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"Wir lieben Holz"

Selbst produzieren steht bei "Fun-Modellbau" im Fokus


Christian Kamann (links) und Florian Geier lieben den Modellbau

Seit über 15 Jahren bietet Christian Kamann mit seiner Firma Fun-Modellbau Holzbausätze an. Zum Teil sogar von großen und ausgefallenen Modellen. Ihm zur Seite steht Florian Geier. Philipp Gardemin traf die beiden am Firmensitz in Bielefeld.

Christian Kamann ist Werbefachmann. Er betreibt eine Werbeagentur mit Kunden zahlreicher Branchen aus Handel und Industrie. Von Kindesbeinen an war er Modellflieger und wur-de später Holzmodellbauer aus Leidenschaft. Schon lange blickte er neidisch über den Atlantik und den Ärmelkanal, wo es auf dem Modellbaumarkt von jeher eine große Vielfalt an Holzbaukästen gab. Und das mit Flugzeugmustern, die in Deutschland allenfalls als kleine Schaumwaffeln bekannt waren. Dies zu ändern schrieb sich der einstige Student auf die Fahnen. Noch auf der Uni wurde ein Businessplan entworfen. Der gewann sogar einen Preis und mündete 2004 tatsächlich in die Firmengründung von Fun-Modellbau. Mit nur wenigen hundert Euro Startkapital und zunächst keinem einzigen Baukasten.

Die Modelle von "Balsa-USA" und "Easy-Built-Models" wurden in den Vertrieb aufgenommen. Auch aus England wurden Bausätze bezogen. Große Namen des Holzmodellbaus, darunter Zeroli, Don Smith, Jerry Bates Hostetler und Belair-Models kamen hinzu. In immer größeren Char- gen wurden die Modelle durch Fun-Modellbau nach Deutschland importiert. "Der Markt für den Bau dieser Art von Modellen war damals in Deutschland noch sehr klein und musste erst noch aufgebaut werden", erinnert sich Christian Kamann. Das gelang ihm so gut, dass er 2013 sogar in eine eigene Lasermaschine investierte. Fortan war er nun in der Lage auch selbst zu produzieren. Es folgten Verhandlungen und Verträge mit den Lieferanten. Alles mit dem erklärten Ziel, deren Modelle selbst zu produzieren, um im Sinne des Kunden flexibel zu sein und die teuren Versandwege zu vermeiden.

2018 schließlich kam Florian Geier in das Team von Fun-Modellbau. Er ist bis heute vor allem für die GFK-Teile zuständig. Zuletzt realisierte er die Voll-GFK-Modelle "Douglas SBD-5" mit drei Me-ter und den Großsegler "ASW-27" mit fünf Meter Spannweite, eine ehemalige Mihm-Konstruktion.

Heute wird auf zwei großen Laserzentren produziert. 80 Prozent aller Modelle wurden zwischenzeitlich nachgezeichnet und optimiert, insbesondere was metrische Materialmaße angeht. Das Digitalisieren von Bauplänen bietet Christian Kamann zudem als Dienstleistung. An die 500 Konstruktionen sind aktuell im Portfolio von Fun-Modellbau. Fast alle der Bausätze werden auf Bestellung gefertigt, das benötigt rund zwei bis vier Wochen Zeit. Hinzu kommt ein Zubehörsortiment an Ausbauteilen, wie Cockpits und Pilotenpuppen. Aber auch GFK-Teile für die Modelle werden angeboten, vor allem Motorhauben und Fahrwerksverkleidungen.

Bei allen Bausätzen handelt es sich ausschließlich um sogenannte "short-kits" - eine in Übersee sehr populäre Form von Bausätzen. Das heißt, es sind vor allem lasergeschnittene Teile enthalten, jedoch keine Leisten und kein Beplankungsmaterial. Damit definiert sich auch die Zielgruppe: "Modellbauer mit Erfahrung und dem Wissen, was sie tun", meint Christian Kamann. Als Material für die Laserteile wird hauptsächlich das firmeneigene Ibraco-Leichtsperr- holz verwendet. Es ist rund 20 Prozent leichter als Pappelsperrholz und zeichnet sich zudem durch eine höhere Festigkeit aus.

Zu den Topsellern gehören die verschiedenen Ausführungen der "P-51 Mustang", zahlreiche Segelflugzeuge wie "Rhönbussard" und der "Moswey 4", aber auch exotische Konstruktionen wie der Nurflügel "Horten-4". An die 300 Bausätze werden jährlich verschickt. Sowohl an Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz wie auch nach England. Und immer wieder kommt ein Kunde mit einer ganz speziellen Anfrage. Zuletzt mit dem Wunsch, die neue "Antonov AN-2" auf sechs Meter Spannweite zu skalieren. "Das ist alles machbar, da haben wir Möglichkeiten und erstellen stets ein individuelles Angebot", sagt Christian Kamann.

Apropos "Antonov AN-2": Dieser Nachbau des russischen Doppeldeckers ist eine Herzensangelegenheit von Christian Kamann. Als ausgewiesener Fan des markanten Flugzeuges hat er das Modell um einen 85 ccm großen Sternmotor herumkonstruiert. So kam er auf den eher unüblichen Maßstab von 1:5,7 mit 3,16 Meter Spannweite, 2,3 Meter Rumpflänge und fast 75 Zentimeter Höhe. In unzähligen Stunden wurde das Modell nach Originalplänen und mithilfe von rund 1.800 Fotos konstruiert. Fast 60 Quadratmeter Plattenmaterial wird für die Produktion zerlasert. Aktuell baut AUFWIND-Chefredakteur Philipp Gardemin das Modell und wird ab der nächsten Ausgabe auch darüber berichten.

Im Rahmen der Prowing in Soest werden sich Christian Kamann und Florian Geier wieder dem Publikum stellen. Und dann werden sie ganz bestimmt auch die eine oder andere Überraschung dabei haben.

Philipp Gardemin


Am Messestand von "Fun-Modellbau" kommen Modellbauer voll auf ihre Kosten


Das Erstellen von GFK-Teilen und Formenbau ist das Reich von Florian Geier


Gefertigt wird aktuell auf zwei Laserzentren


3D-Animation der neuen "Antonov AN-2". Ein Exemplar des Modells entsteht aktuell. Darüber wird bald in AUFWIND berichtet



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