TEST

Achtung, Speed!

Der "Ion Neo" aus Österreich

Als preiswertes Einstiegsmodell für das Fliegen mit einem Hotliner konzipiert, bietet die Konstruktion des F5B-Profis und -Weltmeisters Rudolf Freudenthaler Elektroflugspaß satt. Martin Atzwanger hat sich dem Modell gewidmet.

Der "Ion Neo" ist eine Weiterentwicklung des "Ion pro+" und wurde von Rudi Freudenthaler in enger Zusammenarbeit mit J. Palácek (JP Models/CZ) entwickelt. Er hat schmälere und dünnere Flächen als sein Vorgänger und ist mit einem stabilen Kohleholm für Antriebsleistungen bis circa einem Kilowatt ausgelegt. Als Profil kommt ein modifiziertes "HD-45" zum Einsatz. Mit zwei Metern Spannweite und Wölbklappen ist er auch für die nicht mehr ganz so jungen Modellflieger gut sichtbar und erlaubt punktgenaue Landungen auf engem Raum.

In der F5B-Szene ist Rudi Freudenthaler nicht nur als vierfacher Weltmeister bekannt, sondern auch als begnadeter Tüftler. Ich gönnte mir ei-nen Abstecher nach Freistadt in Oberösterreich, um den Baukasten direkt bei ihm abzuholen. In dem kleinen Ladengeschäft wird man vom Meister persönlich bedient. Neben Hintergrundinformationen zur Entwicklung des "Ion Neo" bekam ich Tipps zu den benötigten Komponenten und der gewünschten Motorisierung. Das Modell hat eine sehr gute Qualität und ist sauber gefertigt, die bespannten Teile sind blasen- und faltenfrei. Dank einem hohen Vorfertigungsgrad und einer guten Passgenauigkeit der einzelnen Teile ließen sich die erforderlichen Bau- und Installationsarbeiten schnell erledigen. Beigelegt waren alle erforderlichen Kleinteile, selbst die notwendigen Kabel für die Flächenservos und dem Höhenruder waren schon richtig abgelängt.

Das ausreichend dimensionierte Rumpfvorderteil erlaubt auch den Einbau eines leistungsstarken Direktantriebs. Der beiliegende Motor- spant mit 38 Millimetern Durchmesser passt zwei Millimeter hinter der Rumpföffnung saugend hinein - hier ist der Rumpf wirklich kreisrund. Somit bleibt vor dem Spant noch ausreichend Platz für eine stabile Verklebung. Auch Motorsturz und Seitenzug wurden vom Hersteller bei der Motoröffnung berücksichtigt, die für Spinner mit 40 Millimetern Durchmesser ausgelegt ist.

Als Antrieb wählte ich einen Mega-"AC-N 22/35 RED", ein Innenläufer mit 850 Watt bei 750 U/V. Der dazu passende Regler mit 80 Ampere Belastbarkeit passte ganz knapp, aber doch noch neben den Akku in den Rumpf. Als Energiespender wurde ein 4s-LiPo mit 3.200 Milliamperestunden ausgewählt. Der ließ sich gerade noch durch die Kabinenhaube in den Rumpf einschieben. Durch seine Größe ist aber das beiliegende Akkubrett nicht mehr erforderlich. Diese Antriebskombination mit einer Aeronaut CamProp-Luftschraube 13x8 Zoll verspricht Leistung und viel Flugspaß bei rund 60 Ampere Leistungsaufnahme.

Ein angelenktes Seitenruder gibt es in der ganzen "Ion"-Modellfamilie nicht. Das Servo (Savöx-"SH-0263") für das Höhenruder (T-Leitwerk) sitzt genau im Seitenleitwerk. Der Einbau eines robusten 11- oder 12-mm-Servos wird zwar schnell zur "Fitzelarbeit", war aber in ein paar Minuten erledigt. Die Anlenkung des Ruders erfolgt per Stahldraht durch den Sandwich-Drucksteg.

Die beplankte Styro-Abachi-Tragfläche ist zweiteilig, mit Gewebeeinlage und verstärktem Holm. Sie werden fertig bespannt geliefert, oben Weiß und Neonrot, die Unterseite in Dunkelblau. So ist eine gute Erkennbarkeit der Fluglage auch in größerer Höhe gewährleistet. Der Flügelverbinder bei dieser Version, ist ein 10-mm-Rundstahl. Die Befestigung der Tragfläche am Rumpf erfolgt nicht mit den üblichen Buchenstäben in der Nasenleiste, sondern mit vier Nylonschrauben. Als Querruderservos wurden "SH-0263" von Savöx und für die Wölbklappen "AS-225 MG BB" von D-Power ausgesucht. Ein Service der besonderen Art sind die Servoschächte: nicht wie üblich nur einfach ins Styropor geschnitten. Nein, sie wurden hersteller- seitig mit ABS-Wannen ausgekleidet und vereinfachen damit enorm den Einbau der Servos. Leider passen nur 11-mm-Servos hinein.

Die Lötarbeiten am Modell waren an einem Abend erledigt. Um einen eventuellen späteren Tausch der Servos einfacher zu ermöglichen, klebte ich entsprechende Servohalter aus Pappelsperrholz ein, in die dann die Servos gesteckt und mit der Heißklebepistole fixiert wurden. Das hält allen Belastungen stand und ist bei Bedarf doch einfach mit ein bisschen Wärmezufuhr wieder zu lösen. Die GFK-Ruderhörner wurden mit "UHUendfest 300" eingeklebt.

Nun konnte ich das Modell schon zusammenbauen. Die in der Anleitung vorgeschlagenen Rudereinstellungen habe ich für den Erstflug übernommen. Eine Überraschung war die Einstellung des Schwerpunktes, der am Rumpf durch Markierungspfeile angerissen ist. Laut Beschreibung sollte dieser zwischen 65 und 73 Millimetern hinter der Nasenleiste liegen. Obwohl ich schon recht gewichtige Antriebskomponenten eingebaut hatte, musste ich alles ganz nach vorne legen, um den Schwerpunkt bei 70 Millimetern zu erreichen. Das Gewicht pendelte sich auf 1.620 Gramm ein.

Dann ging es auf den Flugplatz. Bei wolkenverhangenem Himmel und mittelstarkem Wind wurde das Modell startklar gemacht: Reichweite gecheckt, Ruderausschläge und -richtungen nochmals überprüft, Schwerpunkt kontrolliert und Fotograf eingewiesen. Dann einen kurzen Anlauf, den Motor auf halbe Leistung, ein Wurf nach oben und der "Ion Neo" stieg in den Himmel. Ein bisschen Höhenruder musste nachgetrimmt werden, der Schwerpunkt lag doch zu weit vorne. Aber die Ruder sprachen direkt, jedoch nicht nervös an. Sehr angenehm und ohne Stress ließ sich das Modell fliegen. Schon die ersten Runden bestätigten das angekündigte Modellmotto: klein, schnell und wendig.

Die Fluggeschwindigkeit ist generell hoch. Von Vorteil ist, dass sie gut in Energie für alle gewünschten Figuren umgesetzt werden kann. Mit positiv gewölbten Querrudern und Wölbklappen wird der "Ion Neo deutlich langsamer, wobei sich die in der Beschreibung vorgeschlagene "Segelstellung" mit fünf Millimetern bei den Wölbklappen und vier Millimetern bei den Querrudern nach unten bei mir schon fast als zu viel erwiesen hat. Reduziert auf die Hälfte dieser Werte, war das Ergebnis ein fast schon entspanntes Segeln.

Doch Modelle wie der "Ion Neo" sind nicht fürs Herumschleichen gemacht. Speed ist angesagt: Mit Vollgas senkrecht bis an die Sichtgrenze, ein Turn, scharf angestochen bis knapp über das Gelände und im Tiefflug über den Flugplatz - Adrenalin pur! Bei späteren Flügen habe ich den Schwerpunkt nach hinten auf 73 Millimeter verlegt. Damit fliegt das Modell nun nach meinem Empfinden "flüssiger", läuft auch nach dem Anstechen schön weiter und muss am Rücken wenig nachgedrückt werden. Zur Landung kommt der "Ion Neo" dann mit leicht aufgestellten Querrudern und abgesenkten Wölbklappen (Butterfly- oder Bremsstellung) kreuzbrav und jederzeit steuerbar herein.

Nach drei Akkus an diesem Erstflugtag wurden die Finger klamm, der erfolgreiche Erstflug wurde mit einer Tasse Glühwein abgeschlossen und dem Wissen, ein tolles Modell im Hangar zu haben. Entstanden aus einem kompletten Baukasten in ausgezeichneter Qualität, zu einem vernünftigen Preis und ideal zum Einstieg in diese Modellklasse.

Martin B. Atzwanger


Fakten

"Ion Neo" von RFM
Ein Elektro-Hotliner für Jedermann

Spannweite: 2.020 mm
Länge: 1.100 mm
Gewicht: 1.620 g
Fläche: 29,6 qdm
Flächenbelastung: 54,7 g/qdm
Ruderausschläge:
Höhenruder: -5/+4 mm
Querruder: -11/+8 mm
Wölbklappen: +70-90 Grad
Thermikstellung:
Wölbklappen: +5 mm
Querruder: +4 mm
Bremsstellung:
Wölbklappen: +25 mm
Querruder: -18 mm
Höhenruder: +1 mm
Preis: 273,60 Euro
Bezug bei Freudenthaler Modellbau
Tel.: +43-7942/74990
www.modellbau-freudenthaler.at


Rudi Freudenthaler gab AUFWIND-Autor Martin Atzwanger Tipps zur Modellausstattung

Die Tragfläche wird mit vier Nylonschrauben auf dem Rumpf gesichert

Der Mega-Motor "AC-N 22/35 RED" erwies als prima Kraftpaket für dieses Modell

Die ABS-Wannen im Styrokern sind eine saubere Lösung

Die Servos wurden im Sperrholzrahmen mit Heißkleber fixiert

Das Höhenruderservo wurde direkt im Seitenleitwerk montiert

Der Motorspant passt perfekt um wenige Millimeter zurückversetzt in den Rumpf

Drei Schwerpunktpositionen sind am Rumpf angeformt

Der "Ion Neo" ist ein hervorragendes Einstiegsmodell für`s Fliegen von Hotlinern

Modelle wie der "Ion Neo" sind nicht fürs Herumschleichen gemacht. Speed ist angesagt

Die Fluggeschwindigkeit kann gut in Energie für alle gewünschten Figuren umgesetzt werden

In voller Landestellung lässt sich das Modell brav heranfliegen .

. und zielgenau aufsetzen.



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