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"Pilatus Turbo Porter" von Topmodel

Berühmte Langnase


Hübsch oder hässlich? Die "Pilatus Turbo Porter" fällt durch ihre charakteristische lange Rumpfnase auf.

Einen Elektroschlepper wollte ich haben! Es sollte aber ein nicht alltägliches Modell sein. Bei meinen Recherchen bin ich dann auf der Internetseite von Peter Adolfs (PAF-Flugmodelle) fündig geworden: Hier wird eine "Pilatus Turbo Porter" in drei Größen angeboten, mit 2,07, 2,64 und 3,37 Metern Spannweite. Ich entschied mich für die 2,07 Meter große Version. Das Modell wird für Verbrenner- oder Elektroantrieb angeboten - wobei für die Elektrovariante gilt, einiges in Eigenregie zu schultern. Es handelt sich um ein ARF-Modell, bespannt mit hoch- wertiger Oracover-Folie. Die Flächen sind in herkömmlicher Holz-Rippenbauweise aufgebaut und teilweise beplankt. Ein Flachstahl verbindet die Tragflächen mit dem Rumpf. Dieser ist aufgrund der kompletten Beplankung sehr massiv, vorteilhaft für die Verbrenner-Freunde, aber auch für den F-Schlepp mit Elektroantrieb nicht von Nachteil. Im Umkehrschluss bedeutet das aber auch zusätzliches Gewicht. Besonders gut gefällt mir das abnehmbare Höhenleitwerk, das mit drei Schrauben am Rumpf befestigt wird. Diese Funktionalität habe ich in der Praxis beim Transport im Auto zu schätzen gelernt. Das dem Modell beiliegende Zubehör geht grundsätzlich in Ordnung, wobei ich aber an der einen oder anderen Stelle mein gewohntes und bewährtes Zubehör eingesetzt habe. Insgesamt machte das Ganze auf Anhieb einen guten Eindruck - wenn da nicht eine Kleinigkeit wäre: Die bebilderte Bauanleitung wird nur in französischer Sprache ausgeliefert. Eine Übersetzung - zumindest ins Englische - wäre wünschenswert. Fortgeschrittene Bauerfahrung ist bei diesem Modell also von Vorteil, auch wenn es sich hierbei "nur" um ein ARF-Modell handelt.

Ein wichtiges Zubehörteil für dieses Projekt habe ich bereits in meinem Bericht in AUFWIND 3/2011 vorgestellt: Die Schleppkupplung von Dieter Kalb (KD-Modelltechnik). Mindestens genauso wichtig ist das richtige Antriebskonzept. Ich habe mich auch hier von Dieter Kalb beraten lassen und mich für einen "Axi 4130/20"-Motor, einen 10s-LiPo Kokam 3.200 mAh, einen 16x8"-Propeller und einen "Jeti Spin 75"-Regler entschieden. Dieses Setup liefert eine Eingangsleistung von circa 1.800 Watt und eine Ausgangsleistung von circa 1.500 Watt. Der Wirkungsgrad liegt bei etwa 84 von möglichen 88 Prozent. Der Standschub liegt bei rund 7,6 Kilogramm. Bei einem vorab geschätzten Abfluggewicht von 4,9 Kilogramm ein guter Wert. Der Motorenhersteller empfiehlt für diese Motor-Luftschrauben-Kombination einen 8s-Akku als Maximum. Meine Messergebnisse mit dem Unilog jedoch gaben bisher keinen Grund zur Besorgnis und auch die theoretische Berechnung mit dem PC-Programm Drive Calculator gab grünes Licht.

Wie bereits angedeutet, so war für den Elektroantrieb des "Pilatus Turbo Porter" noch einiges zu tun. Im Rumpf waren bereits Spanten für den Einbau eines Tanks vorbereitet. Diese Spanten wurden mit einer Japansäge erleichtert um dort später das selbstgebaute Akkubrett zu platzieren. Am Motorspant war ein aufgezeichnetes Fadenkreuz, mit dessen Hilfe ich den Antrieb hervorragend ausrichten konnte. Ein Motordom für den Elektroantrieb lag natürlich nicht bei. Bei der Firma Hepf (Österreich) fand ich gut passende 62-mm-Aluständer, die ich direkt an die Heckbefestigung des Motors geschraubt habe. Die letzten fehlenden Millimeter in der Länge habe ich dann mit Kotflügelscheiben aus dem Baumarkt ausgeglichen - mit dieser Variante lassen sich auch später noch bei Bedarf gut Zug und Sturz optimieren. Danach habe ich vier Löcher in den Motorspant gebohrt und von der Innenseite her Einschlagmuttern montiert. Nun konnte ich den Motordom verschrauben und die Motorhaube ausrichten und befestigen. In die Tragflächen baute ich je zwei Servos für Querruder und Landeklappen ein. Zur einfacheren Verbindung mit dem Empfänger benutze ich die original Multiplex-Hochstromstecker. Das Höhenruderservo wurde im hinteren Teil des Rumpfes befestigt. Für die Doppelstromversorgung des Empfängers habe ich ein Akkubrett gebaut und in der Mitte des Modellrumpfes montiert.

Mit Einführung des 2,4-GHz-Systems "M-Link" bin ich zu Multiplex gewechselt. Bekannterweise gibt es bereits eine reichhaltige Auswahl an Sensoren von Multiplex und Drittanbietern auf dem Markt. Diese Technik wollte ich unbedingt in meinem Elektroschlepper-Projekt zum Einsatz kommen lassen um dort weitere Erfahrungswerte sammeln zu können. Folgende Werte und Daten können nun auf meine "RoyalPro 16" übermittelt werden: Empfängerakkuspannung und Verbindungsqualität (beides im Empfänger integriert), der Verbrauchswert Empfängerakku in mAh und der fließende Strom in Ampere. Außerdem die Spannung der Empfängerakkus über den Multiplex-"Safety-Switch 12HV TwinBatt" und über das Unilog von SM-Modellbau die Übermittlung von Verbrauchswerten des Antriebsakkus in mAh, der fließende Strom in Ampere, die Spannung sowie Drehzahl und Höhe. Besonders schätzen gelernt habe ich die Kapazitätsangaben, beziehungsweise Warnmeldung der Verbrauchströme. Für meine Ko-kam-Flugakkus (3.200 mAh) habe ich einen Wert von 2.000 mAh eingestellt. Nach der Meldung verbleibt ausreichend Zeit für die Landung und die Akkus liegen ungefähr immer bei der 70/30 Regel (30 Prozent Restkapazität im Akku). Bei grenzwertigen Strömen gibt es ebenfalls einen Warnton.

Mit den Empfängerakkus bin ich ebenso einen für mich neuen Weg gegangen: Ich nutze das erste Mal "Fair LiFePo4" (quaderförmig) von HaDi-RC. Bis jetzt bin ich mit dieser Lösung sehr zufrieden: Gute Spannungslage unter Last und ein geringes Gewicht sehe ich hier als Vorteil diese Akkutechnik. Zwischen Regler und Antriebsakku wurde noch ein "SafetyPowerSwitch" von Emcotec geschaltet. Dieser Sicher- heitsschalter hat eine Anti-Blitz-Funktion und verhindert das ungewollte Anlaufen des Antriebs. Über den "Tankverschluss"-Schalter mit Magnetgeber wird das System aktiviert, beziehungsweise deaktiviert.

Mit so viel Technik ging es nun zum ersehnten Erstflug. Das Wetter hätte dafür nicht besser sein können: schwacher Wind und zeitweise Sonne, dazu noch gute Laune. Mein Freund Jendrik war bereits vor Ort, im Gepäck zwei Segler für den Schlepp. Für den Aufbau des Schleppers nahm ich mir ausreichend Zeit, während sich Jendrik noch mal an seiner "YAK-54 88" austobte. Nach einer größeren Fo- toaktion und den Funktionskontrollen konnte es dann an den ersten Start gehen.

Nach wenigen Metern hob der "Pilatus Turbo Porter" mit halb gesetzten Klappen und Halbgas ab. Auf ausreichender Sicherheitshöhe habe ich die üblichen Tests und Einstellungen erledigt. Das Modell kann sehr langsam geflogen werden - besonders mit Landeklappenfunktion. Der eingestellte Schwerpunkt von 90 Millimetern hinter der Nasenleiste erwies sich als gut. Nach drei Flügen war das Modell recht gut eingestellt und wir wagten einen ersten F-Schlepp mit dem kleinen "Falcon F3B" von Staufenbiel. Die erste Stufe der Landeklappen wurde ein- gestellt und das Seil behutsam angezogen. Mit Halbgas kam das Gespann ins Rollen und wunschgemäß hob der "Falcon" nach wenigen Metern ab. Mit ein wenig Höhenruder folgte der Schlepper. Bei etwa 300 Metern in der Höhe wurde der Falcon in die Freiheit entlassen und beide Piloten hatten ein breites Grinsen im Gesicht. Nach drei fantastischen Schlepps war die Euphorie so groß, dass wir unbedingt die große "Kirby Kite" von Airworld mit meinem Schlepper als Gespann erleben wollten. Zum Anziehen des Modells am Boden war noch nicht mal Vollgas nötig. Der Segler hob auch hier nach wenigen Metern ab und mit leichtem Zug am Höhenruder ging das Gespann mit meinem Schlepper aufwärts. Ja, diese Kombination ist etwas fürs Auge.

An den Landungen jedoch hatte ich noch zu beißen: Mit dem ersten Satz Reifen wurde meine "Porter" leider immer wieder zum Springbock. Der zwei- ten Landung fiel sogar eine Holzluftschraube zum Opfer. Hier war also Nacharbeit angesagt. Wenige Tage später wurden die neuen Kavan-Reifen mit 125 Millimetern Durchmesser montiert und damit auch die nachfolgenden Landungen immer besser. Lediglich bei Seitenwind ist Vorsicht angesagt. Denn das Modell ist aufgrund des breiten Rumpfes und der oben liegenden Tragflächen dann nicht mehr so einfach zu landen. Aktives Steuern über das Seitenruder ist also bei aufkommenden Seitenwind gefragt und notwendig.

Beim F-Schlepp verhält sich das Modell sehr neutral, die Position der Schleppkupplung an der Hinterkante der Tragfläche ist optimal. Segler mit rund fünf Kilogramm konnte ich bisher ohne Mühe in die Höhe befördern. Die Schleppkupplung funktioniert bis heute tadellos und der massive Rumpf hat auch schon den ein oder anderen härteren Zug am Seil ohne Probleme überstanden. Später habe ich mir noch passende Flächenschutztaschen bei Peter Herzig (www.flaechenschutztaschen.de) bestellt. Er hat die Maße dieser "Pilatus Turbo Porter" nun in sein Angebot übertragen. Über die Suche nach dem Hersteller/Händler PAF findet man die Auswahl.

Mit der "Pilatus Turbo Porter" von PAF-Modellbau habe ich ein außergewöhnliches Modell erhalten, das sich aufgrund der soliden Bauweise und der gutmütigen Flugeigenschaften geradezu für F-Schlepp anbietet. Das von mir eingesetzte Antriebsset bietet zudem ausreichend Kraft um Segler mit bis zu fünf Kilogramm sicher und zügig nach oben zu bringen. Von dem Gesamtpaket bin ich begeistert und ich denke, der F-Schlepp wird eine Lieblingssparte in meiner Modellfliegerei. Mit am schönsten und eindrucksvollsten finde ich aber immer noch die steilen Abstiege mit voll gesetzten Landeklappen

Noch ein Wort zum Gewicht: Es hat sich schlussendlich auf 5,8 Kilogramm eingependelt. Geplant waren etwa 4,9 Kilogramm mit einem 8s-LiPo als Flugakku. Dazu müsste die Empfängerstromversorgung eher einfach gehalten werden. Damit wäre eine Flächenbelastung von deutlich unter 100 g/qdm zustande gekommen. Die 900 Gramm Mehrgewicht resultieren aus dem größeren Flugakku und dem deutlichen Mehr an Technik im Modell. Nachteilige Einflüsse auf das Flugverhalten konnte ich nicht feststellen.

Marcus Kilian


Mit knapp über zwei Metern Spannweite ist es ein imposantes Modell.


Die Bauausführung ist ordentlich und sauber, ebenso das Bügelfinish.


Die Tragflächen sind in traditioneller Holm-Rippen-Bauweise aufgebaut.


Auch Randbögen, Querruder und Designelemente passen perfekt.


Mit dem Axi 4139/20 wurde ein potenter Antrieb ausgewählt, der auch kraftvolle Schlepps ermöglicht.


Ein Beispiel für die durchgängig gute Qualität des Zubehörs: Die Teile für das Haupt- und Spornradfahrwerk.


Die "Pilatus Turbo Porter" ist ein Klassiker auf deutschen Modellflugplätzen.


Bei dieser Größe lässt sich bereits bequem am Modell arbeiten, ohne bäuchlings auf der Wiese herumzuliegen.


Die Flugeigenschaften sind perfekt, das Flugbild weiß zu begeistern.


FAKTEN

Spannweite: 2.070 mm
Länge: 1.570 mm
Gewicht: 5.840 g
Fläche: 52 qdm
Flächenbelastung: 112 g/qdm
Bezug: PAF-Flugmodelle
Telefon: 02235/465499
www.paf-flugmodelle.de



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