TECHNIK

Exot am Himmel

Ein "Sokol" im Eigenbau


Brane Volk ist zu Recht stolz auf sein ausgezeichnetes Modell

In der Nachkriegszeit war Jugoslawien eines der führenden Länder in Konstruktion und Bau von Segelflugzeugen. Die "Sokol" gehört zu den bekanntesten Konstruktionen. Uros Sostaric berichtet über einen Eigenbau in Slowenien.

Die "Sokol" wurde 1947 in der Flugzeugfabrik Utva in Pancevo bei Belgrad gebaut, nach Plänen des slowenischen Architekten Ivo Sostaric aus Maribor. Die komplexe Holzkonstruktion war für damalige Zeiten sehr schwierig umzusetzen - mit ein Grund dafür, dass nur ein einziges Exemplar dieses Segelflugzeuges gebaut wurde. Konzipiert wurde der "Sokol" mit 15,2 Metern Spannweite für den Segelkunstflug und konnte alle seinerzeit aktuellen Figuren fliegen.

Willkommen im Heute: Brane Volk ist ein in Slowenien sehr bekannter Modellbauer, insbesondere durch seine Eigenkonstruktionen. Nach dem Bau einer "Minimoa" mit fünf Metern Spannweite war er nun auf der Suche nach etwas Neuem. Ein Flugzeug der slowenischen Luftfahrtgeschichte musste es sein. Nach einiger Überlegung kam er auf den "Sokol". In punkto Design und Konstruktion eine anspruchsvolle Herausforderung für Brane Volk und seinen Freund Rastko Kos, der sich vor allem um Statik und Aerodynamik gekümmert hat. Für den "Sokol" wurde der eher ungewöhnliche Maßstab von 1:2,53 gewählt. So kommt das Modell auf eine Spannweite von sechs Metern - was dem Wunsch von Brane Volk entspricht.

Als Grundlage für die Konstruktion eines Modells sind Pläne des Originals immer willkommen. Doch für den "Sokol" gab es nur ein paar Archivfotos sowie eine nicht sehr genaue Dreiseitenansicht von Anton Pavlovcic. So galt es, eine Menge Improvisation bei Planung und Zeichnung anzuwenden - insbesondere was die charakteristische V-Form und die Anstellwinkel betrifft. Profile und Einstellwinkeldifferenz wurden nach eigener Erfahrung realisiert. Die aerodynamische Berechnung entstand mit dem Programm XFLR. Das ausgewählte "HQ-Acro"-Flügelprofil stammt von Dr. Helmut Quabeck.

In vielen Stunden Arbeit konnte Rasto Kos das Modell am Bildschirm konstruieren und die Teile ausfräsen. Die meisten Teile entstanden aus 3-mm-Pappelsperrholz sowie Tekstolit und Vitroplasta in unterschiedlichen Dicken.

Als besonders anspruchsvoll gilt der Aufbau des Rumpfes, der durch seine komplexen Formen sehr schwierig aufzubauen ist. Insbesondere die Längsgurte müssen in viele Richtungen gebogen werden. Selbst mit Basaleisten war dies nicht bruchfrei möglich. Auch durften die Spannungen nicht zu stark sein. Rastko Kos schlug deshalb vor, die Kieferleisten, aus mehreren Schichten einzukleben, bis das Endmaß von 10 x 8 Millimetern erreicht war. Diese Leimbinder brachten viel Festigkeit ohne nennenswerte Spannungen mit.

Noch während der Bauphase wurde eine größere CNC-Fräse gebaut, um somit auch die Rippen für Tragfläche und Höhenleitwerk herstellen zu können. Die Tragfläche ist vierteilig ausgeführt und wird mit CFK-beschichteten Bajonetten verbunden, die wiederum in Führungen aus Vitroplast gelagert sind. Eine weitere Besonderheit der Tragflächen des "Sokol" sind die elliptischen Randbögen. Für deren Aufbau wurden dreidimensionale Formen aus Styrodur gefräst. Ebenso 3D-gefräst wurden die Nasenleisten, um die genaue Profilierung zu erleichtern.

Kurz bevor Brane mit dem Bau des "Sokol" fertig war, hat Rastko mit dem Programm XFLR noch mehrmals alle aerodynamischen Berechnungen wiederholt, um so den Schwerpunkt exakt zu bestimmen. Wie fast alle Konstruktionen aus jener Zeit hat auch der "Sokol" eine nur sehr kurze Rumpfnase. Direkt in der Konstruktionsphase wurde daher ein Ballaststück eingebaut. Nur 300 Gramm Blei waren zusätzlich notwendig. Das Fluggewicht pendelte sich damit nun bei 20 Kilogramm ein.

Ein schöner Novembertag in Vipava galt als Kulisse für den Erstflug des imposanten Modells. Schlepp-Pilot Boris Sekirnik war mit seiner Citabria vor Ort. Der "Sokol" wurde zusammengebaut, die obligatorischen Fotos gemacht und Brane hatte nun keine Ausrede mehr, sich vor dem Erstflug zu drücken.

Mit einem ruhigen Schlepp war die gewünschte Höhe schnell erreicht. Nach dem Ausklinken startete der erste Segelflug. Nur ein wenig Höhenruder musste getrimmt werden. Das Modell flog auf Anhieb sehr majestätisch und dynamisch. Auch der Schwerpunkt stimmte, was einige Tests eindrucksvoll unterstrichen: Das Modell ging auf die Nase, nahm etwas Fahrt auf und segelte dann weiter. Auch die Wirkung der Landeklappen konnte voll überzeugen - eine herrlich anzusehende Landung war nur noch Formsache.

Ein zweiter Flug an diesem Tag bestätigte die Erfahrungen. Nach mehreren Jahren Bauzeit hat sich das Modell von seiner besten Seite gezeigt und lässt mit Freude die Saison 2017 erwarten, mit einem exotischen wie selten zu sehenden Oldtimer.

Uros Sostaric


Fakten

"Sokol" aus Jugoslawien
Ein Eigenbau mit 6 m Spannweite

Spannweite: 6.000 mm
Länge: 2.740 mm
Gewicht 20 kg
Fläche: 230 qdm
Flächenbelastung: 87 g/qdm


Eines der wenigen Archivfotos, die für den Bau des Modells zur Verfügung standen

Die fehlerhafte Dreiseitenansicht von Ingenieur Anton Pavlovcic aus der Zeitschrift TIM

Das Seitenruder ist ein mächtiges Bauteil geworden

Der Rumpf im Bau. Gut erkennbar das Verkleben der Gurte in mehreren Lagen

Mit der unteren Beplankung konnte der Rumpf von der Helling abgenommen werden

Der Rumpf ist fertig beplankt, seine geschwungenen Formen sind zu erkennen

Die gefrästen Bauteile für die Tragfläche mit Bajonetten und Buchsen

Für den Aufbau der Randbögen wurden Formen aus Styrodur gefräst

Die beiden Innenteile der Tragfläche, noch vor dem Beplanken

Mit Gewebe beschichtet und lackiert strahlt das Höhenleitwerk in ganzer Schönheit

Der große Tag ist gekommen: Der erste Flug startete auf dem bekannten Fluggelände in Vipava

Die glücklichen Konstrukteure und Erbauer: Brane Volk (vorne) und Rastko Kos



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