TEST

Der Tscheche

Der "Blanik" von Hacker Model

Dem Hangfliegen haftet der Ruf an, eine besondere Belastung für die Modelle darzustellen. Mit wertvollen GFK-Modellen stößt man da schnell an physische und psychische Grenzen. Abhilfe schaffen will der tschechische Hersteller Hacker mit einer kleinen Serie vorbildähnlicher Modelle in der unternehmenstypischen EPP-Bauweise. Philipp Gardemin hat das handliche Modell getestet.

Zwei Meter Spannweite, Seiten-, Höhen-, Querruder und geteilte Tragflächen- das sind alles Zutaten für ein wohl extrem einfach zu bauendes und zu händelndes Segelflugmodell. Dieses Modellkonzept von Karel Hacker und seinem Team hatte mich spontan beim ersten Zusammentreffen begeistert. Wahrscheinlich genau das Richtige für die Nordostwindlagen an meinem kleinen Althof-Hang, nur wenige Kilometer hinter meinem Haus.

Angeboten werden "Blanik", "Lunak", "Fox", "Fox Pinocchio" und "Swift", jeweils erhältlich in verschiedenen Farben und Ausstattungen, bis hin zu Komplettsets mit Elektroantrieb. Allen Modellen gleicht die Bauweise: So bestehen alle Teile aus geschnittenen und farbig bedruckten EPP-Teilen. Die Tragflächen mit ihren großen und angeschlagenen Querrudern sind zudem in eine dünne transparente Folie eingeschrumpft, was die Gleitleistung der Modelle und die Oberflächenfestigkeit enorm verbessert. Außerdem liegen jedem Modell diverse gefräste Sperrholzteile, zahleiche Kohlestäbe zur Versteifung von Rumpf und Leitwerken, eine tiefgezogene Kabinenhaube aus schwarzem ABS und Kleinteile wie beispielsweise Anlenkungen, Landerad und Sporn bei.

Bau und Fertigstellung waren mit dick- und dünnflüssigem Sekundenkleber sowie Aktivator-Spray eine Sache von wenigen Stunden. Alle Bauschritte und Konstruktionsdetails sind prima durchdacht und die bebilderte Anleitung in englischer Sprache ist aufschlussreich genug, um problemlos zum Ziel zu kommen. Eine tolle Idee auch die Steckung und Sicherung der geteilten Tragflächen: Eine Sperrholzeinheit aus mehreren Teilen wird im Rumpf verklebt. Die nimmt nicht nur den Rundstahl auf, sondern bietet auch entsprechenden Platz zum Einkleben von JR-Buchsen und verfügt über eine senkrechte Steck- sicherung, mit der die Flügel am Rumpf gehalten werden. Der ganze Aufbau des Modells auf dem Flugplatz ist damit ohne Werkzeug zu schultern. Auch die Kabinenhaube wird mit vier Steckclips gehalten - was sich trotz anfänglicher Skepsis meinerseits durchaus bewährt hat.

Vier 9-Gramm-Servos, ein kleiner Empfänger und ein vierzelliger NiMh-Empfängerakku mit circa 600 Milliamperestunden - mehr braucht es RC-seitig nicht. Ein großes Servobrett wird vollflächig innerhalb der Kabinenhaube auf den Schaum geklebt. Hier werden die Servos eingeschraubt, der Empfänger mit Klettband gesichert und der Akku eingesteckt. Im Falle der "Blanik" ließ sich damit auch der Schwerpunkt passgenau einstellen. Zunächst noch von mir montierte 35 Gramm Angstblei kamen später wieder raus.

Nur 815 Gramm brachte der kleine Schönling auf die Waage. Am nächsten Tag dann blies der kalte Nordostwind genau auf meinen Althof-Hang und nun sollte der "BLanik" zeigen, ob er meine Erwartungen erfüllen konnte.

Mit einem kleinen Schubs ging es in den Wind. Das Modell blieb quasi direkt vor mir stehen und stieg einfach senkrecht hoch. Mit sanften Querruderausschlägen konnte es gerade gehalten werden. Zum Vorwärtsfliegen musste ich dann entschieden Tief drücken, doch dann ging es auch vorwärts. Die Ruder kamen direkt und vermittelten mir eine hohe Wendigkeit. Eine schnelle Rolle linksherum und eine schnelle Rolle rechtsherum bestätigten den ersten Eindruck. Mit deutlichem Tiefentrimm ließ sich der "Blanik" dann auch recht dynamisch herumfliegen. Grenzen setzen natürlich das geringe Gewicht und die Schaumbauweise. Rumpf und Leitwerke haben ja die etwas raue Oberfläche behalten Das Flugbild konnte begeistern, die Wendigkeit sowieso und der Flugspaß nahm mit jeder Flugminute zu. Es machte irre Freude, das Modell in Tiefflügen die Hangkante entlang zu scheuchen - immer und immer wieder. Auch die erste Landung war problemlos: Zum Höhe abbauen musste ich einfach runter drücken und dann auf der Wiese aufsetzen. Der "Blanik" ist robust genug, um das alles wegzustecken. Genau so sollte es sein und ich hatte auch keine anderen Erwartungen.

Ein anderer Flugtag bei deutlich weniger Wind. Ob sich der kleine Tscheche auch als Floater bewähren würde? Er tat es: Ohne Tiefentrimm ließ sich das Modell sanft herumsegeln. Eine gewisse Grundgeschwindigkeit musste natürlich beibehalten werden, sonst quittierte der "Blanik" das mit einem bösen Durchsacker - die Physik lässt sich eben nicht einfach überlisten. Großartige Kunstflugeinlagen sind bei Schwachwindwetterlagen natürlich nicht drin, dafür aber lässt sich das Flugbild genießen und der Pilot kann mit schönen Flügen entschleunigen.

Kurzum: Das Konzept geht auf, das Modell ist robust und sieht gut aus. Genau so etwas wollte ich haben, um auch mal spontan an den Hang zu gehen und einfach Spaß zu haben.

Philipp Gardemin
Fotos: Pascal Fempel, Philipp Gardemin


Fakten


"Blanik" von Hacker Model
Ein attraktives EPP-Hangflugmodell

Spannweite: 2.000 mm
Länge: 1.060 mm
Gewicht: xxx g
Fläche: xx qdm
Flächenbelastung: xx,x g/qdm
Preis: ab 140,- Euro
Bezug bei Hacker Model
Tel.: +420/313/564381
www.hacker-model.com


Zahlreiche gelaserte Sperrholzteile liegen zum Ausbau des Modells bei

Das große Servobrett wurde mit etwas Schaumkleber aufgeklebt

Das Tragflächenmittelteil nimmt Steckung und Sicherung auf. Gut erkennbar die Folierung der Tragfläche

Die Leitwerke werden gesteckt und geklebt, die Ruder sind fertig anscharniert

Der "Blanik" ist ein attraktives und handliches Modell, ideal zum Einsatz auch an kleinen Hängen

Mit einem sportlichen Schubs geht es in den Hangaufwind

Weitgezogene Kurven vor dem Hang lassen das Flugbild des Modells zur Geltung kommen

Die Segelflugeigenschaften sind tadellos, das geringe Gewicht setzt der Dynamik natürliche Grenzen

Die vorgepfeilten Tragflächen und die Randbogenscheiben geben dem Modell eine gewisse Vorbildtreue



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