REPORTAGE

F5B-Szene

Nach der WM ist vor der WM


Der Start eines F5B-Wettbewerbsmodells ist auch für Außenstehende immer eine faszinierende Angelegenheit

Die vergangene Saison wurde ja mit der Weltmeisterschaft in Rumänien sehr erfolgreich abgeschlossen. Nun aber steht die Saison 2013 unmit- telbar vor der Tür und beginnt dieses Jahr traditionell mit dem Kindelsbrunnen-Cup in Gommersheim am 27. und 28. April. Es werden sicher wie- der viele Piloten aus ganz Europa teilnehmen - nach dem langen Winter wollen alle wieder fliegen. Es ist zum Saisonstart immer wieder spannend, was sich über den Winter so getan hat. Der eine oder andere hat einen ausgedehnten Winterschlaf gehalten und vertraut auf das erprobte Sportgerät aus dem Vorjahr. Andere haben sicher wieder Nächte im Keller verbracht und neue Modelle geharzt.

Dieser Wettbewerb in Gommersheim ist zugleich auch der erste Lauf zur Deutschen Meisterschaft in diesem Jahr. In Deutschland werden die WM-Teilnehmer immer in den zwei Jahren vor der WM im Rahmen der Deutschen Meisterschaft ermittelt. Die sechs Besten über zwei Jahre bilden dabei die Nationalmannschaft. Normalerweise fahren nur drei Teilnehmer pro Nation zur WM. Für 2014 hat Wolf Fickenscher aber die Möglichkeit, als Titelverteidiger auf jeden Fall zu starten. In diesem Fall ist es also möglich, dass vier Piloten aus Deutschland zur WM fahren. Dies würde aber bedeuten, dass Wolf nicht für die Mannschaft starten darf - es wird also spannend.

Weitere Termine F5B und F5F:

4.-5. Mai, Prato (Florenz,. Italien)
10.-11. Mai, Pfäffikon (Schweiz)
18.-19. Mai, Oberpfullendorf (Österreich)
8.-9. Juni, Almere Zeewolde (Niederlande)
15.-16. Juni, Liezen (Österreich)
22.-23. Juni, Villanova Biellese (Italien)
6.-7. Juli, Woodchurch (Großbritannien)
20.-21. Juli, Buttikon (Schweiz)
24. August, Langstrup (Dänemark)
14.-15. September, Bad Brückenau

Die Termine sind auf www.contest-modellsport.de nachzulesen und werden dort auch aktualisiert. Zuschauer wie auch Neueinsteiger sind immer herzlich willkommen. Die F5B-Gemeinde ist sehr offen und hilfsbereit.

Zu den Modellen 2013: Hervorzuheben ist ganz klar das Open-Source-Projekt "Teaser", ins Leben gerufen von Dominik Diefenbach. Er hat ein F5B-Modell entwickelt und im CAD umgesetzt. Zusammen mit einigen Mitgliedern des RC-Network- Diskussionsforums wurden nun Urmodelle gebaut und Formen gefräst. Ziel des Projektes ist ein voll wettbewerbstaugliches Modell, das zudem sehr vielen Personen zugänglich sein soll. Dominik hat eine komplette Dokumentation über den "Teaser" erstellt. Darin sind alle Auslegungsdaten, Berechnungen, die Profile, Fräsdaten und Daten für Scha-blonen enthalten. Wer möchte, kann auch die originalen CAD-Daten bekommen. Damit kann man sich dann eigene Formen erstellen und das Modell selbst bauen. Für jene, die keine Möglichkeit ha-ben ein Urmodell zu fräsen, wird es in nächster Zeit wahrscheinlich den Positiv-Urmodellsatz auch zum Verleihen geben.

Wesentliche Konstruktionsdetails des "Teaser" sind die hohe Streckung und das von Dominik mit Hilfe von Heiko Greiner entwickelte Profil. Das Modell ist damit nicht nur auf kompromisslose Höchstleistung getrimmt. Bei der Konstruktion wurde an den richtigen Stellen auch auf Alltagstauglichkeit geachtet und auf gute Baubarkeit Wert gelegt. Es passen zum Beispiel problemlos alle gängigen Akkuformate, die heute in F5B üblich sind in den Rumpf und der Flügel ist im Servobereich dick genug, um auch 10-mm-Servos einbauen zu können. Quasi als Sahnehäubchen hat Dominik auch noch verschiedene Rümpfe mit T-, Kreuz- und V-Leitwerk konstruiert. So kann jeder ein Modell nach seinen Vorstellungen bauen. Man darf gespannt sein, wann der erste "Teaser" auf einem Wettbewerb auftaucht. Zum Zeitpunkt dieser Berichterstattung wa-ren die ersten Modelle kurz vor der Fertigstellung.

Noch Ende 2012 wurden auch die ersten Exemplare des neuen "Raketenwurm 4B" gesichtet. Die Weiterentwicklung des "Raketenwurm 4" besitzt einen neuen Rumpf mit Abziehschnauze sowie ein neu entwickeltes Flügelprofil. Es ist ein wenig dicker geworden, was der Statik zugute kommt und die Servos können nun ohne Profilaufdickung eingebaut werden.

Aus Österreich hört man außerdem, dass es bei Rudolf Freudenthaler einen Nachfolger für die bewährte "Surprise 16" geben wird. Das Modell hatte schon 2012 einen längeren Rumpf bekommen, der bereits die Flugeigenschafen und das Handling nochmal deutlich verbessert hat.

Die ersten Serienexemplare des neuen "Avionik B12" von Sergey Sobakin werden hoffentlich auch im Laufe der Saison ausgeliefert - aber genaues weiß man wie immer nicht.

Bei den Antrieben gibt es mittlerweile sehr viele gute Motoren am Markt. Seit der Regeländerung letztes Jahr hat man mittlerweile die Qual der Wahl, was die Zellenzahl angeht. Es werden meistens 6s- bis 10s-Auslegungen eingesetzt. So hat ein 6s-Setup den Vorteil, dass man den Akku, der typischerweise zwischen 2,7 und 3,3 Amperestunden Kapazität hat, in die meisten Modelle am Stück einladen kann. Für die 8s- und 10s-Lösungen mit den typischen schmaleren Zellenformaten kann man etwas schlankere Rümpfe bauen, da der Akku in den meisten Fällen geteilt werden muss und die Einzelakkus nun hintereinander im Rumpf liegen. Die Motoren haben bei den höheren Spannungen auch ein wenig mehr Wirkungsgrad und die Belastung für den Regler wird geringer. Das Wichtigste ist aber nach wie vor eine Abstimmung zu finden, die die vorhandene Energie möglichst effizient umsetzt.

Plettenberg hat für 6s den "HP 220/40 A1P6"-Motor und für 8 bis 10s den "HP 220/30 A2P6" im Programm. Beide Motoren sind sechspolig aufgebaut und mit einem robusten 5:1-Getriebe ausgerüstet. Das hält die Drehzahlen am Rotor verhält- nismäßig niedrig und macht den Antrieb wartungsarm und haltbar. Der 30-er Motor ist sehr gut für 9s-Akkus und mittelgroße Propeller mit circa 17 Zoll Durchmesser, bei Steigungen zwischen 18 und 20 Zoll. Das ergibt einen sehr leichten und leistungsfähigen Antriebsstrang. Für den Einstieg in F5B kann man diesen Motor auch wunderbar mit 8s und weniger Leistung fliegen. Hat man sich daran gewöhnt und trifft die Strecke gut, muss man nur einen neuen Akku mit einer Zelle mehr kaufen und man hat einen voll konkurrenzfähigen Antrieb.

Urs Leodolter, ehemaliger F5B-Weltmeister, hat im vergangenen Jahr eine eigene Motorenserie unter dem Namen "Leomotion" entwickelt. Die Typen "L4031" und "L4038" sind in Verbindung mit dem 6,7:1-Getriebe sehr gut für F5B geeignet. Sie sind in verschiedenen Drehzahlen erhältlich, sodass Antriebslösungen zwischen 5s- und 10s-Akkus möglich sind.

Die "Phasor"-Motoren von Jeti waren vergangenes Jahr auch schon vereinzelt zu sehen und werden dieses Jahr bestimmt öfter zum Einsatz kom- men. Der "Phasor Race 2035" mit Getriebe passt sehr gut für F5B.

Auf der Reglerseite hat sich der "YGE 200 HV FAI" von Heino Jung in Osnabrück als sehr breitbandig und zuverlässig herausgestellt. Der Regler bringt die Plettenberg-Motoren sicher zum Laufen und kommt auch mit Neu-Motoren sowie den meisten Zweipolern wie Hacker und Lehner klar. Ich habe mehrere der Regler im Einsatz und hatte noch keinerlei Probleme.

Im vergangenen Jahr konnte sich mit Gens Ace ein neuer Akkulieferant etablieren. Ich habe verschiedene Akkutypen während des Jahres und über den Winter getestet und kann eine durchweg positive Bilanz ziehen. Die Akkus besitzen durchweg eine sehr gute Spannungslage und haben sich als robust und langlebig unter den harten F5B-Bedingungen erwiesen. Die aufgedruckte C-Rate ist zwar niedriger als bei anderen Herstellern - in der Praxis sind die Angaben aber sehr ehrlich und können so auch problemlos genutzt werden. Ich werde diese Saison hauptsächlich die Gens Ace mit 2,2 Amperestunden 30C in 8s- und 9s-Konfiguration einsetzen. Für 6s-Antriebe sind die 2,7-Amperstunden-Zelle 35C und die 3,3 Amperestunden-Zellen 35C sehr gut geeignet.

Es gibt für 2013 eine kleine Regeländerung den Limiter betreffend. Es darf in erster Linie weiterhin mit Limitern, die nach 1.750 Wmin den Antrieb abstellen, geflogen werden. Es gibt aber nun die Möglichkeit, auch mit einem Logger zu fliegen, der die verbrauchte Energie misst. Diese kann per Telemetrie in Echtzeit übertragen und auf einem Display angezeigt werden. Der Logger muss allerdings vom Veranstalter gestellt werden und ins Modell eingebaut werden. In diesem Fall gelten zwar auch die 1.750 Wmin als Energiegrenze - der Antrieb wird aber beim Überschreiten nicht mehr abgeschaltet. Es wird für jede Überschreitung von 3 Wmin ein Punkt von der Gesamtpunktzahl abgezogen. Steve Neu entwickelt gerade einen Entsprechenden Logger auf 433-Mhz-Basis. Dieser wird sehr klein werden und eine eigene Stromversorgung haben. Er muss also nur in den Stromkreis eingeschliffen werden. Ob dieser Logger dieses Jahr schon auf der Eurotour eingesetzt wird ist eher fraglich, da auch die Messanlage angepasst werden muss und zurzeit noch keine ausreichende Menge an Loggern verfügbar ist. Zur Weltmeisterschaft 2014 in Österreich könnte das System aber schon zum Einsatz kommen - wir werden sehen!

Christian Ulbrich


Ein "Leomotion L4031" mit 6,7:1 Getriebe, entwickelt und gebaut von Urs Leodolter (Schweiz)


Der neue "Raketenwurm 4B" von Stratair jat einen neuen Rumpf mit Abziehschnauze und ein neues Flügelprofil


Der "Teaser" wurde von Dominik Diefenbach als Open Source-Projekt angelegt


Die A-Linie beim Streckenflug-F5B ist Teamwork: Einer fliegt, einer sagt an und der Dritte überwacht die Stoppuhr


Ein "GoOne 7" kurz vor dem Einflug in die Strecke. Man sieht dem Modell die Belastung förmlich an


Die Akkus von Gens Ace: Oben ein klassischer 6s-Pack, mittig eine sehr flache 2,5-Ah-Zelle für 8s und unten die 2,2-Ah-Zelle für 8-10s



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