TECHNIK

Faszination Piper

Eine PA-18 im Maßstab 1:3 - Teil 1


Vier Monate gemütliche Bauzeit sind bis zu diesem Zeitpunkt vergangen

Schon wieder eine 3,6 Meter große PA-18? Ja, liebe Leser, ich bleibe der Piper treu. Schon vor 12 Jahre baute ich diesen Flugzeugtyp in gleicher Größe und habe das Modell auch elektrisch geflogen. Seinerzeit bestand der Bausatz von Eduard Seidl aus 60 NiCd-Zellen und einem "Torc- man Monster"-Außenläufer. Diese PA-18 flog ich viele Jahre mit großer Freude. Und die Faszination dieses Flugzeugklassikers ließ mich bis heute nicht los. Schon im Vorfeld der Segelflugmesse 2014 hatte Christian Negele von Rödelmodell meine Neugierde geweckt, als er mir erste Bilder einer neuen PA-18 zeigte. Wieder im Maßstab 1 :3 und wieder in Holzbauweise - ge-nau mein Ding. Als ich dann auf der Segelflugmesse das noch unbespannte Vorführmodell drei Tage lang betrachten konnte, war es endgültig um mich geschehen. Zugesagt und gleich bestellt lag der Bausatz dann pünktlich zur bevorstehenden Saison auf meiner Werkbank.

Der Aufbau des Modells ließ allerlei Ideen und Lösungen zu, die ich noch nicht kannte. Das betrifft beispielsweise die Leitwerke: Sie bestehen aus einem elf Millimeter dickem Sandwichmaterial, dreilagig, mit einer Mittelschicht aus Pappelsperrholz und zwei Deckschichten aus Balsa. Das Ganze wurde mit Harz unter der Presse verklebt. So etwas hätte ich gerne als Plattenmaterial in unterschiedlichen Stärken! Bei Rödel wurden Nasen- und Endleistenkonturen sowie Randbögen daraus gefräst. Zusammen mit ein paar Hochkantleisten aus Balsa entstanden so Leitwerke in Stegbauweise - im Ergebnis enorm drehsteif und absolut verzugsfrei. Zu guter Letzt wurden sie noch mit 1,5-mm-Balsa beplankt. Somit werden diese Leitwerke auch den Schlägen eines Schleppseils problemlos standhalten. Die stabile Bauweise wirkt sich natürlich auf das Gewicht aus. Dennoch sind die 779 Gramm - inklusive dem zentralen Sperrholzaufbau mit Steckung und Verschraubung für die Montage am Rumpf - gerade noch so im grünen Bereich.

Der Rumpf ist fast zu 100 Prozent aus Pappelsperrholzteilen aufgebaut. Nur die wichtigsten Spanten bestehen aus Flugzeugsperrholz. Interessanterweise wurden die Rumpfseitenteile direkt am hinteren Hauptspant geteilt. Den Sinn dieser Maßnahme erkannte ich auf den ersten Blick nicht. Beim Bau erwies sich das Ganze jedoch als ungemein praktisch. Ich konnte so das Rumpfvorderteil in entsprechender Länge aufbauen und prima händeln. Das hintere Rumpfteil habe ich dann Stück um Stück angebaut. Als stabile Verbindung dienen vier Sperrholzteile die in entsprechende Nuten greifen und der durchgehende Rumpfboden. Dass so etwas natürlich nur auf einem ebenen Baubrett erfolgen darf ist selbstverständlich. So entstand an drei etwas längeren Abenden der Rumpf - komplett geklebt mit hochwertigem Holzleim-Express, Sekundenkleber hat bei dieser Bauweise nichts verloren. Modifiziert wurde lediglich der zusätzliche Einbau einer Serviceklappe vorne links, die - aus Übermut konstruiert - mit selbst gefrästen GFK-Scharnieren und einem Servo ferngesteuert öffnet und schließt. Ein Gimmick zum Angeben auf dem Flugplatz. In Eigenleistung ergänzt habe ich noch eine Rückwand und einen Zwischenboden des Cockpits. Der verdeckt später die RC-Einbauten und erlaubt einen vordbildgetreuen Ausbau mit Oberkörper-Pilotenpuppen

Der Rohbau des Rumpfes brachte nun 3.105 Gramm auf die Waage. Zu guter Letzt bekam die große GFK-Motorhaube einen Sperrholzspant eingeklebt, mit dem die ganze Einheit mit sechs Schrauben fast unsichtbar am Rumpf verschraubt wurde. Für den Motoreinbau setzt man bei Rödel bei fast allen Modellen auf ein System mit vier GFK-Rohren, auf die wiederum ein Motorspant passend zum jeweils verwendeten Motor geschoben und schließlich verharzt wird. Das hat sich bewährt und funktioniert auch bei der PA-18 hervorragend.

Die Tragflächen wurden in Holm-/Rippen-Bauweise aufgebaut - eigentlich Routine für einen erfahrenen Modellbauer, aber nicht ganz! Denn die Konstrukteure bei Rödelmodell haben sich einen Doppel-T-Holm ausgedacht, der mit wenig Gewicht eine unglaubliche Festigkeit bringt. Er besteht aus zwei genuteten Balsaleisten oben und unten. In die Nuten habe ich jeweils mehrere CFK-Rovings mit Harz getränkt eingelegt und anschließend den gefrästen Kammholm in die untere Nutleiste gedrückt, die Rippen eingesetzt und auf dem Bauplan ausgerichtet. Zu guter Letzt wurde noch die obere Nutleiste aufgedrückt - fertig. Alles Nass-in-Nass um eine optimale Verklebung zu erzielen. Dieser Aufbau wurde sowohl beim Haupt- wie auch beim Abschlussholm vor den Querrudern und Wölbklappen angewendet. Vor dem Einsetzen der Rippen empfiehlt es sich diese genau zu sortieren und bereitzulegen. Nur allzu leicht hat man nämlich zwei vertauscht und bei späteren Einbauten dann ein Problem. Beispielsweise bei den Servobrett- und/oder Strebenausfräsungen. Der Rest des Flügelbaus war dann wieder Routine: Beplankung mit Balsa, Streifen auf die Rippen und Sperrholzstreifen als Endleiste vor den Rudern. Auch die Querruder und Wölbklappen wurden so aufgebaut. Als Ergänzung legte ich hier in die dünn geschliffene Endleiste je einen mit Harz getränkten, 15 mm breiten Gewebestreifen 120 g/qm zischen die Beplankungen ein. Der verhindert wirkungsvoll einen Verzug der Ruder und übernimmt auch eine gewisse Stoßfestigkeit.

Highlight waren dann die großen Randbögen: Aus jeweils zehn Teilen aufgebaut, kam deren Aufbau einem 3D-Puzzle gleich. Zum Schluss habe ich sie mit zwei Zungen in die entsprechenden Ausschnitte der letzten beiden Tragflächenrippen geklebt. Dazu verwendete ich wieder einmal leicht aufquellenden PU-Leim.

Die Streben bestehen aus Kieferholzprofilen und werden an der Tragfläche mit großen Kugelköpfen an Klips und rumpfseitig mit einem Schnellverschluss an zwei Aluteilen befestigt -alles aus Metall und natürlich im Lieferumfang von Rödel dabei. So macht Modellbau wirklich Spaß. Dank der Kugelköpfe können die Streben am Flügel belassen werden, was die Aufbauzeit verkürzt.

Die Tragflächen wogen nun jeweils ziemlich genau 1.620 Gramm - ein sehr guter Wert, denn wir reden immerhin über zusammen 1,65 Quadratmeter Fläche (.die Tragflächen der "PA-18 vor elf Jahren wogen jeweils fast zwei Kilogramm). Damit war die Zeit gekommen, die Piper das erste Mal zusammenzustecken. Dank des 40-mm-Steckungrohrs waren dazu übrigens keine Streben notwendig. Sogar das Fliegen soll ohne Streben möglich sein, das Steckungsrohr sei stabil genug, sagen die Rödelmodell-Jungs (.aber das will ich nicht probieren). "Megasuperklassefantastisch" - dieser Rohbau der großen PA-18. Ich konnte mich für Stunden nicht sattsehen. Fehlte ja nicht mehr viel bis zur Fertigstellung.

Jeder Feinmechaniker hätte seine Freude an den Fahrwerken der Rödel-Piper: Während das Spornfahrwerk für sich bereits ein Vollmetallprodukt in Premiumausführung ist, werden die gefederten Hauptfahrwerke dieser Piper in mehre- ren Stunden Arbeit von Hand geschweißt und vormontiert. Mit 150 Millimeter großen Kavan-Rädern und den aus Balsaholz aufgebauten Verkleidungen der Fahrwerksschwingen wiegt es dann auch nur rund 800 Gramm. Ein hervorragender Wert, vor allem im Vergleich zu den 1,65 Kilogramm des Vollaluminiumhauptfahrwerks meiner PA-18 vor elf Jahren.

Nach genau vier Monaten des völlig entspann- ten Holzmodellbaus stand die PA-18 dann erstmals montiert auf ihren Rädern in der badischen Sonne. Komplett mit knapp über acht Kilogramm Rohbaugewicht - alles im grünen Bereich.

Bis zum nächsten Teil des Artikels - voraussichtlich in AUFWIND 4/2015 - gehts ans Bügeln mit "Oratex"-Folie und den Einbau der RC-Komponenten mit JR- und Emcotec-Produkten.

Philipp Gardemin


Knapp über acht Kilogramm wiegt das Modell, so wie es hier steht


Das große Leitwerk ist mehrschichtig und recht aufwändig gebaut


Der aus zehn Teilen bestehende Randbogen ist ein sehr markantes Bauteil


Die Tragflächen sind klassisch aufgebaut mit großflächigen Balsabeplankungen


Auch der Rumpfaufbau ist zweckmäßig, gut durchdacht und absolut stabil


Das Fahrwerk ist voll gefedert, die Räder haben 150 Millimeter Durchmesser


Der Kernaufbau der Leitwerke besteht aus 11-mm-Sandwichmaterial


Beidseitig beplankt werden die Leitwerke mit 1,5-mm-Balsa


Die Frästeile des Bausatzes - hier für den Rumpf - sind von sehr guter Qualität


Das Spornfahrwerk ist eine wahre Pracht und zudem sehr robust


Das Rumpfvorderteil wurde separat aufgebaut


Die Verbindung zum Rumpfhinterteil wird durch vier Sperrholzlaschen hergestellt


Das Rumpfvorderteil wurde mit Halbspanten, Leisten und einer doppelten Beplankung aufgebaut


Der Hauptholm in seinen Einzelteilen: Nutleisten, CFK-Rovings und der gefräste Kammholm


Ein Blick in den Tragflächenaufbau, hier mit Servohalterung und Strebenbefestigung


Die Randbögen wurden mit jeweils zwei Laschen eingesteckt und verklebt


Das Hauptfahrwerk wird in Handarbeit von Rödel gefertigt


Die Verkleidung der Schwingen besteht aus Nasen- und Endleisten sowie beidseitiger Beplankung


Ein Traum in Holz



Hier geht es zur Artikel-Übersicht

Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 3/2015

Das komplette Inhaltsverzeichnis 3/2015
Zur Heftbestellung bitte hier entlang.

©AUFWIND 2015