REPORTAGE

F3B in Chile

Der erste F3B-Worldcup-Wettbewerb in Santiago de Chile


Rund 14 Piloten nahmen am Worldcup-Wettbewerb in Chile teil

Anfang November wurde der "Condor-Cup 2018" ausgetragen. Mit Christian Fiedler, Johannes Krischke und Heinz-Dirk Landsmann konnte F3B-CONTEST-Eurotourmanager Thomas Schorb weitere begeisterte Piloten für eine Südamerika-Reise gewinnen. Er berichtet über F3B-Fliegen in Chile.

Um die Jahrtausendwende war ein Vereinskollege mehrere Jahre als Lehrer in Santiago de Chile tätig und berichtete nach seiner Rückkehr fasziniert von den dortigen Modellflugerlebnissen. 2014 traf ich beim F3B-Gator in Florida zum ersten Mal auf die nette chilenische Modellfliegertruppe. Während der F3B-Weltmeisterschaft in Jesenik 2017 konnten wir dann den Kontakt vertiefen. Martin Weberschock hatte bereits im gleichen Jahr die Chilenen besucht. Beim dortigen Vereinswettbewerb steigerte er die Jahresweltbestleistung im Speedflug auf 11,66 Sekun- den. Der Verein "Club de Aeromodelos Radiocontrolados Universidad Católica de Chile" (kurz: CDUC) hat rund 100 Mitglieder, davon 15 Modellsegelflieger. Der Verein richtet zusammen mit drei umliegenden Vereinen zwischen März und November jeden Monat einen F3B-Wettbewerb mit acht bis zehn Teilnehmern aus. In den Sommermonaten (Dezember bis Februar) ist der Wind zu kräftig und die Temperaturen sind zu hoch, um ein vernünftiges Fliegen zu ermöglichen. Martin Weberschock konnte die Chilenen davon überzeugen, im Folgejahr den letzten der acht Teilwettbewerbe als ersten F3B-Worldcup-Wettbewerb in Chile auszurichten. Diese Vorgeschichte weckte bei mir den Wunsch nach einem F3B-Saisonabschluss 2018 bei warmen Temperaturen in Chile.

Es war uns schnell klar, dass neben dem Modellflugwettbewerb auch Land und Leute nicht zu kurz kommen sollten. Als erste Ansprechpartner für die Detailplanung vor Ort standen uns der Wettbewerbsorganisator Andrés Córdova sowie seine Mitstreiter Cristian Simon und Luis Alberto Tirado mit Rat und Tat zur Seite. Allesamt waren sie bei der F3B-WM 2017 als Pilot oder Helfer dabei. Andrés spricht sehr gut Deutsch. Unsere Gastgeber holten uns am Flughafen ab, lagerten unsere Modelle ein, empfahlen gute Unterkünfte, organisierten einen Teil unserer Rundreise und zeigten uns schöne Restaurants. Nachträglich noch einmal vielen Dank für diese liebenswerte Unterstützung. Die Zeit zwischen der Ankunft am 29. Oktober bis zum Beginn des Wettbewerbs am 10. November nutzen wir für die Erkundung des Großraums Santiago de Chile und für einen fünftägigen Abste- cher in den Norden. In die trockenste Wüste der Welt - die Atacama-Wüste.

Chile ist über 4.500 Kilometer lang, im Durchschnitt aber nur rund 200 Kilometer breit. Von Santiago de Chile gelangt man daher innerhalb von knapp zwei Stunden sowohl an den Pazifik im Westen als auch in die Anden-Kette im Osten auf über 3.000 Meter Höhe. Ein perfektes Reiseland, das viel Abwechslung und Natur bietet und in weiten Teilen extrem dünn besiedelt ist.

Gut gelaunt und entspannt nach unserer Rundreise bauten wir am Freitag vor dem Wettbewerb die Modelle zusammen und erkundeten fliegerisch das Wettbewerbsgelände. Das Fluggelände ist für deutsche Verhältnisse riesig. Es umfasst drei geteerte Startbahnen, einen künstlich angelegten See für Modellsegelboote und eine steinfreie Landewiese. Selbst einen hauptberuflichen Platzwart gibt es, der unmittelbar neben dem Modellflugplatz wohnt. Ein Aufbauen der Winden in beide Startrichtungen ist allerdings nicht möglich und auch nicht nötig. Nach Aussage von Andrés ist die Windrichtung - im Gegensatz zur Thermik - ganzjährig sehr stabil. Windstille und Regen gibt es im November selten. Am zweiten Wettbewerbstag frischte der Wind sogar auf über acht Meter/Sekunde auf, was die Dauerflüge sehr anspruchsvoll machte. Winden, Batterien, Visiere, Tische, Stühle, Sonnensegel und Sonnenschutz wurden vom Veranstalter gestellt. Hochstartseile konnte man vor Ort kaufen. Auch an die Nachtwache wurde gedacht. Zum Führen des Seils an der Umlenkrolle wurde eigens ein Helfer engagiert, der viele Seilrisse durch querziehende Seile verhindert hat - das ist Luxus pur.

Das Wettbewerbsgelände war perfekt vorbereitet mit klar abgegrenzten Sicherheitsbereichen, Fangzäunen und was noch erforderlich war. Aufgrund der klimatischen Verhältnisse und des begrenzt vorhandenen Wassers wird nur ein Teil des Fluggeländes bewässert. Der Großteil der Landewiese für den Streckenflug ist daher im November staubtrocken, aber vollkommen steinfrei. Die Helfer an der A- und B-Linie wurden ein Wochenende zuvor in die Technik und den Wettbewerbsablauf eingewiesen. Entsprechend reibungslos lief dann der Wettbewerb. Die Wettbewerbsanlage stammt von Mike Lakowsky und entspricht mit den A- und B-Wendeeinrichtungen europäischem Standard.

Die ausländischen Gäste wurden jeweils einem der vier einheimischen Teams zugeordnet, die jeweils vier ähnlich gute Winden hatten. Zwischen den Teams wurde ein Korridor von rund fünf Metern freigehalten. Somit konnten mit einem Motorroller die Seile zurückgeholt werden. Wir haben jedenfalls noch nie so begeistert Seile von der 200 Meter entfernten Umlenkrolle geholt. Und bei entsprechenden Stun- denkilometern ging das dann auch blitzschnell. In punkto Modelle und Technik wissen auch die Chilenen was gut ist. Sie setzen auf europäisches Spitzenmaterial der einschlägigen F3B-Manufakturen.

Wie schon gesagt, nur ein Teil des weiträumigen Fluggeländes ist bewässert. Stecklandungen sollte man daher tunlichst vermeiden. Die Modelle rutschten nach dem Aufsetzen mehrere Meter. Das hat punktgenaue Landungen erschwert. Extreme Thermik und ebenso extremes Saufen wechselten sich um die Mittagszeit teilweise im Zweiminutentakt ab. Rechtzeitiges Nachstarten in allen Disziplinen hat sehr häufig Schlimmeres verhindert oder sogar den Gruppensieg erst ermöglicht. Reines Abgleiten der sehr guten Hochstarthöhen war selten zielführend. Ein Thermikbart reichte oft nicht aus, um die zehn Minuten zu überstehen. Meist befand man sich schon im Landeanflug, bis der nächste rettende Thermikbart gefunden war. Auch ein sieben Minuten langer Flug - statt zehn Minuten - konnte zum Gruppensieg im Dauerflug ausreichen.

Die Bedingungen waren beim Streckenflug ähnlich abwechslungsreich. Für den Gruppensieg waren zwischen 16 bis 34 Strecken erforderlich. Und die Speedflugbedingungen waren zeitweise sensationell. Das Problem dabei war allerdings, diese Bedingungen auch konsequent umzusetzen. Manchmal kam die B-Wende schneller, als man darauf eingestellt war. So flog man deutlich weiter als gefordert. Das gab aber immer noch eine gute Speedzeit. Eine, um eine halbe Sekunde zu spät geflogene Wende bedeutet halt auch einen Zeitverlust von über einer Sekunde, wenn man den Energieverlust mitrech- net. Insgesamt konnten wir an beiden Tagen entspannt sieben Durchgänge fliegen. An die Fabelspeedzeit von Martin Weberschock (11,66 Sekunden) kamen wir leider mit unseren Speed- zeiten von Johannes Krischke (12,28 Sekunden) und Christian Fiedler (12,57 Sekunden) nicht ganz heran. Wir konnten aber den südamerikanischen Streckenflugrekord auf 34 Strecken erhöhen. Die ersten drei Plätze gingen an uns. Ein von Andrés produziertes Video auf www.f3b.de sowie eine Reportage auf YouTube.com geben den Wettbewerb sehr gut wieder.

Beim Zeitflug beginnt die Flugzeit mit dem Einschalten des Motors. Der Beginn der Flugzeit beim Ausschalten des Motors hätte in vielen Fällen nicht eindeutig erkannt werden können. Die Schalllaufzeit würde die Zeitnahme zusätzlich verfälschen. Da beim Zeitflug im Regelfall nicht die volle Motorleistung eingesetzt und deshalb auch nicht die volle Energie verbraucht wird, wurde die Motorlaufzeit auf dreißig Sekunden begrenzt. Die Gesamtflugzeit wurde bei 600 Sekunden belassen. Damit beträgt die Zeit im reinen Segelflug nur noch 570 Sekunden. Auch diese Zeit stellt wegen der höheren Flächenbelastung der F3B-Elektro-Modelle gegenüber den F3B-Segelflugmodellen eine Herausforderung dar.

Ich hoffe, ich habe ein wenig Appetit gemacht. Die chilenischen Modellflugfreunde würden sich freuen, wenn mehr ausländische Mo- dellflieger ihren Wettbewerb und Chile selbst besuchen würden. Der nächste Condor-Cup ist für das Jahr 2020 geplant. Christian und ich wollen beim nächsten Mal wieder dabei sein. Der kleine und der große Süden von Chile warten auf uns.

Thomas Schorb
Fotos: Christian Fiedler, Thomas Schorb


Fünf ausländische Piloten waren am Start. Darunter vier Deutsche (von links): Thomas Schorb, Johannes Krischke, Heinz-Dirk Landsmann, Christian Fiedler und Francisco Pantano


Der mobile Sonnenschutz dient Mensch und Material


Das wahrhaft luxuriöse Clubheim mit Außenpool


Der Blick vom Clubheim auf das bestens gepflegte Vereinsgelände


Der gesamte Flugplatz im Panoramablick


Essen kam auch nicht zu kurz, natürlich landestypisch - ein Genuss für alle Sinne


Luxus pur: Seilrückholung mit dem Moped


Nach dem Wettbewerb war auch noch Zeit für Küstenfliegen an einer Sanddüne in Con Con, nahe der Millionenmetropole Viña del Mar


Die Altstadt von Valparaiso ist mehr als einen Besuch wert


Der Valle de Maipo ist der größte Speicherwassersee von Santiago


Auf engen Serpentinen zum Valle Nevado in den Anden


Santiago de Chile von oben. Gesehen vom höchsten Betongebäude der südlichen Erdhalbkugel, dem Costanera-Center



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