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Ein Klassiker von Aerobel

Holz ist einfach toll - das weiß man auch bei Aerobel. Der Schweizer Kleinhersteller bietet Modelle an, die mit einfachen Mitteln und wenig Vorkenntnissen gebaut werden können. AUFWIND-Fotograf Pascal Fempel hat sich der "Bleriot" angenommen.

In AUFWIND 5/2015 sah ich unter den Neuheiten eine "Bleriot" in handlicher Größe und komplett aus Holz. Ich recherchierte rasch im Internet und fand heraus, dass der Konstrukteur des Baukastens Kurt Odermatt aus der Schweiz ist - übrigens mein ehemaliger Fluglehrer. Ein Grund mehr also, ihm einen Besuch abzustatten und den Baukasten zu begutachten. Wie es dann so ist, schwelgten wir in Erinnerungen und unterhielten uns über das Konzept der neuen Aerobel-Bausätze. Der Clou der Geschichte ist, dass alle angebotenen Modelle vollkommen ohne Bespannung auskommen, weil die Tragflächenkonstruktionen auf einem Jedelsky-Brettchenprofil basieren. Gesteuert wird jeweils mit Motor, Höhen- und Seitenruder. Einfach genial - genial einfach!

Dann war ich wieder zurück in meinem Keller und hörte noch Kurt's Worte: "Du wirst das in fünf Stunden fertigstellen." Holz und Laserschnitte waren von bester Qualität. Die Anleitung erläuterte jeden Schritt mit Bild und Text, da gab es keine Stelle, an der eine Frage hätte aufkommen können. Genau richtig also auch für Anfänger beim Bau von Modellen. Der Baukasten ist vollständig, inklusive aller Holzteile, Anlenkungen, Fahrwerk mit Rädern, Motorattrappe, einem Holzschleifklotz (!) und sogar Scharnierband.

Der Bau ging dann recht rasch von der Hand: Zuerst wurde der Rumpf aus einem vorderen und hinteren Teil in Kastenbauweise erstellt. Alle Teile wurden gesteckt und waren durch die Nummerierung auch nicht zu verwechseln. Ich habe mir den Spaß gegönnt und alles mit Holzleim verklebt - denn bei der gebotenen Güte von Material mit Sekundenkleber zu arbeiten, fand ich persönlich einen Stilbruch. Nachdem die Rumpfteile miteinander verbunden waren, ging es an den Bau der Tragfläche. Die V-Form ergibt sich quasi automatisch, denn die Außenrippen haben eine Stützrippe, sodass am Ende, wenn die beiden Hälften an der Hauptrippe mit dem Rumpfdeckel vereint werden, sich der Winkel bei planer Arbeitsplatte von ganz alleine ergibt. Einfacher geht es wirklich nicht mehr. Erstaunlich ist bei der Spannweite, dass kein zusätzlicher Holm benötigt wird - maßgeblich bedingt durch genial erdachte Verbindung von Flügel und Rumpf, der übrigens als Ganzes abgenommen werden kann: Die Hauptrippe ist als Kasten gedoppelt und eine Leiste in der Rippennut verbindet diese zusätzlich mit dem Flügel. Die Rippe wird dann an ein Dreiecksprofil, das ebenfalls aufgedoppelt mit der Gegenseite und dem Rumpfdeckel ist, verleimt. Zu guter Letzt werden dann die Stützrippen entfernt. Der Flügel selbst wird mit Gummis am Rumpf befestigt.

Weiter ging es mit dem Fahrwerk, bei meinem Modell noch starr. Inzwischen wird es gummigefedert ausgeliefert. Seiten- und Höhenleitwerk bestehen jeweils aus zwei Teilen und wer- den mit Scharnierband beweglich gemacht. Die Ruderhörner, ebenfalls aus Holz, wurden angebracht, sie werden später mit Federstahl von den Servos angelenkt. Zu guter Letzt mussten noch die Pilotenpuppe und die Motorattrappe gebaut werden, die einfach auf die Motorglocke geklebt wird und mit dreht - ein nettes und schön anzusehendes Gimmick.

Für die RC- und Antriebsausstattung habe ich mich an die Empfehlungen von Kurt gehalten und einen "D-Power AL28-09" mit einem "Antares 25A"-Regler genommen. Es gibt von Aerobel auch ein Komplettset mit Antrieb, Servos und Akkus. Als Servos nutze ich zwei einfache 12-Gramm-Servos für Höhen- und Seitenruder. Der Empfänger ist ein "RG411BL" von JR. Und als Flugakku nutze ich einen 3s-LiPO 1.300 mAh. Der Propeller ist 9x4 Zoll groß, besteht aus lackiertem Kirschholz und passt hervorragend zum Modell.

Schlussendlich habe ich alle Teile zweifach mit Porenfüller behandelt. Final habe ich dann den Rumpf in Mahagoni gebeizt und das Fahrgestell in einem dunklen Braun lackiert. Als Einstellungswerte für die Ruder habe ich circa acht Millimeter in alle Richtungen eingestellt und am Ende beim Auswiegen noch 20 Gramm Blei unter der Motorhaube verstaut.

An einem ruhigen Herbsttag im November fand dann der Erstflug statt, zusammen mit dem "Introduction F5J" von Philipp Gardemin (vgl. AUFWIND 1/2016). Ich schreibe das hier so unspektakulär, denn so war der Erstflug auch. Die "Bleriot" macht einfach, was sie machen soll: Fliegen! Das Flugbild ist herrlich und es macht Spaß, das Modell in Bodennähe den staunenden Vereinskollegen vorzufliegen. Zugegeben, das Flugverhalten ist leicht schwammig und behäbig in der Ausführung der Steuervorgaben. Doch das ist es, was klar macht, dass wir zum Entschleunigen auf den Flugplatz kommen. Nach 15 Minuten Flugzeit und nie mehr als Halbgas habe ich dann zur Landung angesetzt. Die Höhe ließ sich wunderbar mit dem Motor steuern. Dann konnte ich das Modell wunderschön tief hereinbringen, sanft aufsetzen und auf der kurzgemähten Wiese ausrollen lassen.

Kurt hatte recht, mit ein wenig Erfahrung braucht man nicht mehr als fünf Stunden für den Bau dieses einmaligen Klassikers. Mir hat es Spaß gemacht und wenn durch die einfache Konstruktion wieder mehr Leute zum Modellbau kommen, geht das Konzept von Aerobel und Kurt Odermatt voll und ganz auf. Er hat übrigens auch ein schönes Video online gestellt:
https://youtu.be/kxigCh4LS5o

Pascal Fempel
Bilder: Pascal Fempel, Philipp Gardemin


Fakten

Spannweite: 1.000 mm
Länge: 850 mm
Gewicht: 650 g
Fläche: 22 qdm
Flächenbelastung: 29,5 g/qdm
Profil: Jedelsky
Preis: 129,- sFr
Bezug bei Aerobel
Tel.: 0041/61/9014549
www.aerobel.ch


Unverkennbar eine "Bleriot", ein Klassiker der Flugzeuggeschichte

Der Aufbau gelang dank hervorragend passender Teile in nur wenigen Stunden

Die schöne Holzmaserung der in Jedelsky-Bauweise erstellten Tragflächen ist im Gegenlicht gut sichtbar

Das vorbildgetreue Fahrwerk besteht aus mehreren Sperrholzteilen und wird nun gummigefedert ausgeliefert

Komplett in Holz aufgebaut, verspricht der Bausatz entspannte Baustunden mit schnellem Erfolgserlebnis

Die Stützrippe an der äußersten Tragflächenrippe gibt die V-Form vor

In Bodennähe herumkurven und sich am Flugbild erfreuen - das ist Programm bei dem Modell

Konstrukteur Kurt Odermatt hat die Vorbildtreue einer "Bleriot" gut eingefangen und umgesetzt



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2016

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