TECHNIK

Fliegen wie auf Schienen

Das "iGyro SRS" von Powerbox-Systems

Als das "iGyro SRS" auf den Markt kam sagte mir Powerbox-Chef Emmerich Deutsch: "Kreisel sagt zu wenig aus, es ist vielmehr ein komplexes Assistenzsystem für jedes Modellflugzeug. Ein Sicherheitssystem, wie es auch aus modernen Autos nicht mehr wegzudenken ist". Das "iGyro SRS" ist nicht nur klein und stabil, es kommuniziert mit dem Empfänger digital über den seriellen BUS. Es können sowohl zwei Querruder-, wie auch zwei Höhenruderservos und natürlich das Seitenruderservo angeschlossen werden. Weiterhin bietet das System einen Eingang für einen dafür entwickelten GPS-Sensor, der die Regelcharakteristik in Abhängigkeit der Geschwindigkeit steuert. Und noch eines kommt hinzu: Das "iGyro SRS" soll sich während eines einzigen Fluges auf allen drei Achsen einstellen lassen. Das konnte bisher keiner, da waren immer viele Flüge und Landungen erforderlich bis die Einstellungen passten.

Powerbox-Systems bietet das "iGyro SRS" in drei Varianten an: eine "Standard"-Variante ohne GPS-Sensor (299,- Euro) und zwei weitere mit GPS und mit, beziehungsweise ohne Sensorschalter (399,- Euro). Das "iGyro SRS" hat den zurzeit modernsten Dreiachs-MEMS-Sensor eingebaut, der auch in der UAV-Technik verwendet wird. Die schnelle Signalverarbeitung, die vor allem der sogenannte Heading-Mode benötigt, sichert ein 16bit Mikroprozessor. Ein kleines, kontrastscharfes OELD-Display führt durch die Menüs. Damit sind die Einstellungen ein Kinderspiel: Einfach dem Assistenten auf dem Display folgen, eine Anleitung wird dann meist nicht mehr gebraucht. Die Ein- und Ausgangs-Steckkontakte sind seitlich angeordnet, wobei eine Seite die Eingänge, die gegenüberliegende Seite die Ausgänge beherbergt. Eine Längsseite bietet die Kontakte für den Sensorschalter an, der nur zum Einstellen benötigt wird. Ich habe ihn trotzdem im Modell so untergebracht, dass ich das Auslesen der Empfängerdaten und Korrekturen im "iGyro SRS" sofort durchführen kann, ohne ihn nochmals anstecken zu müssen.

Auf der Eingangsseite fiel mir als erstes der doppelte Empfängereingang auf. Das "iGyro SRS" lässt aus Sicherheitsgründen zwei herkömmliche Empfänger zu. Für Nutzer der "Spektrum"-Anlagen ist es möglich, bis zu drei Satel- liten direkt an das "iGyro SRS" anzuschließen, weil man bei "Spektrum" erst von einem redundanten System spricht, wenn mit mindestens drei Satelliten gearbeitet wird. Allen RC-Systemen gemeinsam - Futaba, Spektrum, HoTT, Jeti, JR DMSS oder Multiplex M-Link - ist die direkte, digitale Verbindung zwischen "iGyro SRS" und Empfänger über den Digitalkanal (S-Bus). Das "iGyro SRS" verzichtet damit bewusst auf einen PWM-Signaleingang. Wer Empfänger hat, die nur normale Servosignale erzeugen, für den ist das "iGyro3e" vorgesehen (Vorstellung demnächst). Die Anleitung geht auch hier auf die einzelnen Fernsteuersysteme ein und erläutert, was bei jedem zu beachten ist. Da ich bei Multiplex - wenn möglich - Doppelempfänger verwende, halte ich das für nicht unbedingt nötig. Sinnvoll jedoch ist, den zweiten Empfängerausgang für die Stromversorgung zu nutzen, da die fünf angeschlossenen Servos durchaus etwas Strom ziehen können.

Der letzte Eingang ist für den GPS-Sensor vorgesehen. Warum? Die über GPS ermittelte Fluggeschwindigkeit - allerdings nicht relativ zur Luft, sondern relativ zur Erde - passt die Regelcharakteristik des Gyro permanent an. Somit werden die Ausschläge bei höheren Geschwindigkeiten geringer als bei niedrigeren Geschwindigkeiten. Das kommt vor allem Modellen mit großen Geschwindigkeitsbereichen zugute, denn bei hohen Geschwindigkeiten werden die Ruder vom Gyro weniger ausgesteuert. Das geht dann runter bis zur Landegeschwindigkeit, bei der volle Ausschläge benötigt werden. Der Gyro wertet permanent die Geschwindigkeit aus, um die Ausschläge anzupassen.

Ausgangsseitig stehen fünf Servoausgänge (2x Quer, 2x Höhe, 1x Seite) zur Verfügung. Die Servos lassen sich dort direkt anschließen oder aber auch mit Hilfe aller Akkuweichen von Powerbox-Systems. Sinnvoll sind die SRS-Akkuweichen, da sie auch mit einem seriellen Eingangssignal arbeiten, und das "iGyro" auf "Digi out" gestellt, die seriellen Signale direkt an diese Weichen weiterleitet. Es genügen dann nur zwei Kabel zur Weiche. Das räumt den Kabelsalat auf. Alle Servos im Modell werden dann über die Weiche angesteuert. Auch wenn der Einstellvorgang recht einfach ist, sollte doch Zeit zum Le-sen der sehr guten Anleitung investiert werden. Alle Einstellungen sind dann mit Hilfe des Sensorschalters und des OLED-Displays einfach einzustellen.

Zuerst ist das Fernsteuersystem zu wählen, das "iGyro SRS" kommuniziert mit Multiplex, Spektrum DSM2 und DSMX, HoTT, Jeti, JR-DMSS und Futaba. Mit dem "Setup Assistent" steuert das Display durch die Einstellungen, somit auch die Kanalzuordnung der Servos, die Einbaulage des Gyros und die richtige Wirkrichtung. Das "iGyro" lässt sich beliebig im Modell positionieren, vorausgesetzt rechtwinklig zur Flugachse und liegend. Der perfekte Sitz ist lebenswichtig! Dafür liegt hochwertiges 3M-Klebeband bei. Um das "iGyro" wechseln zu können, verwende ich die "Powerstrip" von Tesa. Weiter mit den Grundeinstellungen: Das "iGyro" bietet drei Modi an (Aus, Normal, Heading). In der Normal-Stellung werden äußere Einflüsse durch beispielsweise Wirbel ausgeglichen und das Flug- zeug fliegt wie auf Schienen in der normalen Lage. Im Heading-Modus steuert das "iGyro" das Modell so aus, dass es in seiner Flugbahn bleibt. Beispiel: In die Messerlage steuern, Knüppel loslassen, das Modell verbleibt im Messerflug bis zum Ausleiten. In der Nullstellung des Knüppels verharrt das "iGyro" automatisch im Heading.

Genauso das Einfliegen aller drei Achsen in einem Flug, was vom Sender aus mit Hilfe eines Dreistufenschalters und eines Schiebekanals oder eines Drehpotis erfolgt. Nur ein Flug ist notwendig, um alle drei Achsen exakt einzustellen. Wenn das GPS verwendet wird, wird bei Halbgas oder mittlerer Geschwindigkeit die Einstellung geflogen. Alles andere berechnet das GPS. Sowohl für das automatische Erkennen der Steuerknüppel, als auch das Einstellen des "iGyro" erfolgt in der Reihenfolge Querruder, Höhenruder, Seitenruder.

Zum Einstellen wird das Modell gestartet und gegen den Wind ausgerichtet. Das Gyro mit dem Dreistufenkanal einschalten und den Regler langsam aufdrehen, bis das Modell zu schwingen beginnt, dann wieder etwas zurück bis es wieder ruhig fliegt. Dabei ist erst das Querruder dran. Wenn diese Achse eingestellt ist, empfehle ich den Knüppel kurz schnalzen lassen, dass der Gyro etwas zum Arbeiten hat, stabilisiert sich das Modell sofort, passt die Einstellung, schaukelt es etwas nach, das Poti noch etwas zurücknehmen. Dann den Schalter und Regler auf "Aus", erneut gerade anfliegen, Schalter auf "Ein" und . the same procedure. Als Letztes noch das Seitenruder, das zweimal eingestellt wird. Erst der normale Dämpfungsfaktor, danach der Heading Modus. Dieser Einstellvorgang ist für fast alle Modelle ausreichend. Sollten hier für bestimmte Modelle noch zusätzlich Korrekturen gewünscht werden, wird das im Menü "Gyro Settings" von Hand nachgebessert. Zumischungen, wie zum Beispiel Höhenruder zu Landeklappen, müssen beim Einschalten des Gyro deaktiviert sein. Das macht alles das "iGyro". Klappen setzen oder wieder rein, kein Problem - das Modell bleibt immer in der richtigen Fluglage.

Und das Fliegen? Ich wusste gar nicht, dass ich so ruhig fliegen kann - auch wenn es sehr turbulent ist. Ein Beispiel war vergangenes Jahr auf dem Gelände in Aspach. Der Wind kam leicht schräg vom Steinbruch, was nach dem Start und auch bei der Landung erhebliche Verwirbelungen verursacht. Der Start war ein Kinderspiel. Die "Maule" startete geradeaus, die Richtung hielt das "iGyro". Ruhig zog das Modell den Segler, der schon etwas mehr Probleme hatte, nach oben zu kommen. Hier ist ein enormer Sicherheitsgewinn spürbar, für den Schlepp- wie auch für den Seglerpiloten. Vor allem in großer Höhe ist der Schlepp schön ruhig. Der Schlepp-Pilot kann sich also alleine auf die Richtung und das Steigen konzentrieren - den Rest macht das "iGyro SRS". Und wenn es durch die Sonne geht, einfach die Knüppel loslassen, das Gyro fliegt selbständig weiter. Nach der Sonne kommt das Modell wieder so heraus wie es vorher reingeflogen ist. Im Segler habe ich das "iGyroSRS" noch nicht eingesetzt, die Meinung von Kollegen ist aber positiv: Vor allem beim Landen am Hang sei von den Wirbeln hinter der Hangkante nichts zu spüren, die Modelle werden wesentlich materialschonender gelandet. Selbst das Thermikkreisen ist angenehmer und ruhiger geworden.

Powerbox-Systems ist mit dem "iGyro SRS" einen Schritt voraus, so einfach und schnell ist kein anderer Gyro einzustellen. Die geschwindigkeitsabhängigen Ausschläge durch den GPS-Sensor ermöglichen dynamischeres Fliegen. Das Gyro kompensiert äußere Einflüsse auf das Modell sicher und zuverlässig. Es ist somit eine wertvolle, für alle Modelle meist auch eine lebensverlängernde Maßnahme

Herbert W. Locklair


Fakten

"iGyro SRS" von Powerbox-Systems
Ein Elektronisches Hilfsmittel

Betriebsspannung: 4 - 9 V
Stromaufnahme Betrieb: 51 mA
Stromaufnahme GPS: 60 mA
Strombelastbarkeit: 10 A
Fernsteuersysteme: Futaba, Spektrum, JR, Jeti, HOTT, Multiplex M-LINK
Servoausgänge: 5
Preis: ab 299,- Euro
Bezug im Fachhandel oder bei Powerbox Systems
Tel.: 0906/22559
www.powerbox-systems.com


Das "iGyro SRS": Rechts alle Eingänge, links die Ausgänge zu den Rudern, oben links ist der Anschluss für den Sensorschalter.


Die Grundvariante mit Sensorschalter ist die preiswerteste Ausführung


Der angeschlossene GPS-Sensor bietet sinnvolle Zusatzfunktionen


Das Einstellen ist ganz einfach: mittels des Sensorschalters bewegen wir uns im Menü


Ob Delta, V-Leitwerk- oder Normalmodell muss dem "iGyro SRS" gesagt werden, die Mischer übernimmt es dann auch


Die Regelung der einzelnen Ruder muss genau eingestellt werden, sonst steuert der Gyro zur falschen Stelle


Wer will, kann die Anteile für Normal- und Heading-Modus getrennt einstellen


Mit einem netten Abschiedsgruß wird die Komplettierung der Einstellungen beendet


Nie war Fliegen einfacher: gerade legen, den Rest macht das "IGyro SRS"



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