REPORTAGE

Polnische Schönheit

Ein "Perkoz SZD-54-2" im Eigenbau


Mit seinen knapp 4,4 Metern Spannweite ist der "Perkoz" ein beeindruckendes wie auch außergewöhnliches Modell geworden

Nach einigen Zweck- und Kunstflugmodellen und einer "Pilatus B4" war Mark Will auf der Suche nach einem neuen Projekt. Bei Delro-Modelltechnik entdeckte er sein Wunschprodukt: einen "SZD 54-2". Als Modell eine noch sehr selten zu sehende Konstruktion.

Wenn der Wunsch nach einem neuen Modell aufkommt, erstellt man sein persönliches Pflichtenheft. Zugegeben, das klingt für dieses Projekt wie das Ergebnis einer heiteren Stammtischrunde. Wollte ich doch etwas haben, das irgendwie alles recht gut kann. Generell ist für mich der dynamische Segel- und Kunstflug wesentlich interessanter als das reine Thermikfliegen und Abgleiten. Dennoch eignet sich Thermik bekann- terweise immer wieder sehr gut, um die gewonnene Höhe stilvoll zu nutzen und abzufeiern. Der F-Schlepp ist zweifelsfrei die schönste Art und Weise, mit Freunden das Vergnügen zu teilen. Doch wer schon einmal seinen Segler zum Flugplatz gebracht hat und unfreiwillig zum Zuschau-er wurde weil der Schlepper ausgefallen ist, kennt den Wunsch nach Unabhängigkeit. Somit war klar, das neue Modell muss auch eigenstartfähig sein. Vorbildgetreue Modelle zwischen vier und fünf Metern Spannweite sind groß genug, damit sie "ordentlich funktionieren", aber trotzdem noch transportfreundlich genug sind. Das Pflichtenheft war damit vollständig:

  • Vorbildgetreu aus der jüngeren Zeit
  • 4-5 m Spannweite
  • Dynamischer Segelflug mit Kunstflugfähigkeiten
  • Thermikfähig
  • Eigenstart


Die namhaften Hersteller haben viele leistungsstarke Produkte, leider aber fast ausnahmslos für den Strecken- und Thermikflug ausgelegt. Eine "ASK-21" mag vielleicht grob in die gesuchte Richtung gehen, ist aber mittlerweile auch deutlich in die Jahre gekommen. Bei meiner Recherche traf ich immer wieder auf zwei Typen der polnischen SZD-Baureihen: einem "SZD-59 Akro" und einem "SZD-54-2 Perkoz". Beide Flugzeuge sind sich recht ähnlich und beide sind aerodynamisch gesehen modern genug, um auch als Modell ordentlich zu funktionieren. Beide Flugzeug- typen können mit Ansteckohren bis hin zum Thermikeinsatz angepasst werden. Der "SZD-59" ist als Einsitzer mit dem Einziehfahrwerk ohne Bugrad deutliche in Richtung Kunstflug orientiert. Er hat jedoch mit dem fehlenden Bugrad einen Nachteil, wenn das Modell als Eigenstarter eingesetzt wird. Somit fiel meine Wahl auf den "Perkoz".

Anfang der 90er Jahre suchte die aus den polnischen PZL-Werken hervorgegangene Firma PZL Allstar Gliders nach einem Nachfolger für den bewährten "Puchacz". Das mittlerweile in die Jahre gekommene Schulungsflugzeug war durch seine Maximalgeschwindigkeit nur eingeschränkt kunstflugtauglich. Auch seine Gleitzahl war nicht mehr konkurrenzfähig. Der "Perkoz" wurde in einer politisch und finanziell schwierigen Zeit entwickelt. Dadurch kam er leider erst zehn Jahre nach der Entwicklung in die Produktion. Mit 17,5 Metern Spannweite in der Kunstflug- und 20 Metern in der Streckenversion ist er für zwei Klassen geeignet.

Mit den 17,5 Metern der Kunstflugversion bot sich für mein Vorhaben der Maßstab 1:4 an. Da-mit hätte der "Perkoz" 4,375 Meter Spannweite und eine Rumpflänge von 2,06 Metern. Er erfüllt damit vollkommen meine Kriterien. Hauptfahrwerk und Bugrad sind so positioniert, dass er von selbst eigenstartfreundlich sicher auf der Nase steht. Das Problem mit dem Kippen auf die Nase beim Bodenstart gibt es demnach nicht. Beide Fahrwerke sind fest verbaut. Die fehlenden Einziehfahrwerkmechaniken kommen also der Gewichtsbilanz zugute. Rumpf und Tragflächen sind segelflugtypische Standardbaustellen: Rumpf mit Schleppkupplung in der Nase und einer großen einteiligen Kabinenhaube. Die Tragflächen mit gerader Nasenleiste ohne Mehrfachknicke, einem Paar Querruder und einem Paar Störklappen. Beim Original kann man auf drei verschiedene Flächenenden zurückgreifen. Das könnte man beim Modell ebenso umsetzen. Höhen und Seitenleitwerk befinden sich in fast normaler Kreuzanordnung. Das Höhenruder sitzt etwas erhöht hinter der Scharnierlinie des Seitenleitwerkes auf einer dreieckigen Auflage. Die ergibt sich aus der spitz zulaufenden Rumpfkontur darunter. Die weit zurückliegende Position des Höhenruders kommt sicherlich den Hebelverhältnissen zugute.

Jetzt aber zu dem Hauptproblem der ganzen Geschichte: Zum Zeitpunkt meiner Suche hatte niemand einen "Perkoz" in der gesuchten Größe im Angebot. Lediglich deutlich größere Varianten waren am Markt zu finden, die ich mir selbst nicht mehr schön- beziehungsweise kleinreden konnte.

Einige Wochen lang musste der Gedanke darüber weiter reifen. Ich habe während dieser Zeit viel mit Kollegen gefachsimpelt und diskutiert. Aus mehreren Richtungen sagte man mir: "Wenn es keiner hat, mach es selbst". Die Idee nahm ich auf. Während Tragflächen und Leitwerke altbekannte Baustellen waren, stellte mich zu diesem Zeitpunkt lediglich der Rumpf vor ein Hindernis. Holz- beziehungsweise Rippen/Spanten-Bauweise kam nicht in Frage. Eine CNC-Fräse für eine 3D-Form stand leider nicht in entsprechender Größe zur Verfügung. Zeichnungen und Bilder gab es allerdings genug im Internet. Eine CAD-Zeichnung zu erstellen wäre also möglich.

Mein Plan war dann folgender: Aus allen Ansichten eine Art 3D-Puzzle erstellen, mit Schaum füllen, beplanken und am Ende als Urmodell nutzen. Gesagt, getan: Mit den Konturen, Bildern und Spanteninformationen ließ sich im CAD dieses 3D-Puzzle erstellen. Durch die Mitglieder ei-nes Segelflugvereins bekam ich hochauflösende Bilder vom Rumpf und dessen Formverlauf. Die Spanteninformationen im Internet unterschieden sich deutlich und konnten nur bedingt genutzt werden. Dies alles zusammengefasst im CAD ergab eine vielversprechende Konstruktion. Die Einzelteile sind nicht übergroß und ließen sich auf einer modellbautypischen Fräse erstellen. Sauber im CAD konstruiert, ließ sich das Puzzle in wenigen Stunden zusammensetzen und verkleben. Alle wichtigen Kanten, Rundungen und sogar die Wurzelprofile waren schon klar definiert.

Nun stand der unangenehme Teil der Arbeit auf der Liste: das Füllen mit Schaum. Ich entschied mich für das feste Styrodur. Ich habe dazu abgemessene Blöcke mit dem heißen Draht vorgeschnitten und mit PU-Leim eingesetzt. Die wurden im Nachhinein grob mit dem Schneidedraht und dann per Hand in Form geschliffen. Die Außenkontur habe ich mit drei Millimetern Untermaß konstruiert. Der Rumpf sollte nämlich am Ende noch mit Balsastreifen beplankt und mit GFK überzogen werden. Für den Haubenrahmen habe ich eine eigene Kontur gefertigt. Damit konnte die Auflagefläche vorher erstellt und angebracht werden. Immerhin muss der Haubenklotz mit der Auflagefläche beim Erstellen der Rumpfoberfläche mit bearbeitet werden. Das Beplanken des Rumpfes mit Balsastreifen war eine undankbare Arbeit. Wenn man aber einmal den Dreh raus hat, ist es nur noch halb so schlimm. Die Balsaoberfläche lässt sich sehr schön und sauber bearbeiten. Der Haubenklotz wurde im Nachhinein natürlich wieder abgetrennt und einzeln wie der Rest weiter bearbeitet.

Damit das Ganze am Ende abgeformt werden kann, braucht man eine feste lackierfähige Oberfläche. Die Balsaoberfläche wurde also noch mit GFK beschichtet. Die Rumpfkontur habe ich bis dahin noch ohne Radverkleidungen und Flächenübergänge erstellt. Die mussten - genauso wie das Seitenleitwerk - vor dem Spachteln und Füllern noch angebracht werden. Nach einigen Stunden der Arbeit stand ein grundierfertiges Urmodell vor mir. An dieser Stelle auch vielen Dank an meinen Freund Dominik, der mir hier an einigen Stellen mit Rat und Tat zur Seite stand.

Von Anfang an war klar, dass ich das Rumpf-urmodell selbst erstellen muss, wenn ich das Modell mein Eigen nennen möchte. Mir war aber auch klar, dass es keineswegs sinnvoll wäre, nur für mich ein Urmodell, eine Form und daraus ein einziges Modell zu erstellen. Deshalb begab ich mich auf die Suche nach einem Partner, der die Aufgabe des Formenbaus übernehmen würde. Es dauerte nicht lange, bis der Kontakt zu Delro Modelltechnik zustande kam. Hier war man an dem Projekt interessiert und nach einem Treffen mit Besichtigung des Urmodells waren wir uns einig. Das Rumpfurmodell ging also zur Formenerstellung zu Delro. Das ganze Modell sollte am Ende in deren Sortiment aufgenommen werden.

So etwas geht natürlich nicht in ein paar Tagen. Nach wenigen Wochen jedoch erhielt ich den Anruf, dass mein "Perkoz" abholbereit sei. Etwa zeitgleich wurde er auf der Prowing-Messe in Soest der Öffentlichkeit präsentiert. Ich nutzte die Möglichkeit und holte mein Modell persönlich bei Delro in Löhne ab. Zuhause angekommen fand auch gleich die erste Begutachtung statt: Ein Lunkerfreier Rumpf ohne Naht auf der Oberseite, innen sauber laminiert. Seitenruder und Höhenleitwerk in Voll-GFK-Bauweise, das Seitenruder sogar mit Steg im Inneren für das Scharnier. Das Höhenleitwerk wurde mit Herex als Stützstoff und mit einem Elasticflap aufgebaut, ohne Hohlkehle, aber sehr stabil gebaut und daher nicht von der leichten Sorte. Zum Rumpf gab es noch eine sehr klare Kabinenhaube und einen echt schick gemachten Haubenrahmen. Letzterer als komplettes Formteil mit angedeuteten Instrumentenpilzen. Ein RC-Einbaubrett für den Ausbau als Segler sowie zwei Radkästen für Bug und Hauptfahrwerk lagen auch noch bei. Die beiden Radkästen bestehen aus Seitenteilen, die als Holz-CFK-Sandwich aufgebaut sind. Sie werden mit einem dünnen CFK-"Umleimer" zu einem Radkasten aufgebaut. Dieses Umkleben mit dem CFK stellte sich als recht knifflig heraus. Es ist zu viel Spannung darauf, als dass man es mit Sekundenkleber anheften könnte. Schraubzwingen halfen dabei, den Umleimer in Stellung zu halten. Ein 20-mm-Kohlefaser-Rundstab übernimmt die Aufgabe der Steckung, Kleinkram wie Torsionsstifte, Ruderhebel, Anlenkungen und sogar Servorahmen gab es ebenfalls dazu.

Die Flächen sind sehr sauber aufgebaut. CNC-gefräste Wurzelrippen, Ausschnitte passend zu den Servorahmen sowie gut dimensionierte Kabelkanäle, in die man selbst noch die Kabel einziehen muss. Die Querruder sind als Elasticflap ausgelegt mit einem Balsasteg, die Störklappen sind von Schambeck und dürften von daher auch nie Ärger machen. Die Ausschnitte der Störklappen sind gefräst mit passenden GFK-Abdeckungen dazu.

Nun noch die Frage nach dem Antrieb: Es gibt zahlreiche Lösungen, wie man ein solches Modell eigenstartfähig machen kann. Ein Klapptriebwerk ist leider ziemlich kostenintensiv und würde beim "Perkoz" sicherlich auch etwas seltsam aussehen. Eine Turbine wäre reizvoll, ist aber leider noch kostenintensiver. Dann gibt es noch die Lösung mit dem Nasenantrieb - was ich aber wie eine Zahnspange empfinde: Es funktioniert bestimmt gut, aber auf dem Schulhof (Flugplatz) wird man dafür gehänselt. Meine bevorzugte Wahl ist also der Impeller. Die modernen Antriebe und Auslegungen ermöglichen durchaus unterhaltsame Möglichkeiten und das zu noch erträglichen Preisen. Der hohe Rumpfrücken des "Perkoz" bietet genug Platz für den Einbau eines Klappimpellers.

Ich habe mich für die "Jetec E-90"-Mechanik von MIG-Flight entschieden. Die besitzt eine kugelgelagerte Mechanik und hat zudem eine ordentliche Einlauflippe. Ich wollte darin den WeMoTec-"Midi-Fan Evo" haben. Der ist bei mir schon mit 12s-LiPo auf einem 4-m-"Swift" im Einsatz. Leistung und Geräuschkulisse machten mir die Entscheidung leicht, denselben Antrieb für den "Perkoz" zu wählen. WeMoTec bietet glücklicherweise diese Kombination aus Mechanik und Impeller an. Damit konnte ich einen weiteren Punkt von der Einkaufsliste streichen. Auf der Internetseite von MIG-Flight ist eine Zeichnung zu finden, die angibt, wie und wo man die Öffnung für den Impeller im Rumpf zu machen hat. Zum Glück bekam ich beim alltäglichen Smalltalk mit anderen Modellbauinfizierten die Information, dass der dort angegebene Ausschnitt sehr knapp bemessen sei. Ich habe also fast alle Werte aus dieser Zeichnung aufgerundet. Selbst dies stellte sich als absolutes Minimum heraus.

Da ich ja das Rumpfurmodell erstellt habe, hatte ich natürlich auch die Spanteninformationen für diesen Bereich zur Hand. Der Einbauspant war also recht schnell erstellt und konnte direkt hinter der Steckung verbaut werden. Die Klappen habe ich wegen der engen Platzverhältnisse mit Silikon und Tesa anscharniert und mit einem Gardinengummiband als Schließhilfe ausgestattet.

Nach dem Vorbereiten des Impellereinbaus konnte es dann auch mit den restlichen RC-Komponenten weitergehen. Bei einem Modell dieser Größe halte ich es für selbstverständlich, dass eine Doppelstromversorgung zum Einsatz kommt. Ich entschied mich für das "DPSI Bundle" von Hacker-Motor in Kombination mit zwei 2s-Lithium-Ionen-Akkus 3.100 mAh. Damit sollte selbst an einem langen Flugtag genug Energie an Bord sein. Vom Ausgang der DPSI geht alles direkt in den Kabelbaum zu den einzelnen Servos und eben ein Abzweig davon zum Empfänger. Dadurch fließt keiner der hohen Servoströme über den Empfänger. Bei den Querrudern und Störklappen habe ich mich für die Savöx-Servos "SG-1211MG" entschieden, die mit elf Kilogramm an 7,4 Volt kräftig genug bemessen sind, selbst bei sportlicher Flugweise.

Die mitgelieferten Servorahmen waren für meine Servowahl etwas zu knapp bemessen, von daher brauchte ich eine neue Lösung. Es gibt einige Holzrahmen und Ähnliches im Netz für dieses Servo zu finden. Die eignen sich sicherlich sehr gut, um in einem Voll-GFK-Flügel plan auf der Außenhaut verklebt zu werden. Ein solch flacher Rahmen ist für Styroporflügel wie beim "Perkoz" aber alles andere als ideal, da die Verklebung rundum auch zu dem Styroporkern geschehen sollte. Also habe ich kurzerhand einen Servorahmen im CAD gezeichnet und von einem Freund 3D-ausdrucken lassen. Danke an Sebastian an dieser Stelle.

Für Höhen- und Seitenruder verwende ich Savöx-"SV-1260MG". Da auch hier, wie schon am Querruder, nur je ein Servo pro Ruder verwendet wird, nutze ich gerne Servos, die bezüglich der Kraft etwas überdimensioniert sind. Die "SV-1260MG" stemmen 12 Kilogramm, und das sogar mit einer sehr geringen Stellzeit.

Aufgrund der erhöhten Position des Seiten- ruders war eine Anlenkung per Seil kaum zu rea-lisieren. Eine Lösung mit Bowdenzug mag sicher- lich funktionieren, ist aber leider selten spielfrei. Also war mein Plan, beide Servos im Heck zu verbauen. Das Seitenruderservo mit einer innenliegenden Anlenkung unten in der Flosse, das Hö- henruderservo direkt im Leitwerk. Mit den im Heck befindlichen Servos und dem Impellerumbau brauchte ich natürlich Gewicht in der Nase. Also mussten die Empfänger- und Antriebsakkus soweit wie möglich nach vorne. Die DPSI wurde dahinter platziert, gefolgt von Regler und Empfänger. So konnte ich die Menge an Blei in der Rumpfnase auf circa 500 Gramm verringern und erreichte damit den auf Sicherheit ausgerichteten Schwerpunkt von 105 Millimetern.

Wie bereits erwähnt, kann man beim Vorbild auf drei verschiedene Flächenenden zurückgreifen: den abgerundeten Randbogen, das Winglet oder das lange Ohr mit seinem Winglet. Für mich stehen Sportlichkeit und Ästhetik an erster Stelle. Deshalb musste es die kurze Spannweite mit dem kleinen Winglet sein. Das Randbogenprofil und die Konturen im CAD zusammengeführt ergaben ein sehr originalgetreues Winglet. Bei den Profilen und Anstellwinkeln griff ich auf die Empfehlung von Helmut Quabeck aus AUFWIND 6/2004 und 1/2005 zurück. Aufgrund der kleinen Profile und des spitzen Winglets kam Handarbeit hier wieder nicht in Frage. Für ein präzises Endergebnis bot sich wieder der 3D-Druck an. Diesmal half mir Tim weiter. Er hatte schon zahlreiche Versuche mit gedruckten Modellen und Teilen sammeln können. Das Winglet sollte nicht als Urmodell herhalten, es sollte gefüllert, lackiert und am Ende auch geflogen werden. Damit es für den Alltag stabil genug ist, musste es wegen der Krümmung und den Drucklayern dreiteilig gedruckt werden. Die aus Polycarbonat gedruckten Teile wurden danach mittels Sekundenkleber verklebt. Nach dem Füllern mit KFZ-EP-Füller konnten sie wie andere Teile lackiert werden.

Wegen der GFK-Leitwerke mussten nur die Tragflächen gebügelt werden, bevor es an das Anbringen der Beschriftungen und des Design gehen konnte. Wie immer bei meinen Modellen, kam dafür nur die Arbeit von unserem Peter in Frage - vielen Dank für die treuen Dienste.

Noch im Februar der Saison 2019 ging ich mit dem Modell bei herrlichem Wetter zum Erstflug auf den Platz. Aus Sicherheitsgründen entschloss ich mich den Erstflug im Schlepp stattfinden zu lassen. Svens gute alte "Bellanca" zog in gewohnter Manier an, der "Perkoz" spurtete hinterher und hob ab, als wäre es der x-te Flug. Er folgte bis auf Ausklinkhöhe ohne Anzeichen von schlechten Manieren. Oben angekommen und ausgeklinkt, folgte das übliche Kennenlernen von Ruderwirkung, Abfangbogen, Abrissverhalten und Wirkung der Bremse. Mit der gemessenen Einstellwinkeldifferenz von einem Grad und dem auf Sicherheit gewählten Schwerpunkt fiel der Abfangbogen sportlich flach aus. Das Gewicht des Antriebes sorgte zudem für netten Durchzug. Die Wirkung der Ruder zeigte sich allroundertypisch, in allen Lebenslagen ausreichend. Die Bremse bedurfte keinerlei Beimischung von Höhe - alles sehr angenehm.

Ein Segelflug ist aber bekannterweise irgendwann vorbei. Da bot es sich an, im letzten Parallelanflug den Impeller auszufahren und hoch- laufen zu lassen. Der WeMoTec-"Evo" fauchte in üblicher Tonlage und sorgte für ordentlich Vortrieb. Das Kippmoment des Antriebs gleicht sehr gut das Ansteigen bei erhöhter Geschwindigkeit aus. Die 95 Ampere Stromaufnahme im Stand reduzieren sich im Flug auf angenehme 85 Ampere. Mit dem 12s-LiPo 4.500 mAh kann man entweder drei Steigflüge machen, oder gute drei Minuten Spaß haben. Der "Perkoz" machte einen rundum vertrauenswürdigen Eindruck. Somit entschied ich mich gegen die Steigflüge und für die drei Minuten Spaß in Bodennähe. Nach einer kurzen Abkühlphase des Antriebs und des Piloten musste dann aber doch langsam mal die Landung geplant werden. Die Landeanflüge können sehr weiträumig angesetzt werden. Auch hier hilft wohl das Gewicht des Antriebs in der Strecke. Auf Höhe der Platzkante durften die Störklappen ihren Dienst beginnen. Mit geringer werdender Geschwindigkeit konnte der "Perkoz" schön angestellt und sogar mit dem Spornrad zuerst aufgesetzt werden.

Die nächsten Flüge fanden dann komplett eigenständig statt, der Impeller schiebt sehr kräftig an. Ist eine Startbahn vorhanden, vergehen nur wenige Meter bis das Modell den Kontakt zum Boden verliert. Auf einer kurzen Wiese fällt die Startstrecke selbstverständlich etwas länger aus. Sie ist aber immer noch erfreulich kurz ge-nug, um auch auf kleineren Plätzen stressfrei in die Luft zu kommen.

Das ganze Projekt hat etwas mehr Zeit in Anspruch genommen, als ich zu Beginn dachte. Dafür ist der "Perkoz" auch genau der Allrounder, nach dem ich laut Lastenheft gesucht habe. Seine Erscheinung am Platz ist zudem eine willkommene Abwechslung und bringt frischen Wind in das bekannte Allerlei auf den Flugplatz.

Mark Will
Bilder: Mark Will, Claus-Dieter Langer



Fakten

SZD 54-2 "Perkoz" von Delro Modelltechnik
Ein Scalemodell im Maßstab 1:4

Spannweite
ohne Winglets 4.375 mm
mit Winglets 4.535 mm
Länge 2.140 mm
Gewicht 11.500 g
Fläche 95,55 qdm
Flächenbelastung 120,3 g/qdm
Preis: 1.445,- Euro
Bezug bei Delro-Modelltechnik
Tel.: 05732/982053
www.delro.de


Seiten und Höhenleitwerk in leicht erhöhter Position. Deswegen entschied ich mich für direkte Anlenkung beider Leitwerke


Das 3D Puzzle wie es im CAD entstanden ist. Hier sind alle Spanten und Ebenen mit Verzahnung für die Montage komplett


Nein, das wird kein historisches Segelschiff . alle wichtigen Kanten und Konturen können so einfach eingehalten werden


Der Rumpf mit der Styrodur-Füllung der Zwischenräume. Jetzt "nur noch" Balsa und GFK darüber


Eine simple Hilfsform zur Erstellung der Hauben-Trennebene.Hier schon mit dem erfolgreichen Ableger


Die Haube mit Trennebene im bereits abgetrennten Zustand


Die Voll-GFK-Höhen und Seitenleitwerke sind nicht leicht, dafür aber schick und stabil


Eine glasklare Haube und ein vielseitig nutzbarer Haubenrahmen liegen dem Bausatz von Delro bei


Die Radkästen sind eine gute Idee, aber etwas kniffelig zu verkleben


Die einzelnen Evolutionsstufen des Impellerspants - von der Rumpfkontur (R) bis zum fertigen Spant (L)


3D-Druck ist schon was Feines! Hier ein Satz Servorahmen und ein Halter für das DPSI-Bundle


Die Anlenkung des Seitenruders sitzt platzsparend unten in der Flosse


Links das noch dreiteilige Winglet wie es vom Drucker kommt, rechts bereits zusammengeklebt


Bereit zum ersten Eigenstart mit dem Impellertriebwerk


Schon beim Erstflug wurde bodennah herumgeturnt und mit voller Leistung abgeflogen


Die Schambeck-Störklappen verhelfen dem Modell zu kurzen Landungen




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