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Thermiksucher

Elektrogleiten mit dem "Geronimo" von Horejsi


Ultraleichte Elektrosegler mit 2,54 Metern Spannweite sind beliebte und leistungsfähige Freizeitmodelle. Sie werden von zahlreichen Herstellern und Importeuren angeboten. Herbert Wilhelm Locklair hat den "Geronimo" von Ivan Horejsi genauer betrachtet.

780 Gramm Fluggewicht bei einer Spannweite von 2,54 Metern klingt traumhaft. Das klingt nach "Thermikgeier", nach erstklassigem Segelflug. Der "Geronimo" von Ivan Horejsi wurde ganz auf die Wettbewerbsklasse F5J-400 ausgelegt, bei der es sich zu beschränken gilt: 2s-LiPo oder acht NiMh-Zellen als Antriebsakku, ein Modellgewicht von mindestens 500 Gramm, ein Außenläufer mit maximal 28 x 26 Millimeter Außenabmessungen und ein Propellerdurchmesser von mindestens zehn Zoll (25,4 cm).

Bei dem "Geronimo" stehen die in Positivbauweise erstellten Tragflächen und Leitwerke ganz oben. Als Kern dient ein sehr dichtes Styropor, das mit zwei hauchdünnen Lagen GFK bezogen ist. GFK-Verstärkungen sind an erforderlicher und sinnvoller Stelle. Alles äußerst glatt, mit matter Oberfläche und messerscharfer Endleiste. Die Ruder sind mit Abreißgewebe anscharniert und freigeschnitten. Alle notwendigen Bohrungen, Ausschnitte und auch die Steckung sind fix und fertig. Der Rumpf ist zweiteilig, das Rumpfboot aus Kevlar-Kohlegewebe, der Leitwerksträger ein konisches CFK-Rohr.

Wenn mit 780 Gramm Fluggewicht bei 2,54 Metern Spannweite geworben wird, müssen die Einzelteile sehr leicht sein. Die Flächen wiegen 177 und 180 Gramm, der Rumpf 86 Gramm, die Leitwerke 28 Gramm und die Kleinteile 43 Gramm. Das sind zusammen 514 Gramm, es fehlen also noch 266 Gramm zum angepriesenen Federgewicht. Servos, Motor und Getriebe schlagen alleine mit 150 Gramm zu Buche - jetzt wird die Luft schon dünner.

Vier Servos gehören in die Tragfläche, hier empfehlen viele die Dymond-"D47" (17 x 22 x 8 mm, 4,7 g). Sie passen in die Ausfräsungen der Tragfläche, sind mit ihrem Kunststoffgetriebe bei den großen Flächenrudern aber auch recht anfällig. Da sind die "DS 1660 MG" (23,2 x 9,2 x 24 mm, 12,4 g) mit Metallgetriebe aus gleichem Hause viel besser geeignet. Auch sie passen in die Ausfräsungen. Es muss nur etwas Platz für den Servohebel gemacht werden. Dafür bringen sie insgesamt gut 30 Gramm mehr auf die Waa-ge. Für die Leitwerksruder habe ich Hitec-"HS-45" genommen. Sie sind nicht ganz so hoch und passen nebeneinander rein. Für die Wölbklappen wurden Diagonalanlenkungen gewählt, also Servohebel unten, Ruderhörner oben. Somit ist genügend Hebelarm vorhanden für möglichst wenig Ruderspiel.

Der Rumpf ist zweiteilig. Als Erstes wird das Heck gebaut. Um die Leitwerke zu positionieren, sind entsprechende Bohrungen vorhanden. In die werden passende Kohlestifte zur Sicherung gesteckt. Sie stellen die Verbindung zu den Leitwerken her. Verklebt wird das mit sparsamer Zugabe von 5-Min.-Epoxy. Der Motorspant war seitens des Herstellers schon eingeklebt. Er passte jedoch nicht exakt zu den Bohrungen der von mir als Antrieb ausgewählten "Joker 28-26" oder auch "28-34". Also mussten die Bohrungen um einen Millimeter verlegt werden - das wäre mit dem kleinen Fräser auch kein Thema. Allerdings war überhaupt kein Motorsturz vorhanden. Die Motorwelle zeigte sogar nach oben. Deshalb habe ich den Motorspant herausgebohrt, einen passenden aus meinem Fundus gewählt, den Rumpfabschluss vorn mit Motorsturz eingeschliffen und den Motorspant wieder eingeklebt.

Als Anlenkung für die Leitwerksruder dienen 0,8-mm-Stahldrähte. Sie werden in kleinen Bow-denzugrohren durch das Heckrohr nach hinten geführt. Dann die Fragen: Wie soll ich diese vernünftig befestigen? Nur lose einlegen, vorne und hinten verkleben? Das geht gar nicht! Zu viel Spiel! Was tun? Antwort: Erst einmal von hinten die Löcher bohren, ausfeilen, Außenhülle mit Stahl einführen und hinten verkleben. Dann die Hüllen etwas seitlich an die Innenwand andrücken. Nun noch dünnflüssigen Sekundenkleber hineinlaufen lassen und mit Aktivator hinterhersprühen. Jetzt von hinten noch etwas Schaumgummi reinstopfen und mit ein paar Tropfen Sekundenkleber verhärten! Nun war alles ausreichend steif und es konnte das Heckrohr auf das Rumpfboot geschoben, ausgerichtet und verklebt werden.

Mit dem "Joker 2830"-Motor und 2s-LiPo 1.800 Milliamperestunden stellte sich ein Flug-gewicht von 875 Gramm ein. Ich habe allerdings auch Vergleiche angestellt: Wenn F5J-400 geflogen werden soll, ist die Empfehlung des Herstellers ein "Joker 2826-10" mit Aeronaut-Luft- schraube 10 x 6 Zoll erste Wahl. Mit knapp 28 Ampere geht das bei 2s-LiPo schon ordentlich zur Sache. Nur der empfohlene 1.300-mAh-Akku reicht vom Gewicht nicht aus, um den "Geronimo" ins Gleichgewicht zu bekommen. Ich hatte mich daher erst für den "2830-15" entschieden, der mit 760 kV deutlich weniger dreht. Laut Drive-Calculator würde er mit 15 x 13 Zoll nur 12 bis 14 Ampere benötigen - das ist sehr wenig! Der Praxistest sagte dann auch 11 Ampere und zwei Meter/Sekunde Steigen. Die geringe kV des "2830"-Motors lässt auch keine hohe Belastung zu, sodass hier Schluss ist. Also habe ich aufgrund der Lage noch einen "Joker 2834-9" bestellt. Der erhöht mit 67 Gramm das Gewicht ganz vorn. Und mit einer kV von 980 dreht er nicht nur etwas mehr, sondern hat durch seine Länge auch ein höheres Drehmoment. Mit 13 x 8 Zoll zieht er circa 16 bis 17 Ampere und mit 15 x 8 Zoll sogar 21 bis 22 Ampere! Das ist fast doppelt so viel Leistung. Dazu kommt, dass die neun Gramm Mehrgewicht ganz vorne positioniert sind. Mit einem 1.300-mAH-Akku, der immerhin 50 Gramm unter dem 1.800-mAh-Akku liegt, konnten somit 40 Gramm Gesamtgewicht gespart werden. Der Wellpower-Akku mit 1.300 Milliamperestunden war noch einmal zehn Gramm leichter. Mit fünf Gramm Blei ganz vorne ließ sich der Schwerpunkt einstellen.

Das Ergebnis? Genial! Mit 800 bis 1.000 Gramm Schub ging es jetzt schon richtig zur Sache. Bei nur noch 835 Gramm Modellgewicht. Weniger geht nicht, der Rumpf ist recht lang, damit braucht es vorne Gewicht. Messungen haben gezeigt, dass der "Geronimo" mit der 13 x 8 Zoll großen Luftschraube mit circa sechs bis sieben Meter/Sekunde steigt. Das passt perfekt, um in 30 Sekunden regelkonform auf 200 Meter Höhe zu kommen. Noch besser ist aber die Kombination mit der Luftschraube 15 x 8 Zoll. Mit nur 150 Watt Leistung erzielen wir hier ein Steigen von gut neun Metern pro Sekunde. Das geht fast senkrecht nach oben. Meine Empfehlung lautet daher: Der empfohlene Antrieb, wenn ein F5J-400-Wettbewerb geflogen wird. Der "2834-9" mit Luftschraube 13 x 8 Zoll oder 15 x 8 Zoll für gutes Steigen, Leichtgewicht und langes Fliegen. Und wer noch mehr will, der schraubt 15 x 10 Zoll oder 16x10 Zoll drauf. Dann sind es gut 200 Watt - aber notwendig ist das nicht!

Und das Fliegen? Genial! Der "Geronimo" steigt klasse. Die angegebenen Ruderausschläge passen - aber leider nicht für den Schwerpunkt. Der ist mit 82 bis maximal 85 Millimeter einzustellen. Dann ist der "Geronimo" gut unterwegs. Er nimmt wirklich jeden Hauch von Thermik an, lässt sich enorm flach und dabei auch sehr eng kreisen, schnell zentrieren und gut in der Blase halten. Für den Abstieg bei voll gesetzten Klappen müssen fast fünf Millimeter Tiefenruder gemixt werden. Also grundsätzlich auf ordentlich Tiefenruderausschläge achten! Mit etwas gesetzten Klappen wird das Modell noch zahmer, noch langsamer. Ich benutze gern Snap-Flap. Damit werden beim Kreisen und Höhenruderziehen die Klappen etwas gesetzt, was ein enges und langsames Kurbeln ermöglicht.

Wer nun glaubt, das leichte Modell mit der geringen Flächenbelastung sei nur ein Floater, hat sich getäuscht: Nur ein Millimeter Tiefenruder und die Klappe um einen Millimeter nach oben, schon wird der "Geronimo" richtig flott! Loopings von vier bis fünf Metern Durchmesser sind kein Problem, Rückenflug auch nicht. Beim Landen helfen die Klappen. Damit kann der "Geronimo" fast auf Schrittgeschwindigkeit gebracht werden. Abstiege aus großer Höhe ohne Geschwindigkeitsaufnahme sind ebenso möglich.

Nun denn, der "Geronimo" ist jeden Cent wert. Denn er ist erstklassige CFK/GFK-Arbeit. Auch der Antrieb ist mit wenig finanziellem Einsatz sehr effektiv. Das Fliegen macht riesigen Spaß, da das Modell trotz des Federgewichtes auch einigermaßen Durchzug hat. Thermik ist sein eigentliches Metier - finden, drin bleiben und das selbst beim leisesten Hauch.

Herbert Locklair


Fakten

"Geronimo" von Ivan Horejsi
Ein Elektrosegler zum Genießen

Spannweite 2.540 mm
Länge 1.410 mm
Gewicht 835 g
Fläche 43 qdm
Flächenbelastung 19,4 g/qdm
Preis: ca. 475,- Euro
Bezug bei verschiedenen Händlern
www.horejsi.cz


Das kommt aus dem Kasten, alles außer Antrieb und RC-Anlage. Die Teile sind von höher Qualität


Sinnvolle Kohleverstärkungen und ausgefräste Servoaufnahmen


Zwei erprobte Motoren, eine Empfehlung: der "Joker 2834-9"


Die Aufnahme des Höhenleitwerks wird mittels zwei Kohlestiften fixiert und mit 5min.-Epoxyd befestigt


Edel gemacht ist die Höhenruderauflage, alles passend gebohrt, alles mit perfektem Sitz


Der Freudenthaler-Spinner in CFK passt perfekt zum Modell


Mit seinen 2,54 Metern Spannweite und nur 835 Gramm ein absolutes Leichtgewicht


Zum Start loslassen, nicht werfen! Allenfalls dem Modell einen Schubs mitgeben


Gleiten ist die große Stärke des Modells, am liebsten in ruhiger Luft


Gelandet wird mit vollem Einsatz der Klappen auch auf kleinstem Raum


Mit etwas Übung gelingt dann auch das Fangen



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