TEST

Elegante Schönheit

Die "Diana-2" im Maßstab 1:4 von Bichler


Mit 3,75 Meter Spannweite ist die "Diana-2" ein handlicher Scale-Segler

Leistungsfähige und vorbildgetreue Voll-GFK-Segler mit bis zu vier Meter Spannweite sind attraktive Sportgeräte. Die "Diana-2" von Modellbau Bichler steht dem Anspruch in nichts nach. Philipp Gardemin hat sich der polnischen Lady angenommen.

Im Original ist die "SZD-56 Diana-2" des polnischen Herstellers PZL Bielsko mit 15 Meter Spannweite ein ausgesprochen leistungsfähiges Flugzeug. Im Jahre 2005 wurde es aus dem Vorgängermodell von 1989 weiterentwickelt. Vier erste, ein zweiter und ein dritter Platz bei den FAI-Segelflugmeisterschaften von 2006 bis 2017 sowie weitere Top-Platzierungen beim World-Grand-Prix, den World-Air-Games und den Europameisterschaften 2005 bis 2009 sprechen eine klare Sprache. Selbstredend, dass auch die Modellflieger die "Diana-2" für sich entdeckt haben. So flogen bereits auf der GPS-Weltmeisterschaft 2019 Exemplare von Chocofly im Maßstab 1:2 mit.

Wesentlich handlicher kommt das Modell von Modellbau Bichler daher. Mit 3,75 Meter Spannweite passt es nicht nur auch in kleine Autos und Wanderrucksäcke, sondern gefällt auch noch dem kleineren Geldbeutel. Und das angegebene Gewicht von 3,9 bis 4,5 Kilogramm ermöglicht den Einsatz auf nahezu allen Hangfluggeländen.

Konstruiert wurde die "Diana-2" ursprünglich von Leszek Jura, der zunächst einen Formensatz und ein paar Modelle für den Eigenbedarf herstellte, dann aber alles an Icare in Kanada verkaufte. Von dort wurde Royal-Model mit der Produktion des Modells beauftragt. Gleich nach dem Markteintritt wurde diese "Diana-2" von zahlreichen Importeuren angeboten, in ganz unterschiedlichen Ausführungen und Ausstattungen. Martin Bichler arbeitete für seine Modelle schon früh eng mit Royal-Model zusammen und entwickelt die für ihn gemachten Modelle laufend weiter. Das betrifft vor allem Laminatbelegungen für verschiedene Modellvarianten sowie die Ausstattungen. Dazu zählt eine Bichler-exklusive Voll-Carbon-Version der Tragflächen, die zudem eine zweite Stützrippe am Ende der Stahlsteckung haben. Außerdem werden die Rümpfe der "D-Box"- und "Carbon"-Versionen zusätzlich mit Kohle-Kevlar-Bändern bis in die Rumpfspitze verstärkt. Auch das Seitenleitwerk wird nochmals zusätzlich mit Kohle-Kevlar-Band bis in die Rumpfröhre hinein verstärkt.

Martin Bichler kam Ende September mit den ersten Informationen zu dem neuen Modell auf mich zu. Ich war sofort Feuer und Flamme da-von. Denn nach dem Bau der großen "ASW-15" wollte ich unbedingt noch einen kleineren Segler im Hangar dazu haben. Von der Auslegung dieser "Diana-2" mit Vier-Klappen-Flügel, zusätzlichen Störklappen und dem 10,8 Prozent dünnen "HN-203"-Profil erhoffte ich mir ein ebenso universelles wie auch alltagstaugliches Einsatzgebiet. Als konventionell und bewährt betrachtet werden kann sicherlich die Rundstabsteck- ung (12 x 400 mm). Zugegeben, eine CFK-Vierkantsteckung oder sogar eine vorbildgetreue Holmbrücke wären sicherlich moderner gewesen, würden aber auch den Verkaufspreis des Modells deutlich anheben. Kurz nach dem Erscheinen erster Fotos in Internetforen und Social-Media-Netzwerken wurde die sehr geringe V-Form des Modells kritisiert - vorrangig aus optischen Gründen. Aber das ist ja, wie so vieles im Leben, reine Geschmackssache.

Zurück zu meinem Modell, eines der ersten aus der Liefercharge von Martin Bichler: Die GFK-Teile waren alle von sehr sauberer Machart und zeigten eine perfekte Oberfläche. Ich war begeistert von dem quasi hauchdünnen Tragflächenprofil, den druckfesten Oberflächen, dem formschönen Rumpf und der Perfektion bis ins Detail. Auch bei den Winglets, dem Haubenrahmen und weiteren Anbauteilen zeigte sich eine hervorragende Bauqualität. Alle Oberflächen wurden vom Hersteller in der Form hochglänzend eingefärbt. Ein Nachmessen der Einstellwinkeldifferenz ergab exakt 1,5 Grad.

Vier verschiedene Ausführungen werden von Martin Bichler angeboten, von der einfachen "GFK-Eco"-Version bis hin zu "Carbon DeLuxe". So haben die "Deluxe"-Versionen beispielsweise fertig aufgezogene Kabinenhauben und Verriegelungen. Außerdem werden zahlreiche Zubehörteile angeboten, vieles davon exklusiv durch Martin Bichler. So zum Beispiel der Dekorsatz, ein RC-Einbaubrett mit CFK-Beschichtung, Flächenschutztaschen und ein vorbildgetreues Cockpit mit Instrumentenpilz, Pilotenpuppe und Cockpitzubehör. In meinem Fall kommt die "GFK-Eco"-Version zum Einsatz.

Das obligatorische Wiegen aller Einzelteile machte im Ergebnis Freude:

Rumpf 715 g
Seitenruder 44 g
Höhenleitwerk 94 g
Tragfläche links 662 g
Tragfläche rechts 672 g
Winglets 20 g
Verbinder 351 g

Mit zusammen also 2.558 Gramm konnte ich getrost die Prognose wagen, flugfertig deutlich unter fünf Kilogramm zu bleiben. Ein testweises Auswiegen auf der elektronischen Schwerpunktwaage ergab, dass es circa 650 Gramm in der Rumpfnase brauchen würde, um den Schwerpunkt einstellen zu können - prädestiniert also für einen Elektroantrieb.

Der Blick in den Rumpf zeigte eine großzügige CFK-Belegung mit 60 Millimeter breitem Band in der Rumpfröhre, was letztlich in der hohen Torsionssteifigkeit resultierte. Das Messingrohr für die Tragflächensteckung war fertig eingeharzt, die Bohrungen für die Torsionsstifte ausgeführt. Auch die Schraubgewinde für die Höhenleitwerksmontage waren eingebracht. Ebenso der Ausschnitt für den Einbau des Höhenruderservos im Seitenleitwerk. Der Haubenrahmen war stabil und passgenau, er wurde ab Werk mit Klebeband auf dem Rumpf gesichert. An den Tragflächen und dem Höhenleitwerk waren die Ruder fertig beweglich und allesamt auf der Oberseite angeschlagen. In den Tragflächenhälften waren außerdem Störklappen mit 250 Millimeter Länge eingebaut, deren Anlenkung mit einem 0,8-mm-Stahldraht zu den inneren Servoschächten geführt wird.

Zum Antrieb des Modells empfiehlt Martin Bichler einen "Torcman FES-Ex-Mini"-Antrieb. Einen passenden GFK-Spant bietet er exclusiv an. Für mich aber sollte es ein Innenläufer mit Getriebe sein, mit Luftschraubengrößen von 14 bis 16 Zoll, für 3s- oder 4s-LiPo. Dieser Wunsch und die Eckdaten des Modells wurden an Kontronik gesandt. Die Empfehlung kam postwendend: "Kira 500-36" mit 4,4:1-Getriebe, "Kolibri 90LV"-Regler und 16 x 10 Zoll großer Luftschrau-be an 4s-LiPo. Das schlanke Vorbaugetriebe gab mir die Möglichkeit, die Rumpfspitze der "Diana-2" auf lediglich 32 Millimeter Durchmesser abzuschneiden. Den passenden Spinner mit stumpfer Form fand ich bei Mahmoudi-Modellsport. Mit einem selbst gefrästen Motorspant war der Einbau dann auch eine Sache von lediglich einer Stunde.

Zur Ausstattung mit Servos entschied ich mich für alle Ruder wieder für die "Chocomotion"-Servos. Die 15-mm-Exemplare "HV 15/15" für Seitenruder und Schleppkupplung, die 10-mm-Exemplare "HV 10/7,5" für Querruder, Wölbklappen und Höhenruder. Lediglich für die Stör- klappen kamen BMS-Servos von Hempel Modellflugwelt zur Anwendung. Selbstverständlich alles in Hochvolt-Ausführung, denn die BEC-Spannung des "Kolibri"-Reglers lässt sich stufenlos dazu einstellen. Der Einbau mit Servorah- men, das Verkabeln der Servos und das Erstellen der mitgelieferten Anlenkungen waren Arbeiten, die jeder, der ein solches Modell sein Eigen nennt, beherrschen sollte - ich erspare mir an dieser Stelle die Details. Für die Anlenkung der Ruder hat Martin Bichler ein eigenes Set entwickelt und legt es seinen Modellen bei: So bestehen die Gestänge aller Klappen aus 2-mm-Stahl- draht, Metall-Gabelköpfe M2, Messingeinsätzen und Augbolzen M2,5.

Zwei "Sonderausstattungen" gönnte ich mir, beziehungsweise dem Modell. Trotz Elektromotor montierte ich seitlich in die Rumpfseite eine Schleppkupplung - denn F-Schlepp mit Freunden macht Spaß, das wollte ich mit diesem Modell auch genießen. Die zweite "Sonderausstat- tung" ist das elektrische Einziehfahrwerk von Pichler-Modellbau. Es passt perfekt in und zur "Diana 2" und ermöglicht mit 14-Zoll-Luftschraubenblättern auch einen Bodenstart. Im Rumpf passt es exakt an die vorbildgetreue Position und kommt dann auch nicht dem Steckungsrohr in die Quere. Mit Sorgfalt wurden die Schachtdeckel ausgeschnitten und beweglich gelagert. Zwei Gummibänder von der Radachse auf die Innenseiten der Deckel ziehen sie beim Einfahrvorgang zu. Ein 12-Kanal-Empfänger - von dem elf Kanäle belegt werden - und das Seitenruderservo fanden ihre Plätze direkt vor dem Fahrwerk. So war zwischen Motor und Einbaubrett genügend Raum für den Flugakku 4s-LiPo 5.000 mAh.

4.303 Gramm zeigte die Schwerpunktwaage abschließend an - inklusive noch 65 Gramm Blei, um den Schwerpunkt auf 72,5 Millimeter zu legen (Empfohlen: 70-75 Millimeter). Am 10. November - einem der letzten schönen Sonnentage im Jahr - stand dann Vereinskollege Thomas Schorb mit seinem Schlepper für mich bereit. Vor dem Einhängen des Seils ein Funktionstest inklusive Motorlauf. Wie erwartet, standen die 16-Zoll-Luftschraubenblätter exakt auf dem Boden an - ein Bodenstart wäre also nur mit 14 Zoll möglich. Ins Seil gehängt, den Flügel auf dem Fuß hochgehalten und der Schlepper zog an. Nach wenigen Metern hob die "Diana-2" ab und flog stabil dem Schlepper hinterher. Sofort wurde das Fahrwerk eingefahren, auch die Klappen schlossen sauber zu. Auf 300 Meter angekommen wurde ausgeklinkt - dann segelte die Schönheit einfach los.

Mit zwei Zacken Trimmung auf Höhe stellte sich gleich eine optisch sehr vorbildgetreue und dennoch dynamisch auszufliegende Fluggeschwindigkeit ein. Die ersten Kurven zeigten eine gute Wendigkeit und ein direktes Ansprechen aller Ruder. Die Wölbklappen auf drei Grad positiv gefahren, machten das Modell zum Thermikschleicher, ein Strömungsabriss ließ sich kaum provozieren. Auf 150 Meter angekommen, folg-te der erste Motor-Kraftflug: Mit 45 Grad Steigwinkel ließ sich das Modell hochziehen. Das Motorengeräusch ist tief brummend, also ganz ohne nervigem Gekreische. Auch hier passt also alles. Die erste Landung noch ein wenig zu schnell - aber gut am Boden. Zwei weitere Flüge an dem Tag, dann wurde das Modell eingepackt. Denn es sollte zum Jahresende auf die Model Flying Ranch nach Spanien gehen.

16 °C, Sonnenschein und kaum Wind empfingen mich in der Woche nach Weihnachten auf der Model-Flying-Ranch - genau das richtige Umfeld für viele Testflüge mit der "Diana-2". Zwischenzeitlich hatte ich auch einen "Vario/ Höhe"-Sensor eingesetzt, um die Messwerte zu erfassen. Der erste Start erfolgte wieder im Schlepp. Dieses Mal wurde auf 200 Meter ausgeklinkt und ein bisschen herumgesegelt. Flugbild und Dynamik des schlanken Modells begeisterten mich erneut. Es bestätigten sich die angenehmen und problemlosen Flugeigenschaften aus den Erstflügen. Im Kraftflug stieg das Modell mit 14 Meter/Sekunde. Im ausgetrimmten Geradeausflug zeigte das Variometer ein Fallen von lediglich 0,9 Metern pro Sekunde an. Rund 30 Minuten flog ich das Modell bei diesem "zwei- ten Erstflug" und schloss ihn mit einer blitzsauberen Landung auf der Hartpiste ab, was dank der zuvor montierten Randbogenräder - die ich noch kurz vor der Abreise von Martin Bichler erhielt - ohne Folgen für die Tragflächenspitzen blieb.

Wie schon erwähnt, ein Bodenstart war mit der 16-Zoll-Luftschraube nicht möglich. Selbst mit 14 Zoll war mir die Sache "zu heiß". Und 13 Zoll zeigten eine nicht ausreichende Schubleistung. Doch mit ihren 4,3 Kilogramm sollte sich die "Diana-2" auch gut werfen lassen. Gesagt, getan: Flight-Composites-Chef Ralf Steinbach war auch vor Ort in Spanien. Bei ihm war ich sicher, dass er a) so ein Modell gut und sicher werfen kann und b) im Nachgang bewerten kann, wie es sich werfen lässt. Fahrwerk eingefahren, das Modell in die Hand, Wölbklappen auf drei Grad positiv, Motor auf Vollgas und drei Schritte gelaufen - schon zog die "Diana-2" ohne einen Wackler in den Himmel. "Zieht alleine aus der Hand", so der Kommentar von Ralf. Auch ein zweiter Werfer wenige Tage später bestätigte die Erfahrung.

An die 20 Flüge habe ich in den Tagen vor Silvester gemacht. Die "Diana-2" hat sich in dieser Zeit zum schicken Allrounder gemausert, mit einem tollen Flugbild und viel fliegerischer Dynamik. Einige Thermikblasen konnte ich damit auskurbeln, die Wölbklappen sind dabei wie ein zweiter Gashebel. Angesichts der geringen V-Form wurde dem Modell eine unzureichende Eigenstabilität prognostiziert - was mir jedoch nicht negativ aufgefallen ist.

Und als dann die "Diana-2" vor der untergehenden Sonne Spaniens mit ausgefahrenem Fahrwerk und gesetzten Störklappen im weiten Bogen über den Mandarinenplantagen neben der Model-Flying-Ranch zu Landung einschweb-te, konnte ich schon meinen, dass was richtig Großes anfliegt.

Philipp Gardemin


Fakten

"Diana-2" von Bichler
Ein handlicher Scale-Segler

Spannweite 3.750 mm
Länge 1.700 mm
Gewicht 4.303 g
Fläche 63 qdm
Flächenbelastung 68,3 g/qdm
Preise: ab 899,- Euro
Bezug bei Modellbau Bichler
Tel.: 0861/7172
www.modellbau-bichler.de


Das erste Zusammenstecken offenbarte die hervorragende Passgenauigkeit der Teile


Die kleinen Winglets werden angesteckt und mit Klebeband gesichert


Die Abdeckung für die Höhenleitwerksverschraubung ist vorbildgetreu und ebenfalls aus GFK laminiert


Das Höhenruderservo wird ganz oben im Seitenleitwerk eingesetzt. Die Anlenkung kann innen herausgeführt werden


Die Anlenkungen der Tragflächenruder sind hochwertig und kurz, damit absolut spielfrei


Der Kontronik-Antrieb passt perfekt zum Modell und macht aus dem schönen Modell einen vielseitig einsetzbaren Allrounder


Mit dem elektrischen Einziehfahrwerk von Pichler steht das Modell perfekt auf der Hartpiste


Die 250 Millimeter langen Störklappen haben eine hervorragend auf das Modell abgestimmte Bremswirkung


Die kleinen Rädchen gibt's als Zubehör. Sie sind beim Hartpisteneinsatz unbedingt zu empfehlen


Die Testflüge wurden allesamt auf der Model-Flying-Ranch in Spanien absolviert



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 2/2020

Das komplette Inhaltsverzeichnis 2/2020
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2020