TECHNIK

Weihe 50

Ein Klassiker im Eigenbau

"Wenn ich mir einen Segler zulege, baue ich ihn selbst", meinte Hannes Perkmann. Sein Vereinskollege, AUFWIND-Autor Miki Adang, hatte ihm die Frage gestellt, warum er noch keinen reinen Segler fliegt. Die Sache mit dem Selbstbauen hatte Hannes ernst gemeint - hier sein Baubericht.

Die "Weihe 50" gilt für mich als der eleganteste Segler seiner Zeit. Den Maßstab meines Wunsch- modells legte ich auf 1:3 fest, es sollte ja "etwas Ordentliches" werden. Als Grundlage für die Planung habe ich den Originalplan der manntragenden Weihe genommen (unter www.scalesoaring. com) und den Bauplan auf Geschenkpapier gezeichnet. Dabei hielt ich mich soweit wie möglich an das Original, insbesondere was die Positionen und Abstände von Rippen und Spanten angeht.

Den Profilstrak stellte ich aus der Profileauswahl von Dr. Helmut Quabeck zusammen: Von der Wurzelrippe bis Rippe 16 das "HQW 3/13", dann bis Rippe 21 auf "HQW "HQ Oldy 3/12" gestrakt, weiter bis Rippe 24 als "HQ Oldy 3/12", bis Rippe 29 gestrakt auf "HQ Oldy 3/14" und dann bis zum Randbogen die Profilhöhe dem sich ergebenden Holmverlauf angepasst.

Alle Rumpfspanten und Rippen wurden auf Papier gezeichnet, auf das jeweilige Sperrholz aufgeklebt, ausgeschnitten und verschliffen - Handarbeit von A bis Z. Die Rumpfspanten bestehen aus 2-mm-Birkensperrholz. Alle Spanten, die das Fahrwerk und die Beschläge der Holmbrücke aufnehmen, sind aus 4-mm-Birkensperrholz geschnitten und zusätzlich mit Kevlargewe- be beschichtet. Die Stärken der Längsgurte sind aus dem Originalplan runterskaliert. Den ganzen Rumpf habe ich auf einer Helling aufgebaut und verleimt.

Die Tragflächenhälften wurden aus Transportgründen geteilt. Damit hat die Innenfläche zwei, und die Außenfläche einen Meter Länge. Die Verbinder bestehen aus je drei CFK-Stäben mit zehn, acht und sechs Millimeter Durchmesser. Der Holm selbst ist ein Doppelkastenholm. Der obere und der untere Holmgurt besteht aus jeweils zwei Kieferleisten 20 x 5 Millimeter, die mit zwei Kieferleisten 5 x 5 Millimeter verkastet sind. Der Zwischenraum wurde mit Kohlerovings und Harz gefüllt. Beide Holme sind mit 1-mm-Sperrholz zu einem Holm verkastet. Bei der Wurzelrippe und im Bereich der Beschläge der Flächenverbinder, ist das Holminnere mit Sperrholz-Auffütterungen versehen. Die Beschläge zur Tragflächenverbindung habe ich wie beim Original aus Stahl gefertigt. Eine Rohrsteckung hätte ich als Stilbruch empfunden.

Die Rippen und Halbrippen bestehen aus 2-mm-Birkensperrholz. Auf dem Plan wurden Rippen, Holme und Stege aufgebaut und verleimt. Auch diese Gerüste waren stabil und so konnte ich zur Beplankung übergehen. Alle Ruder sind in Hohlkehlen gelagert. Auch die Querruder habe ich in ihrer Länge geteilt. Da sie doch, wie bei Oldtimern üblich, sehr groß sind, ist die Anlenkung mit zwei Servos besser. Ein Durchbiegen der Tragfläche würde ein ungeteiltes Ruder blockieren. Mit den geteilten Blättern ergibt sich auch die Möglichkeit, bei der Landung zusätzlich zu den DFS-Luftbremsen eine Butterflystellung zu programmieren. In die Wirkung der DFS-Luftbremsen habe ich wenig Vertrauen. Die Dimensionen der DFS-Luftbremsen entsprechen dem Plan und für die Anlenkung hielt ich mich an die Tipps von Michael Ohlwein (www.m-ohlwein.de).

Eine Besonderheit sind Servoeinbau und Anlenkung der Querruder in den Außenflächen: Die Profildicke ließ einen Einbau von Standardservos am Anlenkpunkt nicht zu. Des Rätsels Lösung war eine Torsionsanlenkung, ähnlich wie ich sie bei den Bremsklappen realisiert habe. Das Servo sitzt nun an der Wurzelrippe des Außenflügels und verschwindet beim Zusammenstecken der Flächen in einer Aussparung des Innenflügels.

Für die Beplankung des Rumpfes verwendete ich 0,6-mm-Sperrholz. Bei den beanspruchten Abschnitten, wie am Rumpf im Bereich der Flächen- und Fahrwerksaufnahme, bei den Tragflächen bis Rippe 7, verwendete ich 0,8-mm-Sperr- holz. Die Beplankung der Leitwerke sowie die Verschalung des Cockpits wurde mit 0,4-mm-Sperrholz gemacht. Zuerst habe ich alles mit Segmenten aus Karton angepasst. An der Innenseite habe ich die Positionen der Rippen und Spanten eingezeichnet. Diese Kartonsegmente habe ich auf das Sperrholz übertragen, die Überlappung für die Schäftung berücksichtigt und die Schäftungen angeschliffen. Dann habe ich mithilfe eines Kollegen die Segmente an den Kontaktflächen und die entsprechende Gegenseite mit wasserfestem Kaltleim bestrichen. Dann circa 40 Minuten gewartet und das Ganze schließlich aufgebügelt. Der so entstandene Rohbau war erstaunlich stabil und drehfest.

Den Kabinenhauben-Rahmen habe ich aus Sperrholz gefertigt und mit CFK-Rovings verstärkt. Für die Haube habe ich eine Positivform aus Vollbalsa geschliffen, gespachtelt, lackiert und geschliffen. Dieser Vorgang muss sorgfältig ausgeführt werden, da man in der gezogenen Haube jeden Kratzer und jede Unebenheit sofort bemerkt. In einem Rahmen, der gerade noch in den heimischen Backofen passte, habe ich ein drei Millimeter dickes, verformbares Plexiglas geklemmt und im Backofen so lange erwärmt, bis das Plexiglas als Blase durchhing. Dann fix über die Form gedrückt und mit einem Staubsauger an der Form abgesaugt. Mehrere Versuche waren notwendig, bis ich mit dem Ergebnis zufrieden war.

Für das Finish wurde der Rumpf mit Glasgewebe 27 g/qm und 2K-Fußbodenlack beschichtet. Die Tragflächen und Leitwerke habe ich mit "Oratex Antik" bespannt. Die Farbgebung wurde vom Original im Museum auf der Wasserkuppe übernommen, die Kennungen habe ich etwas später angebracht. Für den Schwerpunkt, direkt unter dem Holm, mussten noch 2,7 Kilogramm Blei in die Rumpfnase. Das Gesamtgewicht pendelte sich damit auf 15,8 Kilogramm ein.

Insgesamt zehn Servos befinden sich im Modell. An den Querrudern vier Standardgrößen mit 200 Ncm Kraft, zwei weitere mit 100 Ncm an den Bremsklappen sowie am Seitenruder eines mit 200 Ncm. An der Schleppkupplung zieht ein Standardservo von Hitec mit 250 Ncm. Die beiden Höhenruder werden von zwei 10-mm-Servos von MKS mit jeweils 80 Ncm, eingebaut in der Dämpfungsfläche, angesteuert. Zur Stromversorgung dient eine "PowerBox Competition SRS" mit zwei 2s-LiPo mit jeweils 2,5 Amperestunden, geregelt auf sechs Volt. Zwei Duplex-Empfänger sowie Variometer, GPS und kompen- sierte Staudrucksonde vervollständigen die Ausstattung. Gesteuert wird über die Jeti-"DS-16".

Den Erstflug der "Weihe 50" - nebenbei bemerkt mein erster Flug hinter einer Schleppmaschine - unternahm ich bei einem Ausflug zu unseren Fliegerfreunden in Nervesa della Battaglia in Oberitalien. Die Schleppmaschine, eine "Cessna 180" mit vier Metern Spannweite, stand bereit. Eine letzte Ruderkontrolle und Schlepp-Pilot Luca gab Gas. Das Gespann rollte an und mein Großsegler hob gleich darauf ab. Etwas überhöht zur Schleppmaschine lag er satt in der Luft. Der Schleppzug gewann an Höhe und ich musste nur die Querlage halten. Der Schlepp kurvte ein, die "Weihe" folgte brav, ich wurde ruhiger. Eine Linkskurve, ein Geradeausflug, dann war die Ausklinkhöhe erreicht!

Nun flog die "Weihe 50" einfach gerade weiter. Ich trimmte etwas Höhe - da das Modell leicht Fahrt aufnahm - und kurvte ein. Das Modell kreiste ruhig und majestätisch. Ich überzog es etwas, gesenkt wurde nur die Modellnase zum Fahrt aufnehmen - das ist beruhigend. Dann war es an der Zeit die Landung einzuleiten. Dank des 1,3 Kilometer langen Flugfeldes konnte ich den Endanflug mit ausreichend Höhe beginnen und so auch gleich die Wirkung der DFS-Luftbremsen testen. Für alle Fälle hatte ich die Querruder in Butterfly-Stellung als Landehilfe dazugemischt. Doch die Drehklappen funktionierten bestens, ganz ohne Lastigkeitsänderung, und ich konnte das Sinken fein dosieren.

Die "Weihe 50" schwebte nun heran und setzte sanft auf. Ich spürte erst jetzt, dass mei-ne Knie weich wurden. Das Wetter war schön und es entwickelte sich Thermik. Ich habe an diesem Tag noch einige Schlepps gemacht. Beim vierten Flug gelang mir der erste Stundenflug und eine Höhe von 1.300 Metern über dem Platz.

Meine Freude war überschwänglich! Das Modell schenkte mir noch viele schöne und vor allem lange Flüge. Ich hatte mir selbst bewiesen, dass ich ein solches Projekt realisieren kann. Nach einer Saison und circa 50 Flügen überraschte mich das Modell immer wieder mit Leistung. Die Grundgeschwindigkeit liegt bei 40 Stundenkilometern. Angestochen fliege ich auch mal mit 152 Stundenkilometern, ganz ohne Ruderflattern und ohne sichtbarem Durchbiegen der Tragflächen. Auch einfachen Kunstflug steckt die "Weihe 50" gut weg.

Ich bereue keine einzige der rund 1.000 Baustunden einschließlich Planung.

Hannes Perkmann


Fakten

"Weihe 50" im Maßstab 1:3
Ein Großsegler im Eigenbau

Spannweite: 6.000 mm
Länge: 2.770 mm
Gewicht: 15.800 g
Fläche: 202 qdm
Flächenbelastung: 78 g/qdm


Der erste selbst gebaute Großsegler, gleich mit sechs Metern Spannweite im kompletten Eigenbau

Der Rumpf wurde auf einer Helling aufgebaut

Immer wieder wurden einzelne Bauteile nach Originalzeichnungen aufgebaut

Fertig beplankt, ist der Rumpf sehr fest und absolut drehsteif

Die Beplankungen, hier am Höhenleitwerk, wurden mit Weißleim aufgebügelt

Auch das Seitenruder wurde direkt auf einer skalierten Kopie des Originalplans aufgebaut

Die Höhenruderservos steuern die Ruderblätter direkt aus der Flosse heraus an

Der Tragflächenholm im Querschnitt, aufgefüllt mit Kohlerovings

Die Holmbrücke ist vorbildgetreu. Dahinter die Torsionsanlenkung der Bremsklappen

Das Aufbügeln der Sperrholzbeplankungen gelingt mit ein wenig Übung schnell und zuverlässig

Die beiden Tragflächenhälften, noch unbeplankt

Die Trennstelle zwischen Innen- und Außenteil der linken Tragfläche, mit Torsionsanlenkung des äußeren Querruders

So eine Sperrholzbeplankung ist auch optisch ein Genuss und viel leichter herzustellen, als gedacht

Einfach nur schön. Man kann das Sperrholz förmlich riechen

Der Erstflug neigt sich dem Ende entgegen - alles ging zur vollen Zufriedenheit

Das Flugbild der "Weihe 50" ist wunderschön

Für den Erstflug ging es hinter eine vier Meter große "Cessna 180"



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