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F5J im Alltag

Der "Klapperstorch 2" von Thiele mit Elektroantrieb

Es sind die vielen Kleinhersteller die unser schönes Hobby mit immer neuen Ideen und mitunter auch außergewöhnlichen Modellen bereichern. Einer von ihnen ist Claus Thiele in Großnaundorf nahe Dresden. Stellvertretend für seine Modelle stellt Thomas Ladach hier den "Klapperstorch 2" vor.

Vor drei Jahren stellte Claus Thiele die weiterentwickelte Variante des bewährten "Klapperstorch" vor. Dabei galt es die Kreisflugeigen- schaften zu verbessern, die Stabilität um die Querachse zu erhöhen und nicht zuletzt herstellungstechnisch einiges zu erleichtern. Dabei ist der "Klapperstorch" kein Anfängermodell! Die Fertigstellung des gelieferten Modells beschränkt sich im Wesentlichen auf die Verklebung des Leitwerkträgers, den Einbau der Gestänge, die Montage des Antriebs und auf den Einbau der RC-Anlage. Das Rumpfboot besteht aus GFK, die Antennen können also im Rumpf verlegt werden. Das Abfluggewicht der Elektrovariante mit einem 3s-LiPo 1.800 Milliamperestunden steigt gerade einmal um 130 Gramm. Damit gewinnt der "Klapperstorch" im 25-Grad-Steigwinkel gemächlich an Höhe und kann zielgerichtet in die Thermik gesteuert werden. Der Motorspant ist passend für das von Claus Thiele empfohlene Antriebsset eingeklebt.

Geliefert werden ein sehr leicht gebauter und dreiteiliger Sechs-Klappenflügel, Holz/GFK-Flächenverbinder, ein zweiteiliges V-Leitwerk, das GFK-Rumpfboot und die CFK-Rumpfröhre. Tragflächenteile und Leitwerke sind zudem mit "Oralight" bebügelt, auch liegen Gestänge, Steckver- binder und Kleinteile dem Modell bei. Als allererstes kramte ich meine kleine Digitalwaage hervor und unterzog die Einzelteile des Modells einer genauen Gewichtsbestimmung:

Rumpfboot vorne (GFK): 174 g
Rumpfrohr hinten (CFK): 69 g
V-Leitwerk komplett: 28 g
Tragfläche Mittelteil:1 208 g
Tragfläche Links: 131 g
Tragfläche Rechts: 125 g
Flächenohren komplett: 22 g
Kleinteile: 86 g

Insgesamt also 843 Gramm - ein hervorragender Wert für ein Modell dieser Größe.

Begonnen habe ich mit dem V-Leitwerk, das lediglich auf das Rumpfrohr gesteckt werden musste. Die Anlenkung der Pendelleitwerke erfolgte dann mit den beiliegenden Schubstangen aus Balsa und jeweiligem Abschluss auf Drahtgestänge und Gabelkopf. Die Servos dazu wurden im Rumpfboot im Servobrett befestigt, bezieh-ungsweise auf diesem in die vorgefertigte Aufnahme geschoben und fixiert - gut durchdacht und gelöst. Ich entschied mich für die Graupner-"DES-488", die gut in die entsprechenden Ausschnitte passten.

Als Elektroantrieb wählte ich den Graupner-"Compact 345z" und eine Klappluftschraube 9 x 5 Zoll mit 38-mm-Spinner. Den schon vom Hersteller eingebauten Motorspant musste ich aber leider entfernen und durch einen zu meinem Motor passenden ersetzen. Die von Claus Thiele umgesetzte Idee mit der rückseitigen Befestigung des Motors ist sehr gut, passte aber für meinen Antrieb nicht ganz.

Bei den Tragflächen war der Aufwand etwas höher. Zunächst habe ich den Kabelbaum gefertigt und in die Tragfläche eingelegt. Für die Buchsen und Stecker der Steckverbindungen zwischen den Tragflächenteilen und dem Rumpf zur Tragfläche wurden die benötigten Ausschnitte mit dem Fräser erledigt. Der 15-polige Stecker für das Tragflächenmittelteil wurde in der Tragfläche verklebt, während die Buchse im Rumpf locker lag. Die Servos (Corona-"DS-239MG") wurden in die vorgesehenen Rahmen geschraubt und mit beiliegenden Gabelköpfen auf 2-mm-Gewindestab angebracht. In meinem Fall war der Umgang mit den Tragflächenteilen etwas gewöhnungsbedürftig, ist doch alles sehr leicht und überaus druckempfindlich aufgebaut! Hier hat man sehr schnell etwas eingedrückt oder beschädigt, bei mir war das zumindest der Fall. Das soll aber nicht als Kritik am Hersteller verstanden werden, nur als Hinweis, dass absolute Sorgfalt geboten ist. Die Steckungen der Tragflächenteile passten soweit mit etwas Nachbearbeitung, dann habe ich noch die Servoabdeckungen etwas nachgebügelt und aufgeklebt. Somit war dann auch das mit der Tragfläche in den vielzitierten trockenen Tüchern!

Nach ein paar ruhigen Abenden im Bastelkeller war das Modell fertiggestellt. Besondere Werkzeuge oder Zubehörteile habe ich nicht benötigt - da hat sicherlich jeder seinen eigene Standard. Alle Teile passten ohne Nacharbeit sofort zusammen und sind, um dies nochmals zu betonen, schnell und einfach austauschbar, beziehungsweise prima zu reparieren, sollte es mal zu einem Crash kommen. Das Modell gehört in seiner Klasse zu den Leichtgewichten.

Mein Modell wog nun 1.350 Gramm, wobei hier mit dem Antriebsakku und dem Antrieb nebst Regler sicherlich als Gewichtsvariable experimentiert werden kann. Mit den Einstellungen aus dem Datenblatt und etwas Beimischung eigener Erfahrungen aus der F3J/F5J-Wettbewerbsfliegerei wurde das Modell eingestellt und auf den Sender programmiert. Dann der erste Start aus der Hand, das Modell zog wie auf Schie- nen davon - kraftvoll und absolut sicher stieg es mit der von mir gewählten Motor/Regler-Combo und dem 2s-LiPo 2.200 Milliamperestunden auf Höhe und segelte nach dem Ausschalten des Motors sofort wie erwartet. Die angegebenen Ruderausschläge und vor allem der Schwerpunkt konnten bedenkenlos übernommen werden. Bei den von mir geänderten und vergrößer- ten Wölbklappen-Ausschlägen (Butterfly) zeigte sich ein geringes Aufbäu- men des Modells, das jedoch durch Beimischen des Tiefenruders sofort neutralisiert wurde. Schwammig wird es mit dem Modell nur, wenn der Schwerpunkt in Richtung Hecklastigkeit justiert wird. Dann ist das Modell nicht schön zu fliegen. Ebenso bei Kopflastigkeit, dann schiebt das Modell unwillig um die Kurven und ein Beisteuern mit viel Seitenruder wird notwendig. Also: Werte laut beiliegendem Einstellwerteblatt justieren und alles geht gut!

Mit Aktivieren der Thermikstellung als Flugphase wurde das Modell merklich langsam und war relativ eng mit dem Seitenruder zu bewegen. Zusätzlich habe ich eine Startstellung programmiert - aber da hat wohl jeder Pilot seine eigenen Vorstellungen und natürlich Erfahrungen.

Thomas Ladach
Fotos: Thomas und Oliver Ladach


Fakten

"Klapperstorch 2" von Thiele
Ein Leichtgewicht unter den Elektroseglern

Spannweite: 3.200 mm
Länge: 1.550 mm
Gewicht: 1.350 g
Fläche: 62 qdm
Flächenbelastung: 21,8 g/qdm
Preis: 330,- Euro
Bezug bei Claus Thiele Modellbau
Tel.: 035955/43269
www.modellbau-thiele.de


Rumpfteile mit Kabinenhaube. Das vordere Rumpfboot ist aus GFK, die hintere Rumpfröhre aus CFK

Die Pendelleitwerke und ihre Anlenkung. Die Ausführung hat sich im Alltagsbetrieb bewährt

Gut durchdacht passt alles rein. Die Antennen wurden trotz GFK-Boot nach außen geführt

Bewährtes muss man nicht neu erfinden, hier die Anlenkung der Klappen

Von der Auslegung her ein konventionell aufgebautes F5J-Modell

Motor ein: nach einem gemütlichen Überflug, geht es sogleich zügig nach oben



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