TEST

Donnervogel

Der "Taranis" von Choco-Fly


Sieht aus wie ein Großer, ist aber ohne Vorbild - was die Attraktivität nicht leiden lässt

Hochleistungsmodelle ohne Vorbild müssen nicht immer aussehen wie ein F3x-Modell. Oft fehlt nicht mehr viel, um sie einem Vorbild zuordnen zu können. Werner Glanzmann hat sich einem Neuzugang von ChocoFly gewidmet.

Der tiefere Sinn des Namens "Taranis" erschließt sich für mich bei Wikipedia mit dem Wortlaut "der Donnerer" - sinngemäß der Donnervogel. Es ist ein sehr formschönes und attraktives Modell von Chocofly, ohne direktem Vorbild, das aber bestimmt den zahlreichen "Stingray"-Flugzeugen das Fürchten lernen dürfte. Die stattlichen Ausmaße des "Taranis" und die schnittige Linienführung brachten mei-ne Augen schon beim ersten Begutachten zum Glänzen. Dazu kommt auch noch ein kreatives Farbdesign. Mit 3,8 Metern Spannweite handelt es sich bei dem "Taranis" um ein ausgewachsenes Hochleistungsmodell. Auch die Profilierung mit einem "HN-163 mod." mit nur neun Prozent Dicke verspricht Gutes.

Ein tieferer Einblick ins Modell zeigte schnell, dass diese Konstruktion für alle denkbaren Einsatzbereiche ausgelegt ist: Viel Kohle wurde verbaut, was in druckfesten Oberflächen resultiert, dazu viel sichtbares Kohlengewebe im Rumpfinnern und ein wuchtiger CFK-Vierkant-Stab als Holmbrücke.

Der Rumpf ist oval geformt, liegt wunderbar in der Hand und hat Hebelmaße wie ein Kunstflugmodell. Geplant ist ein FES-Antrieb mit Nasenspinner für den Eigenstart. Auch andere Antriebsformen sind gut machbar, wie zum Beispiel der so populäre Klappimpeller. Die Kabinenhaube ist eingefärbt und sitzt perfekt im Rumpfausschnitt. Die Kabinenverriegelung habe ich eingebaut. Die Seitenruderlagerung ist frei wählbar, je nach Aufwand, den man dafür betreiben möchte. Auch Tragfläche und Leitwerke sind in guter Qualität, bereit zur Montage. Alle Ruder des Sechs-Klappenflügels sind mit Gewebescharnier unten angeschlagen, ausgestattet mit entsprechenden Dichtlippen, und ermöglichen große Ausschläge für die Butterfly-Lande-stellung. Das Chocofly-eigene Einziehfahrwerk macht ebenso einen soliden Eindruck. Ich hatte es gleich zum Modell mitbestellt. Zum Einbau von Fahrwerk und Servos liegen dem Modell Zeichnungen bei, ebenso die Angaben der erflogenen (!) Daten für Ruderausschläge mit verschiedenen Flugzuständen. Um den Einbau von Fahrwerk und Klappimpeller zu unterstützen, bietet Chocofly abgeformte Rumpfausschnitte in GFK für die entsprechenden Klappen an. Nur für den Fall, dass beim Ausschneiden mal was schiefgeht - mehr als nur eine nette Geste. Zudem ist ein Spantensatz für die Montage von Fahrwerk, Klappimpeller und Akkuaufnahme optional erhältlich.

Als Erstes habe ich den Einbau des Nasenantriebs ins Auge gefasst. Vorgängig hat Cocofly-Chef Daniel Aeberli bei seinem Prototyp die Bo- denfreiheit gemessen. Bei einem 17-Zoll-Klapppropeller sind etwa sechs Zentimeter Luft bis zur Bodenberührung. Völlig ausreichend also für den geplanten Antrieb und die Auslegung zum Bodenstart. Leomotion lieferte ein prima Antriebsset, bestehend aus "L4045-1750", Getriebe 6,7:1, Regler "Castle 120A", RFM-CFK-Luftschrau-be 17 x 13 Zoll und einen 45 Millimeter großen Scalespinner. Der Einbau selbst war etwas knifflig. Die ovale Rumpfform war durch die stabile Ausführung des Aufbaus nur schwer in eine runde Form zu bringen. Mit viel Schleifarbeit und stetigen Versuchen ist es dann doch noch gelungen. Heute kann sich die Passung zum Scalespinner sehen lassen.

Die Fahrwerksklappen habe ich gemäß der Einbauskizze ausgeschnitten und mit Schambeck-Scharnieren befestigt. Ein vorgebogener 0,8-mm-Federstahl sorgt für die Vorspannung zum Schließmechanismus der Klappen. Die Fahrwerksfederung wird von zwei Stoßdämpfern übernommen, abgestützt auf eine Federstahlwelle an der Flügelwurzel.

Das Seitenruder bekam im oberen Bereich eine Standardlagerung mit verschraubbarem Stift und einem Gegenlager unten. Dies ermöglicht eine präzise und spielfreie Lagerung. Angelenkt wird das Seitenruder von Stahllitzen. Wegen des schlanken Rumpfes musste die Anlenkung im Außenbereich des Seitenruders platziert werden. Das Servo hat einen Einbauplatz hinter dem Fahrwerk und ist demontierbar. Die Höhenleitwerke sind mit einem soliden Kohleverbinder angesteckt. Zwei passende Servos habe ich direkt in die Dämpfungsflächen eingebaut, das ergibt kurze und spielfreie Anlenkungen.

Für den "Taranis" verwende ich eine Doppelempfangsanlage mit separater Stromversorgung und Akkuweiche. Die Empfänger (2x Futaba "R7008SB"), auf Evojet-Steckleiste an zwei 2s-LiPo-Akkus 2.500 Milliamperestunden, positionierte ich direkt unter der Kabinenhaube, im CFK-freien Bereich des Aufbaus. Antriebsakkus, Regler und Motor habe ich kompakt im Nasenbereich mit kurzen Kabelführungen eingebaut.

Die beiden Tragflächenhälften werden mit je zwei Alubolzen an der Flügelanformung des Rumpfes zentriert und mit dem massiven Kohleverbinder zusammengesteckt. Der Einbau der Servos war wieder problemlos. Für die großen Klappen und für möglichst große Ausschläge müssen starke Servos verbaut werden. Die Ruder werden alle auf der Oberseite angelenkt. Doppelte Ruderhörner sind ein Muss, um die Anlenkungen spielfrei hinzukriegen. Die Servoauswahl auf einen Blick:

Höhenruder: 2x KST-"HV6130"
Seitenruder: KST-"BLS825"
Querruder außen: KST-"DS225MG"
Querruder innen: KST-"DS589"
Wölbklappen: KST-"BLS825"
Einziehfahrwerk: KST-"MR3509"

Das Modell wiegt flugfertig nur 8.500 Gramm. Es verträgt aber problemlos 12 Kilogramm, um seinem Namen gerecht zu werden. Entsprechende Ballastrohre sind eingebaut. Für den Erstflug habe ich die vom Team Aeberli erflogenen Einstellungen übernommen. Ich war gespannt auf die Flugeigenschaften, laut Konstrukteur sollten sie handlich und anspruchslos sein. Ein ruhiger Sommertag wurde für einen Bodenstart genutzt. Nach fünf Metern war bereits Luft unter dem Rad und ab ging es wie von einer Wespe gestochen. Der kraftvolle Nasenantrieb ermöglichte 80 Ampere mit Volllast. Der prachtvolle Segler marschierte wie auf Schienen. Später wurden die Ruder noch auf eigene Bedürf- nisse abgestimmt. Sie fühlten sich aber im Kurvenflug schon beim Erstflug sehr ausgewogen an. Auch das Abreißverhalten war völlig unkritisch bei der vorgegebenen Schwerpunktlage von 137 bis 145 Millimetern.

Gibt man dem Donnervogel etwas Biss, so lassen sich mit zugeschalteten Rudern alle erdenklichen Figuren fliegen. Schnelle Kurvenwechsel gelingen spielerisch leicht und präzise, dazu schnurgerade Rollen, flache Vrillen - einfach traumhaft, ganz so, wie man sich das wünscht.

Kurzum, der "Taranis" ist eine weitere Eigenkonstruktion vom sympathischen Aeberli-Team, gefertigt in CFK-Qualität. Das freche Aussehen des Modells zieht Blicke magisch an. Entsprechend gut sind auch die Flugeigenschaften. Vom Kunstflieger bis zum Alpenflieger ist alles drin.

Werner Glanzmann
www.gla-rc.ch


Fakten

"Taranis" von ChocoFly
Ein Hochleistungsmodell ohne Vorbild

Spannweite: 3.800 mm
Länge: 2.003 mm
Gewicht: 8.500 g
Preis: 2.700 sFr.
Bezug bei Chocofly
Tel.: 0041/78/7126252
www.chocofly.com


Sehr fein gemachte Teile liefert Chocofly, mit schönen Oberflächen


Der Spantensatz ist optional erhältlich und sehr zu empfehlen


Der stabil eingeharzte Fahrwerksspant hält Landestößen stand


Die Fahrwerksklappen werden mit Schambeck-Scharnieren angeschlagen


Stabil ausgelegt sind die Steckungen - damit lässt sich unbeirrt fliegen


Das Seitenruder ist durch zwei Verschraubungen leicht abnehmbar


Bereit zum Erstflug, der FES-Antrieb hat mehr als ausreichend Bodenfreiheit


Die Bremsstellung der sechs Klappen wirkt mächtig


Flott, wendig und mit viel Durchzug ist der "Taranis" unterwegs



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