REPORTAGE

Neues aus der Gleitschirm-Szene

Zu Besuch auf der Thermik-Messe 2012 in Sindelfingen


Rainer Hacker (links) und Sascha Rentel präsentieren ihre Modellneuheiten auf der Thermik-Messe 2012 in Sindelfingen.

Vor gut einem Jahr stellte die Firma Hacker die modulare Gleitschirm-Modellserie "Para-RC" vor. In verschiedenen AUFWIND-Ausgaben habe ich schon ausführlich darüber berichtet. Einen großen Anteil an der firmeneigenen Entwicklung hat Sascha Rentel, selbst aktiver Gleitschirm- und Ultraleichtflieger im manntragenden Bereich. Auf der Thermik-Messe 2012 in Sindelfingen traf ich Rainer Hacker und Sascha Rentel mit ihren neuen RC-Gleitschirmen. Die Veranstaltung ist Europas größte Drachen- und Gleitschirmflieger-Messe. Sie fand in diesem Jahr bereits zum 15. Mal statt. Eine ideale Plattform für Hacker, um die in den vergangenen Monaten erweiterte "Para-RC"-Produktserie einem Publikum außerhalb des Modellbaus zu präsentieren. Erweitert wurde die Serie um drei neue Schir-me, zwei neue Trikes, zwei Propeller-Käfige und viel Zubehör. Die neuen Gleitschirme tragen Na- men wie "RC Swing Astral", "RC Swing Arcus", "RC Stunt 2.0" und den altbewährten "RC Stunt 3.0". Bei den neuen "Swing"-Modellen hat man die Na-men der großen Brüder aus dem manntragenden Bereich übernommen.

Die Firma Swing-Paraglider gehört seit 1987 zu den Pionieren in der manntragenden Gleitschirmwelt. Unter der Leitung von Günter Wörl hat sich das Unternehmen weltweit zu einem der führenden Gleitschirmhersteller entwickelt. Das Team besteht aus über zwanzig Mitarbeitern, darunter viele Top-Weltcup-Piloten und Weltrekordler. Bekannt wurde beispielsweise Ewa Wisnierska durch ihren Wolkenflug bei den Weltmeisterschaften 2007. Damals ergab die Auswertung ihres GPS, dass sie in nur 15 Minuten von 760 Metern auf 10.000 Meter aufgestiegen war. Zwischen 6.000 und 7.000 Meter verlor sie das Bewusstsein. Für mehr als eine halbe Stunde trieb Ewa mit ihrem "Swing"-Schirm bei -40° C unkontrolliert durch die Gewitterwolke. Das Steigen endete in fast 10.000 Metern Höhe. Nachdem der Schirm wieder selbstständig auf 6.900 Meter abgesunken war, erwachte Ewa aus der Ohnmacht und konnte selbstständig landen. Dass Ewa und ihr Gleitschirm diesen Höllenritt ohne Schaden überstanden haben, ist auch eine Bestätigung des hohen Qualitätsstandards der Schirme. Ein Meilenstein in der "Swing"-Serie ist der Gleitschirm "Ar-cus". Mit über 8.500 Exemplaren entwickelte er sich zum meistverkauften Exemplar. Der erste "Swing Arcus" kam 1999 auf den Markt und wurde bis zum heutigen "Arcus 6" weiterentwickelt. Momentan bietet "Swing" sieben Modelle und insgesamt 33 verschiedene Größen an.

Zusammen mit Swing-Chefdesigner/Konstrukteur Michael Hartmann und dem Hacker-Team unter Führung von Sascha Rentel wurden die Swing/Hacker-Modellgleitschirme entwickelt. Gemeinsam konnte man alle Ideen und Ziele perfekt in die Tat umsetzen. So ist der "RC-Arcus" ein perfekter Allrounder. Gefertigt werden die "Swing"-Schirme aus hochwertigen Materialien, wie zum Beispiel das "NCV Skytex" (27 g/qm) aus dem manntragenden Bereich. Das Profil konnte auf das Modell übertragen werden. Es ist einfach zu starten und zu fliegen. Der "RC-Arcus" ist wendig, bleibt in Turbulenzen stabil und kann in der Thermik feinfühlig geflogen werden. Es ist der richtige Schirm für Piloten, die Spaß am einfachen Fliegen haben.

Der "Swing RC-Astral" ist ein "Hochleister für jedermann". Mit dem manntragenden Gleitschirm wurden 2011 von den beiden besten XC-Piloten Deutschlands, Didi Siglbauer und Thorsten Hahne, über 3.600 Kilometer geflogen. Am Ende des Jahres standen sie auf Platz 1 und 3 bei der XC-Wertung der Sportklasse. Auch der Modell-"RC Astral" ist ein Hochleistungs-Gleitschirm mit vielseitigen Flugeigenschaften. Normalerweise sind Hochleister sehr anspruchsvoll zu fliegen und nur von erfahrenen Piloten zu beherrschen. Der "RC-Astral" aber wur-de so konstruiert, dass die Flugeigenschaften eines Hochleisters auch von unerfahrenen Piloten voll auszukosten sind. Das Gleitschirmtuch besteht aus leichtem "NCV Skytex"(27 g/qm). Bei den Leinen wird eine Hybridverleinung verwendet. Das heißt, die Galerie besteht aus 0,3 Millimeter dünnem und gespleißtem Kevlarleinen. Bei den Stammleinen kommen 0,45 Millimeter starke Dyneemaleinen zum Einsatz. Mit seinen drei Metern Spann- weite und 1,5 Quadratmetern Fläche hat der Schirm eine gute Performance. Zudem ist der "RC-Astral" sehr wendig mit guten Steigleistungen und geringem Sinken. Am Steuerknüppel ist jedoch etwas Gefühl gefragt. Leichte Ablösungen und Thermik können gut ausgenutzt werden. Obwohl der "RC-Astral" ein Hochleister ist, überfordert er den Piloten nicht. Das Starten und Landen ist trotz der großen Streckung einfach, beim Handhaben am Boden spürt man schnell, wie agil der Schirm auf Steuerleinenzug reagiert. Je nach Windstärke kann die Grundgeschwindigkeit über Zusatzgewicht reguliert werden. Auch unter Vollgas werden Steuerbefehle gleichmäßig nach links und rechts umge- setzt. Auch Kunstflugmanöver sind mit dem Modell kein Problem. Das spezielle Profil hält den "RC-Astral" trotz seiner großen Streckung von 5,8 auch bei heftigen Turbulenzen immer stabil. Er kann mit Rucksackmotor oder Trike geflogen werden.

Dritter neuer Hacker-Gleitschirm ist der "Stunt 2.0", quasi der kleine Bruder des bekannten "Stunt 3.0". Der 1,3 Quadratmeter große Gleitschirm ist extrem wendig und überzeugt mit einfachem Handling und guten Starteigenschaften. Er eignet sich auch gut für das Akrofliegen. Eine aggressive Einstellung der Bremsspinne sorgt für extreme Wendigkeit mit und ohne Rucksackmotor. Darüber hinaus ist der "Stunt 2.0" auch am Hang in seinem Element. Mit 25 Zellen, einem leichten Tuch und 0,3-mm-Kevlarleinen ist er nicht nur optisch ein Leckerbissen, sondern auch der perfekte Allrounder.

Auch bei "den Anhängseln" der Gleitschirme hat Hacker mit seinen Neuheiten 2012 einiges draufgelegt. Das "Airbull Power-Trike" hat einen robusten Stahlrahmen. Dieser ist die Basis für das neue Semi-Scale-Motortrike. Das Trike kann sowohl mit der Puppe "Robin" als Scale-Trike, wie auch als Kameraträger und so genanntes Funktions-Fun-Trike benutzt werden. Der Metallsitz - der auch im Gurtzeug Verwendung findet - ist so ausgelegt, dass er mit zwei M4-Schrauben direkt auf das robuste, aus Stahl gefertigte Fahrwerk geschraubt werden kann. Zwei zusätzliche an- und abschraubbare Streben halten den Sitz in Position. Der neue Metallsitz ist mit Aussparungen versehen, die die Montage von Standardservos ermöglichen. Somit kann der RC-Gleitschirm nur über Servos und Steuerarme gelenkt werden oder eben auch mit dem Piloten "Robin". Das Trike wird mit dem aerodynamischen Propellerkäfig aus glasfaserverstärktem Spezialkunststoff ausgeliefert. Dieser verleiht dem "Airbull" einerseits seine Semi-Scale- Optik, andererseits bietet er auch besten Leinen- und Propellerschutz.

Aus dem "Airbull" wird ebenso in Sekundenschnelle ein Rucksackmotor. Dazu müssen lediglich zwei M4-Schrauben gelöst und die Streben vom Metallsitz entfernt werden. So besitzt man einen perfekten Alleskönner-Rucksackmotor für Schirme bis circa 1,3 Quadratmeter. Falls der Pilot zum Einsatz kommen soll, kann natürlich auch das Gurtzeug verwendet werden und man hat einen vorbildgetreuen Rucksackmotor. Somit bleibt Hacker auch beim "Airbull" seinem modularen Modellkonzept treu.

Im Zubehörbereich wurde ebenfalls kräftig gearbeitet: Für Piloten, die noch mehr Gewicht benötigen, gibt es jetzt einen neuen Metall-Propellerkäfig. Dieser besteht aus Stahl und passt auf alle Hacker Module. Auch für Trike-Eigenbauten sind die Schutz- käfige aus Metall, wie auch die aus Kunststoff, bestens geeignet. Der "Para RC-Mixer" ist ein Elektronikmodul für alle handelsüblichen Fernsteuerun- gen. Es wird einfach zwischen Empfänger und Servos gesteckt. Das spezielle Mixprogramm von Hö-hen- und Seitenfunktion ermöglicht ein vorbild- getreues Steuern wie beim manntragenden Gleitschirm. So bewegt der Mixer auf 50 Prozent Steuer- weg des Senderknüppels eine 180°-Bewegung des Servoarms. Dadurch geht der Pilotenarm von ganz oben nach ganz unten. Dazu wird die Bremsfunktion beider Arme gleichzeitig nach unten hinzu gemischt. Der Vorteil gegenüber einem Deltamixer ist der, dass man volle 180 Grad Steuerweg zur Verfügung hat. Gummis an den Steuerhebeln beim RC-Gleitschirmfliegen gehören damit der Vergangen- heit an.

Noch einen Schritt weiter in punkto Vorbildtreue ist man bei Hacker mit der Entwicklung einer Schleppkupplung und eines Rettungsschirms gegangen. Mit der "Para-RC"-Schleppkupplung kann der Gleitschirm an der Winde auf Höhe gezogen werden und der Rettungsschirm für den Piloten "Robin" wird aktuell getestet. Jeder manntragende RC-Gleitschirmpilot muss seit 1990 einen Rettungsschirm mitführen.

Mit den aktuellen Neuheiten bietet Hacker für jeden Gleitschirm-Fan eine Modellmöglichkeit an: Unter vier verschiedenen RC-Gleitschirmen hat man die Qual der Wahl, vom gutmütigen Allrounder-"Stunt" über den "RC Swing Arcus" bis zum Hochleister "Astral".

Heribert Hoffner

Modell "Swing RC-Arcus" "Swing RC-Astral" "RC Stunt 2.0"
Spannweite ausgelegt 300 cm 300 cm 255 cm
Spannweite projiziert 233 cm 233 cm 200 cm
Streckung 5 5,8 k.A.
Fläche ausgelegt 1,8 m² 1,55 m² 1,30 m²
Fläche projiziert 1,5 m² 1,3 m² 1,10 m²
Gleitschirmtuch NCV Skytex 27 g/qm NCV Skytex 27 g/qm k.A.
Zellenzahl 23 36 25
Leinenmaterial Hybridverleinung
Gallerie: 0,3 mm Kevlar
Stamm: 0,4 mm Dyneema)
Kevlar
0,3 mm
gespleißt
Gewichtsbereich 1,9-3 kg 1,9-3 kg 1,3-2 kg

Bezug im Fachhandel und bei Hacker Motor
Tel. 0871/953628-0
www.hacker-motor-shop.com


Die Thermik-Messe ist Europas größte Drachen- und Gleitschirmfliegermesse. Sie fand dieses Jahr zum 15. Mal statt.


Der "RC-Arcus"-Gleitschirmist ein perfekter Allrounder für jedermann.


Der "RC-Astral" ist ein Hochleistungs-Sportgerät und dennoch einfach zu beherrschen.


Der "Stunt 2.0" ist der kleine Bruder des bekannten "Stunt 3.0" mit 1,3 Quadratmetern Fläche.


Das neue "Airbull Power-Trike" hat einen robusten Stahlrahmen.


Der "Robin"-Pilot mit dem neuen "Para RC Mixer"-Modul auf den Knien.


Mit dem neuen Rucksackmotor können Schirme bis circa 1,3 Quadratmeter geflogen werden.


Die "Swing Astral"- und "Stunt 3.0"-Schirme zum manntragenden Fliegen.


Die Firma Swing-Paraglider gehört seit 1987 zu den Pionieren in der manntragenden Gleitschirmwelt.



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