TEST

Universell Segelfliegen

Die "ASH-26" von Tangent im Test

Als Hangflug-Fan hatte ich eine leichte Auslegung mit Frontantrieb im Visier. Die Startbedingungen am Hang mit teilweise hohem Gras sind da nicht ideal. Ein Start auf dem Fahrwerk oder mit der Flitsche ist oftmals nicht möglich. Die "ASH 26" wird in der Seglerversion mit einem Fluggewicht von acht Kilogramm angegeben. Für ein Modell in der 5-m-Klasse ein sehr guter Wert. Für einen unkomplizierten Handstart sollte das Gewicht mit Frontantrieb und 6s-LiPo 4.500 mAh bei maximal neun Kilogramm liegen. Daher habe ich bewusst auf das Fahrwerk verzichtet. Bis heute habe ich es auch nicht vermisst.

Drei Monate nach der Bestellung konnte ich meine "ASH-26" bei Tangent abholen. Dort gab es von Steffen Wiesner noch zahlreiche Tipps und hilfreiche Infos zum Bau des Modells. Eine Übersicht der Einstellungen für Ruderausschläge und Schwerpunkt liegt dem Modell bei.

Ich erhielt einen festen und leicht laminierten Rumpf mit Kohleverstärkungen an den wichtigsten Stellen und sinnvoll angebrachtem Abreißgewebe an den Bereichen für die Spanten. Auch ein Satz Sperrholzteile für die Aufnahme des Höhenruder-Servos im Leitwerk lag bei. Diese Teile dienen zudem der Versteifung des Leitwerkbereichs, als Abschluss-Spant und zur Lagerung des Seitenruders. Insgesamt eine durchdachte Lösung. Auch ein Spantensatz für die Verstärkung des vorderen Rumpfbereichs und ein massiver Vierkant-CFK-Verbinder mit den Maßen 40 x 20 Millimeter gehörten zum Gesamtpaket. Zudem eine gut passende Sitzwanne mit Cockpitpilz sowie eine glasklare Kabinenhaube.

Die vierteilige Tragfläche und die Leitwerke waren bereits ab Werk mit "Oracover"-Folie bebügelt. Die Oberseite in Weiß, die Unterseite in Dunkelblau. Das hat sich als Kontrast sehr gut bewährt. Andere Farben sind aber auf Wunsch möglich. Auch die Ausfräsungen für die Servos und die Durchbrüche für die Über-Kreuz-Anlenkungen der Sechs-Klappen-Tragfläche waren bereits gemacht. Die Ruder sind als Elastic-Flaps ausgeführt, lassen sich weit ausschlagen und waren bereits ab Werk auffällig leichtgängig. Die sechs Servorahmen waren ebenso Bestandteil des Bausatzes, wie auch Gestänge, Gabelköpfe und Kleinteile in guter Qualität sowie farblich passende Servoabdeckungen. Kennungen zum Aufkleben runden das Modell ab. Allerdings habe ich hier auf einen Dekorsatz von plott & fly zurückgegriffen. Inhaber Michael Stumpf bietet individuelle Dekors zu kleinem Preis an.

Für den Ausbau und die Fertigstellung des Modells benötigte ich noch einige Abende im Bastelkeller. Im Wesentlichen ging es dabei um den Einbau der Flächenservos (6x "X-911" von f3x.de), die Verkabelung, das Einharzen der Ruderhörner und um die Fertigstellung der Anlenkungen. Leider waren die Torsionsbolzen von der Tragfläche zu den Bohrungen im Rumpf nicht perfekt passend. Hier mussten die Löcher am Rumpf größer gebohrt und die Messing-Hülsen neu eingeharzt werden.

Der Spantensatz für das Leitwerk besteht aus gefrästen Sperrholzteilen und ließ sich wie ein 3D-Puzzle einfach zusammenbauen und verkleben. Die ganze Einheit, inklusive dem Höhenruderservo (KST-"MS-589") wurde dann im Seitenleitwerk verklebt. Dieses sollte auf jeden Fall vor dem Einkleben einmal trocken gemacht werden, um dann alles anzupassen und das Gestänge für das Höhenruderservo abzulängen. Beim Seitenruder musste lediglich ein GFK-Ruderhorn eingeharzt, und die Folie im Bereich der Hohlkehlenlagerung entfernt werden. Zur Anlenkung des Seitenruders mit einem Hitec-Servo "D645MW" bevorzuge ich Litzen - das ist leicht und spielfrei.

Da ich auf das Fahrwerk bewusst verzichtet habe, war das Platzangebot im Rumpf ausgesprochen groß. Somit ließen sich die Spanten ohne großen Aufwand einharzen und mit Glasgewebe am Rumpf zusätzlich flächig verbinden. Im vorderen Rumpfbereich habe ich zur Versteifung ein Sperrholzbrett eingeharzt. Darunter liegt der Antriebsakku in einem Schacht, mit Klettband fixiert. Die beiden Empfängerakkus (2x 2s LiIon 2.600 mAh; mit Zepsus-"Dual Battery Magnetic Switch 20 A") habe ich aus Schwerpunktgründen ebenfalls vorne positioniert. Die Schleppkupplung wurde ganz pragmatisch als Schlitzkupplung in der Rumpfseite realisiert. Sie wird über das Seitenruderservo mit einem Bowdenzug angesteuert. Das funktioniert hervorragend und spart ein zusätzliches Servo ein.

Wie viel Cockpit darf es denn sein? Nun, das ist sicherlich Geschmackssache. Da die Haube mit der Wanne fest verklebt wird, sollte man sich auf jeden Fall vorher Gedanken darüber machen. Für kleines Geld fertigt plott & fly nach Vorgabe schöne Cockpit-Panels. Das restliche Zubehör zum Ausbau habe ich bei Gromotec bestellt. Das ließ sich mit wenig Aufwand realisieren und sieht letztendlich doch nach Cockpit aus. Zum Abschluss musste noch die Haube mit der Cockpitwanne verklebt werden. Das Abkleben und Lackieren des Haubenrahmens schloss die Fertigstellung der Haube ab.

Als Antrieb für den Handstart und als Absaufversicherung am Hang sollte ein preisgünstiger und leichter Antrieb verwendet werden. Nach Beratung mit Andy Reisenauer habe ich einen "Leopard 5056" mit 430 kV gewählt. Den gibt es bereits mit einem sogenannten Glider-Adapter, sodass ein passender Scale-Spinner mit 44 Millimetern Durchmesser verwendet werden kann. In Verbindung mit 6S und einem 18 x 8,5 Zoll großen GM-Propeller ergab dies bei gut 60 Ampere eine Leistung von rund 1.400 Watt. Alternativ kann bei gleichem Antrieb auch ein 18 x 10 Zoll großer GM-Propeller eingesetzt werden. Das erhöht den Strombedarf auf etwa 75 Ampere und die Leistung auf circa 1.700 Watt.

Um es vorwegzunehmen: ich bin bei der Luftschraubengröße 18 x 8,5 Zoll geblieben. Damit ist die "ASH-26" ausreichend motorisiert und die bisherigen zahlreichen Handstarts gelangen damit ausgesprochen gut. Selbst in der Ebene und ohne Gegenwind lässt sich die "ASH-26" noch sicher starten. Meine langjährige Erfahrung sagt: 150 Watt Leistung pro Kilogramm Abfluggewicht genügen für einen sicheren Handstart vollkommen - setzt aber etwas Übung beim Starten voraus. Besonders wichtig ist ein passender Prop, der direkt beim Start greift. Zu hohe Steigung und sehr schmale Props sind nicht zu empfehlen! Auch deshalb eignet sich die verwendete Luftschraube sehr gut.

Die Steigleistung beträgt etwa sieben Meter pro Sekunde. Bei einer Motorlaufzeit von knapp 3,5 Minuten reicht das für etwa 1.400 Höhenmeter pro Akkuladung. Mit einem versetzten Mittelteil liegt der Propeller im Segelflug sehr gut am Rumpf an. Obendrein sind die Blätter noch in Rumpffarbe lackiert und fallen nahezu nicht auf - im Flug schon gar nicht.

Ich habe noch nie ein Modell in der 5-Meter-Klasse geflogen, das sich so einfach starten und fliegen lässt. Das liegt sicherlich an dem geringen Abfluggewicht von nur 8,7 Kilogramm, aber auch an der Grundauslegung. Das gesamte Handling ist denkbar einfach. Bemerkenswert sind die Kreisflug- und Thermikeigenschaften der "ASH-26". Es gibt keine Tendenzen zum Abkippen und daher sind auch nur wenige Korrekturen erforderlich. Selbst bei schwachen Bedingungen lässt sich das Modell effizient kreisen und damit einfach Höhe gewinnen. Mehrfach habe ich auch schwache Bärte in geringer Höhe ausgekurbelt. Das ist ein unschätzbarer Vorteil und Garant für lange Flugzeiten. Allerdings wurde der Schwerpunkt der Herstellerangabe nach den ersten Flügen um fast zehn Millimeter zurückversetzt. Der von Tangent vorgegebene Schwerpunkt ist für meinen Geschmack sehr auf der sicheren Seite gewählt. Größere Agilität um alle Achsen und eine geringere Mindestfahrt sind das Ergebnis. Dies hilft beim langsamen und engen Kreisen, sowie bei der Landung enorm.

Die Streckenflug- und Gleiteigenschaften sind ausgesprochen gut. Der Durchzug in dieser leichten Ausführung ist aufgrund der niedrigen Flächenbelastung eher durchschnittlich. Mit bis zu 1,5 Kilogramm Ballast und einem Gewicht von knapp über zehn Kilogramm ist die "ASH-26" deutlich dynamischer. Damit nehmen die Streckenflugleistung und der Durchzug nochmals merklich zu. Die Thermikleistung wird kaum schlechter. Nur die Mindestfahrt und der minimale Kreisradius steigen an. In dieser Konfiguration macht das Fliegen und Abheizen der Höhe allerdings am meisten Spaß. Tragflächen und CFK-Flächenverbinder sind dafür mehr als ausreichend dimensioniert.

Zur Landung habe ich das Butterfly so eingestellt, dass die inneren Wölbklappen maximal circa 60 Grad nach unten ausschlagen. Die inneren Querruder werden zusätzlich etwa 30 Grad nach oben gestellt. Die äußeren Querruder bleiben unverändert. Diese Landestellung erzeugt erstaunlich viel Bremswirkung und ein hohes Sinken, auch für kurze Landeanflüge. Das hätte ich so nicht erwartet! Zumeist muss beim Landeanflug das Butterfly wohl dosiert werden, um noch den Landepunkt zu erreichen.

Kurzum, mit dieser "ASH-26" hat Tangent ein sehr universell einsetzbares Modell in der 5-Meter-Klasse entwickelt, das zu einem moderaten Preis und mit hohem Vorfertigungsgrad angeboten wird. Das Modell eignet sich nicht nur für Einsteiger in diese Modellsegelflugklasse hervorragend. Es bietet mit den verschiedenen Möglichkeiten, als Segler, FES-Start, Klapptriebwerk beziehungsweise Klappimpeller oder Frontantrieb für jeden Piloten auch die gewünschte Auslegung. Die Flugleistungen - vor allem beim Thermikflug - sind mehr als überzeugend und die Festigkeit der Auslegung lässt keine Wünsche offen. Durch die teilbare Tragfläche ist die "ASH-26" sehr kompakt. Der Rumpf ist mit knapp zwei Metern das längste Teil. Das vereinfacht den Transport ungemein.

Obendrein ist das Flugbild noch ausgesprochen schön. Ein Modell für sehr viele Einsatz-zwecke!

Michael Gerst
Bilder: Stefan Hartmann, Michael Gerst
Fakten


"ASH-26" von Tangent
Ein universeller Großsegler

Spannweite 5.000 mm
Länge 1.980 mm
Gewicht 8.700 g
Fläche 97 qdm
Flächenbelastung 89,7 g/qdm
Preis: ab 1.500 Euro
Bezug bei Tangent Modelltechnik
Tel.: 07026/6016579
www.tangent-modelltechnik.com


Die aufgebaute Einheit zum Einkleben in das Seitenleitwerk


Die Propellerblätter sind kaum erkennbar


Die Butterfly-Bremswirkung ist hervorragend


Die "ASH-26" ist mit fünf Meter Spannweite ein handlicher Großsegler


Der Handstart des 8,7 Kilogramm schweren Modells ist problemlos


Dynamisch lässt sich das Modell bewegen, die Festigkeit ist hervorragend, auch mit zusätzlichen 1,5 Kilogramm Ballast



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