TEST

Spaß-Nurflügel

Der "Puma" von Schweißgut

Der sympathische Österreicher Robert Schweißgut (www.wing-tips.at) gilt als Geheimtipp unter den Fans leistungsfähiger Nurflügelmodelle zum Selbstbauen. Mit dem "Puma" hat er ein 2,1 Meter großes Modell vorgestellt. Thomas Hörberg hat es gebaut.

Es war einer dieser trüben Herbsttage an dem ich auf die Idee kam, mich mal wieder nach "et-was ganz anderem" umzusehen. Nach einigem Stöbern wurde ich auf der Homepage von Robert Schweißgut fündig und gleichzeitig neugierig. Ich schrieb ihm eine E-Mail, da ich ein Modell wollte, das sich zügig bewegen lässt. So fiel die Wahl auf den "Puma" und nach wenigen Tagen war die Lieferung bereits da.

Ich staunte nicht schlecht: Alles bestes Holz, eine ausführliche, 14 Seiten lange Bauanleitung mit Teileliste und ausführlichen Hinweisen zu Rudereinstellungen und zum Einfliegen. Schon beim Lesen bekam ich einen ersten Eindruck: Das wurde von einem Modellbauer mit Erfahrung geschrieben. Robert bittet schon auf der ersten Seite der Bauanleitung, ihm Vorschläge und Erfahrungen mitzuteilen. Der Bau des Modells ging dann zügig voran. Der Rumpf besteht aus wenigen, sehr durchdachten Holzteilen und mit den Abachi-Tragflächen war ich auch schnell fertig. Lediglich die Querruder mussten noch ausgeschnitten und verkastet werden. Das Rohbaugewicht lag bei rund 770 Gramm.

Auch zur Ausstattung mit Antriebs- und RC-Komponenten ist es ratsam, sich an die Empfehlungen des Profis zu halten. Bei mir kamen ein Außenläufer mit 28 Millimetern Durchmesser und 1.000 kV sowie Hitec-Servos "HS-81" zum Einsatz. Ich hatte andere Servos vorgesehen, die vorgeschlagenen passten jedoch viel besser, ohne weitere Nacharbeiten. Zum Finish habe ich die Tragflächen mit "Oratex"-Bügelgewebe bespannt, das die Struktur des Holzes durchschimmern lässt. Robert gibt dazu den Hinweis, dass der Ruderspalt dicht sein sollte. Ich habe daher die Querruder direkt mit angebügelt. Das sieht alles sauber aus und hält einwandfrei. Beim Bespannen müssen die Ruder nach unten ausgeschlagen sein, sonst klemmt es hinterher.

Eine Besonderheit des Modells, die mir sehr gefällt: Seitenleitwerk, Kabinenhaube und die Tragflächen am Rumpf werden von Magneten gehalten. Das hält wirklich gut und zum Aufbau ist nicht mal ein Schraubenzieher erforderlich. Dementsprechend handlich ist das Packmaß, so kann das Modell ohne Mühe auch mal auf einen Berg zum Hangfliegen transportiert werden. Bei einem Abfluggewicht von 1.080 Gramm mit einem Antriebsakku 3s-LiPo 1.300 Milliamperestunden habe ich nicht schwer zu tragen, da hat die nötige Verpflegung auch noch Platz. Ich habe mir dann noch Flächentaschen aus Luftpolsterfolie gebastelt. Wer schon mal Flugzeuge in einer Seilbahn transportiert hat, weiß, dass das Ganze manchmal schön sperrig sein kann. Übrigens bietet Robert Schweißgut auch einen "Zorro Light" mit Rippen-Tragflächen an. Dessen Flügel passen auf den Rumpf des "Puma". So kann man zwei Modelle in einem haben und ist auch für schwache Thermik gut gerüstet.

Klarer blauer Himmel und kein Wind im Allgäu - also los: Robert empfiehlt ausdrücklich, das Einfliegen bei ruhigem Wetter vorzunehmen. Ich habe vor jedem Erstflug Herzklopfen, aber auch einen guten Werfer. Ich hatte noch die Worte von Robert im Kopf: "Du wirst sehen, der Puma verhält sich wie eine Schmusekatze." Und schon war es vorbei: Der "Puma" fliegt, es ging ganz einfach. Ohne Korrektur zog mein Modell schön flach und beruhigend Richtung Himmel. Wieder einmal machte sich Grinsen breit in meinem Gesicht.

Das Modell lässt sich ganz entspannt fliegen. Nur wer Landungen mit Butterfly und Störklappen gewöhnt ist, muss sich jetzt etwas umstellen: Es ist keine Landehilfe vorhanden. Mit einer sauberen Landeeinteilung ist das aber auch kein Thema, denn der Gleitwinkel ist gut vorhersehbar. Erstaunlich ist, wie lang sich der "Puma" aushungern und beinahe im Schritttempo sanft aufsetzen lässt.

Weitere Flüge ließen mich schon frecher werden: Es macht unheimlich Spaß, den "Puma" noch in Bodennähe eng zu kreisen. Die Strömung reißt einfach nicht ab: "Wenn du meinst jetzt geht nichts mehr, geht immer noch ein Vollkreis mehr." Mangels Sommerwetter im Dezember konnte ich die Thermikflugeigenschaften noch nicht testen. Doch mein Gefühl sagt: Der "Puma" wird in der Thermik und auch am Hang gut sein, allein schon, weil er sich so eng kreisen lässt und in Kurven sehr wenig Höhe verliert.

Ich bin von dem Konzept so überzeugt, dass ich sofort ein weiteres Modell von Robert Schweißgut bestellt habe, den "Eyecatcher" mit gleichem Konzept und Rippenflächen.

Thomas Hörberg


Fakten

"Puma" von Schweißgut
Ein Nurflügel für Jedermann

Spannweite: 2.100 mm
Länge: 640 mm
Gewicht: 1.080 g
Fläche: 40 qdm
Flächenbelastung: 27 g/qdm
Preis: 159,- Euro
Bezug bei Robert Schweißgut
Tel.: 0043/5678/5792
www.wing-tips.at.


Sauber gefertigte CNC-Teile für den Rumpf machen den Modellbau zum Vergnügen

In nur wenigen Stunden ist der Rohbau des Rumpfes erledigt

Der ganze Rohbau wiegt rund 770 Gramm

Farbstreifen auf der Tragflächen- und Rumpfunterseite sorgen für bessere Sichtbarkeit

Spannung vor dem Erstflug - völlig unbegründet, wie sich sofort zeigen sollte

Der stahlblaue Dezemberhimmel gab den richtigen Hintergrund für das schöne Modell

Das Modell lässt sich völlig entspannt fliegen



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2016

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