REPORTAGE

Insel oder Berge?

Nahrung für den wohl ältesten Familienstreit

Jedes Jahr im Frühjahr werden die Ziele für die schönste Zeit im Jahr festgemacht: den Sommerurlaub. Doch so alt wie Urlaub an sich ist wohl auch die (Familien-) Diskussion, fährt man lieber in die Berge oder an die See. AUFWIND gibt der Diskussion neue Nahrung und stellt hier die Atlantikinsel Teneriffa und das alpine Topziel Seiser Alm als Modellfluggebiete vor. Den Anfang macht Franz Weigl, der mit Modell und Familie nach Teneriffa flog:

Die Einladung eines guten Freundes auf die kanarische Insel brachte mich auf die Idee, einen Hangsegler mitzunehmen. Mein Flugticket erlaubte nur ein Gepäckstück, also war die Größe des Modells durch die Länge meiner Sportreisetasche begrenzt: maximal 80 Zentimeter für das Modell inklusive Verpackung waren der Maßstab. Ein Blick in mein Flugzeuglager und ich wusste, da war nichts Passendes dabei. Also schnell ein Blick ins Internet: Es gibt viele kleine Hangsegler aber die meisten haben eine einteilige Tragfläche und somit doch zu groß. Irgendwann stieß ich bei Staufenbiel auf den „Flipper“. Das Modell wurde mit integriertem Elektromotor und Servos zu einem äußerst attraktiven Preis angeboten. Und die Rippenfläche mit 140 Zentimetern Spannweite war teilbar. Ruckzuck wurde das farbenfrohe Fliegerchen bestellt und bald drauf geliefert. Ein leichtes und sauber gebautes Modell, mit allem nötigen Zubehör. Auf den zweiten Blick dann ein Schreck: der Rumpf – zu lang! Da ich mich immer nur auf die Spannweite konzentriert hatte, übersah ich einfach die Rumpflänge. Nun war guter Rat teuer. Getreu dem Motto „was nicht passt wird passend gemacht“ ging es weiter: Der Rumpf hatte hinten ein Kohlerohr! Also wurde die Säge angesetzt, der Rumpf hinter dem Rumpfboot abgesägt und eine Steckung nach dem Vorbild „Steck-Angelrute“ verwirklicht. Dazu wurde ein fingerdickes Kohlerohr in das Rumpfende mit eingedicktem Harz eingeklebt und anschließend aufgespachtelt, bis eine saugende Passung hergestellt war. Eine Schraube dient als Verdrehsicherung. Das Höhenleitwerk wurde vorne mit einem Dorn versehen und bekam hinten eine Schraube zur Sicherung auf dem Rumpf. Ein Probeflug kurz vor Reisebeginn zeigte unproblematische Flugeigenschaften und der kleine Brushlessmotor mit einen 3s-LiPo mit 2.250 Milliamperestunden gaben ausreichende Steigraten und viel Flugzeit. Nun aber alles eingepackt und los auf die Insel. Bei meiner Zwischenlandung in Madrid konnte ich zufällig das Ausladen meiner Tasche beobachten: ein Wurf aus fast zwei Metern Entfernung direkt auf den Rollwagen. Ich flog mit gemischten Gefühlen weiter. Auf Teneriffa angekommen dann die Erleichterung, das Modell war heil geblieben. Zwei Hangfluggebiete lagen in der Nähe meiner Unterkunft: Fasnia und Mesa Mota, beide an der Ostküste, grob gesehen in der Nähe des Surfer-Paradieses El Medano. Zu Mesa Mota fand ich die Zufahrt auf die Schnelle nicht, aber Fasnia war eine Wucht: Einfach bei der Autobahnausfahrt mit der originellen Tankstelle im Baustil einer Moschee runter und bergauf der Straße folgen. Beim Schild zur Kapelle abbiegen und den kurzen steilen Weg hoch zum Plateau. 180 Grad Meerblick und bester Wind aus Nord-Ost direkt auf den Hang, der vorne und hinten stark abfällt. Besser geht es nicht. Das Landefeld ist der staubige Parkplatz. Ausreichend groß aber sehr verwirbelt und bei viel Wind nur für geübte Piloten zu empfehlen. Der Erstflug meines „Flipper“ fand bei fast sechs Windstärken statt. Ich brauchte einige Minuten zum Starten, erst als der Wind für eine Sekunde mal Luft holte, bekam der „Flipper“ einen Schubs und meine Bedenken wegen des starken Windes schwanden von Sekunde zu Sekunde. Dieses kleine Modell, mit etwas Blei noch nachballastiert, zeigte bei diesen Bedingungen ausgezeichnete Nehmerqualitäten. Ich hätte nicht geglaubt wie gut es bei diesen Voraussetzungen noch läuft und einfachen Kunstflug zulässt. Einige Tage später hatte ich nochmals die Gelegenheit in Fasnia bei moderaten vier Windstärken zu fliegen. Auch dies war ein unvergessliches Erlebnis vor dieser außergewöhnlichen Kulisse.

Thomas Klaußner hat eines der alpinen Topziele besucht und berichtet über die Seiser Alm in Südtirol:

Von dem kleinen Ort Seis aus gibt es zwei Möglichkeiten auf die Seiser Alm zu kommen: man fährt mit der Seilbahn oder mit dem Auto. Wir haben die Möglichkeit der Auffahrt mit dem Auto genutzt, die Kosten für die Seilbahn betragen circa 15,- Euro pro Erwachsenem für Hin- und Rückfahrt. Die Straße beginnt in Seis mit einer riesigen Hinweistafel: für nicht Berechtigte gesperrt! Sperrung und Öffnung werden per Ampel geregelt, wobei unklar ist, wovon Rot und Grün abhängen. Bis 9 Uhr früh ist die Auffahrt möglich, beziehungsweise am Abend wieder ab 17 Uhr. Es geht mit acht Prozent Steigung gleich tüchtig bergauf und nach einigen Kurven zwischen grünen Wiesen in den Wald. Dort befindet sich auch die Kon- trollstation für die Auffahrt. Weiter geht es durch den Wald, dabei führen einige Kehren mehrfach unter der Seilbahn hindurch, bis die ersten Parkplätze auftauchten und später auch ein Hotelbau. Der erste Parkplatz dort ist kostenfrei und zudem die ideale Einstiegsstelle zur Startstelle Spitzbühl.

Leider war bei meinem Besuch der Sessellift noch außer Betrieb und somit musste der Aufstieg mit zwei Großseglern und reichlich Gepäck zu Fuß angetreten werden. Nach circa 200 überwundenen Höhenmetern war die Startstelle, beziehungsweise die Spitzbühlhütte erreicht. Dort hing ein DIN A4-Blatt zum Einschreiben von Namen und Kanal. Ein erster Start an diesem Morgen war mangels Wind nur mit einer Platzrunde verbunden. Als dann aber die Sonne den Hang traf ging ab circa 14 Uhr so richtig die Post ab. Das Panorama ist einzigartig, mit einem kräftigen Stoß wurde der vier Meter große „Lunak“ seinem Element übergeben. Was nun folgte war Modellflug in Vollendung. In grandioser Landschaft hat man einen super Überblick und kann sich richtig austoben. Die anwesenden Gleitschirmpiloten störten in keiner Weise, da sie mit der vorhandenen Thermik sehr schnell in große Höhen verschwanden. Zur Landung kommt man über den Sessellift mit Fahrtüberschuss rein, oder man läuft hinter die Startstelle und hat eine super Wiese vor sich, ganz ohne Steine. Hat man selbst – oder die Begleitung – genug vom Fliegen, besteht eine Einkehrmöglichkeit bei der Spitzbühlhütte mit herrlicher Sonnenterrasse, nur 20 Meter von der Startstelle entfernt. Wir werden auf jeden Fall dieses Gebiet nicht das letzte Mal aufgesucht haben.

Thomas Klaußner, Franz Weigl


Mesa Mota im Osten von Teneriffa bietet ein perfektes Terrain zum Hangfliegen.


Der kleine „Flipper“ von Staufenbiel wurde dank geteiltem Rumpfrohr zum Urlaubsmodell.


Direkt neben der kleinen Kapelle kann das Auto abgestellt werden.


Der Wind kommt unverwirbelt vom Meer und bietet so ziemlich allen Modellen genug Hangaufwind – nur die Landung ist nicht unproblematisch.


Dieses Panorama der Seiser-Alm ist international bekannt.


Das alpine Panorama ist atemberaubend, das Modellfliegen dabei ein Genuss.


So ein 4-m-Lunak wird mit Schwung talwärts geworfen, um dem Modell gleich den richtigen Schwung mitzugeben.


Die alpinen Bedingungen lassen sich erst mit einem vier Meter großen Kunstflugmodell so richtig auskosten.




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