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Der Nurflügel "Alparabel 2.4"


Ein Horten-Nurflügel ist ein beeindruckendes Stück Flugzeug. Umso mehr, wenn komplett selbstgebaut

Ein Hortenmodell ist immer etwas Besonders. Das Erscheinungsbild fällt nicht nur auf, das Design ist auch aerodynamisch durchdacht und vor allem zeitlos. Die ersten Nurflügel im Hortenprinzip flogen ohne automatische Stabilisierungssysteme, schon gar nicht mit Computern über Kreisel auf allen Achsen stabilisiert und modernster Avionik. Sie flogen nur durch die Konstruktion des Flügels und der Profilwahl aerodynamisch stabil.

Ein Modell dieser Art zu bauen war schon immer ein Wunsch von mir. Durch Internetrecherchen stieß ich auf den "Colibri" von Nurflügel & Modelltechnik, einem Nachbau einer "Horten XVI". Den baute ich dann auf und brachte dem Modell gute Flugeigenschaften bei. Ein klassischer Horten-Flügel, sehr schlank und für den schnellen Hangflug ausgelegt. Davon angetan erkundigte ich mich bei Firmenchef Raimund nach einem neuen Modell. Der "Alparabel" kam ins Spiel. Seine Besonderheit ist die parabelförmige Flügelform mit starker Pfeilung, ähnlich der "Horten XI", die als Segelflugzeug getestet wurde. Ein Modell mit futuristischem Design, aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts, seiner Zeit weit voraus, erhältlich mit zwei und 2,4 Metern Spannweite.

Ich bestellte also den Bausatz für die 2,4-m-Version mit allen Teilen für Tragfläche, Helling und Rumpf sowie dem Zubehörsatz inklusive aller Schablonen. Alle Teile sind CNC-gefräst und aus gut selektiertem Holz. Die Teile sind nicht nummeriert. So muss man sich zunächst der Kennzeichnung der kleinen äußeren Rippen widmen, da diese nur eine schwache Wölbung haben, die oben und unten leicht verwechseln lässt. Geplant war zunächst, den "Alparabel" als Segler mit Wölb- und Störklappen zu bauen. Die Entscheidung habe ich aber zugunsten einer Elektrosegler-Variante mit Pusher revidiert. Als Antrieb habe ich den "Solius"-Antriebssatz von Multiplex ausgewählt.

Der Bauplan zeigt in guter Übersicht die Helling und die Tragflächen mit einigen wenigen Risszeichnungen und Schnitten des Rumpfes. Die Helling für die Flügel wird aus Pappelsperrholz aufgebaut und ist sehr stabil. Dann muss man die Lage der Rippen anzeichnen, bevor man die untere Beplankung nach dem Zuschneiden mit einer Schablone einlegt. Bei der Positionierung der Rippen muss man sich etwas Mühe geben und mit Hilfslinien auf dem Balsa arbeiten. Man erkennt ab dem zweiten Drittel nach außen, dass der Flügel eine starke Pfeilung und Schränkung hat, die zur notwendigen Stabilität beitragen. Dann werden die Holme eingefädelt, die man vorher mit einem Balsahobel anschäften muss. Diese Arbeit kostet Zeit und fordert den Modellbauer heraus, exakt zu arbeiten. Die Rippenausschnitte mussten nur an den Sperrholzrippen nachgearbeitet werden, um den langen Holm über seine 1,5 Me-ter Länge sauber einfädeln zu können. Die gute Vorarbeit beim Fräsen der Rippen zahlte sich aus. Die oberen Holme werden ebenfalls geschäftet und ausgedünnt. Eingeklebt werden sie mit Holzleim. Ich fügte noch ein 14-mm-Kohlerohr ein, das auch als zusätzliches Ballastrohr mit einem Stahl als Verbinder dienen kann. Laut Bauplan besteht die Nasenhilfsleiste aus 2-mm-Balsa. Damit aber die Beplankung an der Nase gut gehalten werden kann, entschied ich mich für vier Millimeter. Mit dem Hilfsholm aus Balsastücken und den Holmverkastungen ging es weiter und gut voran.

Die Ruder müssen absolut torsionsteif sein und werden im Flügel an zusätzlichen Hilfsholmen aus Kiefern abgestützt. Der Plan sieht eine geodätische Bauweise und Glasfasermatten zur Versteifung vor. Ich entschied mich für die Megavariante: 120-g/qm-Kohle unten und oben als Sandwich. Dazu wurde in der Helling aus dem teilfertigen Flügel die Beplankung der Ruder ohne Rippen herausgetrennt und auf 1-mm-Balsa eine Lage Kohle auflaminiert. Dann folgten der Wiedereinbau und die Verklebung der Rippen. Später wurden die Ruder mit Balsa aufgefüttert und die Querruder nach dem Beplanken mit Sichtkohle von oben versehen. So wurden die Ruder überaus stabil, was aber rund drei Stunden Mehraufwand mit sich brachte.

Die Servos der kombinierten Höhen- und Querruder habe ich eine Rippenposition weiter nach außen verlegt, um näher zur Längenmitte des Ruders zu kommen. Dann wurden noch alle Holme und Hilfsholme verkastet sowie teils an den Rudern von innen abgestützt.

Nachdem die Verbinder eingesetzt und leicht fixiert sowie alles verkastet war, konnte die Tragfläche erstmals aus der Helling genommen werden. Da die Endleiste an den Ruderausschnitten sehr schwach ist, empfehle ich eine Lage 80-g/qm-Glasgewebe zur Verstärkung. Das Verschleifen der Tragflächenstruktur dauert rund 30 Minu- ten pro Tragflächenhälfte und muss dem Erbauer Spaß machen, sonst wird es eher eine Strafarbeit.

Zur Auflockerung widmete ich mich dem Rumpf. Der Aufbau aus Pappelholz, Dreiecksleisten und fertigen rechteckigen Spanten ist so unspektakulär, dass es dazu wenig zu sagen gibt. Es hat einfach alles sehr genau gepasst.

Nach dem Bau des zweiten Flügels folgt der Einbau der Verbinder. Da der Hortenflügel null Grad V-Form hat, kann man dies auf einem großen ebenen Bautisch ausführen. Erst dann geht es an die Aufbringung der oberen Beplankung, die vorher mit den Schablonen zugeschnitten werden muss. Das Aufbringen ist sehr aufwändig. Entgegen der Bauanleitung empfand ich es als sinnvoll, die Beplankung nicht an einem Stück, sondern segmentweise von hinten nach vorne mit Holzleim und Nadeln aufzubringen. Nach dem Beplanken hatte ich ein absolut torsionfestes Bauteil in der Hand - Glas oder Kohle sind hier nicht mehr notwendig. Nun fehlte noch die Nasenleiste, die aus 1,5-mm-Balsastreifen in vier Lagen aufgeklebt wird. Der Flügel ist so gebogen, dass nur das dünne Balsa die Kurve schafft. Was jetzt folgte war eine wahre Hobel- und Schleiforgie.

Dann wurden die Ruder angepasst und mit Scharnieren befestigt. Jedes Ruder ist flugwichtig und hat zwei Funktionen. Zwar kann man die Wölklappen als Höhenruder oder gar Querruderunterstützung zum Trimmen verwenden, sind aber nicht dafür gedacht. Der Rumpf nimmt Empfänger, Motor, Regler und Flugakku auf. Alles musste nach vorne und mit nur 50 Gramm Blei war alles perfekt.

Der Erstflug fand am Freitag vor dem Euromeeting in den Dolomiten statt. Mit einem kräftigen Wurf habe ich bei nur leichtem Gegenwind das Modell in sein Element übergeben - und der "Alparabel" flog auf Anhieb schön geradeaus. Vor der ersten Kurve kam die spannende Frage: Würde das Modell mit der starken Differenzierung gut um die Kurve gehen ohne zu gieren oder instabil zu werden? Bei sehr sachten Ausschlägen ging der "Alparabel" folgsam um die Kurve und leitete sehr sauber wieder aus. Alle waren erleichtert. Kein Pumpen und Gieren bei der Schwerpunktlage. Man muss sich immer erneut daran gewöhnen: Ein Horten hat eine flache Silhouette, ganz ohne Seitenflosse oder Winglets - hier sollte man nicht wegschauen. Bei der "Alparabel" hilft aber sicher der Rumpf, die Flugrichtung und Lage zum Horizont zu erkennen. Wegen fehlendem Aufwind am Abend bewährte sich auch der Motor als Heimkehrhilfe, auch ein erster Bart wurde ausgekurbelt. Später beim Euromeeting fand der "Alparabel" allgemeines Interesse. Am Hang vorge- flogen wurde er mit einem Experimentalpreis ausgezeichnet.

Weitere Flüge in den Bergen und in der Ebene zeigten, dass der Schwerpunkt genau dort bleibt wo er auch sein soll, auf 168 Millimetern laut Plan. In den Kurven fliegt der "Alparabel" stabil, mit zunächst leichtem Andrücken vor dem Einleiten. Oder man mischt die Klappen um zwei Millimeter nach unten bei, wenn Querruder gegeben wird. Dann dreht der "Alparabel" stabil ein. Er kurvt sowohl flach wie steil sehr gut in der Thermik. Kommt man zur Landung, gleitet das Modell im Bodeneffekt enorm. Die Klappen habe ich noch nicht als Butterfly verwendet - ist aber eine Option.

Der Antrieb mit 3s-LiPo 2.200 mAh des "Solius" von Multiplex passt ideal, auch die 11x7-Zoll-Luftschraube passt dazu. Alternativ kann man eine 9,5x5-Zoll-CFK-Luftschraube nehmen und den Akku auf 4s aufrüsten. Das macht dann richtig Laune, da der Motor schön hoch dreht.

Dieses trotz der 2,4 Meter Spannweite eher kompakte Modell fordert den erfahrenen Piloten. Das beginnt beim Bau und fordert auch im Flugbetrieb Aufmerksamkeit. Belohnt wird man aber umso mehr, verglichen mit einem normalen Nurflügel. Der "Alparabel" will feinfühlig geflogen werden. Und wenn man die Kurven gut aussteuert, sind flache wie auch steile Kreise eine Freude. Der Experimenteur kann mit den vier Klappen und sogar einer Schwerpunktverstellung für den Kurvenflug variieren. In jedem Fall ist der "Alparabel" eine absolute Bereicherung in der Nurflügel-Szene und eine willkommene Abwechslung. Ein schräger Vogel mit Charme, der Publikum und den Piloten fasziniert.

Joachim Regel


Fakten

"Alparabel 2,4"
Ein Horten-Nurflügel zum selbstbauen

Spannweite: 2.400 mm
Gewicht: 2.200 g
Profil: HM-50/HM-50t
Ruderausschläge:
Querruder: -22/+15 mm
Höhe: +/-10 mm
Schwerpunkt: 168 mm
Preis: 290,- Euro
Bezug bei Nurflügel & Modelltechnik
Tel.: 05221/759330
www.nurfluegel-modelltechnik.de.


Der Bausatz hat alle Teile für Tragfläche, Helling und Rumpf sowie Zubehörsatz inklusive aller Schablonen


Die Helling für die Flügel wird aus Pappelsperrholz aufgebaut und ist sehr stabil


Aufgebaut wird auf der unteren Beplankung. Bei der Positionierung der Rippen muss man sich etwas Mühe geben und mit Hilfslinien auf dem Balsa arbeiten


Die Ruder müssen absolut torsionsteif sein. Der Autor legte noch 120-g/qm-Kohle dazu


Alle Holme und Hilfsholme wurden verkastet sowie teils an den Rudern von innen abgestützt


Der Einbau der Verbinder erfolgt auf einem ebenen Bautisch, da der Flügel null Grad V-Form hat


Der Rumpf besteht aus Pappelholz, Dreiecksleisten und fertigen rechteckigen Spanten


Ist alles verschliffen, sieht das auch schon sehr gut aus


Beide Tragflächenhälften werden in der Helling aufgebaut, dann kann beplankt werden


Gleich nach dem Erstflug ging es zum Euromeeting in die Dolomiten


Das Fehlen jeglicher vertikaler Fläche zeichnet die Horten-Konstruktionen aus


Der "Alparabel" will feinfühlig geflogen werden, sauber ausgesteuerte Kurven sind eine Freude



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 3/2014

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