TEST

Volle Leistung

Mit dem "Terminator" von Mibo Modellbau am Hang unterwegs


AUFWIND-Autor Klaus Löcker wohnt zwar im beschaulichen Norden von Westfalen, ist aber begeisterter Hangflieger. Für den jährlichen Herren- ausflug in die Rhön musste ein neues Spaßgerät her. Mit dem "Terminator" hat er seinen neuen Begleiter gefunden und berichtet hier ausführlich.

Knapp 60 Studenkilometer Wind sind angesagt, stramm aus westlicher Richtung. Da kann man an der Kante des Weiherbergs kaum noch stehen. Jetzt heißt es: "Alles rein, was geht!". Stück für Stück verschwinden die Messinggewichte in den beiden Tragflächen. Am Ende erhöhe ich das Fluggewicht um weitere 1,4 Kilogramm. Der Starthelfer schiebt den neuen "Terminator" über die Kante. Kraftvoll und energiegeladen geht es Richtung Tal. In scheinbar ungebremstem Tempo dann wieder hangaufwärts an der Kante vorbei. Tempo, Tempo, Tempo . nächste Runde. Den Wind mitnehmen, die Lee-Bereiche nah am Hang und an den hohen Tannen nutzen, um Geschwindigkeit aufzubauen. Die Dynamik ist kaum zu bremsen, das Modell wird zunehmend schneller. Nach rund zehn Minuten reicht es mir - die Adrenalinproduktion ist erschöpft. Kurz und knapp durch die linksliegende "Landedüse", gerade legen, Klappen raus und runter. Durchatmen, geschafft.

Was soll ich sagen? Mit diesem Leistungsspektrum habe ich nicht gerechnet. Gehofft natürlich schon, da sich die Konstruktion an F3B/F3F-Modellen ausrichtet. Die Tragflächen, profiliert mit einem HN-Straak, erinnern sehr stark an den legendären "Rotmilan" von Norbert Habe. Sie sind mit Spread-Tow-Kohle-Gewebe erstellt und weisen eine hervorragende Oberflächengüte und Festigkeit auf. Die großflächigen Ruder werden mit "KST X10 Mini"-Servos über IDS-Systeme angelenkt. Da sieht man von der Anlen- kung so gut wie nichts. Zudem ist die doppelte Lagerung des Servohebels ein Garant für eine langlebige und spielfreie Anlenkung. Die Servoabdeckungen werden natürlich mit Silikon aufgebracht um den positiven Gesamteindruck abzurunden. Einzig und allein die Ruderspaltab- deckung der Querruder hat Luft nach oben. Das "Disco-Klebeband" erinnert mich an die selbst aufgebrachten Zierstreifen meines ersten Opel Kadetts. Zu der Zeit fand ich diese auch noch gut. Hätte ich nicht gedacht, dass es sie überhaupt noch gibt.

Der Tragflächenverbinder mit einem Maß von 14 x 35 Millimetern sollte so alles wegstecken, was wir dem Modell in der Luft abverlangen können. In den Tragflächen gibt es genügend Platz um das Fluggewicht für den harten Einsatz deutlich zu erhöhen. Pflichtbewusst kam im Übrigen das Paket mit den bestellten Zusatzgewichten separat bei mir an. Hätte sich in ein- und demselben Paket etwas von dieser Zusatzmasse selbstständig gemacht, wären Schäden am Modell nicht auszuschließen gewesen.

Der Rumpf ist entsprechend den heutigen Anforderungen ausgeführt. Er bietet ausreichend Platz damit er auch mit einem kleinen kräftigen Getriebeantrieb elektrifiziert werden kann. Mit einem kleinen Spinner würde das sogar hervorragend aussehen. Mir persönlich geht bei der Elektrovariante allerdings der Reiz etwas verloren. Um für den Fall dennoch nachrüsten zu können, lasse ich die Rumpfservos auf einer Servo- rutsche samt Empfänger weit hinten im Rumpf verschwinden. Für viele ist bei dieser Bauart das Kürzen der Bowdenzugrohre eine echte Herausforderung. Zugegeben, das war es für mich eine lange Zeit auch. Bis ich mir bei Harry etwas abgeschaut habe. Im klassischen Elektrohandel gibt es Abisoliermesser für geschirmtes Fernmelde- oder Antennenkabel. Mit solch einem "Jokari Nr1" ist das Kürzen selbst in engsten Rümpfen kein Problem: Messer aufklappen, den Bowdenzug legen, leicht zusammendrücken und drehen. Jetzt nach vorn ziehen - fertig!

Die V-Leitwerke werden über Kugelkopfpfannen angelenkt und mithilfe einer speziellen Abdeckung verschwinden sie - kaum noch zu sehen - im Rumpfinneren. Gesichert werden sie über Tesaband. Alles läuft absolut spielfrei.

Auf den ersten Blick wirkt der Rumpf entgegen der Tragflächenkonstruktion etwas zu weich. Das hat sich allerdings bisher nicht als Nachteil herausgestellt. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, kann natürlich - gerade im Bereich der Haubenöffnung - mit etwas Gewebe oder Kohlerovings nacharbeiten. Das geringe Mehrgewicht wird in keiner Weise stören. Ein Tipp noch zur genauen Justage des Schwerpunkts: Mit Klebeband wird ein Becher im Bereich der Rumpfspitze befestigt. Jetzt das eingerüstete Modell auf die Schwerpunktwaage stellen und so viel Blei zugeben, bis der Schwerpunkt von 105 Millimetern erreicht ist. Anschließend wird das Gesamtgewicht aus Becher und Blei gewogen und unter Zuhilfenahme einer Brennpfanne flüssig in den durch Eiswasser gekühlten Rumpf gegossen. Nur bitte lang genug im Eiswasser abkühlen lassen. Aber das versteht sich wohl von selbst.

Wenige Stunden Bauzeit reichen aus, um das Modell in einen flugfertigen Zustand zu versetzen. Das Fluggewicht pendelt sich auf 2.250 Gramm ein. Die mitgelieferten Einstellwerte aller Ruderstellungen kann man bei Mibo 1:1 übernehmen. Da geht definitiv nichts schief. Mit den angegebenen Snap-Flap-Mischungen verliert auch dieses Modell gerade in den engen Kurvenbereichen weniger an Fahrt. Es lässt sich somit wesent- lich dynamischer durch die Flugfiguren bewegen.

Der Erstflug war ein Erlebnis, kaum zu toppen: Unballastiert ging es an der "Abstrodaer Kuppe" in die Thermik. Klappen leicht gesetzt drehte der "Terminator" wie ein F3J-ler. Als hätte ich nie ein anderes Modell geflogen, zog es spurtreu und absolut souverän durch die Luft. Die erreichten Höhen zwangen den Flugleiter leider zum Einschreiten: "Höhe abbauen", ertönte es bestimmend und kompromisslos. Recht hat er: Klappen rein - mit voller Akzeptanz folg-te ich pflichtbewusst der Anweisung. Ein kurzer Blick zur Absicherung des freien Flugfeldes und schon ging es im hohen Tempo an dem Felsvorsprung vorbei. Dann ungebremst durch etliche Kreise, ohne dass der "Terminator" Schwäche zeigte. Klappen wieder leicht setzen und in wenigen Minuten war ich wieder da, wo uns der Flugleiter nicht gern sieht. Also wieder runter und Strecke machen. Die Zeit verging wie im Flug. Der Spaß stieg kontinuierlich. Dann der Landeanflug von weit oben: Nase runter, Klappen vollgezogen. Im Schritttempo ging es im Helikoptermodus Richtung Landefeld. Selbst die Zumischung der Tiefenruderwirkung benötigte keine weitere Korrektur.

Viele weitere Flüge bestätigten die enorme Wendigkeit, das sehr ausgewogene Flugverhalten und selbst bei schwachen Verhältnissen ein wirklich starkes Leistungsvermögen. Mit der entsprechenden "Messing-Munition" an Bord kann man sich allen flugtechnischen Wetterlagen hervorragend anpassen. An Dynamik fehlt es dem Modell nicht. Mit dem "Terminator" in Voll-CFK-Bauweise und dem bewährten Profil von Norbert Habe bekommt man ein robustes Modell, das flugtechnisch keine Wünsche offen lässt. Wer sich dafür entscheidet, sollte das zugehörige Ballastset und entsprechende Flächenschutztaschen nicht vergessen. Damit ist man dann für alle Lebenslagen des ambitionierten Modellsegelfliegers am Hang bestens gerüstet.

Klaus Löcker


Fakten

"Terminator" von MiBo
Ein Hotliner am Hang

Spannweite 3.050 mm
Länge 1.524 mm
Gewicht: ab 2.250 g
Fläche 61,4 qdm
Flächenbelastung 36,64 g/qdm
Ruderausschläge
Höhenruder +/-5 mm
Seitenruder +/-8 mm
Querruder -25/+15 mm
Flaps -5/+8 mm
Snap-Flap
Querruder +3 mm
Flaps +5 mm
Thermik
Querruder +3 mm
Flaps +4 mm
Butterfly
Querruder -5 mm
Flaps +45 mm
Tiefenruder -3 mm
Schwerpunkt 104-108 mm
Peis: 1.550,- Euro
Bezug bei Harrys Modellbau
Tel.: 06654/918211
www.harrys-modellbau-service.de


Die "KST X10 Mini"-Servos mit entsprechendem IDS passen wie angegossen in die Tragfläche


Die "MKS HV6100"-Servos und der Empfänger verschwinden auf einer Servobrettrutsche hinten im Rumpf


Der elektronische Schalter von Powerbox mit integriertem Spannungsregler passt perfekt unter die Haube


Mit solch einem "Jokari"-Messer lassen sich Bowdenzugrohre auch in engen Rümpfen sehr gut kürzen


1.445 Gramm Messing verleihen dem "Terminator" ordentlich Respekt


Der Tragflächenverbinder mit 14 x 35 Millimetern dürfte hier nicht kleinzukriegen sein



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