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Ein Klassiker

"Rumpler Taube" von Maxford USA


Die "Rumpler Taube" gehört zu den beliebtesten Nachbauten aus den Anfängen der Fliegerei

Frank Niess ist ein Fan von Flugzeugen aus den Anfängen der Fliegerei. Als neue Bauprojekte standen für ihn die "Bleriot XI", ein "Curtiss Pusher" oder eine "Rumpler Taube" zur Wahl - alle von dem amerikanischen Hersteller Maxford. Letzteres Modell fand schließlich den Weg in seine Werkstatt.

Das Original wurde bereits 1909 von Igo Etrich konstruiert und am 10. April 1910 von seinem Mechaniker Karl Illner erfolgreich vorgeflogen. Etrich orientierte sich bei der Konstruktion der Tragflächen an der Form und den hervorragenden Flugeigenschaften des Zanonia macrocarpa Samens, einer auf Java beheimateten Kletterkürbisart. Bereits im Herbst 1911 interessierte sich auch das Militär für dieses sehr einfach und eigenstabil zu fliegende Flugzeug. Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs war die "Taube" ei-nes der ersten im scharfen Einsatz geflogenen Flugzeuge der Fliegertruppe. Sie wurde aufgrund ihrer positiven Flugeigenschaften vornehmlich zur Aufklärung herangezogen. In seltenen Fällen wurden auch leichte Bomben oder die sogenann- ten "Fliegerpfeile" abgeworfen.

Die "Rumpler Taube" im Maßstab 1:9 ist erst seit kurzem über Lindinger zu bekommen. Ich habe das Modell bei McGregor (www.mac-gregor.co.uk) in Großbritannien bestellt. Weitere Modelle des amerikanischen Herstellers sind unter anderem bei Lindinger erhältlich. Als Zusatzoption bietet Maxford bei seinen Modellen immer diverse Ausbauteile als Zubehör an, wie zum Beispiel Motorattrappen, Pilotenbüsten oder Instrumentenbretter. Einen Piloten im passenden Maßstab hatte ich noch zu Hause. Die prägnante Motorattrappe jedoch, die wirklich den Look des Modells aufwertet, habe ich noch dazu bestellt.

Nach wenigen Tagen kam die Bestellung bei mir an. Alles gut gemachte ARF-Kost. Sämtliche Hauptteile und Zubehör, wie zum Beispiel Anlenkseile, Schrauben, Wirbellager oder diverse Holzteile waren im Kit enthalten - abgesehen natürlich vom Antrieb oder den RC-Komponenten. Alle Teile waren perfekt gegen Schäden geschützt in Schaumfolie oder Tüten verpackt und gesichert (was dann auch das Befreien aus dem Karton etwas langwierig gestaltet). Die einzelnen Modellteile waren sauber gebaut und zeigten keinerlei Faltenbildung. Auch das obligato- rische Nachbügeln von Kanten und Rändern war nicht nötig. Die "Taube" ist bereits mein viertes Modell von Maxford. Die Firma bringt eben im-mer wieder Modelle auf den Markt die man so kaum anderswo bekommt.

Das Modell selbst ist in der bewährten Balsa/Sperrholz-Mischbauweise erstellt und macht einen recht robusten Eindruck. Bespannt ist die Konstruktion mit einer Folie, die farblich einer Leinenbespannung nahe kommt. Die Motorattrappe war in einem kleinen extra Karton verpackt. Ein wirklich nettes Feature sind die bei- den mitgelieferten Motorhauben. Eine davon hat bereits gelaserte Ausschnitte für die Zylinder der Attrappe und ist für die Elektroversion des Modells vorgesehen. Die andere ist unbearbeitet und für diejenigen gedacht, die mit einem Verbrenner fliegen wollen. Maxford bietet dafür auch einen zusätzlichen Verstärkungsspant an, an dem ein Glühzünder mit herkömmlichem Träger verschraubt werden kann. Eine absolute Besonderheit ist, dass das Modell mit der vorbild- getreuen Verwindung der hinteren Tragflächen-außenteile sowie die im hinteren Teil biegsame Höhenflosse gesteuert wird. Die beiden kleinen Seitenruder sind gekoppelt über eine Scharnierstange angelenkt.

Der Bau des Modells birgt keine größeren Überraschungen. Trotz ihres etwas exotisch-antiquierten Aussehens, ist die "Taube" vom Aufbau her bekanntes ARF-Terrain. Lediglich beim Anlenken der Ruder, vornehmlich der Quer- und des Höhenruders, ist einiges an Sorgfalt gefragt, da diese ja über mehrere Drähte bewegt werden. Bei den Servos von Höhe und Quer sollte unbedingt darauf geachtet werden, solche in Standardgröße mit belastbaren Getrieben und langen Servoarmen zu verwenden. Zum einen wird von den Rudermaschinen einiges an Kraft verlangt und zum anderen muss gewährleistet sein, dass die entsprechenden Ausschläge erreicht werden. In meinem Fall sind dies Hitec-"HS-322 HD". Auf dem Seitenruder genügt ein kleines 13-Gramm-Servo mit Metallgetriebe. Das Servo für das Höhenruder bewegt im Übrigen nicht das Ruder selbst, sondern ein nachgebautes Steuerrad. An diesem sind dann die Seile zum Ruder befestigt.

Abweichend von der gut gemachten und informativen Anleitung, habe ich für mich zwei Änderungen vorgenommen. Die erste betraf gleich zu Beginn den Hecksporn. Dieser ist aus 4-mm-Sperrholz aufgebaut, das bei meinem Modell jedoch nicht besonders kraftschlüssig ver- klebt war. Ich habe mir daher einen neuen Sporn aus kräftigem 5-mm-Sperrholz angefertigt und in diesen ein Stückchen harten 2-mm-Draht als Verschleißschutz eingeklebt. Dies aber nur, weil ich von Asphalt aus starte und darauf lande. Die zweite - und weitaus umfangreichere Modifikation - betraf das Fahrwerk: Obwohl dem Bausatz ein vorbildgetreues, schön gemachtes und gefedertes Fahrwerk beiliegt, habe ich ein neues konstruiert. Es entspricht vom Aussehen her denen, die später verbaut wurden. Dies hat nichts mit der Qualität des Serienteils zu tun. Es ist nur so, dass Maxford vorsieht, sein Fahrwerk nach dem kompletten Zusammenbau des Modells von unten gegen den Rumpf und gegen beide Tragflächenunterseiten zu verschrauben. Dies entspricht natürlich dem Original, hat aber den Nachteil, dass das Modell nur noch mit einigem Aufwand wieder zum Transport oder der Lagerung zu zerlegen ist. Da ich selbst weder in meinem Fahrzeug, noch in meinem (kleinen) Haus die Möglichkeit habe ein solch voluminöses Modell unterzubringen, habe ich eben zu dieser Maßnahme gegriffen.

Nachdem ich die Motorattrappe noch etwas aufgehübscht und einige Verspannungen (Attrappen) angebracht hatte, ging es zum Einstellen des Schwerpunkts und der Ruderausschläge. Auf Höhen- und Seitenruder passten die Ausschläge gut, lediglich bei den Querruderservos musste ich die mitgelieferten Hebel mit aus 2-mm-Sperrholz selbstgemachten Hebeln verlängern, andernfalls wäre der nötige Ausschlag nicht zu erreichen gewesen. Hier sollte man auf einen Lochabstand von circa 40 Millimetern von Außenseite zu Außenseite achten.

Der Bereich der Schwerpunktlage ist durch die hohe Tragflächentiefe recht groß. Er bewegt sich zwischen 83 und 108 Millimetern ab Flächenvorderkante. Ich habe an meinem Modell den Schwerpunkt in die Mitte der beiden Angaben gelegt und konnte ihn beinahe ohne Ballastzugabe erreichen. Lediglich 55 Gramm wurden noch ganz vorne am Motordom befestigt. Die Waage zeigte dann auch ein Gewicht von nur 2.320 Gramm, inklusive einem 4s-LiPo-Akku mit 3.000 Milliamperestunden. Nicht viel für einen Flächeninhalt von circa 42 Quadratdezimeter und nur knapp über der Herstellerangabe von 2.270 Gramm.

Bevor es nun an die Flugeigenschaften geht, ein paar Worte zu dem von mir gewählten Antrieb: Maxford empfiehlt seinen hauseigenen "Uranus 35425"-Motor mit einer kv von 1.100. Dazu eine Luftschraube mit 11 bis 12 Zoll Durchmesser und 4s-LiPo. Sicherlich ein auf das Modell abgestimmter Antrieb, ich bin jedoch ein Freund großer, maßstabsgerechter Propeller, die auch dementsprechend Schub liefern. Meine Wahl fiel daher auf den "GTX 3546- 650kv" von Dymond. Ein Motor mit beinahe gleichen Abmessungen wie der empfohlene, doch er erlaubt mir durch die geringere Drehzahl die Verwendung eines Propellers der Größe 14 x 7 Zoll bei moderaten Strömen und genügend Schub. Letzteres ist für mich schon wegen der widerstandsträchtigen Konstruktion der "Taube" wichtig.

Anfang Dezember des vergangenen Jahres war es dann soweit. Das Wetter hätte kaum besser sein können: Windstille, Sonnenschein und relativ milde Temperaturen. Nun hieß es: das Modell auf den Asphalt stellen, ausrichten und mit zunehmendem Gaseinsatz in sein Element befördern! Der Geradeauslauf verlief trotz des einfachen Hecksporns selbst auf hartem Untergrund recht gut, es waren nur leichte Korrekturen am Seitenruder erforderlich. Unnötig zu erwähnen, dass man nicht gleich mit Vollgas "losbrettern" soll.

Einmal in der Luft bemerkte ich, dass das Modell Flugeigenschaften besitzt die ich auch dem Original zuschreiben würde: Man benötigt schon etwas mehr Gas als bei anderen Modellen dieser Größe. Außerdem besteht eine gewisse Trägheit um die Längsachse. Hier sollte man also tatsächlich den zur Verfügung stehenden Ausschlag auch nutzen. Die Wirkung der beiden gekoppelten Seitenruder ist dagegen schon bei- nahe als brachial zu bezeichnen. Obwohl ich mit den empfohlenen Einstellungen an den Erstflug gegangen bin, habe ich deren Ausschlag gleich nach der Landung zurückgenommen. Auf Höhenruder passte alles soweit.

Nachdem ich die erste Nervosität abgelegt hatte, konnte ich auch schon mal den Gasknüppel etwas zurücknehmen und die "Taube" in gemütlichem Tempo durch die Luft schaukeln. Die Leistung des Antriebs passt zum Modell und man kann, wenn man es denn will, auch schon mal ganz schön flott werden. Ich denke aber, ein dem Vorbild angepasster, ruhiger Flugstil wirkt einfach besser. Wer nun unbedingt meint, damit Kunstflug veranstalten zu müssen, der wird enttäuscht. Der hohe Luftwiderstand und die Gesamtauslegung der Konstruktion passen dafür nicht. Ich habe zu Testzwecken auch einmal versucht, was mit dem Modell möglich ist. Doch alleine schon beim Anblick der "versuchten" Flugfiguren habe ich von meinem Vorhaben abgelassen.

Zurück zum Erstflug: Nach sieben Minuten setzte ich zur Landung an. Relativ langsam und präzise ließ sich die "Taube" auf meinem geteerten Feldweg hereinbringen. Als sie dann beim Ausrollen in die angrenzenden, recht ruppigen Wiesen rollte passierte schlichtweg nichts, kein Kopfstand oder dergleichen. Also hatte sich auch meine Fahrwerkskonstruktion ausgezahlt.

Als Fazit bleibt mir nur zu sagen, dass Maxford mit der "Taube" wieder einmal ein besonderes ARF-Modell auf den Markt gebracht hat. Montage und Betrieb stellen einen fortgeschrittenen Modellbauer vor keine großen Hürden. Ein Modell, das am Boden wie auch in der Luft außergewöhnlich aussieht. Ich jedenfalls freue mich schon auf die kommende Flugsaison und viele weitere schöne Flüge mit diesem tollen Modell.

Frank Niess


Fakten

Ein vorbildgetreues Motormodell
"Rumpler Taube" von Maxford USA

Spannweite: 1.620 mm
Länge: 1.170 mm
Gewicht: 2.320 g
Fläche: ca. 42 qdm
Flächenbelastung: 55,2 g/qdm


Die ARF-Bauteile sind von sehr guter Qualität und Bauausführung

Die im Text erwähnten zwei Motorhauben in unterschiedlicher Vorfertigung

Das Original beiliegende Fahrwerk (a) ist gut gemacht, aber im Gegensatz zum Eigenbau (b) nur eingeschränkt praxistauglich

Der Sperrholzsporn bekam einen Stahlstift um nicht abzunutzen

Die Motorattrappe wurde als Zubehör mitbestellt

Die Technik ist Standard, recht preisgünstig und auch qualitativ absolut in Ordnung

Es sind die vielen Details, die das Modell zu etwas Besonderem machen

Das Flugbild und ein ruhiger Flugstil machen das Modell zum Erlebnis

Es ist der Flügelgrundriss, dem Zanonia-Samen nachgebildet, der die "Rumpler-Taube" so unverwechselbar macht



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