot mitfliegen. Mein Schleppkamerad Georg Regele flog kurzerhand meine "Symphony" und ich die "ASW-20" in der K-Ausführung mit Winglets und 7,5 Metern Spannweite. Das Ergebnis ohne Training lässt sich sehen: Platz 5 im Bayerncup beim Abschlusswettbewerb in Dillingen. Das ganze Gespann sieht nicht nur am Boden gut aus, das Flugbild ist extrem elegant, fast lautlos zieht die "OMF Symphony" die 22 Kilogramm schwere "ASW-20" in den Himmel.

Der große Schlepper ist uneingeschränkt empfehlenswert. Ganz sicher nicht die untere Preiskategorie, aber der Gegenwert stimmt. Auch der Support des Herstellers ist perfekt, Ersatzteile bekommt man in kürzester Zeit und das Flugverhalten der Maschine lässt ohnehin keinen Zweifel aufkommen. Der Hacker-Antrieb funktioniert nach 60 Stunden immer noch völlig fehlerfrei. Benziner werde ich wohl keine mehr besitzen!

Sven Herweg


Fakten

"OMF Symphony 160 XXL"
Ein vorbildgetreues Sport- und Schleppflugzeug

Maßstab: 1:2,75
Spannweite: 3,9 m
Länge: 2,74 m
Gewicht: ??,? kg
Preis: ab ? 3.590,- Euro
Bezug bei RC-Flight-Academy
Tel.: 09085/920231
www.rc-flight-academy.de


Das Cockpit vor dem Einbau in den Rumpf. Die Gestaltung erfolgte anhand von Originalvorlagen. Hergestellt wurde es von www.scale-cockpits.at


Der stabile Spant in der Seitenleitwerksflosse wurde vom Hersteller eingeharzt


Der Ausrichtung des Höhenleitwerkes bei der Montage auf den Rumpf wurde viel Beachtung geschenkt


Der Blick in die Rumpfröhre zeigt die großzügigen CFK-Verstärkungen und die Spanten für die Aufnahme und Befestigung des Hauptfahrwerkes


Die Verkleidung des Hauptfahrwerkes an der Rumpfunterseite sieht wahrlich perfekt aus


Die Anlenkung des Seitenruders an der "Symphony" ist kurz und stabil gehalten


Aerodynamisch sauber, die Verkleidung der Rumpfübergänge zum Seiten- und Höhenleitwerk.


Die Aluspinnerplatte mit integriertem Blatthalter entstand zunächst in Eigenleistung, wird nun aber von RC Fight Academy angeboten


Das ausgefallene Lack- und Foliendesign von Jörg Redl machen das Modell zum absoluten Hingucker unter den Schleppmaschinen



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