TECHNIK

Selbst geklebt

Beschriftungen und Dekorsätze selbst gemacht


Der "Roland Stika SV-8" ist das kleinste der Geräte, für die meisten Anwendungen aber ausreichend

Das neue Modell ist (fast) komplett. Es fehlen eigentlich nur noch Kennzeichen und verschiedene Beschriftungen. Doch woher nehmen? Nicht alles wird fertig angeboten. Doch selbst herstellen ist mühsam und wird oft ungenau. Damit dies nicht geschieht, bietet Oracover eine Systemlösung. Philipp Gardemin hat sich damit beschäftigt.

Die Lanitz-Prena Folien Factory in Leipzig ist den meisten Modellbauern durch ihre Folienprodukte "Oracover", "Oratex", "Orastick" und "Oralight" bekannt. Weniger bekannt ist, dass das Unternehmen unter anderem auch Bespann-Systeme für die manntragende Luftfahrt, Lacksysteme und Pilotenbekleidung anbietet. Firmenchef Siegfried Lanitz ist selbst Flieger. Ein weiterer Geschäftszweig ist das "Easyplot"-System. Hier bietet das Unternehmen Hochleistungs-Plotterfolien in zahlreichen Farben, in vier Breiten von 20 bis 60 Zentimetern, sowie Zubehör an. Dazu gehören beispielsweise Transferfolien oder Rakelwerkzeuge. Zusammen mit Schneidplottern in vier verschiedenen Größen des Herstellers Roland, wird damit eine Komplettlösung für all diejenigen angeboten, die ihre eigenen Beschriftungen, Dekorbögen und Logos gestalten und plotten wollen.

Der "Roland Stika SV-8" ist mit einer Schnittbreite von 160 Millimetern und einer maximal möglichen Länge von 1.000 Millimetern das kleinste der vier Geräte - dürfte aber für 99,9 Prozent aller Anwendungen im Modellbaubereich ausreichen. Er nimmt Folienbreiten von 195 bis 215 Millimeter und schneidet mit Geschwindigkeiten von 12 bis 40 Millimeter pro Sekunde. Lanitz-Prena bietet den Schneideplotter in einem Starter-Komplettpaket an. Dies umfasst neben dem Gerät mit Netzgerät und USB-Kabel, fünf 1-m-Rollen "Easyplot", Transfermaterial, Filzrakel und Messer. Angeschlossen wird der Plotter am Computer wie ein Drucker und wird vom Betriebssystem auch entsprechend erkannt und zugeordnet. Angesteuert wird der Plotter von der mitgelieferten Software "CutStudio". Die Einrichtung des Geräts ist einfach: aufstellen, anschließen, Software installieren, Folie rein - fertig. Sorgfältig sollte man die Schnitttiefe einstellen. Zu tief, dann fallen die Buchstaben komplett mit Trägerpapier raus. Zu wenig geschnitten, lassen sie sich nicht lösen. Die 35 Seiten starke Anleitung geht auch auf diese Einstellung sehr ausführlich ein. So kann man eigentlich nichts falsch machen - nur die Zeit und Ruhe sollte man sich dafür nehmen.

Drei Aufgaben gibt es, die im Modellbau besonders oft vorkommen:

- Erstellen von Beschriftungen und Formen direkt aus der mitgelieferten Software "CutStudio".
- Importieren und ausschneiden beispielsweise von Logos, die als Bilddatei geliefert werden.
- Importieren und ausschneiden von Formen, Kennzeichen und Beschriftungen, die "nur" als Foto vorliegen.

Das Erstellen von Beschriftungen direkt aus der Software "CutStudio" ist extrem simpel: Die Oberfläche der Software wird geöffnet und es wird direkt eine Arbeitsfläche angezeigt. Hier kann nun mit dem Text-Werkzeug der gewünschte Text eingegeben werden. Über den Menüpunkt "Eigenschaften" wird die gewünschte Schriftart ausgewählt sowie die Größe bestimmt. Ist der Schriftzug länger als 160 Millimeter, wird er einfach um 90 Grad gedreht und kann damit bis zu einem Meter lang sein. Bei der Größenbestimmung kann wahlweise das Schriftart-typische Längen/Breitenverhältnis beibehalten, aber auch in nur eine der beiden Richtun- gen skaliert werden. Mit dem Befehl "Schneiden" plottet das Gerät auch schon los.

Das Importieren und Ausschneiden von Logos, die als Bilddatei geliefert werden, erfordert ein wenig mehr Arbeitsschritte. Grundlegend ist, dass das gewünschte Bild in hoher Auflösung geliefert wird. Denn aus einer verpixelten Vorlage kann auch der beste Plotter keine geraden Kanten zaubern. Über den Menüpunkt "Importieren" können jpg-Dateien eingelesen werden. Sie werden direkt auf der Softwareoberfläche abgelegt und können in Länge und Breite angepasst werden. Mit dem Befehl "Bildumrisse erzeugen (rechte Maustaste) erzeugt das Programm vollautomatisch die späteren Schnittlinien. Kleinere Unebenheiten werden dabei ausgeglichen. Mit dem Schieberegler "Ausgleich Bilddichte" kann auch noch korrigiert werden. Dann kann - muss aber nicht - das immer noch sichtbare Originallogo entfernt werden. Falls erforderlich, kann noch die Größe eingestellt werden. Und nun steht dem Schnitt nichts mehr im Wege.

Besonders nützlich ist die Erstellung von Schriften und Logos die nur als Foto vorliegen. Hier kommt man aber in aller Regel nicht um eine vorherige Bearbeitung des Bildes herum. Denn das gewünschte Objekt muss scharfkantig und ohne störende Einflüsse abgebildet sein, wie zum Beispiel Nieten oder Schattenwurf. Dass solche Objekte möglichst im rechten Winkel abfotografiert sein müssen, versteht sich von selbst. Die Vorgehensweise ist gleichermaßen wie zuvor erwähnt. Von Vorteil ist es, wenn das Bild mit einem Bildbearbeitungsprogramm vorbehandelt wurde, insbesondere was das Ausschneiden des eigentlichen Objektes und Bereinigen von störenden Elementen angeht. Aber auch die "CutStudio"-Software bietet dazu einige Möglichkeiten an.

Ist das Objekt der Begierde geschnitten, müssen die nicht gewünschten Elemente von der Trägerfolie entfernt werden. Dabei helfen ein kleines Cuttermesser, eine ruhige Hand und Geduld. Je größer die Objekte, desto einfacher - logisch! Handelt es sich um sehr feingliedrige Elemente, muss man darauf achten, dass man nicht zu viel mit abzieht.

Zum Übertragen auf das Modell ist eine sogenannte Transferfolie erforderlich. Auch die wird von Oracover angeboten. Sie wird in entsprechender Größe zugeschnitten und auf die geplotteten Elemente geklebt. Dann lässt sich das Ganze am Stück vom Trägerpapier abnehmen und auf das Modell übertragen. Das Abziehen der Transferfolie vom Modell muss sehr spitzwinklig, beziehungsweise flach auf dem Modell erfolgen, damit die Aufkleber nicht gleich wieder mit abgehen. Auch hier gilt: Übung macht den Meister. Wer sich die Investition in Trägerfolie sparen möchte, kann auch das billige Baumarkt-Papierklebeband nehmen. Das funktio- niert ebenfalls hervorragend, setzt aber der Größe der Objekte Grenzen.

Abschließend lässt sich feststellen, dass mit dem System von Lanitz Prena das Erstellen eigener Schriften mit dem Plotter eine extrem einfache, wie auch luxuriöse Sache ist. Ich möchte es heute nicht mehr missen. Der Fantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Und die Möglichkeiten, damit sein Modell zu perfektionieren, sind (fast) unendlich. Und ein Tipp noch zum Schluss: Unter RC-Network.de findet man ein riesiges Archiv von Beschriftungen, Logos und Kennzeichen, in jahrelanger Arbeit erstellt und zusammengetragen von Eckard Müller. Die Vorlagen sind prädestiniert zur Weiterverwendung auf dem Plotter.

Philipp Gardemin


Die "CutStudio"-Software bietet bereits viele Möglichkeiten der Schriften und Formen

Mit der Funktion "Bildumrisse erzeugen", werden die Kanten des importierten Logos in Schnittkanten umgewandelt

Das Entfernen der nicht benötigten Teile braucht ein wenig Fingerspitzengefühl

Auch das geht: Ein fotografierter Schriftzug am Originalflugzeug wird .

. in eine maßstabgerechte Klebeschrift umgewandelt.



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