TEST

Leistungsbringer

"Alpina Champ 4001 V2" von Tangent


AUFWIND-Autor Martin B. Atzwanger flog seine Alpina auch auf der Segelflugmesse 2016 vor großem Publikum

Es gibt große Modelle, kleine Modelle, schnelle Modelle, langsame Modelle, hässliche Modelle, schöne Modelle und - echte Klassiker. Ebenso wie die "Alpina" . Martin B. Atzwanger berichtet über das Modell, das sich seit vielen Jahren als Fixstern auf seiner Wunschliste befand.

Nach unzähligen Flugprojekten die ich gebaut hatte und der von Tangent angekündigten Aktualisierung des Modells schien jetzt der richtige Zeitpunkt für meine "Alpina" gekommen zu sein. Bei einem informativen Telefonat mit Horst Jobst von Tangent (noch immer der beste Weg der Kommunikation) konnten Verfügbarkeit und Motorisierung abgeklärt werden. Bestellt habe ich schließlich die "Alpina Champ 4001". Sie hat einen verstärkten weißen GFK-Rumpf, Flächenverbinder in Vierkant-Kohleausführung - und etwas mehr V-Form als bisher - sowie einen Sechs-Klappen-Flügel mit Carbon-D-Box im so genannten "Tequila Sunrise"-Design mit schwarzer Unterseite.

Als Antrieb hatte ich einen "Leopard LC5065 14pol"-Außenläufer von Leomotion vorgesehen, mit 6-mm-Welle. Der soll bei 430 KV, einem 6s-LiPo-Akku und einer 18 x 9 Zoll großen Klappluftschraube knapp neun Kilogramm Standschub bei 87 Ampere Stromauf- nahme erreichen. Dann wurde ein lan- ger Karton geliefert. Alle Teile waren sorgfältig eingepackt, und keine Transportschäden zu sehen. Der Liefer- umfang war erwartungsgemäß vollständig.

Der Rumpf ist wirklich großräumig und für den Elektroausbau vorbereitet. Das heißt, die Brettchen für Servoeinbau und Akkuhalterung liegen bei und die Rumpfspitze ist bereits abgetrennt. Die Flächen sind mit bedruckter Folie bespannt. Keine einzige Blase war zu sehen, was selten ist und auf die sehr gute Temperaturbe- ständigkeit des Materials schließen lässt. Die Ruderklappen sind an der Unterseite mit Elastik-Flaps angeschlagen und werden über Kreuz angelenkt.

Begonnen habe ich den Aufbau des Modells mit den Tragflächen: Die Servoschächte waren werksseitig schon ausgeschnitten, wurden aber von mir noch mit etwas Glasfasermatte laminiert. So kann sich an der Oberseite nichts mehr abzeichnen. Dank vorhandener Schnüre waren die Kabel schnell eingezogen und die Servos konnten verlötet werden. Ausgewählt wurden 72 Nm starke Exemplare mit Metallgetriebe und Kugellager, um auch dem geplanten härteren Einsatz in den Alpen gerecht zu werden. Den Stecker des Kabelbaumes habe ich am Flügel fest montiert, das Gegenstück im Rumpf lose.

Es fehlen zwar die genauen Angaben für die Ausrichtung der Ruderhörner und Einhängepunkte, doch mit ein wenig Recherche in den einschlägigen Modellbauforen konnte ich genügend brauchbare Hinweise für den Einbau zusammentragen. Die Anlenkungen der Wölbklap- pen liegen nun fünf Millimeter vor dem Drehpunkt und fünf Millimeter über der Oberseite. Die Anlenkungen der Querruder genau in der Achse und rund sechs Millimeter über dem Dreh- punkt. Damit beim Einkleben der Ruderhörner nichts verrutscht, habe ich alles mit Balsa-Klötzchen und Klebeband gesichert.

Da der Tragflächenverbinder keinen Kontakt zum Rumpf hat ("schwimmende Steckung"), erfolgt die Arretierung mit jeweils zwei Torsionsstiften und entsprechender Flächensicherung. Für die Stahlstifte waren passgenaue Bohrungen vorhanden. Eine knifflige Herausforderung war jedoch das rumpfseitige Einkleben der Lagerbuchsen. Die vorderen sind zwar gut erreichbar, aber die hinteren erfordern ein gewisses Maß an Improvisation. Da bei mir zu Hause genügend Platz, oder besser gesagt Raumhöhe vorhanden ist, habe ich das offene Treppenhaus für zwei Tage belegt: Den Flieger zusammengesteckt, die Flächen der Wurzelrippen mit Frischhaltefolie abgedeckt und die Torsionsstifte ordentlich mit Vaseline eingefettet, damit sie nicht zusammenkleben. Dann habe ich "UHUplus endfest 300" mit einem Holzstäbchen verteilt und das Ganze zum Trocknen aufgestellt. Am nächsten Tag habe ich die andere Seite ebenso behandelt. Somit waren eine ordentliche Ausrichtung und Verklebung gewährleistet. Alternativ kann auch mit 5-Min.-Epoxy geheftet, die Flügel abmontiert und die Lagerbuchse ordentlich eingeharzt werden. Ähnlich wird mit der Flügelsicherung verfahren. Zur Erhöhung der Stabilität im Rumpfbereich habe ich dabei auch gleich die mitgelieferten Druckstege verklebt.

Leichtes Rätselraten erzeugte die firmeneigene Angabe für die Position des Akkus. In meiner Anleitung war diese vor dem Servobrett ("Vorderkante 30 cm hinter der Rumpfspitze") angegeben. Um die Schwerpunktlage zu erreichen, musste der Akku so weit zurück verschoben werden, dass er letztlich unter dem Fläch- enverbinder zum Liegen kam. Tipp also: Alle Komponenten unbedingt vor dem Einkleben der diesbezüglichen Halterungen positionieren. Erst dann sämtliche Halterungen in den Rumpf einkleben, wobei vorher das werksseitig entlang des Kabinenausschnittes eingelegte Abreißband zu entfernen ist.

Anschließend habe ich die vormontierte Höhenruderpendellagerung fixiert. Beim Anstecken der Höhenruder ist ein Widerstand zu spüren, der als Haltesicherung dient. Rechtwinkelig ausgerichtet, habe ich die beiden Alumuttern gelockert und die Klebeflächen aufgeraut. Dann wurde wieder "UHUplus endfest 300" mit einem Drahtstück angegeben und die beiden Muttern vorsichtig verschraubt.

Für das Seitenruder waren die beiliegenden Augschrauben an den angezeichneten Stellen in den Flossensteg zu schrauben. Sie dienen der Seitenruderlagerung. Der Spalt sollte so gering wie möglich sein, jedoch ein freies Drehen des Seitenruders gewährleisten. Im Ruder wird, mittig in der Verlängerung des Bowdenzug-Rohres und so dicht wie möglich am späteren Drehpunkt, die Augschraube für die Anlenkung eingebaut.

Die Einstellwerte für Schwerpunkt und Ruderausschläge habe ich aus der Anleitung übernommen. Der Erstflug? Problemlos: Schon mit rund 2/3-Motorleistung zog die neue "Alpina" ordentlich weg und stieg zügig nach oben. Auf Sicherheitshöhe wurden die Ruderausschläge kon- trolliert. Schon bei der Normalstellung der Ru-der glitt der Segler scheinbar ohne Höhenverlust dahin. In der Thermikstellung - Wölbklappen und Querruder sind um zwei Millimeter nach unten verwölbt - wurde die "Alpina" deutlich langsamer und nutzte bereits jede kleinste Thermik. Gesteuert wurde dabei nur über die äußeren Querruder und das Seitenruder, um den Widerstand so gering wie möglich zu halten. Bei etwas stärkerem Wind scheint die "Alpina" damit fast in der Luft zu stehen, ohne die geringste Tendenz abzukippen. Einfach wunderbar!

Wurden die Klappen wieder in Normalstellung gebracht, beziehungsweise um einen Millimeter aufgestellt, konnte ich uneingeschränkten Speedflug genießen. Abstich und im Tiefflug über den Flugplatz führte zu Beifallskundgebungen der Kollegen. Und angesichts der darauf folgenden Rollen oder Loopings, ist bis heute oft- mals auch, "das kann nur eine Alpina sein" zu hören!

Die "Alpina Champ 4001 Pro" ist ein Hochleistungs-Segelflugmodell mit unverwechselbarer Optik und majestätischem Flugbild. Tangent spricht hier vom "Maßstab unter den Modell-Segelflugzeugen", was ich bestätigen kann. Mit den Allroundeigenschaften ist das Modell sowohl in der Thermik in der Ebene, wie auch am Hang und im Hochgebirge zu Hause. Der Lieferumfang war vollständig und einwandfrei, die gesamte Ausführung hochwertig. Die Festigkeit der Bauteile, insbesondere des Sechs-Klappen-Flügels ist beinahe unglaublich. Der manchmal etwas knifflige, aber für motivierte Modellbauer problemlos zu bewältigende Zusammenbau, wird mit beeindruckenden Flugleistungen belohnt.

Das Fliegen mit der "Alpina Champ 4001" ist ein Traum: mit der Motorisierung ist genügend Leistung für einen sorgenfreien Start und bei Vollgas eine entsprechende Steigleistung möglich! Dazu kommen hervorragende Kreisflugeigenschaften bei geringer Sinkgeschwindigkeit, und ein großer Geschwindigkeitsbereich, der auch Kunstflugfiguren bravourös meistern lässt. Letztlich sorgt eine angenehme Klappenwirkung für einen äußerst positiven Gesamteindruck.

Die Überarbeitung des Modells ist der Grundstein für eine gelungene Fortführung einer Legende - ich bin begeistert!

Martin B. Atzwanger


Fakten

"Alpina Champ 4001" von Tangent
Ein Klassiker in Neuauflage

Spannweite: 4.000 mm
Länge: 1.760 mm
Gewicht: 5.197 g
Fläche: 80,6 qdm
Flächenbelastung: 64,5 g/qdm
Preis: 899,- Euro;
Bezug bei Tangent Modelltechnik
Tel.: 07026/6016579
www.tangent-modelltechnik.de


Die aktuelle Überarbeitung des Modells ist der Grundstein für eine gelungene Fortführung einer Legende

Michael Atzwanger, der Bruder des AUFWIND-Autors, flog 1984 die Ur-Alpina

Der Lieferumfang war komplett und alles perfekt verpackt

Die Ruderhörner für die Wölbklappen werden auf der Flügeloberseite jeweils 5mm vor und über Achse eingeklebt

Die Ruderhörner für die Querruder werden genau über der Achse eingeklebt

Die Anbindung der Servokabel erfolgt mit einem achtpoligen Goldstecker

Ganz vorsichtig und sparsam wird die Verklebung der Führung für das Pendelhöhenruder aufgetragen

Motorsturz und Seitenzug sind ab Werk vorbereitet

Schön wenn man ein Treppenhaus hat. Es erleichtert die Verklebung der Steckungen ungemein

Mit knapp über fünf Kilogramm und vier Meter Spannweite ein immer noch alltagstaugliches Modell



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2017

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