TECHNIK

Genial vielfältig

Der neue "Wingstabi" von Multiplex


Flotter Dreier: Wingstabi RX 9 DR mit 9K-Empfänger, Wingstabi 9 und das Bluetooth-Modul

Beim Hubschrauber nicht wegzudenken, haben nun auch die Flächenflieger die Vorzüge des Kreisels für sich entdeckt. Die Bandbreite der angebotenen Produkte ist enorm. Bei Multiplex ist man das Thema auf ganz eigenem Wege angegangen, Herbert Locklair hat sich das angeschaut.

Guter Brauch bei Multiplex ist, auf einer der großen Modellbaumessen auch immer eine Neuheit vorzustellen. So war es im vergangenen Jahr die ProWing-Süd in Lahr, auf der ein neuer Gyro vorgestellt wurde - "Wingstabi" genannt. Vier verschiedene Ausführungen sind erhältlich, zwei davon mit eingebautem, Telemetrie fähigen Dual-Receiver-M-Link Empfänger. Jede Art dabei als 7- oder 9-Kanal-Version. Die Wingstabi ohne Empfänger sind für fast jede Fernsteuerungsmarke geeignet. Angesteuert werden sie über den Digital-Ausgang (serieller Bus) des Empfängers.

Geliefert werden kann der in edlem Alugehäuse untergebrachte Gyro, mit oder ohne Empfänger, Klebepads zum Befestigen, USB-Kabel und bei der reinen Gyroversion auch noch mit Patchkabel. Alle im Modell befindlichen Servos können an den Wingstabi angeschlossen werden, auch die, die nicht über die Stabilisierungsfunktion angesteuert werden. Allerdings ist ein Mix-Betrieb genauso möglich. Durch die besondere Art des Wingstabi, kann ich somit auch mit einem 7-Kanal-Sender bis zu neun Servos steuern, ohne Y-Kabel. Es reicht ein Kabel vom Empfänger zum Wingstabi.

Eingestellt wird der Wingstabi am PC (Windows), über das Android- oder iOs-Smartphone oder -Tablet. Was aus meiner Sicht aber dazu gehört, ist der Bluetooth-Adapter. Letzterer ist für mich absolutes Muss, da er die kabellose Übertragung der Einstellungen ermöglicht. Ich kann bequem im Stuhl hinter dem Modell sitzen und alle Einstellungen gleich an den Rudern nachvollziehen. Nach dem Wingstabi werden auch sukzessive andere Produkte damit kommunizieren können.

Die Gewohnheiten bei der Programmierung eines neuen Modells müssen jetzt etwas geändert werden. Warum? Erst einmal ist für jede Steuerfunktion (Quer, Seite, Höhe, Störklappen) nur ein Ausgang senderseitig einzustellen, auch wenn zum Beispiel zwei Querruderservos vorhanden sind. Es lassen sich alle Ein- und Ausgangskanäle frei zuordnen. Auch die Laufrich- tung und der Weg jedes einzelnen Servos können - und sollten - am Wingstabi eingestellt werden. Wie allen anderen Gyros darf auch dem Wingstabi gesagt werden, ob es sich um ein Delta, V-Leitwerk oder normales Flugmodell handelt. Die Mischer werden dann automatisch gesetzt. Die einzelnen Wege und deren Umkehr werden am Wingstabi eingestellt. Das können andere auch. Aber auch noch Wölbklappen, Störklappenzumischung dort einzustellen, Butterflyfunktion mischen und gegebenenfalls Höhe auf Querruder (Snapflap) - das ist echt neu! Genauso wird die Querruderdifferenzierung am Wingstabi eingestellt. Werden vier Servos für die Querruder eingesetzt? Kein Problem!

Auf eines sollte man achten: Die Steuerbefehle des Senders sind auf circa 90 Prozent zu begrenzen, da sonst am Knüppel in den Endstellungen Totgang herrscht. Hier hilft aber auch die Senderkalibrierung des MPX-Launcher, mit dessen Hilfe alle Einstellungen vorgenommen werden. Was mir dagegen nicht gefallen hat, ist die voreingestellte Begrenzung der Servowege auf knapp 70 Prozent des normalen Servoweges, auch dass hier die zwar technisch korrekte Anzeige Mikro-Sekunden erfolgt - die aber kaum einer versteht. Alle Sender aber geben den Servoweg in +/-100 Prozent des Weges an. Das sollte hier auch der Fall sein, andere Skalierungen sind von 0-255. Ein einheitlicher Standard wäre wünschenswert.

Insgesamt werden vier mögliche Flugphasen (Stabilisierungsstufen) angeboten. Darunter ist auch eine ohne Stabilisierung, schließlich will ich auch im ausgeschalteten Zustand fliegen. Alle vier Stufen lassen sich vom Piloten individuell festlegen. Voreingestellt sind: keine Stabilisier-ung, normale Stabilisierung (Windausschalten), leichter Headingmodus, extremer Headingmodus. Wer will kann auch noch die Klappen-/Spoilersteuerung für jede Flugphase einstellen. Die ersten drei sind dabei über einen Dreistufenschalter abrufbar, die vierte muss bei Wunsch gesondert aktiviert werden. Das alles wird für jedes unterstützte Fernsteuersystem angeboten. MPX-Piloten werden noch die Einstellwerte im Telemetriesystem angezeigt. Profi-TX-Piloten erhalten sogar eine Vorzugsbehandlung. Aus den Screenshots hier im Artikel sind einige der Möglichkeiten erkennbar.

Bei aller Vielfalt hat man aber auch den leichten Einstieg nicht vergessen. Ein Assistent hilft beim problemlosen Ersteinstellen, so kann man bereits nach circa 15 Minuten an den Start ge-hen. Weiterhin will man bei Multiplex in der Praxis erprobte Einstellungen an den Modellflieger weitergeben. Kurz vor Weihnachten erschien die Einstellung für den "Parkmaster Pro". Das heißt: drauf klicken, dem Assistenten folgen und alles stimmt automatisch! Weitere Modellvorlagen werden folgen, auch solche für Segler.

Das war´s für die Kurzvorstellung, die durch die vielen Möglichkeiten doch recht lang ausfiel, aber die Vielfalt des Wingstabi ist enorm und sprengt alles bisher Bekannte. Wie sich das dann alles im Fluge auswirkt, sowohl Motor- als auch Segelflugmodell, das wird im Laufe der Saison ausgiebig getestet und hier in AUFWIND vorgestellt.

Herbert Locklair


Wingstabi, Klebepads, USB-Adapter und Patchkabel - der Lieferumfang auf einen Blick

Der Wingstabi wird mit einem Patchkabel am Digitalausgang des Empfängers angeschlossen

Die Platine(n) von oben: Links die mit der zusätzlichen Platine ausgestattete Wingstabi/Doppelreceiver-Version (RX 9 DR)

USB-Adapter oder Bluetooth-Modul anschließen und der Wingstabi begrüßt uns mit den vier Einstellmöglichkeiten

Zurzeit ist unter Modellvorlage schon der ParkMaster Pro auszuwählen, weitere Modelle kommen

Der Assistent führt uns schrittweise durchs Einstellen: Mit welchem Kanal was gesteuert wird, .

. ob das Servo sich richtig bewegt, .

. wie der Wingstabi eingebaut ist .

.ob die Wirkrichtung des Gyro beim Bewegen des Modells richtig herum erfolgt

Die manuelle Einstellung hat recht viele Möglichkeiten. In der Menüzeile sucht man sich bestimmte Einstellungen aus

Der Wingstabi kommt mit allen üblichen Fernsteuerungen klar, welche, muss ihm gesagt werden. Bei MPX-Fernsteuerungen können auch die Einstellwerte über Telemetrie angezeigt werden. Welcher senderseitig zugeordnete Kanal was steuern soll, wird hier ebenfalls eingestellt

Nur für die Profi-TX gibt es verschieden Anzeigemöglichkeiten per Telemetrie

Nicht nur der Modelltyp kann ausgewählt werden, auch zusätzliche Mischfunktionen wie Butterfly oder Klappen. Zeigt die Maus auf eine Einstellung, erscheint ein Fenster mit der Erläuterung

Jedes Servo kann von der Drehrichtung, den Endeinstellungen und der Mittelage heraus programmiert werden, außerdem die Fail-Safe-Position

Für alle vier Flugzustände lassen sich nicht nur die Basisregler einstellen. Zustand 1 ist der unstabilisierte Zustand

Für jede Flugphase lassen sich Grundeinstellungen der Stabilisierung mit einem Klick herstellen

Wird von der Basis in die erweiterte (Experten) Einstellung gegangen, gibt es noch mehr Möglichkeiten. Wer hier zwischen den einzelnen Flugphasen hin- und herschaltet, kann etwas tiefer in die Geheimnisse eintauchen, die Erläuterungen sind leider nur rudimentär

Soll Totgang in den Knüppelendstellungen vermieden werden, ist hier die Senderkalibrierung zu beachten

Vom Smartphone oder Tablet sind sämtliche Einstellungen genauso machbar. Sie haben bei den Rudereinstellungen sogar den Vorteil, dass ich live alles sehe und nicht erst übertragen muss



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Diesen Beitrag und noch viel mehr finden Sie in AUFWIND Ausgabe 3/2016

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