TEST

Klassisch schön

Eine „Minimoa“ in populärer Größe


Nur wenig Schwung ist erforderlich, um das leichte Modell in den Hangaufwind zu schicken.

Ein Mann muss drei Dinge im Leben tun: Ein Haus bauen, einen Sohn zeugen und einen Baum pflanzen. Ein Modellflieger sollte mindestens einmal eine „Minimoa“ gebaut und geflogen haben! Dank moderner „ARF“-Zeiten müssen aus finanzieller Sicht weder das Haus noch der Baum ausfallen, Zeit für den Sohn bleibt dann auch.

Die „Minimoa“ gilt heute noch als eines der schönsten in Serie hergestellten Oldtimer-Segelflugzeuge. Sie wurde in den Jahren 1935 bis 1938 von der Firma Sportflugzeugbau Göppingen Martin Schempp in etwa 100 Exemplaren gebaut. Die zugespitzten Knickflügel erzeugen durch ihre Ähnlichkeit mit dem Möwenflügel eine innige Verbindung zur Natur und üben damit eine besondere Faszination aus. Korrekt trägt die „Minimoa“ die Typenbezeichnung „Göppingen Gö-3 Minimoa“. Sie war als eines der ersten Segelflugzeuge ihrer Zeit bereits mit Wassertanks zur Verbesserung der Schnellflugleistungen ausgerüstet. Sie war damit wirklich das erste in Serie hergestellte Hochleistungsflugzeug. Im Jahre 1937 wurde mit der „Minimoa“ die Segelflug-WM ge- wonnen, 1938 wurde mit ihr mit 6.700 Metern (ca. 22.000 Fuß) der damalige Höhenweltrekord aufgestellt. Heute fliegen weltweit nur noch vier Stück der „Minimoa“.

Dieses Modell mit 3,4 Metern Spannweite ist eine Entwicklung der Firma Lenger. Die Detailgenauigkeit ist außergewöhnlich, sogar der Aufbau der Tragflächen entspricht dem Vorbild. Die Bespannung mit Solartex-Gewebefolie veredelt das Modell nachhaltig. Das verwendete Wortmann-Profil versprach zu- dem oldtimergerechte Flugeigenschaften. Aus dem Karton zusammengesteckt lag bereits nach wenigen Minuten eine typische „Minimoa“ im Garten. Der Bau beschränkte sich damit auf den Einbau der RC-Anlage. So wurden die Bowdenzüge durch die geöffneten Anformungen im Rumpf gefädelt und im Rumpf durch die entsprechenden Öffnungen des Hauptspantes gesteckt. Für die beiden Höhenruder kann man optional zwei getrennte Rudermaschinen einbauen, was jedoch bei „nur“ 3,4 Metern Spannweite nicht unbedingt nötig ist. Das Höhenleitwerk habe ich auf den Rumpf geschraubt und die Lage der Ruderhörner mit Hilfe der herausstehenden Bowdenzüge angezeichnet. Nach dem Einkleben der Ruderhörner wurden die Ruder angelenkt und die Bowdenzughüllen nun auch im Rumpf verklebt. Dann musste das Servobrett in den Rumpf eingepasst werden. Ich habe das Brett 25 Millimeter vor dem Hauptspant in den Rumpf eingeklebt und anschließend die Höhenruderbowdenzüge mit einem Adapter zusammengefasst und an die Servos geführt.

Das Landerad wurde mit der Radachse, den Abstandsröhrchen und den Beilagscheiben im Radkasten befestigt, der Haubenrahmen vorne mit einem 3-mm-Buchendübel sowie hinten mit dem Haubenverschluss fixiert. Die Kabinenhaube habe ich grob ausgeschnitten und auf den Haubenrahmen gelegt, die Kanten markiert und beschnitten. Feinheiten wurden mit Schleifpapier abgeschliffen, bis die Haube sauber am Rumpf angepasst war. Für die Verklebung der Kabinenhaube mit dem Haubenrahmen hat sich Silikonkleber bewährt. In die Tragflächen wurden die beiliegenden – gut angerauten – Scharniere mit Weiß- leim eingeklebt. An Servos kommen auch hier Exemplare mit elf oder 13 Millimetern in Frage. Die sollten jedoch wegen der großen Querruder Metall- getriebe haben. Für die Querruder wurden die Ruderhebel in Mittenstellung circa 45 Grad nach vorne auf die Rudermaschinen gesteckt, um eine mechanische Differenzierung erzielen zu können. In die Querruder wurden dann an entsprechender Position die Ruderhörner eingeklebt. Anschließend habe ich die Querruder mit Weißleim auf die Scharniere geklebt. Zur Fixierung der Tragflächen am Rumpf habe ich unter die Flächensteckung Schraubhaken angebracht. Die Flächen werden dort mit einer Feder am Rumpf gehalten.

Für den Schwerpunkt werden je nach Flugstil 100 bis 115 Millimeter empfohlen, am Testmodell wurden 100 Millimeter eingestellt. Ein Bleiklumpen von 500 Gramm war wegen der vorbildgetreu kurzen Rumpfnase dafür notwendig. Als Landehilfe wurde Butterfly mit hochgestellten Querrudern programmiert. Der Aufbau auf dem Flugfeld war umgehend erledigt. Auch der erste Start klappte auf Anhieb gut. Einmal in der Luft, möchte die „Minimoa“ mit dem nötigen Respekt behandelt werden. Dafür bietet sie dann auch ein herrliches Flugbild, vor allem was Fluggeschwindigkeit und -leistung betrifft. Natürlich kann und will ein Oldtimer hier nicht mit modernen Zweckmodellen mithalten. Spätestens aber, wenn die filigrane Flächenkonstruktion gegen den Himmel sichtbar wird, verlieren andere Kriterien an Bedeutung. Es dürfte schwer werden, in dieser Größen- und Preisklasse ein ähnlich vorbildgetreues Oldtimermodell zu finden.

Jörg Kukla


Beim Blick in die Tragfläche offenbart sich Modellbau vom Feinsten.


Mit dem „Wortmann FX-60-126“-Profil lässt sich die „Minimoa“ vorbildgetreu fliegen.


Im Rumpf gibt es genügend Platz. Die weit nach hinten gezogene Kabinenöffnung macht die Sicherung der Tragflächen zum Kinderspiel.


Das Landerad macht den Bodenstart im F-Schlepp leicht.


Mit 3,4 Meter Spannweite hat die „Minimoa“ eine populäre Größe und bietet Leistung und Handlichkeit.


Die Bauausführung und das Bügelfinish des ARF-Modells ist top!


Bei diesem Flugbild verlieren Kriterien wie Speed, Thermik und Dauerflug an Bedeutung. Genuss pur!


FAKTEN

Spannweite: 3.400 mm
Rumpflänge: 1.380 mm
Fluggewicht: 3.500 g
Flächeninhalt: 72 qdm
Flächenbelastung: 48 g/qdm
Flächenprofil: Wortmann FX-60-126

Ruderausschläge:
Höhenruder: -30/+25 mm
Seitenruder: +/-60 mm
Schwerpunkt: 100 mm
Preis: 399,- Euro

Bezug bei Lenger Modellbau
Tel. 08666/928651
www.lenger.de



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