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Gutes ist besser

Das Fema-FES-Einziehfahrwerk für Großsegler


Auch das neue FES-Fahrwerk folgt ganz der Tradition robuster und funktionierender Einziehfahrwerke

"Wer billig kauft, kauft zweimal." - Ein Spruch den jeder kennt. Wer hat beispielsweise schon mal über Konsequenzen nachgedacht, wenn ein tief verbautes Teil bei Bruch ersetzt werden muss? Volker Kaul hat genau diese Erfahrungen sammeln müssen.

Meine "ASW-15" von HG-Modellbau im Maßstab 1:3 (vgl. AUFWIND 6/2017) habe ich schön hergerichtet und eingeflogen, doch dann folgte der Fahrwerksbruch. Und das bedeutete einen kom- pletten "Refit" des Modells. Das Fahrwerk wird ja grundsätzlich als erstes Teil in einen neuen Rumpf eingebaut. Nach seiner Position richten sich alle weiteren Einbauten, wie Klappen und Spanten.

Ohne Umschweife fiel meine Wahl auf das neue FES-Fahrwerk von Fema. Der Anbieter aus dem Schwarzwald ist bekannt für seine soliden Qualitäten ohne technischen Schnickschnack und die hervorragend funktionierenden Mechaniken. Das FES-Fahrwerk ist insgesamt etwas hochbeiniger, sodass man größere Propeller an der Nase des Seglers montieren kann. Bei meiner "ASW-15" hat vorher maximal eine 12-Zoll-Luftschraube gepasst, jetzt könnte man Pro- peller mit 15 oder 16 Zoll montieren. Empfehlenswert ist es auch, das Fahrwerk etwas weiter vorne als "normal" oder "Scale" zu montieren, damit die Tendenz des "auf die Nase Gehens" nicht so ausgeprägt ist.

Zahlreiches Zubehör aus dem Sortiment ließ ich mitliefern, darunter den Stoßdämpfer, die GFK-Verkleidung, Servohalter und Radbremse. Dann konnte es losgehen: Die bisherigen Spanten und Einbauten musste ich aus dem Rumpf entfernen, die alten Klappenausschnitte zuharzen, und die Lackierung innen und außen wieder herrichten. Das hat so einige Baustunden verschlungen, was den Einbau des Fahrwerks zu einem aufwändigen Projekt gemacht hat.

Doch diese Arbeitsschritte werden vermutlich immer anfallen, wenn man ein bestehendes Modell umrüsten möchte. Deshalb gleich meine Empfehlung: Niemals beim Fahrwerk nur auf die Kosten schauen. Es ist einfach ein sehr stark belastetes Teil. Je größer das Modell ist, desto wichtiger ist ein robustes Fahrwerk. Auch wenn man einen komplett neuen Rumpf ausrüstet - die Arbeit bis zum komplett eingebauten Fahrwerk beträgt mit Sicherheit einige Stunden.

Ganz bewusst habe ich mich für ein gefedertes Fahrwerk entschieden. Der Federeffekt wird erreicht, indem sich das gesamte Fahrwerk beim Einfedern um den vorderen Lagerpunkt dreht und sich am hinteren Lagerpunkt abhebt. Abstützen kann es sich dann an einem weiteren Spant im vorderen Kanzelbereich, an dem die druckbelastete Feder angebracht ist. Man muss beim gefederten Fahrwerk insgesamt drei Spanten einbauen: Den Hauptlagerspant vor dem Fahrwerk, den hinteren Spant mit dem Anschlag für den Federweg und den gerade beschriebenen Spant zur Abstützung der Federn. Der hintere Spant mit dem Anschlag muss eigentlich schräg nach vorn gekippt eingebaut werden. Der Grund ist, dass das Fahrwerk beim Einfedern am hinteren Spant einen Radius beschreibt. Beim geraden Einbau des Spants würde es aus dem Anschlag laufen. Also was tun? Ich habe aus Holz einen Rahmen gebaut, den ich vor den bereits vorhandenen Spant geharzt habe. Fema bietet übrigens Winkel an, die einem die Montage des vordersten Spants ersparen. Die Winkel nehmen eine Achse auf, die den vorderen Lagerpunkt der Feder(n) aufnehmen. Befestigt werden die Winkel dann am Hauptlagerspant, fixiert durch die Verschraubung des Fahrwerks.

Aus dieser Beschreibung wird schon klar, dass es einiges zu bauen, konstruieren und einzuharzen gibt. Die gute Nachricht: Ist erst einmal alles eingebaut und lackiert, ist es sehr einfach, das Fahrwerk zu montieren und für Wartungszwecke wieder zu demontieren. Fema bietet zudem Halter für die Servos für Bremse und den Einziehvorgang an, die direkt am Fahrwerk befestigt werden. Das ist sehr praktisch, da bei einer Demontage alles in einer Einheit herausgenommen werden kann. Für die Bremse braucht man noch einen Umlenkhebel und eine flexible Stahl-Litze für den auf Zug wirkenden Brems-Schuh. Für das Einziehservo kann man einen abgewinkelten Schambeck-Anlenkhebel von Fema beziehen. Als Servo für den Einziehvorgang sollte ein starkes 180-Grad-Servo in Standardgröße zum Einsatz kommen. Für die Bremse reicht ein normales Standardservo.

Der Aufwand kann insgesamt durch den Zukauf der von Fema angebotenen Zubehörteile reduziert werden. Die dafür anfallenden Kosten sind beim Kauf zu berücksichtigen, fallen aber nicht sehr hoch aus.

Die Fahrwerke gibt es grundsätzlich in verschiedenen Größen, einhergehend mit mehreren möglichen Raddurchmessern. Allen gemein ist die exakte Verarbeitung und die klaglos funktionierende Mechanik. Die Kraft, die benötigt wird um das Fahrwerk einzuziehen, ist minimal. Alle Passungen sind perfekt. Etwas dürftig ist lediglich die Einbauanleitung, die sich definitiv an den Modellbauprofi wendet. Mir haben die Maße der Fahrwerksklappen gefehlt. Die variieren natürlich je nach Größe des Fahrwerks und auch des verbauten Rades. Möglich wären die Angaben aber schon, hilfreich sowieso.

Ist der Einbau erst einmal erledigt, folgt der angenehme Teil der Geschichte. Ein gefedertes Einziehfahrwerk ist bei einem massigen Großsegler einfach eine sehr große Erleichterung beim Landen. Die Anflugwinkel können sehr steil gewählt werden, die Federung fängt den Stoß perfekt auf und mit der Bremse ist der Ausrollweg minimal klein. Gerade für den Hangflug eröffnen sich so ganz neue Möglichkeiten. Ein ungewolltes "Durchstarten" des Modells am Hang kommt nicht mehr vor. Selbst eine Landung mit Slipwinkel nimmt das Fema-Fahrwerk - im wahrsten Sinne des Wortes - nicht krumm.

Nicht verschweigen möchte ich das zusätzliche Gewicht: Die komplette Einheit aus Fahrwerk, Servos und Anlenkungen wiegt immerhin 826 Gramm, rund zehn Prozent des Gesamtgewichts der "ASW-15". Robustheit fordert eben, trotz Verwendung bester Materialien, ihren Tribut. Ich habe mich entschlossen, den vorbildgetreuen Sitz samt Pilotenpuppe zu entfernen. So entstand auch mehr Platz für den Flugakku, da das Fema-Fahrwerk mehr Platz in Anspruch nahm als das alte. Man muss also genau überlegen, ob man sich die Federung und die Bremse, oder überhaupt ein Fahrwerk gönnt. Vor allem wenn das Modell kleiner und dessen Gesamtgewicht geringer ist.

Am Hang ist ein Fahrwerk nicht unbedingt erforderlich. Meine "ASW-15" hat von dem zusätzlichen Gewicht aber profitiert. Der Durchzug ist spürbar besser und eine reduzierte Thermikleistung war nicht feststellbar. Die Abstimmung der Federung hat übrigens für die 9,5 Kilogramm Gewicht perfekt gepasst. Steht das Modell auf dem Rad, federt das Fahrwerk circa fünf Millimeter ein. Voll durchgefedert bedeuten stolze 40 Millimeter Federweg.

Am Ende kann ich nur eine Empfehlung aussprechen: Das FES-Fahrwerk ist mechanisch robust, präzise und eine lohnenswerte Investition. Sie erweitert die Nutzbarkeit des Modells deutlich. Der Start ist zudem sicherer durch die erhöhte Bodenfreiheit. Die Umrüstung lohnt sich, der Einbau eines Fema-Fahrwerks in ein neues Modell sowieso. Für einige Modelle bekannter Hersteller bietet Fema Komplettsets an.

Volker Kaul


Fakten

Preis: ab 137,- Euro
Bezug bei Fema-Modelltechnik
Tel.: 07834/303
www.fema-modelltechnik.de


Die Aluminiumteile sind sehr hochwertig produziert und vermitteln einen hervorragenden Eindruck


Der Rumpf wurde ausgeräumt und das Fahrwerk sorgfältig ausgerichtet


Der vordere Spant wurde neu angepasst


Der vordere Lagerspant ist fertig, das Fahrwerk komplett mit Dämpfer eingebaut


Das neue FES-Fahrwerk verleiht der "ASW-15" eine deutlich erhöhte Bodenfreiheit


Der im Text erwähnte spezielle Anlenkhebel von Florian Schambeck


Die Federungselemente und Haltewinkel sind sinnvolles Zubehör von Fema


Die Bremsvorrichtung ist sehr einfach, aber ungemein effektiv


Der robuste Radbügel hilft dabei die Klappen aufzudrücken



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2018

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