TEST

Wider dem Schaum

Der "L-Spatz" von Robbe


Sieht aus wie ein "Spatz" und ist auch einer

Nachdem nun auch über zwei Meter große und mehr oder minder vorbildgetreue Segelflugmodelle in die Kreise sogenannter Schaumwaffeln aufgenommen wurden, erscheint es als Glücksfall, dass Robbe den 2,5 Meter großen L-Spatz in bespannter Holzbauweise vorgestellt hat.

Bereits vor vier Jahren stellte Robbe eine 1:4-Version (3,75 Meter) des Scheibe-Klassikers vor. Die neue 1:6-Version macht den gleichen guten Eindruck wie schon der große Bruder. Robbe bietet aber nicht nur das ARF-Modell an: Optional gibt es ein Elektronikpaket mit hochwertigen Servos und Verlängerungskabeln sowie passende Flächenschutztaschen.

Schon die Bauanleitung lässt mit vielen Fotos und Einstellwerten keine Wünsche offen - wie auch der Rest des Modells. In dem Originalkarton lässt sich der komplette "L-Spatz" noch sicher transportieren. Das Modell ist in Holzbau- weise aus gelasertem Balsa fix und fertig erstellt. Mit elfenbeinfarbener Gewebefolie bebügelt und auch die blauen Applikationen sind ab Werk aufgebracht. Ein Nachbügeln war bei meinem Exemplar nicht erforderlich. Alle Kleinteile waren vorhanden, selbst die Schleppkupplung. Zwar nicht, wie im Internet geschrieben schon eingebaut, aber jedenfalls beiliegend. Die Fläche wird mit einem 8-mm-Kohlestab gesteckt, der sich auch später noch als absolut flugtüchtig erwies. Es blieb also nicht viel zu tun. Lediglich Servos einbauen, Ruder anlenken, Empfänger und Akku positionieren, alles einstellen und das Modell auswiegen.

Alle Servos bis 13 mm Größe passen in den "L-Spatz". Die guten Digitalservos aus dem Elektronikpaket sind zwar allererste Wahl, aber ich hatte noch "Tiny MG" von Multiplex in der Schublade liegen. Leider müssen die Verlängerungskabel der Querruderservos gelötet werden, da die Ausfräsungen in den Rippen zu klein zum Durchziehen von Stecker/Buchse sind. Die Querruderservos werden mit 5-Min.-Epoxy und Baumwollflocken an den Deckel geklebt. Dann die Kabel durchziehen, den Deckel festschrauben und die Ruder anlenken - Tragfläche fertig. Beim Höhenruder musste ich beide Ruderhälften noch über den Stahldraht verbinden und die Vliesscharniere - wie auch bei allen anderen Rudern - festkleben und noch das Ruderhorn einharzen. Ebenso flott ging es beim Seitenruder voran.

Im Rumpf waren bereits Bowdenzug-Außenrohre verklebt. Die Anlenkung erfolgt über 1,5-mm-Stahldraht. Die einseitige Kröpfung soll zum Ruder. Das war mir aber zu umständlich. Ich will nämlich das Höhenleitwerk abnehmen können. Somit wurde die Kröpfung in den Rumpf verlegt. Gut, dass die Schleppkupplung noch nicht eingeklebt war, denn so ließen sich die Gestänge durch die Öffnung von der Rumpfnase aus einführen. Dann: Hinten einen Gabelkopf für das Höhenruder und das Kugelgelenk für das Seitenruder anschließen und vorne die Servos einbauen. Jedoch erst, nachdem die Schleppkupp- lung mit montiertem Kugelgelenk eingesteckt und verharzt wurde. Wer will, kann noch die seitlichen Fenster ausschneiden und die beiliegenden Tiefziehteilen einsetzen. Das sieht sehr gut aus. Zum Schluss kommen dann Schalter, Empfänger und Empfängerakku. Da ich keine HV-Servos verwende, war noch eine Spannungsreduzierung des 2s-LiPo mit 2,4 Amperestunden notwendig. Das übernimmt in meinem Modell der Powerbox-Spannungsregler. So war der kleine "L-Spatz" bereits nach vier Stunden komplett. Noch knapp 150 Gramm Blei mussten in die Nase um den angegeben Schwerpunkt zu erreichen.

Zum Erstflug ging es an den Elektroschlepper von "Cara EM" von André Scholz. Schön brav hob der "L-Spatz" nach wenigen Metern ab und hielt sich mustergültig hinter dem Schlepper. In 150 Metern ausgeklinkt, schon düste der kleine Segler recht flott durch die Gegend. Die Höhenrudertrimmung zog ich bis an den Anschlag, damit war der "Spatz" schön langsam. Gegenüber der Katalogangabe habe ich die Querruder erheblich mehr differenziert, dennoch schob der Segler etwas und verlangte in Kurven Seitenruder. Aber nur minimal, sonst dreht er zu schnell rum. Hier erwies sich ein starkes Expo von Vorteil. Denn bei Vollausschlag lassen sich mit dem "L-Spatz" wunderschöne Turns fliegen: Etwas anstechen, ziehen und zum Schluss das Seitenruder rein. Sofort kommt das Heck rum, das klappt richtig schön zackig.

Doch was kann der Kleine sonst noch? Leichten Kunstflug allemal, mit Rollen, Rückenflug und Looping. Dabei muss das Modell auch nur kurz angedrückt werden und nimmt dann sofort Fahrt auf. Überhaupt ist der Geschwindigkeitsbereich recht groß, das hätte ich nicht vermutet. Somit lässt sich der "L-Spatz" bei Wind auch am Hang einsetzen, allerdings ist die Konstruktion nicht für ruppige Landungen ausgelegt.

Kann er auch Thermik? Selbstverständlich, und das sogar richtig gut! Das ist die Domäne des "L-Spatz". Er hat ein sehr geringes Eigensinken, bleibt somit recht lange oben und zeigt auch Thermik schnell an. Am ersten Tag habe ich ohne Thermikeinfluss aus 200 Meter Höhe mehr- mals zehn Minuten Flugzeit erreicht. Durch das geringe Gewicht lässt sich der Segler eng kreisen, mit etwas mehr Seitenruder auch recht flach.

Zur Landung empfiehlt Robbe die Querruder hochzustellen. Das funktioniert, der "L-Spatz" sinkt dann schon etwas besser. Auch ohne Tiefenruder bleibt er auf Linie, bäumt sich nicht auf und lässt sich dann punktgenau landen.

Kurzum: Der "L-Spatz 55" von Robbe ist ein prima gemachtes Modell. Es ist an einem Vormittag erstellt, verhält sich kreuzbrav in der Luft und weist ein erstaunlich breites Geschwindigkeitsrepertoire auf. Ein guter Segler für schwache und auch mittlere Windstärken, der auch noch richtig nach Flugzeug aussieht.
Herbert W. Locklair


Fakten

"L-Spatz" von Robbe
Ein vorbildgetreuer Kleinsegler

Spannweite: 2.501 mm
Länge: 1.040 mm
Gewicht: 1.150 g
Fläche: 30,5 qdm
Flächenbelastung: 37,7 g/qdm
Profil: E-205 mod.
Ruderausschläge:
Querruder: -15/+6 mm
Höhenruder: +/-10 mm
Seitenruder: l/r 45 mm
Butterfly:
Querruder: -15 mm
Höhenruder: neutral
Preis: 229,90 Euro
Bezug im Fachhandel
www.robbe.de


Bis auf die RC-Anlage komplett und in ausgezeichneter Qualität


Sauber bebügelt und die Verdrehstifte eingebaut - viel war nicht mehr an der Tragfläche zu tun


Das Spantengerippe des Rumpfs ist eine wunderschöne Holzarbeit


Die Schleppkupplung gehört zum Lieferumfang


Kurz vorm Erstflug an historischer Stätte, dem alten Segelfluggelände "Vahrenheide" bei Hannover


Sauber lässt sich der "L-Spatz 55" im F-Schlepp nach oben ziehen


Endlich mal wieder ein richtiges Flugzeug in der 2,5-Meter-Klasse


Ein sauberer Kurvenflug bedingt Seitenruder, aber nur minimal


Hochgestellte Querruder bauen Höhe ab



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