TEST

Japanische Kirschblüte

Der "Satori" von Aer-o-Tec


Der "Satori" ist ein auf F3J-Hochleistung ausgelegtes Modell, das sich aufgrund der Flugeigenschaften und -leistungen ganz besonders auch für den Alltags-Modellsegelflieger eignet

F3J-Wettbewerbe sind spannend, hart, präzise und sportlich. Spannend für die Zuschauer wegen den Massenstarts und dem direkten Vergleich zwischen den Piloten: Bereits mit einem verpatzen Flug hat man die Chance auf einen Platz im Finale verspielt. Hart für die Modelle, weil die Hochstarts mit brutaler Seilvorspannung absolviert werden, um möglichst kurze Startzeiten zu erreichen. Präzise, weil die Flugzeiten zwischen den Kontrahenten teilweise nur um Hundertstel differieren und beim Landen jeder Zentimeter zählt. Sportlich, weil für jeden Flug ein Team von vier Leuten erforderlich ist und an einem Wettbewerbswochenende viel gerannt, geworfen und geschleppt wird. Ohne Zweifel: F3J ist Spitzensport, entsprechend hochgezüchtet sind die Sportgeräte. So ein top aktuelles Wettbewerbsmodell ist der "Satori" von Aer-o-tec.

Der "Satori" ist der jüngste Spross einer langen Ahnenreihe von Thermikmodellen, die Stefan Eder kreiert hat. Als die Wettbewerbsklasse F3J vor etwa 20 Jahren in Deutschland erste Anhänger fand, interessierten sich einige ambitionierte F3B-E-Piloten (E steht für Ebene; nicht für Elektroantrieb!) für die reizvollere, weil deutlich längere Flugaufgabe. Unter ihnen Stefan Eder aus dem mittelfränkischen Herrieden. Zunächst modifizierte Stefan verschiedene Hochleistungsmodelle, um sie für die Dauerflugaufgabe zu optimieren. Sie bekamen mehr V-Form, neue Randbögen, Triplets oder Winglets. Er experimentierte mit größeren Leitwerken und mehr Streckung. Einen wirklichen Leistungssprung brachten die speziell für F3J ausgelegten Selig-Donovan-Profile (z.B. SD-7037). In Positivbauweise entstanden einige Versuchsträger. So zum Beispiel der "Pacemaker", der mit spektakulären Flügen Geschichte schrieb und später auch als "Pacemaker 3" in Schalenbauweise produziert wurde. Als mit Max Steidle ein Profilentwickler in den FMSG Herrieden eintrat, entwickelte sich eine Zusammenarbeit mit Stefan Eder, der bald erste käufliche Mo- delle entspringen sollten. Zunächst entwarfen die Beiden für Jaro Müller den "Escape". Da allerdings Rumpf und Leitwerk zum F3B-Modell "Ellipse 3" kompatibel sein sollten, blieb es bei der aerodynamischen Auslegung des Flügels. Der Weg ging weiter zum ersten eigenen Modell und der zwangs- läufig folgenden Gründung der Firma Aer-o-tec. Der "Crossfire" wurde zum F3B-Erfolgsmodell, das unverwechselbare Farbdesign zum Markenzeichen der jungen Firma. Im Zuge der Modellpflege be-kam der "Crossfire" ein größeres Höhenruder und einen Flächenverbinder mit mehr V-Form, was zu gutmütigeren Kreisflugeigenschaften führte und dem Modell den Namenszusatz "F3J" einbrachte.

Das erste kompromisslose F3J-Wettbewerbsmodell aus Herrieden war dann der "Orca". Die steife Bauweise und die aerodynamische Auslegung führten zu überragenden Hochstartleistungen. Das einzigartige Konzept mit zweiteiliger Fläche und verschiedenen Randbögen machte eine rasche Anpassung an verschiedene Wetterlagen möglich. Doch die Entwicklung ging weiter: Im Dialog mit den Wettbewerbspiloten, die den "Orca" einsetzten, festigte sich der Wunsch nach einem Modell mit vergleichbaren Hochstarteigenschaften, aber noch besserem Handling beim bodennahen Kreisen und Landen. Eine F3J-spezifische Auslegung folgte, der "Satori": Die 3,6 Meter lange große Tragfläche wurde zur besseren Massenzentrierung und aus Transportgründen in dreiteiliger Bauweise ausgeführt. Für perfekte Kreisflugeigenschaften erhielt das Mittelteil mit vier Grad schon relativ viel V-Form und die 4-Grad-Verbinder der Außenflügel vervollständigten das Erscheinungsbild des "Kampf-amigos". Das im Vergleich zum "Orca" größere Hö- henleitwerk verhalf dem "Satori" im Zusammenspiel mit dem langen Rumpf zu überragenden Langsamflug-Eigenschaften. Dadurch kann man zum einen unglaublich eng kreisen und kleinste Thermikblasen konsequent nutzen. Zum anderen morgens oder abends bei wenig Thermik auch sehr gut "floaten".

Der "Satori" wird in unterschiedlichen Bauausführungen hergestellt. In jedem Fall sind Tragfläche und Rumpf aus Carbon, der Rumpfkopf 2,4-GHz-tauglich aus Kevlar und Glasgewebe. Bei einem Besuch in Herrieden konnte ich die verschiedenen Ausführungen vergleichen: Ich war auf der Suche nach einem Modell für die neue Wettbewerbssaison. Leicht sollte es sein. Ganz neu war die Spreadtow-Variante. Im Vergleich war die Variante mit 68-g/m²-Kohle zwar minimal leichter, aber die Spreadtow-Fläche war dermaßen torsionssteif, dass sich jede weitere Diskussion erübrigte.

Neben den schönen Designs, die sich Aer-o-tec für jedes neue Modell ausdenkt, der Flächengeometrie, die überwiegend von der aerodynamischen Auslegung beeinflusst wird, bleibt dem Designer bei der Formgebung von Rumpf und Leitwerk Raum für Gestaltung. Das Leitwerk ist mit komplett innenliegenden Anlenkungen und der eleganten Linienführung eine Augenweide. Praktischerweise laufen die Höhenruderhälften vor der Seitenflosse zusammen und werden dort mit einem Stück Klebeband gesichert. Drei Schrauben verbinden Rumpf und Flügel. Zusätzlich ist der Flächenanschluss kraftschlüssig geformt. Die Kabinenhaube hat eine elegante Taillierung erhalten und weckt mit dem integrierten "Satori"-Schriftzug Besitzerstolz. Auf dem Flächenmittelteil prangt der Schriftzug in großen Buchstaben und erlaubt Einblicke auf das verwendete Spreadtow-Gewebe. Unter der Flächenauflage ist der verstellbare Hochstarthaken bereits eingebaut. Den "Satori" bekommt man komplett in Flächenschutztaschen geliefert, selbst für den Rumpf ist eine Schutztasche dabei. Zwei kleine Plastikbeutel beinhalten alle notwendigen Kleinteile, ein stabiles Servobrett, vier Servorahmen für Futaba-Flächenservos "S-3150" und die Flächenverbinder. Im Flächenmittelteil ist der Kabelbaum schon eingebaut, die Ruderhörner eingeklebt sowie Buchsen für die Wölbklappenservos. Beim Ausbau mit den Fernsteuerungskomponenten steht Zuverlässigkeit an oberster Stelle. Natürlich will man ein so teures Modell keinesfalls wegen unzuverlässigen Komponenten verlieren, zum anderen will ich mir den Stress ersparen, im Wettbewerb zwischen den Durchgängen etwas reparieren zu müssen. Bei den Flächenservos sind deshalb die vorgegebenen Futaba-"S-3150" im Einsatz. Seit Jahren habe ich damit keine Ausfälle, die Getriebe haben bislang selbst die härtesten Wettbewerbslandungen überlebt.

Etwas mehr Überlegung erforderte die Stromversorgung: Beim Testmodell kommt ein LiFePo-Akku zum Einsatz. Unproblematische Ladeeigenschaften, die geringe Selbstentladung und die Nennspannung von 6,6 Volt machen den Akku zur idealen Spannungsquelle im Segler. Um immer über den Ladezustand des Akkus informiert zu sein, wird der Akku über den Info-Switch von SM-Modellbau geladen sowie ein- und ausgeschaltet. Dieser elektronische Schalter informiert über die Restkapazität die im Akku verbleibt, und kalkuliert die Selbstentladung beim Lagern mit ein. Selbst wenn der "Satori" zwei Wochen auf seinen nächsten Einsatz warten muss, wird man beim Einschalten entweder gewarnt oder man bekommt "grünes Licht". Zum Fliegen bekommt der Besitzer eine Tabelle mit Einstellwerten für die verschiedenen Flugphasen mit. Die Einstellungen wurden von Stefan Eder erflogen und im Dialog mit einigen Wettbewerbspiloten optimiert. Die Einstellungsempfehlungen können blind übernommen werden. Das Erfliegen des Schwerpunktes ist bei Hochleistungs-F3J-Modellen keine einfache Aufgabe: Bedingt durch das große Höhenleitwerk, das für die guten Landeeigenschaften erforderlich ist, sowie das Momentenbeiwert- arme Profil aus der Feder von Max Steidle, verfügt der "Satori" über ein hohes Stabilitätsmaß, das die Bandbreite der fliegbaren Schwerpunktlagen sehr breit gestaltet. In den ersten Wochen mit dem neu-en Modell habe ich viel verändert. Allerdings machte ein turbulentes, windiges Wetter die Einschätzung der Veränderungen schwierig. In punkto Schwerpunkt ist von 100 bis 118 Millimetern (gemessen ab der Nasenleiste) alles möglich. Klare Worte kommen aus Herrieden: "106 Millimeter, und fertig!". Damit schöpfe man das Potential des Modells bei fast allen Wetterlagen bestmöglich aus. Dabei ist der "Satori"-Pilot gut beraten, wenn er zwei 5-g-Bleistücke im Bereich der Kabinenhaube leicht zugänglich positioniert. So kann man bei gewissen Wetterlagen leicht den Schwerpunkt um einige Millimeter nach hinten verlegen.

Einmal eingestellt, erfüllt der "Satori" alle Erwartungen: Das gutmütige Handling erleichtert das bodennahe Kreisen ungemein. So wurde der "Satori" schnell zum meistgeflogenen Modell in meiner Sammlung. An thermikreichen Tagen kann man aus der Hand in die Themik starten, im Normalfall fliege ich mit einem kurzen Gummi und etwas Seil. Die damit erreichbare Höhe von etwa 40 Metern ermöglicht meist Thermikanschluss und lange Flugzeiten.

Diesmal sucht das Auge des "Satori"-Piloten nach Buschreihen und Maisfeldkanten, die Ohren registrieren das Rascheln von Blättern in der Nähe und die Haut achtet auf Änderungen der Windrichtung. Dann spüre ich den leichten Wind im Gesicht, ein Blick über die Schulter bestätigt die Vor- ahnung: An einem Busch in der nahegelegenen Hecke bewegen sich die Blätter. Da löst gerade Warmluft ab. Mit ein paar schnellen Schritten wird der F3B-Gummi von EMC gespannt, nach dem Loslassen hängt der "Satori" in der Startstellung vertrauenserweckend sicher am Gummi. Nach zwei Sekunden schalte ich in die Flugphase "Strecke" und drücke kurz an. Der 3,6 Meter große Hochleistungssegler beschleunigt blitzartig und mit etwas Höhenruder vollende ich den Schuss. Hat man vorab Thermik entdeckt, zählt beim Start nicht der letzte Meter. Mit der Restfahrt wende ich den agilen Segler und lasse ihn unverwölbt zur Buschreihe gleiten. Der "Satori" zeigt die aufsteigende Luft wunderbar an. Dabei hebt sich das Leitwerk leicht. Jetzt schalte ich in die Flugphase "Thermik", die Wölbklappen fahren zwei Millimeter nach unten, die Fluggeschwindigkeit nimmt ab und schon geht es in der aufsteigenden Warmluft aufwärts. Der "Satori" will mit viel Seitenruder geflogen werden. Mit dem Querruder muss man nur gelegentlich abstützen. Unheimlich eigenstabil kreist das F3J-Modell aus Herrieden. Gerade in der Mitwindpassage kann man dabei "voll auf dem Höhenruder bleiben", ohne einen Abriss zu riskieren.

Schnell sind aus den 40 Metern Starthöhe an die 400 Meter geworden. Mit leicht negativ verwölbtem Flügel geht es auf Strecke. Und darin liegt die ganz große Stärke der Profile von Max Steidle: Ohne großen Höhenverlust marschiert das Modell auch ohne zusätzlichen Ballast quer über den Himmel. Der abfliegbare Bereich ist riesig, der dynamische Flugstil macht richtig Laune. Der Pilot sollte sich etwas Zeit nehmen und die Streckenflugstellung (leicht negative Wölbklappen mit entsprechender Höhenrudertrimmung) sauber einstellen. Hier geht es nicht um Sturzflüge und Höchstgeschwindigkeit, hier geht es ums Gleiten. Mit dieser Einstellung kann man auch bei windigen Wetterlagen wunderbar an Waldkanten mit Fahrt entlang rauschen, am Hang hin- und her heizen und in großräumigen Aufwindfeldern effektiv Höhe machen.

Doch irgendwann kommt auch ein Thermiksegler wieder dem Boden näher und dann kann der "Satori" seine zweite große Stärke ausspielen: Mit den großen Wölbklappen lassen sich fein dosiert die Höhe und die Fahrt abbauen. Dabei bleibt der "Satori" dank großem Leitwerk sicher auf Kurs. Diese Gutmütigkeit ist für das Landen bei F3J-Wettbewerben wichtig. Beim Hobbypiloten führt sie dazu, dass man - wo sich ein Stückchen Wiese findet - fliegen und landen kann. Auch unerfahrene Piloten können so ihr wertvolles Modell sicher und ohne Beschädigungen absetzen. Im vergangenen Jahr hat sich der "Satori" im F3J-Wettbewerbs-Geschehen etabliert. Robert Braune, Ryan Höllein und auch Stefan Eder selbst haben gezeigt, dass man mit dem Modell ganz vorne mitfliegen kann. Seit der Markteinführung wurde der "Satori" kontinuierlich modellgepflegt. Verfolgt man die Modellentwicklung bei Aer-o-Tec aufmerksam, so kann man erkennen, dass es alle bisherigen Modelle sowohl mit Kreuz- als auch mit V-Leitwerk gibt. Die nächste Evolutionsstufe auf dem Weg zum perfekten F3J-Modell wird sicherlich ein V-Leitwerksrumpf für den "Satori" sein. Und durch die Zusammenarbeit mit dem Leichtbauspezialisten Vladimir Gavrilko in der Ukraine, kann Aer-o-Tec den "Satori" mittlerweile in einer SL-Ausführung unter Verwendung von leichtem Carbongelege anbieten, mit einem Gewichtsvorteil von 200 Gramm. Das Flugverhalten des "Satori SL" erinnert dabei an einen Schleudersegler, die leichten Außenflügel erhöhen die Agilität um die Querachse spürbar. Man erkennt nicht mehr, dass man mit 3,6 Metern Spannweite unterwegs ist.

Bernhard Klar

Fakten:
"Satori" von Aer-o-Tec
Ein F3J-Hochleistungssegler

Spannweite: 3.600 mm
Länge: 1.639 mm
Gewicht: 2.080 g
Fläche: 73,17 qdm
Fläche: 73,17 qdm
Schwerpunkt: 207 mm
Preis: ab 1.295,- Euro
Bezug bei Aer-o-Tec
Tel.: 0176/99998656
www.aer-o-tec.de


Randbögen im Wandel der Zeit (von links): "Escape", "Pacemaker", "Orca" und "Satori"


Ein zweiter Rumpf mit einem leichten Antrieb macht den "Satori" zum konkurrenzfähigen F5J-Wettbewerbsmodell. Das Gewicht erhöht sich bei geschickter Komponentenwahl nicht


Auch das Leitwerk ist Widerstands optimiert, die Anlenkungen sind alle innenliegend


Die Spreadtow-Optik ist deutlich zu sehen - und das soll auch so sein!


Der kraft- und formschlüssige Flächenanschluss des "Satori" ist von ganz feiner Machart


Die Wurzelrippe eines Außenteils offenbart die optimieret Auslegung und Bauweise


Rund 40 Meter Ausgangshöhe lassen sich am Bungee-Gummi erzielen, ausreichend für lange Thermikflüge


Die großen Wölbklappen verleihen dem Modell hervorragende Bremseigenschaften




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